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Die Folgen der Krise 
Als im März und April 2020 das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben für einen Moment zum Stillstand gekommen ist, nahm auch das Mobilitätsaufkommen rapide ab. Vor allem Mobilitätskonzepte, die auf der gemeinsamen Nutzung vieler Menschen beruhten, wie der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) oder eben Carsharing, litten darunter. Bettina Dannheim, Leitung Fuhrpark cambio Mobilitätsservice GmbH & Co. KG, schildert diese Zeit als einen drastischen Einschnitt: „Zu Beginn der Corona-Krise ist die Nachfrage in allen cambio-Städten eingebrochen. Teilweise stellten wir in der Spitze im Vergleich zum Vorjahr Buchungsrückgänge von bis zu 80 Prozent fest. Neben privaten Anlässen fielen auch viele berufliche Fahrten weg, da die Unternehmen vermehrt auf Arbeit im Homeoffice setzten.“ Seit den Sommerferien kann Dannheim jedoch von einer deutlichen Besserung berichten, „da hätten wir gut und gern noch mehr Fahrzeuge einsetzen können, als wir hatten“, erläutert die Leiterin des cambio-Fuhrparks.

Nicht nur der Wegfall unzähliger beruflicher und privater Fahrten während dieser ersten Corona-Welle, sondern auch große Bedenken der Nutzer bezüglich der Hygiene machten es der Carsharing-Branche schwer. Rückblickend stellt sich diese Angst als unbegründet dar. Dies nicht zuletzt wegen ausgefeilter Hygienekonzepte der Carsharing-Anbieter. So schildert beispielsweise Dr. Max Kury, Geschäftsführer der Ubeeqo GmbH und Mitglied der Geschäftsführung der Europcar Mobility Group Germany: „Um unseren Kunden bestmögliche Sicherheit zu geben, haben wir von Anfang an unsere Reinigungsprozesse an die neue Situation angepasst und außerdem unsere Kolleginnen und Kollegen bezüglich Hygiene und Arbeitsschutz sensibilisiert. Auch anhand der Statistiken wird ersichtlich, dass Carsharing-Fahrzeuge keine Virenschleudern sind und durch deren Nutzung keine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Gleiches gilt im Übrigen auch für den ÖPNV.

Elektroantrieb und Carsharing 
Dass Carsharing für viele als Hoffnungsträger für die Mobilität von morgen gilt, liegt auch daran, dass in den Verleihsystemen relativ einfach alternative Antriebe integriert werden können, insbesondere in stationsbasierten und Corporate-Carsharing-Konzepten. „Die größte Hürde beim Ausbau der Elektromobilität in unserer CarSharing-Flotte ist der Mangel an Stellplätzen mit Lademöglichkeit“, erläutert Anja Orth, Leitung Marketing, Stadtmobil CarSharing GmbH & Co. „Wir benötigen für unser Modell des stationsgebundenen CarSharing für jedes E-Auto einen festen Stellplatz mit Lademöglichkeit, in geeigneter Lage sind diese ein sehr rares Gut.“

Doch die Lade-Infrastruktur wächst derzeit und auch das Angebot an elektrischen Fahrzeugmodellen. Damit wächst auch die ökologische Bedeutung von Carsharing. So wird laut Ute Mundolf, Leiterin Unternehmenskommunikation, Ford-Werke GmbH, der Elektroantrieb ein wesentliches Kriterium in ökologischer Hinsicht darstellen. „Mit der Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte befinden sich elektrifizierte Fahrzeuge bereits in unserer Carsharing-Flotte. Mit der Markteinführung unserer reinen Elektro-Fahrzeuge werden auch diese sukzessive in die Ford Carsharing-Flotte aufgenommen werden“, berichtet Mundolf über die Zukunftsaussichten bei der Einführung alternativer Antriebe im Carsharing.

Vom Besitz zur Nutzung 
Selbstverständlich gelten die Vorteile von Corporate-Carsharing-Konzepten auch bei allen anderen Antriebsarten: Firmen können Kosten einsparen, eine bessere Auslastung der Fahrzeuge erreichen und den Mitarbeitern zusätzliche Mobilitätsmöglichkeiten anbieten. So schildert der Geschäftsführer der WeGo Carsharing GmbH, einem Anbieter einer Software-Plattform für Carsharing, Willem Schonewille: „Wenn eine Firma die Carsharing- Flotte auch für die Privatnutzung zur Verfügung stellt, können Mitarbeiter möglichst auch auf ein (zweites) Privatfahrzeug verzichten. Einen Trend sehen wir in der Immobilienbranche, wo viele Wohnungsunternehmen und Vermieter auf den Bau mehrerer Parkplätze verzichten (oft in Städten auch gar nicht möglich) und stattdessen ihren Anwohnern eines oder mehrere ‚Sharing-Fahrzeuge‘ zur Verfügung stellen.“ Das Beispiel zeigt, dass Carsharing nach wie vor eine zentrale Rolle in der Mobilität von morgen spielen kann.