PDF DOWNLOAD

Auch wenn die Corona-Krise 2020 voll durchgeschlagen hat – die Produkte des Volkswagen Konzerns sind nicht von den Spitzenpositionen zu vertreiben. Zwanzig Prozent Einbruch im Gesamtmarkt, mehr als zwölf Prozent Einbruch im Flottenmarkt – ähnliche Marktwirren gab es zuletzt in der Wirtschaftskrise 2008/2009. Während damals die Abwrackprämie für ein Aufleben des Marktes gesorgt hat, dürften diesmal zwei andere Faktoren eine Rolle spielen: Erstens werden Umsteiger auf Elektromobilität mit bis zu 9.000 Euro Förderung bedacht und zweitens dürfte die Kauflaune wieder steigen, wenn die Menschen Corona endlich hinter sich lassen können – die Sehnsucht nach Normalität scheint groß. 

Nach wie vor an der Spitze der echten gewerblichen Zulassungen stehen die deutschen Hersteller, allen voran die Marke Volkswagen. Mercedes belegt wie im Vorjahr den zweiten Rang, dürfte sich dennoch mehr über diese Platzierung freuen als 2019. Denn im Gegensatz zu allen anderen Heimatmarken verbuchen die Stuttgarter in den gewerblichen Zulassungen kein Minus, sondern ein moderates Plus: Mit 100.732 Flottenverkäufen konnten sie 1,4 Prozent (in Stück 1.370) mehr Fahrzeuge absetzen als im Vorjahr.

Deutsche Herstelle
Ansonsten sitzen sämtliche Hersteller im Corona- Jahr im selben Boot und müssen Verluste verkraften. Dennoch sind die Zahlen ein Lichtblick in der raumgreifenden Krise, aus der nur wenige Branchen als Gewinner hervorgehen. Im Vergleich zum Privatmarkt nämlich kommt der gewerbliche Markt noch mit einem blauen Auge davon. Bei all den pandemiebedingt schlechten Nachrichten schlagen sich die heimischen Marken ganz gut in der Krise und müssen im Vergleich zu manchem Importeur nur mit moderatem Rückgang im Flottengeschäft kämpfen.

Importmarken 
Dennoch halten sich die VDIK-Importeure in Summe solide und konnten den Schaden mit 248.717 abgesetzten Autos im Flottenmarkt – 12,2 Prozent Rückgang gegenüber 2019 – begrenzen. Allerdings ging Corona deutlich unterschiedlich aus für Importhersteller. Renault und Škoda konnten in den echten gewerblichen Zahlen sogar zulegen. So verkauften die Franzosen im Jahr 2020 ganze 537 Autos mehr an Geschäftskunden (plus 1,5 Prozent) und kamen auf insgesamt 35.498 Stück, während die im Flottenmarkt traditionell starken Tschechen letztes Jahr insgesamt 70.818 Autos an Gewerbekunden verkauften und damit immerhin ein Plus von 0,8 Prozent (596 Autos) verzeichnen konnten. Eine große Ausnahme unter den Importeuren (wenn auch Direktvertrieb) bildet Tesla und legt 2020 gar um 39,6 Prozent auf 5.397 Autos zu. Somit konnten die US-Amerikaner, die ausschließlich vollelektrische Autos im Programm führen, hierzulande 1.530 Autos mehr an Firmenkunden verkaufen als 2019. Dafür gibt es mehrere Gründe: Denn erstens ist der Autogigant besser als andere Hersteller geschützt im Lockdown, da der Vertrieb über das Internet erfolgt, und zweitens ist das günstigere Model 3 jetzt verstärkt ausgeliefert worden, für das es einen größeren Kundenkreis gibt als für die teureren Model S und X. Darüber hinaus nimmt das Geschäft mit den Elektroautos gerade Tempo auf wegen der Förderung bei der Anschaffung und der Vergünstigung beim pauschal zu versteuernden privaten Fahranteil. In der Tesla-Preisklasse muss der Kunde immerhin nur noch ein halbes statt einem Prozent vom Bruttolistenpreis versteuern, was sich im Portemonnaie mit dreistelligen Beträgen satt auswirkt. 

Doch auch weitere konventionelle VDIK-Importmarken konnten sich angesichts der Ausnahmeverhältnisse wacker durch das Jahr 2020 schlagen. Man musste als Autohersteller ja schon froh sein, nur einstellige Minuswerte zu verbuchen. So haben Volvo, Citroën, Toyota und Nissan recht gut performt. Volvo verlor gegenüber 2019 lediglich zwei Prozent in den gewerblichen Zulassungen und konnte immer noch 20.687 Gewerbekunden im Premium-Segment gewinnen – macht in ganzen Zahlen ein Minus von 412 Autos. Citroën behauptet sich mit 7,6 Prozent minus recht ordentlich, verkauft in der Flotte 8.241 Autos, also 680 weniger als im Vorjahr. Dafür dürfen die Franzosen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken mit der Einführung des wichtigen C5 Aircross als elektrifizierte Version. Auch die als zuverlässig geltenden Toyota-Produkte verkauften sich 2020 mit 16.936 Exemplaren fast so gut wie 2019 (18.406 Autos) – die Japaner mussten „nur“ acht Prozent Federn lassen. Aber auch hier ist Licht am Ende des Tunnels dank frischer Modelle wie Yaris und Highlander, deren Verkauf dieses Jahr in Schwung kommen dürfte. Auch dass Nissan 2020 mit einem Minus von 8,2 Prozent in der Flotte abgeschlossen hat, scheint ein Zeichen dafür, dass der Hersteller gut aufgestellt ist in der Corona-Zeit. Dem japanischen Konzern gelang es, in Summe 3.491 Autos (minus 312 Stück) zu verkaufen und er könnte vor allem nächstes Jahr auf der Gewinner-Seite stehen, wenn die brandneuen Modelle Qashqai und Ariya anlaufen.

Konzernranking 
Weiterhin an der Spitze im deutschen Flottenmarkt selbst im Corona-Jahr bleibt der Volkswagen Konzern. Noch immer entfallen knapp 42 Prozent der im gewerblichen Bereich verkauften Autos auf die Marken Volkswagen, Audi, Porsche, Škoda und Seat. Mit insgesamt 343.928 verkauften Einheiten wurde das Ergebnis aus 2019 (404.154) pandemiebedingt zwar deutlich verfehlt, erreichte aber trotz aller Widrigkeiten, und das ist wirklich beachtlich, fast das Ergebnis des Jahres 2018 (349.938). 

Auf dem zweiten und dritten Platz kam es auch 2020 wieder zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen – Mercedes und smart brachten es gemeinsam auf 106.894 Exemplare, während die BMW Group (zusammen mit Mini) immerhin noch 99.134 Autos absetzen konnte und die 100.000er-Schwelle 2020 knapp verfehlte.

Naturgemäß weiterhin stark sind die Marken des erst kürzlich auf den Namen Stellantis getauften Mega-Konzerns, also Alfa Romeo, Citroën, DS Automobiles, Fiat, Jeep, Maserati, Opel und Peugeot. Der Konzern verkaufte kumuliert 78.622 Fahrzeuge und setzt sich deutlich von Ford ab (62.773 verkaufte Autos) – somit entfällt der vierte Platz auf Stellantis und der fünfte auf Ford. Den sechsten Rang belegt die Allianz aus den Importmarken Alpine, Dacia, Mitsubishi, Nissan sowie Renault mit 47.145 gewerblichen Verkäufen.

Topseller 
Auch 2020 machten die 30 verkaufsstärksten Modelle in der Flotte über 54,5 Prozent der echten gewerblichen Zulassungen aus – wie ein Jahr zuvor ebenfalls. Allerdings verzeichnet das Ranking diesmal drei Neueinsteiger – 2019 nur einen einzigen. Bemerkenswert dabei ist, dass es abgesehen vom Ford Transit und der ebenfalls bereits länger verfügbaren Mercedes A-Klasse erstmals ein reines Elektroauto in die Top 30 geschafft hat. Das ist ein Achtungserfolg nicht nur für Renault, sondern Pars pro Toto für die gesamte Elektromobilität.

Ein kleines, erdrutschartiges Ereignis vollzog sich ganz am Anfang der Tabelle: 2020 ist nicht der Volkswagen Golf Erstplatzierter in der Flotte, sondern der Passat – zuletzt 2015 der Fall. Mit dem nicht unerheblichen Unterschied allerdings, dass von der Mittelklasse damals gerade einmal 1.352 Exemplare mehr verkauft wurden – jetzt beträgt die Differenz zwischen den beiden Rivalen rund fünfeinhalbtausend Fahrzeuge. Genau wie letztes Jahr allerdings auch befinden sich im Ranking 16 Modelle und damit mehr als die Hälfte aus dem Volkswagen Konzern, der hiermit noch einmal seine Position unterstreicht.

Durchaus bemerkenswert ist der Aufstieg des Opel Corsa – im letzten Jahr noch Neueinsteiger, hat er sich im Laufe eines Jahres vom Platz 22 auf den ansehnlichen Platz 11 hochgearbeitet. Auch dem Mercedes GLC gelang ein Achtungserfolg vom letztjährigen Platz 18 nun auf Platz 10. Interessant ist, dass SUV entgegen ihrem Ruf in der Flotte deutlich weniger geschätzt werden, als man womöglich gedacht hätte. So tummeln sich unter den 30 bestverkauften Modellen gerade mal fünf SUV – deutlich mehr gefragt sind mit 21 Positionen konventionelle Personenwagen als Kombi oder Limousine. 

Auch zeichnet sich klar ab, dass Kompakt- und Mittelklasse bei den hiesigen Modellen jedenfalls die beliebtesten Segmente in der Flotte sind mit 20 Positionen. Das restliche Drittel ist geprägt von Kleinstwagen sowie der gehobenen Mittelklasse.

Topseller der Importeure 
Während die Top 5 der importierten Topseller im letzten Jahr komplett in der Hand des Volkswagen Konzerns lag, mischt der viertplatzierte Renault ZOE diese Entwicklung jetzt auf – und das auch noch als batterieelektrisches Fahrzeug. Ähnlich wie im letzten Jahr sind SUV-Modelle im Ranking der Importeure nahezu doppelt so beliebt wie beim Ranking der heimischen Modelle – unter den 30 importierten Fahrzeugen tummeln sich elf höhergelegte Vehikel.

Dafür sind kompakte Autos sowie Mittelklassen bei den Importeuren weniger beliebt – mit 16 statt 20 Positionen. Importauto-Käufer scheinen einen Hang zur Kleinwagen-Klasse zu haben, die hier neun- statt viermal vertreten ist. 

Auch wenn der Flottenmarkt für die Importmarken insgesamt eine geringere Rolle spielt, gibt es auch hier Modelle, die bei Firmenkunden beliebter sind. Neben den Offerten aus dem Volkswagen Konzern trifft das auf die Premiummarke Volvo zu: So verkauften sich 2020 die Baureihen V60/S60 sowie XC90 im gewerblichen Markt besser als privat. Oftmals scheitern die Verkäufe aber nicht am Willen der Fahrzeughalter, sondern an den Car-Policys der Firmen. Und die sind bekanntermaßen nicht so leicht zu ändern.