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Mobilität ist die Grundlage für eine Teilhabe an vielen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Prozessen und kann daher als eine Grundbedingung für Demokratie bezeichnet werden. Auch der Freiheitsbegriff vieler Menschen ist unabdingbar mit der Möglichkeit verbunden, zu jeder Zeit überall hinfahren zu können. Kein anderes Verkehrsmittel ist mit diesem Freiheitsverständnis so eng verknüpft wie das Automobil. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der eigene Pkw Jahrzehnte als Must-have gegolten hat. Mittlerweile kommen jedoch immer mehr die Nachteile des steigenden Mobilitätskonsums und damit auch des zunehmenden Individualverkehrs zum Tragen. Ein beschleunigter Klimawandel, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen oder Parkplatzmangel in den Städten sorgen dafür, dass nach neuen Formen der Mobilität gesucht wird. Zukunftsfähige Mobilitätskonzepte, die effizient, umwelt- und ressourcenschonend sind und gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen erhalten, werden unter dem Begriff „New Mobility“ zusammengefasst. Darunter finden sich etablierte Ansätze wie das Carsharing, aber auch Zukunftsthemen wie das autonome Fahren.

Allzu weit in die Zukunft zu blicken, das hat die aktuelle Krise gezeigt, ist für Flotten etwas schwierig. Ein Beispiel: Vor einem Jahr haben viele Fuhrparkleiter überlegt, die Flottengröße zu reduzieren und durch Corporate Carsharing oder Mitfahrerbörsen eine höhere Auslastung der Fahrzeuge zu erreichen. Wenige Monate später beginnt die Renaissance des persönlich zugeordneten Dienstwagens, weil jeder aufgrund von Hygienebestimmungen und Abstandsregeln den Wert des eigenen Fahrzeugs neu definiert. Daher richten wir auch den Blick auf die neuen Fahrzeugmodelle, die 2021 auf den Markt kommen werden. Darunter sind hauptsächlich batterieelektrische Modelle, denen zumindest mittelfristig die Zukunft gehören wird. Für den anstehenden Siegeszug der Batteriefahrzeuge sprechen auch Entwicklungen wie eine Tesla-Gigafabrik in Brandenburg und die zahlreichen staatlichen Anreize für einen Umstieg auf die Elektromobilität. Neben der Modellvielfalt an sich spricht aber auch der massive Ausbau der Ladeinfrastruktur für einen baldigen Umstieg auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Die großen Player im Tankkartengeschäft sind jedenfalls auf die steigende Nachfrage eingestellt und können Flottenkunden in Sachen Ladekarte den gleichen Service bieten wie den Besitzern der Tankkarten für Benzin oder Diesel.

Angesichts der beschriebenen Wiederentdeckung des Dienstwagens erscheint das Aufkommen der Auto-Abo-Modelle nur eine logische Konsequenz. Im Abo-Modell erhält man das Wunschauto auf Abruf und nur solange man es braucht. Mehr flexible Mobilität scheint derzeit nicht möglich zu sein. Im Vergleich mit anderen New-Mobility-Konzepten sind Auto-Abos zurzeit auf der Überholspur und bieten Mobilitätsdienstleistern wohl ein enormes Wachstumspotenzial: Bis 2030 werden bis zu einer Million abgeschlossene Verträge pro Jahr erwartet, so das Ergebnis zweier Studien, die zum Thema „Das Marktpotenzial von Car-Abos“ von IBM-CAR und Fleetpool-CAR in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftswissenschaftler und Auto-Experten Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer durchgeführt wurden.

Doch mal ehrlich: Wie häufig kommen neue Mobilitätsformen in den Flotten bereits zum Einsatz? Ist der Ruf nach mehr Flexibilität auch in den Unternehmen angekommen? Die Ergebnisse unserer aktuellen Onlineumfrage geben Aufschluss über den Ist-Stand der Unternehmensmobilität und die damit verknüpfte Erwartungshaltung der Fuhrparkleiter in Sachen New Mobility. Ziel der Umfrage war es auch, einen tatsächlichen Bedarf an neuer Mobilität zu ermitteln. Nach einem Jahr E-Scooter-Verleih in deutschen Städten scheint diese Frage besonders interessant zu sein. So waren die Diskussionen um die Einführung der öffentlichen Verleihsysteme groß, in der Unternehmensmobilität spielen sie jedoch keine Rolle und das innerstädtische Verkehrsproblem konnten sie auch nicht lösen. 

Die Zukunft wird auch bei der Mobilität von der technischen Speerspitze her betrachtet und so ziehen Pilotprojekte, die autonomes Fahren umsetzen, die meisten Interessenten an, auch wenn diese Projekte im Mobilitätsalltag kaum eine Rolle spielen. Doch natürlich ist es interessant zu sehen, was technisch bereits möglich ist. In diesem Zusammenhang ist es spannend, sich die Mobilität von morgen vorzustellen – mit allen technischen, ethischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die beispielsweise das autonome Fahren mit sich bringt.