PDF DOWNLOAD

Menschen wollen mobil sein. Das ist eine Erkenntnis der Corona-Pandemie, in der es darum geht, die Mobilität der Menschen (die sie ja überwiegend nutzen, um Kontakte zu unterhalten) zu reduzieren, um damit das Infektionsgeschehen besser kontrollieren zu können beziehungsweise es einzudämmen. Wie selbstverständlich Mobilität für uns ist, zeigte sich im vergangenen Frühjahr, als die Mobilität quasi zum Stillstand kam: Alternativen zu persönlichen Treffen erwiesen sich oftmals als praktikabel, aber in einigen Fällen nur als Kompromiss. Viele Unternehmen können zwar in Teilbereichen, aber nicht vollständig auf Mobilität verzichten. Deshalb hat das Firmenfahrzeug immer noch eine Daseinsberechtigung, wenn auch schon längst vor Corona der Wandel zu flexiblerer Mobilität jenseits eines für mehrere Jahre fest zugeordneten Fahrzeugs begonnen hat. 

Seit geraumer Zeit schon gehört das Leasing zu den beliebtesten Finanzierungsformen für die Unternehmensflotte. Vor rund 60 Jahren aus den USA adaptiert überzeugt es sukzessive mehr Firmen vor allem kleiner und mittelständischer Größe, die Investitionen nach dem „Nutzen statt Eigentum-Prinzip“ zu tätigen und das Eigenkapital zu schonen. Wobei der letztgenannte Punkt in der Studie „Leasing in Deutschland 2020“ des Marktforschungsinstituts Kantar im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen e. V. (BDL) nur noch als drittes Argument für Leasing genannt wird. An erster Stelle steht die Möglichkeit der Rückgabe zum Vertragsende. Als zweitwichtigsten Grund für Leasing nennen die Befragten übrigens die klare Kalkulierbarkeit der Kosten.

Dies ist sicherlich auch eine Folge der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheit, wie auch Henning Schick, Director Sales bei der ARI Fleet Germany GmbH, in den Kundengesprächen immer wieder heraushört: „Wir befinden uns momentan in Lockdown Nr. 2 und niemand weiß genau, wie lange dieser anhalten wird. So rücken die Themen Eigenkapital und liquiditätsschaffende Maßnahmen wieder vermehrt in den Vordergrund. Zusätzlich beobachten wir auch Gespräche über neue Abgasnormen, Innovationen der Hersteller und Lieferanten und das Thema Data Analytics. Unsere zukünftige Produktentwicklung wird sich stark an diesen Veränderungen orientieren, um auch zukünftig für unsere Kunden das Meiste aus ihrem Flotteninvestment herauszuholen.“

Dass der Trend noch stärker in Richtung Leasing und dabei auch Full-Service- Leasing geht, bestätigen die von uns befragten Leasinggesellschaften durch die Bank. Als Dienstleister sind sie nicht nur Vollsortimenter, sondern auch Experten für den immer komplexer werdenden Bereich des Fuhrparkmanagements mit sämtlichen Dienstleistungen für die Flotte im Angebot. Der Markt konsolidiert sich, nicht zuletzt durch den Zusammenschluss von Automobilkonzernen wie jüngst FCA und PSA zu Stellantis oder die Übernahme von Marken. Auch verschiebt sich durch die Übernahme von Leasinggesellschaften das Kräfteverhältnis im Markt. Für welchen Fuhrpark die herstellerunabhängige oder doch die herstellerabhängige Leasinggesellschaft Vorteile bietet, ob Single Sourcing einer Marke oder Multisourcing sich anbieten, ist eine kniffelige, höchstindividuelle Entscheidung, die genaue Kenntnis sämtlicher Kennzahlen im Fuhrpark erfordert. Und sie ist nicht eine einmal getroffene Entscheidung, sondern muss regelmäßig überprüft werden.

Vor allem in Krisenzeiten erweist sich ein gutes, klares und vertrauensvolles Verhältnis zum Kunden als wichtige Unterstützung, wenn der Partner sensibel und zeitnah auf akute Bedürfnisse reagieren kann, und solch ein gutes Verhältnis ist oftmals über lange Zeit gewachsen. Frank Hägele, Deutsche Leasing AG, Mitglied der Geschäftsleitung Geschäftsfeld Mobility, beschreibt das entscheidende Kümmern so: „Besonders wichtig war und ist in der aktuellen Situation der Kontakt zum Kunden. So gab es zum Beispiel bedingt durch Produktionsstopps seitens der Hersteller Lieferengpässe bei bereits bestellten Fahrzeugen. Hier haben wir unseren Kunden mit verschiedenen Maßnahmen geholfen, die Mobilität ihrer Fahrer weiterhin zu gewährleisten. Wir haben auch frühzeitig über etwaige Vertragsanpassungen gesprochen. Zudem hat die Nachfrage nach digitalisierten Services zugenommen. So stellen wir zum Beispiel bei den Halterhaftungsthemen einen komplett digitalisierten Prozess zur Verfügung, um bei diesem wichtigen Haftungsthema auch ohne persönlichen Kontakt den Anforderungen des Gesetzgebers gerecht zu werden.“ Aber auch die gute Bindung des Automobilherstellers zu seinen Niederlassungen zahlt sich aus, wie Christian Dietsch, Vertriebsdirektor Firmenkunden und Flotten der Renault Bank, darlegt: „Unser enger Kontakt zu unseren Renault Händlern und Kunden war entscheidend, um auf die Kundenbedürfnisse in der Corona-Krise einzugehen und gemeinsam die Herausforderungen in dieser schwierigen Zeit zu bewältigen. Unsere Kunden haben die schnelle, individuelle und unbürokratische Bearbeitung ihrer Anliegen durch die Renault Bank besonders positiv aufgenommen.“

Die Nutzer verlangen immer häufiger nach größerer Flexibilität, insbesondere mit Blick auf die Laufzeit. Langfristige Auswirkungen auf Laufleistungen hatte sicherlich die Zeit des ersten Lockdowns im März 2020, in der durch eingeschränkte Mobilität weniger Kilometer gefahren wurden beziehungsweise sich Alternativen zu Dienstreisen etabliert haben, die zukünftig weniger Reisebedarf mit sich bringen. Dass bedingt durch sich plötzlich ändernde Voraussetzungen Vertragsanpassungen existenziell in einigen Branchen wurden, kann man sich vorstellen. Die ALD AutoLeasing D GmbH reagierte unkompliziert und unbürokratisch, teils mit stillschweigenden als auch mit ordentlichen Verlängerungen, aber stets individuell. Für Kunden mit Bezug zur Gastronomie und Hotellerie konnten beispielsweise strukturiert die Fuhrparkkosten durch Vertragsverlängerungen und operative Änderungen gesenkt werden. Flexibilität bedeutet aber auch in einigen Fuhrparkbereichen die Abkehr vom klassischen Leasing wie Anna- Maria Geist, Fleet & Business Sales, Sales Operations & Marketing Specialist FCA Germany AG, beobachtet: „Die Laufzeiten und Laufleis-tungen der Fahrzeuge werden kürzer, der bisher starke Trend zum Leasing bekommt zunehmend Konkurrenz von den flexibleren Abo-Angeboten. Beim Leasing greifen die Kunden im Interesse planbarer Kostenstrukturen immer stärker zu Full-Service- Angeboten. Aus dem gleichen Grund planbarer Kostenstrukturen beobachten wir teilweise eine Verlagerung der Betreuung größerer Fuhrparks an Dienstleister.“

Neben den operativen Möglichkeiten geht es häufig auch um die praktische Umsetzung kontaktloser Services, wie Wilhelm Buchmüller, Leiter Flottenverkauf und Marketing Ford-Werke GmbH, zusammenfasst: „Ganz wichtig war, dass wir schnell auf die neuen Herausforderungen reagiert haben. So haben wir beispielsweise Corona-konforme Service-Termine und FahrzeugÜbergaben eingeführt – bewährt hat sich dabei insbesondere die Kombination mit dem neuen, kostenlosen Ford Video-Check, bei dem man ein Video mit Erläuterungen zur Fahrzeuguntersuchung erhält. Außerdem haben wir die kontaktlose 24-Stunden-Serviceannahme eingeführt. Diese und andere Maßnahmen sind bei unseren Kunden sehr gut angekommen.“ Die Digitalisierung hat auf allen Seiten zugenommen, beschleunigt durch die Notwendigkeit, andere Wege als die gewohnten zu gehen in der kontaktbeschränkten Zeit. Christian Donnerstag, Leiter Vertrieb Großkunden und Behörden, Volvo Car Germany GmbH, beschreibt die Anpassung in seinem Unternehmen: „In der Krise haben wir auf digitaler Ebene die Kommunikation mit unseren Flottenkunden gepflegt und teilweise auch intensiviert. Auch in einem digitalen Meeting kann eine persönliche Ebene mit dem Geschäftspartner gefunden werden, es ist nicht immer zwangsläufig ein physisches Treffen notwendig. Zudem sind die Akzeptanz für zum Beispiel Videocalls deutlich gestiegen und Routine hat sich eingestellt. Auch unser Finanzpartner Volvo Car Financial Services hat 2020 massiv in die Digitalisierung und kontaktlose Zusammenarbeit im Bereich Leasing investiert. Den Partnern steht eine volldigitalisierte Antragstrecke zur Verfügung, ergänzt durch persönliche Ansprechpartner über alle modernen Kommunikationswege.“

Ein weiterer Trend, der längst vor der Pandemie Fahrt aufgenommen hat, aber durch reduzierte Mobilität zusätzlich befeuert wird, ist der zu einer nachhaltigeren Ausrichtung der Unternehmensmobilität. Diese äußert sich darin, dass unter anderem Mobilitätsbudgets mehr und mehr angefragt werden. „Viele Unternehmen versuchen über ihre Car-Policys einen gesellschaftlichen Green Deal mit ihren Mitarbeitern einzugehen. CO2-reduziertes Fahren wird mit Boni auf das Mobilitätsbudget der Mitarbeiter belohnt“, fasst Philipp Berg, Commercial Director Athlon Germany GmbH, die Ausrichtung der Kunden zusammen. In diese Richtung entwickelt auch die Volkswagen Leasing GmbH ihre Produkte weiter: „Dementsprechend werden in der Zukunft weitere flexiblere Mobilitätsformen hinzukommen und das Full-Service-Leasing ergänzen. Dazu gehören zum einen Vermietmodelle wie die Langzeitmiete. Hier ist die Nachfrage aber auch schon vor der Pandemie gestiegen. Hinzu kommen Mobilitätsbudgets, bei denen Mitarbeiter ihren Mobilitätsmix individuell aus verschiedenen Verkehrsträgern zusammenstellen können. Insgesamt wird die Heterogenität und Komplexität beim Fuhrpark- und Travelmanagement zunehmen“, prognostiziert Armin Villinger, Generalbevollmächtigter und Leiter Vertrieb Deutschland der Volkswagen Leasing GmbH.

Die stärkste Bewegung allerdings gibt es im Bereich der Elektromobilität. Sie ist eng verzahnt mit dem Nachhaltigkeitstrend, aber wohl auch hauptsächlich auf die staatliche Förderung zurückzuführen. Hier kommt eine weitere Investition auf die Flotten zu, nämlich die für praktisch jeden verfügbare Ladeinfrastruktur. Jetzt, wo durch die WEG-Reform auch der Weg, im selbst bewohnten Eigentum eine Ladelösung in der heimischen (Tief-)Garage zu schaffen, erleichtert wurde, ist eine Zunahme der Nachfrage zu erwarten und auch nötig, um den Umwelteffekt der CO2-armen Mobilität zu verstärken. Christian Schüßler, Commercial Director bei Arval Deutschland, weist in diesem Zusammenhang auf wichtige Aspekte bei der Umstellung des Fuhrparks hin: „Der Wechsel auf alternative Antriebe benötigt Zeit und sorgfältige Planung. Um den richtigen Antriebsmix für unsere Kunden zu finden, setzen wir bei Arval auf individuelle Beratung entlang der Ansprüche und Bedürfnisse unserer Kunden. Dazu haben wir unsere SMaRT-Analyse (Sustainable Methodology and Responsibility Targets) entwickelt, mit der wir maßgeschneiderte Angebote rund um den wirtschaftlichen Einsatz von Elektrofahrzeugen in der Flotte identifizieren.“ Die Zahl kombinierter Angebote der Fahrzeughersteller und Leasinggesellschaften für Elektrofahrzeuge inklusive Ladelösungen mit monatlich klar strukturierter Rate nimmt zu. Mazda hat mit seiner Hausbank Santander neue Produkte entwickelt, die Sascha Iff, Leiter Vertrieb Großkunden Mazda Finance – Service-Center der Santander Consumer Bank AG, erläutert: „Wir möchten unseren Kunden ein ganzheitliches und dabei flexibles Portfolio an Produkten und Dienstleistungen anbieten. Hierzu gehören neben bereits etablierten Services wie der E-Tankkarte auch neue Services wie der BAFA-Antragsservice. Hierbei übernehmen wir die Beantragung der Umweltprämie für unsere Kunden. Im Laufe des nächsten Jahres kommen dann ergänzende Angebote für Wallboxen dazu.“

Fazit: Die Leasingunternehmen haben ihr Ohr am Kunden. Das ist gerade in der Krisenzeit wertvoll, um auf dessen Bedürfnisse reagieren zu können und auch die wertvolle Kundenbindung zu stärken. Daneben hören sie auf globale Trends und richten ihr Angebot danach aus. Man hat das Gefühl, dass – wohl auch dank der Digitalisierung – die Reaktionsgeschwindigkeit bei der Entwicklung neuer Produkte und Angebote zunimmt. Das ist im Wettbewerb, der sich zunehmend zwischen den Marken verschärft und auch mit dem Kostendruck zu tun hat, unter dem das Management der Unternehmensflotten steht, wichtig.