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Schon beim ersten, flüchtigen Kontakt mit dem grundlegend renovierten Škoda Octavia wird klar, was sich die Gestalter gedacht haben müssen: bloß behutsam anfassen, das Blechkleid – wenngleich viele Detailänderungen den neuen Jahrgang würdig untermauern. Machen wir uns nichts vor, in der Neidkultur sind wir Deutschen schon ganz gut. Schadet nicht, wenn der Nachbar nicht gleich auf den ersten Blick merkt, dass ich mir ein neues Auto gekauft habe. Okay, die filigranen Rückleuchten liegen jetzt waagerecht bei der vierten Generation, das ist natürlich markant. Am Ende präsentiert sich dieser Kombi schon als eindeutiger Verwandter seines Vorgängers, die Revolution blieb hingegen aus. Das ist schon deshalb gut, weil viele Kunden Verlässlichkeit schätzen und wissen, was sie sich mit dem unteren Mittelklässler, der aber durchaus ein Segment höher wuchert, als er formal besetzt, in die Garage holen. Dieser Škoda ist ein unaufgeregter Transporter für Mensch, Tier und viel Gepäck mit einem Sinn für Ästhetik und Fahrkultur zu einem bezahlbaren Kurs. Er gibt beim samstäglichen Großeinkauf eine ebenso gute Figur ab wie auf dem Weg nach Süditalien, er ist sozusagen das automobile Schweizer Taschenmesser.

Dann mal rein in die gute Stube, und jetzt fällt zumindest aufmerksamen Beobachtern auf, dass sich doch ein bisschen getan hat. Alleine dieser große Zentralbildschirm im XXL-Format (selbstverständlich berührungsempfindlich) verleiht der Passagierkabine gefühlt eine hohe Wertigkeit. Statt Wählhebel für das optionale Automatikgetriebe sitzt jetzt nur noch ein Schiebeschalter auf der Mittelkonsole, um Platz zu generieren – im by Wire-Zeitalter schließlich kein Problem. Zarte Chromumrandungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Architektur, der glänzende Werkstoff schmückt den Lenkrad-Pralltopf, Lüftungsdüsen und Schalter, um auf diese Weise den hohen Qualitätsstandard zu untermauern. Dessen können sich Octavia-Eigner ohnehin gewiss sein, auch in der haptischen Disziplin. Alles wirkt fest und solide, nichts klappert oder knarzt, der Tscheche ist Premium-Ware durch und durch. Die beim Testwagen bestellten Lederpolster unterstützen diesen Eindruck, aber Versionen mit bürgerlichen Stoffsitzen tun es ebenfalls.

Apropos Sitze: Die sind nun wahrlich keine Klappstühle, sondern anschmiegsame Fauteuils, auf denen man selbst nach anstrengender Fernfahrt noch heiter summt. Nicht undefiniert weich, sondern schon exakt-straff, aber ausgeprägt komfortabel. Genauso übrigens wie das Fahrwerk, hier hat Škoda einen richtigen Punkt. Lange nicht jedes Vehikel besitzt die Fähigkeit, dicke Bodenwellen einfach glattzustreichen trotz augenschmeichelnder 17-Zöller, die nicht viel Gummi auf der Felge tragen. Aber es ist eine ausgewogene Mischung – der Octavia ist zwar geschmeidig, birgt aber genügend Fahrwerk-Potenzial, um ihn jenseits städtischer Gegenden auch mal zügig laufen zu lassen. Dann folgt der Familienkombi präzise den Lenkanweisungen und zaubert seinem Fahrer sogar ein mildes Lächeln auf seine Wangen. Er ist aber auch ein wackerer Dauerläufer auf der Bahn, quengelt nicht nach ständigen Korrektureingriffen und gibt den entspannten sowie entspannenden Tourer, dessen Dämpfer mit wohligem Nachschwung auf Unebenheiten reagieren.

Und in diesem Zuge müssen wir dringend auch noch einmal über den Diesel sprechen, der je nach Anwendungsbereich immer noch der Partner der Stunde ist. Mit welchem Antriebskonzept kann man sonst ohne Tankstopp mal eben rund tausend Kilometer am Stück abspulen? Also dann, Startknopf seitlich des Lenkrads antippen, Selbstzünder verfällt in seinen typisch schnarrenden Lauf. Moment, da ist ja noch die Tür einen Spalt geöffnet – rasch zuziehen, dann herrscht Ruhe im Innenraum. Bei der Dämmung haben die Ingenieure offenbar draufgesattelt, denn viel vom Aggregat dringt selbst dann nicht zum Passagier, wenn man dessen Drehzahlband komplett nutzt. Dabei braucht man das nicht einmal, denn das 150 PS-Triebwerk erreicht sein 360 Nm großes Drehmoment-Plateau zwischen exakt 1.700 und 2.750 Umdrehungen – und im Alltag reicht es völlig, sich in diesem Bereich aufzuhalten, denn dann zerrt der Vierzylinder bärig an den Vorderrädern und sorgt demnach für satten Schub. Den Standardsprint auf 100 km/h beziffert der Hersteller übrigens mit 8,8 Sekunden, was auch moderat sportlich einzuordnen ist.

Nicht wegducken kann sich der grundsätzlich konservativ angehauchte Octavia beim Thema Infotainment. Will und tut er auch nicht, präsentiert schließlich seinen Mega-Touchscreen (zehn Zoll), über den quasi die komplette Fahrzeugbedienung läuft. Die physischen Tasten beschränken sich weitgehend auf acht Stück in der Schalterleiste unterhalb des Bildschirms – aber diese rufen bis auf Warnblinker-Knopf und Zentralverriegelungstaster auch nur Menüs auf – die man aber schnell erfasst hat, um dann zügig durch die Unterebenen zappen zu können. Beim Punkt Vernetzung ist der Kombi ebenfalls voll auf der Höhe, stellt für seine Mitfahrer bei Bedarf auch einen WLAN-Hotspot bereit, so dass diese während der Fahrt nicht ihr eigenes Datenvolumen verbrauchen müssen. Noch einmal zurück zum trendigen Infotainment, das selbstverständlich auch die Bildschirmfläche des Hightech-Kombiinstrumentes (optional) inkludiert sowie ein modernes Head-up-Display mit Beamer jetzt neu auch auf die Windschutzscheibe gerichtet ohne mickrige Plexiglas-Klappe.

Klar, dass der Octavia auch Fahrerassistenz kann. Feinfühlig per adaptivem Tempomat selbsttätig herunterbremsen und stehenbleiben, wenn der Vordermann es auch macht, gelingt in der Praxis richtig gut und frappiert immer wieder Autofahrer, die den Erstversuch gewagt haben. Und es ist ja so: Nicht nur, dass diese Distanzreglung Unfälle zu vermeiden hilft, wenn man mal einen Sekundenbruchteil unaufmerksam war – sie steigert ja auch den Komfort, wenn man abgespannt von der Arbeit im Berufsverkehr mal den Assistenten machen lassen darf. Ein Blick aufs Preisschild – mindestens 27.705 Euro netto ruft Škoda für den Octavia Combi mit TDI-Motor und 150 PS inklusive Automatik auf. Immerhin sind Features wie autonome Bremsfunktionen samt Personenerkennung, Bluetooth-Freisprechanlage, LED-Scheinwerfer, Spurhalteassistent und Parkpiepser frei Haus. Lohnenswert ist das 2.235 Euro netto teure Paket „Columbus“ mit digitalem Kombiinstrument, Navi sowie bequemem schlüssellosen Schließsystem, bei dem die Fernbedienung einfach in der Hosentasche verbleiben darf.