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Rund 250 Fuhrparkleiter mit überwiegend großen Flotten haben an der Umfrage teilgenommen. So leiten 63 Prozent der Umfrageteilnehmer eine Flotte von mehr als 50 Fahrzeugeinheiten, 15 Prozent sogar eine mit mehr als 500 Fahrzeugen. Das Thema New Mobility scheint demnach vor allem etwas für große Unternehmen mit vielen Fahrzeugen zu sein. Ein Befund, der sicherlich mit den Möglichkeiten eines großen Fuhrparks zusammenhängt. Die Anschaffung alternativer Antriebe und der dazu passenden Ladelösungen beispielsweise ist bei großen Unternehmen mit einem geringeren finanziellen Risiko verbunden, zumindest wenn es darum geht, neue Antriebe zu testen. Zudem ist der Mobilitätsbedarf in großen Firmen oft auch höher, sodass der Fuhrparkleiter immer auch auf der Suche nach neuen Lösungen ist. Nicht zuletzt gibt es in kleinen Flotten oftmals die Position des Fuhrparkleiters nicht. Das heißt, die Verwaltung der Fahrzeuge wird von jemandem neben seinen eigentlichen Aufgaben übernommen. Die Zeit, sich über die Mobilität der Zukunft Gedanken zu machen, bleibt da oft nicht. 

Die Frage nach den alternativen Antrieben der Gegenwart ist relativ einfach zu beantworten: Die Flotten mit Fahrzeugen, die mit neuen Antrieben ausgestattet sind, setzen derzeit vor allem auf den E-Antrieb und Plug-in- Hybride (Grafik 1). Ein Ergebnis, das angesichts der Förderprogramme der Bundesregierung nicht sonderlich überrascht. Auch Erdgas ist aufgrund des Tankstellennetzes und des Fahrzeugangebots mit 29 Prozent stark vertreten. Angesichts der geringen Auswahl an Fahrzeugmodellen und der noch spärlichen Zahl an Tankmöglichkeiten überraschen die 18 Prozent der Flotten, die bereits ein Fahrzeug mit Brennstoffzellen einsetzen. Eine mögliche Erklärung ist die Teilnahme einer größeren Anzahl Fuhrparkleiter aus dem kommunalen Bereich, in dem bereits Wasserstoffbusse eingesetzt werden. Bestätigung findet diese Annahme in der Zusammensetzung der Fahrzeuge der Umfrageteilnehmer. Hier sind mit 68 Prozent erstaunlich wenige Pkw angegeben worden und mit 17 Prozent verhältnismäßig viele in der Kategorie sonstige Fahrzeuge. Da die Umfragestruktur allerdings keine genauere Aufschlüsselung erlaubt, muss es bei der genannten Annahme bleiben.

Neben dem Antrieb verändert sich beim modernen Pkw auch bei den Assistenzsystemen eine Menge. Erfreulich gut ausgestattet scheinen viele der Fahrzeuge der Umfrageteilnehmer zu sein (Grafik 2). Die Kombination von Spurhalteassistent und Abstandstempomat, die über 90 Prozent der Teilnehmer in mindestens einem Flottenfahrzeug im Bestand haben, vermittelt bereits einen Eindruck, wie hochautomatisiertes Fahren in Zukunft sein wird. Auch das fahrerlose Einparken ist längst nicht mehr Zukunftsmusik. So haben bereits 45 Prozent der Umfrageteilnehmer mit dieser Technologie im Flottenalltag zu tun gehabt. Doch der Weg zur Autonomiestufe 5 nach dem Modell der SAE International, das in Europa und USA viele als Grundlage nehmen, ist noch weit (Grafik 3). Die volle Automation der Pkw wird nach der Meinung von 88 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht in diesem Jahrzehnt erreicht werden. Davon gehen nur 13 Prozent aus. 26 Prozent glauben gar, dass es nie zu einem flächendeckenden autonomen Fahren kommen wird. Die Hürden für die Automobilindustrie bei der Entwicklung des autonomen Pkw liegen auch in der Abhängigkeit von der Infrastruktur. So bedarf es zum Beispiel eines flächendeckenden 5G-Mobilfunknetzes, um das autonome Fahren überall zu ermöglichen. Wenn man nur die Technik im Fahrzeug in den Blick nimmt, könnte es wohl bis 2030 bereits autonome Fahrzeuge geben.

Der Begriff New Mobility beschreibt natürlich noch deutlich mehr als nur die Frage nach dem Pkw der Zukunft (siehe dazu die Special-Einleitung S. 54). Darunter fällt durchaus die Frage nach dem Zugang zu Mobilität. Aktuell scheint die Flottenwelt hier noch eher klassisch aufgestellt zu sein. Mit 96 Prozent der Umfrageteilnehmer leasen fast alle zumindest Teile ihrer Fahrzeugflotte (Grafik 4). 57 Prozent kaufen Fahrzeuge und nur 15 Prozent setzen auf Langzeitmiete beziehungsweise 6 Prozent auf Auto-Abo-Modelle. Die Frage nach der Anschaffung von Fahrzeugen im Unternehmen ist, im Sinne des New-Mobility-Ansatzes, bereits veraltet. Denn sie zielt auf den Besitz des Fahrzeugs ab. In den meisten Zukunftsvisionen wird aber der Besitz unwichtiger als der Zugang zu Mobilität an sich. Carsharing und Auto-Abo werden demnach an Bedeutung gewinnen können. Es wird zudem eine Aufsplitterung der Mobilitätsformen geben. Hier lautet das Stichwort: Mikromobilität. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die unterschiedlichen Verkehrsmittel wie Pedelec, E-Scooter, Pkw und ÖPNV zu verknüpfen.

Diese Verknüpfung ist ein durchaus bekanntes Problem auf Dienstreisen. Schon hierbei ist es nicht einfach, den schnellsten Weg zum Ziel zu finden, einfach weil die meisten Mobilitätsanbieter nicht verkehrsmittelübergreifend arbeiten. Spannend wird vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Entwicklung der beruflichen Mobilität insgesamt sein. Unbestritten ist der Mobilitätsbedarf 2020 deutlich gesunken (siehe dazu auch S. 80) und 40 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen auch davon aus, dass der Bedarf auf diesem Niveau bleibt (Grafik 5). Nur 36 Prozent der Flottenmanager gehen demnach von einem Anstieg der Mobilität im Jahr 2021 aus. 22 Prozent rechnen sogar mit einem weiteren Rückgang des Mobilitätsaufkommens. Angesichts dieser Zukunftsprognosen könnte sich die Entwicklung und Verbreitung verschiedener New-Mobility-Konzepte verlangsamen. Fest steht, dass die Unternehmensmobilität derzeit vor einer Zäsur steht, die maßgeblich von der Digitalisierung geprägt ist. Es bleibt also spannend, den Mobilitätsmarkt zu beobachten.