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Flottenmanagement: Herr Zurhausen, seit Januar 2020 sind Sie als Head of Fleet & Retail Sales Teil der erweiterten Geschäftsführung der Volvo Car Germany. Mit welchen Plänen sowie Vorstellungen sind Sie an diese Position herangetreten und wie konnten diese trotz der besonderen Herausforderungen des vergangenen Jahres umgesetzt werden? 

Axel Zurhausen: Einen wesentlichen Vorsatz für 2020 konnte ich bedingt durch die COVID-19-Pandemie leider nicht umsetzen: Ich hatte mir fest vorgenommen, möglichst viele Volvo Partner persönlich in ihren Betrieben zu besuchen. Viele dieser Vor-Ort-Termine sind dann in Form von Videokonferenzen erfolgt, doch die können ein persönliches Zusammentreffen nicht immer zu 100 Prozent ersetzen – insbesondere wenn Diskussionen mit sehr anspruchsvollen Themen zu führen sind. Im Verlauf dieses Jahres hoffe ich, dass ich meine Besuche nachholen kann. Grundsätzlich gab es natürlich klare Zielsetzungen, mit denen wir ins Jahr gestartet sind. Wir hatten uns fest vorgenommen, nach sechs Wachstumsjahren in Folge ein siebtes Mal das Vorjahresergebnis zu übertreffen. Um genau zu sein: Wir wollten das Rekordergebnis des Jahres 2019 mit 53.357 Zulassungen „knacken“. Die Corona-Pandemie mit zwei Lockdowns hat das leider unmöglich gemacht, schlussendlich kann ich aber konstatieren, dass wir trotz Zulassungsrückgang unseren Marktanteil und auch die relevanten Segmentanteile ausbauen konnten. Insbesondere durch die starke Leistung unserer Volvo Partner im zweiten Halbjahr konnten viele Verluste der ersten Monate des Jahres nahezu kompensiert werden. In Summe zeigt das, dass unsere Fahrzeuge und Services dem Kundenbedarf und den vielfältigsten Wünschen entsprechen – auch unter erschwerten Bedingungen. Ganz besonders hervorheben möchte ich unsere Erfolge mit den Plug-in-Hybriden: Ein Drittel aller Zulassungen entfiel auf PHEV-Modelle. Damit haben wir unser eigenes Ziel übertroffen und maßgeblich dazu beigetragen, dass Volvo Cars die Emissionsgrenzen für den Flottenverbrauch deutlich unterschritten hat und keine Strafzahlungen leisten muss. Im Gegenteil: Unsere Credits konnten sogar an Wettbewerber verkauft werden, was Volvo Geld für weitere umweltfreundliche Entwicklungen in die Kasse brachte.

Flottenmanagement: Wie in vielen anderen Bereichen kam es wegen der COVID-19-Pandemie auch in der Automobilbranche zu Beeinträchtigungen und Shutdowns. Welchen Einfluss hatte dies auf Ihr Geschäft und mit welchen Strategien sowie Maßnahmen haben Sie darauf reagiert? 

Axel Zurhausen: Besonders schmerzlich waren die Produktionsausfälle im Frühjahr. Durch den zeitweiligen Stillstand der weltweiten Produktion mussten wir einige Kunden enttäuschen und konnten zugesagte Liefertermine nicht einhalten. Glücklicherweise zeigten nahezu alle Kunden Verständnis und hielten ihre Bestellungen aufrecht. Dies ist umso bemerkenswerter, da es aufgrund der zeitlichen Verschiebung der Fahrzeugauslieferungen zu einem Modelljahreswechsel kam. Wie bekannt, sind seit dem Modelljahr 2021, also mit Produktion ab Juni letzten Jahres, alle Volvo-Modelle auf 180 km/h Höchstgeschwindigkeit abgesichert. Viele Kunden bekamen also Fahrzeuge, die diese Absicherung hatten, obwohl bei der ursprünglichen Bestellung die technischen Daten noch Geschwindigkeiten von über 200 km/h aufführten. Dass dies akzeptiert wurde, zeigt uns, dass der Großteil der Volvo-Kunden auch bei diesem Aspekt unsere Strategie mitträgt. Wer sich für einen Volvo entscheidet, für den haben Sicherheit und Nachhaltigkeit höchste Priorität, das wird hier deutlich. Des Weiteren hat uns in diesem Jahr der permanente und konstruktive Dialog mit unseren Vertragspartnern durch die schwierige Zeit getragen. In regelmäßigen und in kurzen Abständen durchgeführten Telefonkonferenzen mit dem Händlerverband sind verschiedene Maßnahmen entwickelt und verabschiedet worden. Zudem haben wir alle Vertragspartner in digitalen Händler-Meetings mehrfach zum aktuellen Stand des Geschäfts informiert, haben anschließend Rede und Antwort gestanden. Niemand wurde mit seinen Problemen allein gelassen. Insbesondere hat jedoch das schnelle Umschalten auf digitale Vertriebsprozesse im Handel und auch bei uns in der Zentrale dazu beigetragen, dass das Geschäft auch im ersten Lockdown weiterlief. Mit unserem Safe-Leasing- Angebot haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit wenigen Klicks konnten vorkonfigurierte Volvo-Modelle zu attraktiven Konditionen erworben werden – Stichwort click & collect.

Flottenmanagement: Angefangen beim Kompakt-SUV Volvo XC40 über die Mittelklasse- Limousine S60 bis hin zum Premium-Kombi V90 können Fuhrparkleiter aus einem breiten Modellportfolio das passende Angebot wählen. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Nachfrage im Großkundenbereich nach bestimmten Segmenten verändert? Welche Modelle sind Ihre Topseller im Gewerbekundenbereich? 

Axel Zurhausen: Schon seit einigen Jahren zeigt sich, dass auch im Flottengeschäft eine Bewegung vom Kombi zum SUV stattfindet. Dieser Trend zeigt sich auch ganz deutlich bei Volvo, unsere SUV-Modelle erfreuen sich großer Beliebtheit. Es ist deshalb keine Überraschung, dass unser Topseller auch im gewerblichen Geschäft der Volvo XC60 ist – mit 30 Prozent der circa 29.000 gewerblichen Volvo-Verkäufe. An Position zwei folgt der Volvo V60 mit 23 Prozent, dahinter folgt der Volvo XC40 mit 22 Prozent. 

Flottenmanagement: Mit dem C30 Electric hat Volvo schon vor Jahren erste Erfahrungen mit einem vollelektrischen Fahrzeug sammeln können. Welche Bedeutung kommt der Elektromobilität heute bei Volvo zu? Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation auch hinsichtlich der Kundennachfrage bei dieser Technologie ein?

Axel Zurhausen: Das ist korrekt, schon vor zehn Jahren hatten wir mit dem Volvo C30 Electric im Rahmen eines Pilotprojekts mit 250 Fahrzeugen ein vollelektrisches Modell für mehrere Jahre im Einsatz. Das waren die Vorboten der Elektrifizierung unserer Marke. Parallel dazu haben wir mit dem Volvo V60 D6 Twin Engine den weltweit ersten Diesel-Plug-in-Hybrid in Serie eingeführt. Heute steht die Elektrifizierung unserer Fahrzeuge im Zentrum der Unternehmensstrategie. Unser Ziel ist, dass weltweit im Jahr 2025 die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge auf vollelektrisch angetriebene Modelle entfällt, der Rest auf Plug-in-Hybride. Deren Erfolg hatte ich Ihnen am Beispiel der Verkaufszahlen des Jahres 2020 bereits aufgezeigt. Bei den Fahrzeugen mit Twin-Engine-Konzept, also mit Verbrenner und Elektromotor, sind wir derzeit die führende Premium-Marke. Wichtig ist, dass trotz der Elektrifizierung der kompletten Modellpalette alle Fahrzeuge weiterhin uneingeschränkten Nutzwert und volle Alltagstauglichkeit bieten. Denn nur so gewinnt man Akzeptanz für die Elektromobilität. Dass wir uns hier in die richtige Richtung bewegen, zeigt die steigende Kundennachfrage.

Flottenmanagement: Bleiben wir beim Thema Elektromobilität: Am 1. Oktober 2020 ist der erste vollelektrische Volvo XC40 Recharge vom Band im belgischen Gent gelaufen. Welche Zielgruppen möchten Sie mit dem kompakten Elektro-SUV ansprechen? Was hält der XC40 Recharge Pure Electric für den Dienstwagennutzer bereit? 

Axel Zurhausen: Als vollelektrische Version unserer kompakten SUV-Baureihe basiert der Volvo XC40 Recharge P8 AWD auf der kompakten Modular-Architektur CMA, die von Beginn an für alle Antriebskonzepte entwickelt wurde. Das Fahrzeug verfügt über Allradantrieb, produziert eine Leistung von 300 kW/408 PS und ermöglicht eine Reichweite von über 400 Kilometern (WLTP). An einer Schnellladestation kann die Batterie in 40 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden. Das heißt, den Volvo XC40 Recharge P8 zeichnet eine nahezu uneingeschränkte Alltagstauglichkeit aus. Hinzu kommt für den gewerblichen Kunden die reduzierte Dienstwagenbesteuerung (geldwerter Vorteil) sowie die weiteren Fördermaßnahmen. In Summe ist das per se schon ein starkes Paket. Wir spüren aber auch, dass bei den privaten und gewerblichen Kunden grundsätzlich das Bewusstsein für eine nachhaltige Mobilität, und somit der Umweltschutz, eine immer größere Rolle bei der Entscheidung spielen. Entsprechend entwickelt sich die Nachfrage. 

Flottenmanagement: Bereits mehr als ein halbes Jahrhundert ist die Unfallforschung in der Volvo-DNA verankert und hat damit den Begriff Sicherheit unwiderruflich zum Synonym der Marke gemacht. Welche Technologien sind Ihrer Meinung nach essenziell, um das Ziel von null Menschen, die in einem neuen Volvo ums Leben kommen oder schwer verletzt werden, zu erreichen?

Axel Zurhausen: In jedem Volvo finden Sie eine Vielzahl von aktiven und passiven Sicherheitsfeatures – die meisten davon serienmäßig. Wir waren die Ersten, die vor 60 Jahren den Dreipunkt- Sicherheitsgurt verbaut haben und diese Entwicklung allen anderen Herstellern auch zur Verfügung gestellt haben. Der Sicherheitsgurt hat über die Jahrzehnte eine Million Menschenleben gerettet und ist ein Standard in allen Automobilen. Viele weitere „World First“- Sicherheitsfeatures folgten. Unser jüngster Vorstoß in Sachen Sicherheit ist die Absicherung aller Volvo-Modelle seit dem Modelljahr 2021 auf 180 km/h Höchstgeschwindigkeit. Denn selbst die hochfesten Karosserien und die fortschrittlichsten Sicherheitssysteme reichen bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr aus, um bei einem Unfall schwere Verletzungen und Todesfälle zu vermeiden. Zudem liefert die niedrigere Höchstgeschwindigkeit auch einen Beitrag zum Umweltschutz, da der Kraftstoffverbrauch dieser Fahrzeuge spürbar niedriger ist. 

Flottenmanagement: Über Monate wurde die auf 180 km/h abgesicherte Höchstgeschwindigkeit für alle neuen, seit Juni 2020 produzierten Volvo-Modelle in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Welches Fazit können Sie diesbezüglich nach dem ersten halben Jahr ziehen?

Axel Zurhausen: Zunächst einmal: Die Absicherung auf 180 km/h ist ein starkes Statement unserer Marke, deren Identität und Image wir damit weiter stärken. Und wir heben uns damit aus dem Wettbewerb positiv ab. Wer an Volvo denkt, soll auch an Sicherheit denken. Mit diesem Schritt der Absicherung geht es aber nicht nur darum, die Geschwindigkeit zu reduzieren und die Sicherheit zu erhöhen. Vielmehr wollen wir damit auch zur Diskussion anregen, ob die Automobilindustrie nicht generell mehr Verantwortung wahrnehmen muss. Überhöhte Geschwindigkeit, Ablenkung und Drogenmissbrauch am Steuer sind die drei häufigsten Ursachen für Unfälle. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Unterstützung zu leisten, um das Unfallrisiko weiter zu minimieren. Das ist keine Bevormundung, sondern eine Sicherheitsmaßnahme, die keinem Fahrer den Spaß an der automobilen Fortbewegung nimmt. Und seien wir doch mal ehrlich: 180 km/h oder schneller ist letztendlich doch eine ausschließlich für deutsche Autobahnen relevante, zumal sehr emotionale Frage. Rational sieht es in der Realität doch ganz anders aus. Wer fährt dauerhaft 180 km/h oder schneller beziehungsweise wo ist es überhaupt noch möglich, angesichts der Verkehrsdichte und der vielen Geschwindigkeitsregelungen so schnell zu fahren? Die wenigsten Autofahrer bewegen sich in diesen Sphären. Dass unsere Kunden die Absicherung akzeptieren, sehen wir tagtäglich bei den Verkäufen, negative Effekte sind kaum spürbar und eher selten. Natürlich bedurfte und bedarf es umfangreicher Überzeugungsarbeit, doch das Verständnis ist vorhanden.

Flottenmanagement: Ein erfolgreiches Flottengeschäft ist heute nicht allein von der Modellpalette abhängig. Es gehören ebenso Aufbau und Pflege von Beziehungen zu Flottenkunden dazu wie ein ausgetüfteltes Rahmenprogramm in den Bereichen Full-Service-Leasing, Garantiebedingungen und Finanzdienstleistungen. Was bietet die Volvo Car Germany hier von Haus aus im Einzelnen an? 

Axel Zurhausen: Wir stellen für jeden Kundentyp ein echtes Full-Service-Angebot zur Verfügung, das sämtliche Produktmerkmale beinhaltet, die während eines Lebenszyklus benötigt werden. Diese Leistung ist optional und umfasst neben einer fixen Finanzrate auch die festen Module Wartung und Verschleiß. Darauf bauen weitere Module auf, die sämtliche Kosten eines Neufahrzeugs während seiner Nutzungsdauer abdecken können. Damit haben wir ein vollständiges Leistungsangebot für alle Bedürfnisse, die moderne Flotten an die Herstellerbank richten. Aufgrund der individuellen Produktbausteine ist unser Schwedenleasing für jeden Fuhrparkkunden hochattraktiv, der Full-Service-Lösungen im Leasingangebot präferiert. Insbesondere die modularen Gestaltungsmöglichkeiten werden von Flottenkunden geschätzt. Denn auch für kleinere Unternehmen bietet das Kostentransparenz und Kostenoptimierung.

Flottenmanagement: Gerade in den letzten Monaten – auch beeinflusst durch die COVID-19-Pandemie – wird bei Unternehmen sowie Dienstwagennutzern der Ruf nach mehr Flexibilität, aber auch nach digitalen Angeboten immer lauter. Was bietet Volvo in diesen Bereichen und wohin geht der Weg aus Ihrer Sicht in Zukunft? 

Axel Zurhausen: Flexible Leasing- und Serviceangebote bieten wir schon seit Jahren und nicht erst seit Beginn der COVID-19-Pandemie. Darüber hinaus haben wir – ebenfalls nicht erst seit dem vergangenen Jahr – viele vormals analoge Prozesse digitalisiert und dadurch die Interaktion mit unseren Kunden und Volvo Partnern erheblich beschleunigt und vereinfacht. Zudem etabliert sich das Auto-Abo „Care by Volvo“ mehr und mehr als Alternative zum klassischen Leasing. Im vergangenen Jahr wurde die Anzahl der abgeschlossenen Verträge um 22 Prozent gesteigert. Die Auto- Abos machen über 6 Prozent aller Zulassungen auf dem deutschen Markt aus. Interessant dabei: Die meisten Kunden von „Care by Volvo“ fahren erstmals überhaupt ein Fahrzeug unserer Marke. Ohne das Auto-Abo hätten wir sie wahrscheinlich nicht erreicht. Die Flexibilität und der Komfort, die einfache Abwicklung, die Services sowie die fixe Monatsrate sind in Summe so interessant, dass sie sich für dieses Angebot entscheiden.