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Um eine Sache vorwegzunehmen: Ein guter, ja, sogar ein grandios gelungener, neuer Kia ist heute kein Aufreger mehr. Dieser koreanische Konzern, der ja manche Modelle oder zumindest technische Komponenten in Europa und sogar in Deutschland entwickeln und von hiesigen Designern zeichnen lässt, baut Autos, die absolut auf Augenhöhe mit dem deutschen Wettbewerb rangieren. Und so verwundert es nicht, dass der nach sechs Jahren erneuerte Sorento ein Qualitätsprodukt durch und durch ist. An das Design muss man sich herantasten, so detailreich ist es. Lässt man es auf sich wirken, gefällt es jedenfalls mit seinen unzähligen Einbuchtungen und Sicken. Ein Hauch Futurismus geht von den Tagfahrlichtern aus, die das Ende der Kühlergrill-Einheit bilden, welcher sich wiederum in der Mitte markant verjüngt, um auf gestalterische Weise Aufmerksamkeit zu erlangen. Wäre da nicht der augenfällige Kia-Schriftzug im ovalen Emblem gebettet – man könnte den Koreaner auch für ein Mitglied anderer, europäischer Modellpaletten halten.

Das war ja genau der Punkt, den die Verantwortlichen des Kia-Konzerns irgendwann einmal angegangen sind. Und schwups, plötzlich haben die Kreativen dem Hausdesign mehr europäischen Einfluss gegeben, was auf dem Kontinent natürlich hervorragend ankommt. Doch so einfach ist das nicht, ein koreanisches Produkt, selbst wenn es hiesigen Standards entspricht, muss auch eine landestypische Note haben. Und die spürt man schnell, nachdem man das stattliche SUV geentert hat. Da tut sich eine Armaturen- Landschaft auf, die sowohl technisch anmutet als auch ästhetisch ist. Modernes Infotainment überschüttet die Passagiere förmlich, der Erwachsenenspieltrieb wird also mehr getriggert als im Segment-Durchschnitt. Unterhalb des wahrlich ausladenden Touchscreens prangt eine auch optisch abgetrennte Bedieneinheit, die sich der Klimasteuerung widmet. Die Temperaturregler sind als klassische Drücker ausgeführt, was in der Praxis bessere Bedienbarkeit bedeutet, erst recht während der Fahrt, da die primäre Konzentration dem Straßengeschehen gelten sollte.

Apropos Straßengeschehen. Kia unternimmt alles derzeit technisch Mögliche, um den Sorento sicher und komfortabel durch den Verkehr zu lotsen. Neu ist, dass, falls sich ein Verkehrsteilnehmer im toten Winkel tummelt, im Spiegel nicht nur ein kleines Licht blinkt, sondern eine Kamera den entsprechenden Bereich aufnimmt – für den Fahrer temporär im linken Feld des Kombiinstrumentes zu sehen. Selbstredend sind mechanische Anzeigen beim neuen Sorento passé – stattdessen dürfen sich Infotainment-Fans über eine vielfältig konfigurierbare Anzeigefläche mit 31 Zentimetern Diagonale freuen. Und hier gibt es auch Informationen darüber, mit welchem Abstand der aktive Tempomat agiert, der bis zum Stillstand herunterbremst, wenn der Vordermann es auch tut. Dieses Feature ist für Langstrecken- Nutzer nicht mehr wegzudenken und für sämtliche Varianten serienmäßig. Ab der Ausstattungsline „Vision“ bezieht dieser Assistent auch noch die Navigationsdaten in die Steuerung ein – diese halten immerhin topografische Informationen bereit und geben dem Rechner mit auf den Weg, wann mit Kurven zu rechnen ist.

Um mit dem 1,9 Tonnen schweren Sorento allerdings auch mal beschwingt durch Kehren fahren zu können, braucht es was Gescheites unter der wohlgeformten Haube. In diesem Fall hat sich Flottenmanagement für den Diesel entschieden – immer noch eine der effizientesten und wirtschaftlichsten Antriebsquellen. Mit 202 PS sowie 440 Nm Drehmoment darf der 2,2 Liter große Vierzylinder-Selbstzünder als ganz schöner Kraftbrocken durchgehen. Und Kias Ingenieure haben sich merklich um Effizienz bemüht, haben den Wandlerautomaten gegen einen Achtstufen-Doppelkuppler getauscht. Merkt man das? Nur, wenn man beim Anfahren ganz genau darauf achtet – im Gegensatz zum hydrodynamischen Drehmomentwandler muss das Lamellenpaket (dient als Anfahrkupplung) erst mit Druck beaufschlagt werden, um den Kraftschluss herzustellen. Das passiert, sobald man das Bremspedal loslässt – einen kurzen Moment steht der Koreaner dann still, bevor er mit dem Kriechen beginnt.

Nach minimaler Anfahrschwäche legt der luxuriöse Offroader dann auch dynamisch los, um die 100 km/h-Marke binnen rund neun Sekunden zu erreichen. Damit erarbeitet er sich zwar nicht den Ruf des wilden Sportlers, aber doch jenen des souveränen Tourers. Zumal das mild abgestimmte Fahrwerk dazu passt, dessen Dämpfer sogar kurzwellige Unebenheiten erfolgreich aus dem Fahrgastraum verbannen. Langfrequente Patzer bügelt das SUV noch besser weg naturgemäß. Niederquerschnittsreifen erschweren den Dämpfern ihre Arbeit, aber die Mode ist hier unerbittlich – sie gehören eben zum guten Ton. Das Schöne am Sorento ist seine Vielseitigkeit. Er taugt als Komfortgleiter auf der Langstrecke und glänzt abgesehen von seinen leisen Fahrgeräuschen und dem geschmeidigen Abrollen auch noch mit viel Platz innen, der sowohl den Fahrgästen zu Gute kommt (bis zu sieben Personen) als auch dem Gepäck – denn das Laderaumvolumen beträgt über zweitausend Liter, wenn man die Rücksitze komplett umklappt, so geht Praxistauglichkeit.

Ab 39.739 Euro netto steht der Kia Sorento mit Allradantrieb und Automatik beim Händler und verfügt schon ab Werk über eine reichhaltige Serienausstattung, zu der Features wie autonomes Bremssystem inklusive Fußgänger- und Radfahrererkennung, LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, Parkpiepser, Rückfahrkamera, schlüsselloses Schließsystem, elektrisch verstellbarem Fahrersitz und Sitzheizung vorn sowie Spurhalteassistent mit aktiver Lenkung zählen. Einen kleinen Exkurs verdienen die Onlinedienste „UVO Connect“ – sie liefern nicht nur Infos zu Wetter und Verkehr in Echtzeit, sondern erlauben auch, das Fahrzeug mittels App zu suchen oder auf dem Smartphone geplante Touren auf das Navigationssystem zu schicken. Der aktive Totwinkel- Assistent ist übrigens für wohlfeile 243 Euro netto zu haben. In diesem Package ist auch noch der Querverkehr-Warner enthalten, der womöglich so manche Beulen verhindert. Neu ist der hier ebenfalls inbegriffene Ausstiegswarner, der das Türöffnen bei dicht vorbeifahrenden Fahrzeugen notfalls blockiert.