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Die Folgen der Corona-Pandemie sind erheblich. Aus wirtschaftlicher Sicht hat es wohl am härtesten den Tourismus getroffen. Dienstreisen fanden im letzten halben Jahr fast nicht mehr statt. Ein Beleg dafür liefert auch das Ergebnis unserer Onlineumfrage, wonach nur acht Prozent der Teilnehmer angaben, dass die Pandemie auf die Reisetätigkeit der Mitarbeiter keine Auswirkungen hat (Grafik 1). In 20 Prozent der Fälle wurden die Reisen ganz untersagt, die meisten mussten die Dienstreisen stark einschränken (60 Prozent). Mit Blick auf das Teilnehmerfeld, das ein ausgewogenes Verhältnis von großen Unternehmen mit Flotten von über 500 Fahrzeugen (20 Prozent) und Kleinunternehmen mit einer Flottenstärke von um die fünf Einheiten aufweist (22 Prozent), ist dieser Befund eindeutig: Die Dienstreisen gingen branchenübergreifend bei allen Unternehmen zurück.

Doch es werden nach wie vor Reisen aus beruflichen Gründen angetreten und mit der Dauer der Pandemie nimmt die Reisetätigkeit auch wieder zu. Denn nach einem halben Jahr im Krisenmodus haben sich gewisse Verhaltensweisen und Hygieneregeln, wie beispielsweise das Tragen einer Maske, etabliert und ermöglichen so auch wieder häufiger den direkten zwischenmenschlichen Kontakt. Zu diesen angesprochenen Verhaltensweisen zählt im Übrigen auch die Nutzung des Dienstwagens. 82 Prozent der Umfrage teilnehmer gaben an, den Firmenwagen anderen Verkehrsmitteln derzeit vorzuziehen (Grafik 2). Bahn (20 Prozent) und Flugzeug (16 Prozent) werden demnach immer noch gemieden. Der Pkw ist mit Blick auf das Infektionsrisiko immer noch die sicherste Reisemöglichkeit für Berufstätige.

Dabei ging der Trend vor der Pandemie durchaus in Richtung multimodaler Mobilität, bei der der Dienstwagen nur eines von mehreren möglichen Verkehrsmitteln gewesen ist. Diese Renaissance des Dienstwagens zeigt sich auch anhand von Grafik 3. Nur 32 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass die Krise keine Auswirkung auf die Auswahl des Verkehrsmittels habe. Bei 60 Prozent erhält der Dienstwagen coronabedingt den Vorzug vor anderen Reisemöglichkeiten. Die persönliche Präferenz des Verkehrsmittels manifestiert sich auch in den offiziellen Vorgaben der Unternehmen. Mit Blick auf Grafik 4 zeigt sich, dass 51 Prozent der Firmen die bevorzugte Nutzung des Dienstwagens empfehlen. Bei 35 Prozent sollen die öffentlichen Verkehrsmittel gemieden werden und 20 Prozent haben derzeit Flugreisen für Mitarbeiter untersagt. Fast 40 Prozent setzen die Dienstreisen derzeit vollständig aus.

Diese Zurückhaltung in Sachen beruflicher Mobilität verändert in erheblichem Maße die Arbeitswirklichkeit vieler Berufstätiger. Vieles hat sich in die digitale Welt verschoben. Anstelle eines physischen Treffens tritt nun häufig eine Videokonferenz. Anstelle eines Messebesuchs vor Ort finden nun immer mehr Formate wie „flotte.digital“ ihre Anhänger. Womit auch die Gewinner der Krise bereits ausgemacht wären. Onlinedienstleister wie Zoom konnten in den letzten Monaten ein fulminantes Wachstum hinlegen. Annähernd 100 Prozent unserer Umfrageteilnehmer gaben an, physische Treffen durch Video- oder Telefonkonferenzen zu ersetzen (Grafik 5). Auch das Interesse an Fortbildungen und Onlineevents wächst. 53 Prozent der Teilnehmer nutzen Webinare und immerhin 31 Prozent „gehen“ auf virtuelle Messen. Das rasante und konsequente Umstellen auf digitale Formate lässt die Vermutung zu, dass der Corona-Effekt eine Langzeitwirkung haben wird und man nicht gänzlich wieder auf den oft beschriebenen „Normal“- Zustand von 2019 zurückkehrt. 

Es stellt sich ohnehin die Frage, ob der Ausnahmezustand nicht das neue „Normal“ werden wird. Das bedeutet nicht, dass es Dienstreisen und persönliche Treffen gar nicht mehr geben wird, sondern dass diese in konzentrierterer Form stattfinden. Einige Entwicklungen sprechen dafür. Eines der drängendsten Themen unserer Zeit ist der Klimawandel, der nur abgemildert werden kann, wenn die Reisetätigkeit abnimmt. Zudem sorgt die drohende Wirtschaftskrise aufgrund der Pandemie zu einem erhöhten Kostendruck innerhalb der Unternehmen. Beides sind Faktoren, die eine Rückkehr zum Dienstreise-Alltag von 2019 eher unwahrscheinlich machen. Ähnlich sehen das auch die Teilnehmer unserer Onlineumfrage. Gefragt nach den Dienstreisevorgaben für die nächsten zwölf Monate gaben 28 Prozent der Teilnehmer an, alle Beschränkungen beizubehalten (Grafik 6). 66 Prozent planen einen Ausbau der Onlineaktivitäten als Ersatz für die Dienstreise. Allerdings gehen auch 70 Prozent der Umfrageteilnehmer von einem langsamen Anstieg der Reisetätigkeit aus.

Ausblick 
Die Ergebnisse der Flottenmanagement-Onlineumfrage stellen immer eine Momentaufnahme innerhalb der Fuhrparkbranche dar und sollten auch eher als Trendbarometer verstanden werden. Demnach gewinnt die Digitalisierung der Arbeitswelt rasant an Fahrt und der Dienstwagen an Bedeutung. Um die Einschätzungen der Umfrageteilnehmer zu spiegeln, hilft es auch, andere Statistiken zurate zu ziehen. So relativiert beispielsweise Christoph Carnier, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR), die aktuelle Stimmungslage in einem offiziellen Statement aus dem August: „Auch wir gehen davon aus, dass die Corona-Pandemie Anzahl und Struktur der Geschäftsreisen verändern wird. Die überwiegende Mehrheit der Geschäftsreise-Experten unserer Mitgliedsunternehmen rechnet allerdings derzeit mit Rückgängen bei der Reisetätigkeit von zehn bis maximal 30 Prozent.“ Die Zukunft der Dienstreise hängt zudem an vielen Faktoren: Wirtschaftslage, Entwicklung der Pandemie, Ausbau und Förderung der Infrastruktur – das macht eine Zukunftsprognose schwierig.