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Trotz der Vielfalt von Anhängerlösungen gilt es, als Flottenleiter einige grundsätzliche Dinge zu beachten. So müssen Anhänger beispielsweise separat haftpflicht- und kaskoversichert werden. Eine der wichtigsten Regelungen betrifft die zulässige Höchstgeschwindigkeit. So gilt laut § 18 Abs. 5 Nr. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) für alle Gespanne in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Es gibt allerdings die Möglichkeit, eine Ausnahme zu beantragen und mithilfe eines entsprechenden Gutachtens eine sogenannte Tempo-100-Plakette zu erhalten. Dann dürfen Gespanne auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen bis zu 100 Stundenkilometer schnell fahren. Es gibt aber auch Regeln und Gesetze, die vor allem Fahrer und Fahrzeug betreffen, wenn ein Anhänger gezogen werden soll. Neben der speziellen Fahrereinweisung und Themen aus dem Bereich Ladungssicherung betrifft dies vor allem die Fahrerlaubnis und die Fahrzeuganhängelast.

Die Führerscheinklasse 
Seit der Führerscheinklassen-Reform vom 1. Januar 1999 gibt es auch die sogenannten Anhängerführerscheine. Demnach ist für das Führen schwerer Anhänger im Pkw-Bereich die Klasse BE erforderlich. 2013 kam es noch einmal zu einer Aktualisierung der Anhänger-Regelung, von der vor allem Inhaber der Führerscheinklasse B, also des Pkw-Führerscheins ohne spezielle Anhängerfahrerlaubnis, profitieren. Diese dürfen seit dieser Neureglung auch Anhänger über 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse (zGM) mit einem Fahrzeug ziehen, wenn die zGM der Kombination aus Fahrzeug und Anhänger 3.500 Kilogramm nicht übersteigt. Interessant dabei ist, dass die tatsächliche Beladung des Anhängers für das Führerscheinrecht nicht relevant ist, es zählt nur, welche zulässige Gesamtmasse in den Papieren des Fahrzeugs und des Anhängers eingetragen wurde.

Das Fahrzeug 
Allerdings sollte die Masse des Anhängers und die des Zugfahrzeugs aufeinander abgestimmt sein. Die Anhängelast darf in Deutschland die zulässige Gesamtmasse des Zugfahrzeugs nicht überschreiten und muss weniger als 3,5 Tonnen betragen. Eine Ausnahme bilden Geländefahrzeuge, die Anhänger mit einer Masse bis zum 1,5-Fachen der zulässigen Gesamtmasse des Zugfahrzeugs ziehen dürfen. SUV fallen hier allerdings nicht darunter, sondern nur Fahrzeuge mit einer entsprechenden Typgenehmigung als Geländefahrzeuge. Nach wie vor sollten vor allem Fahrzeuge mit einer drehmomentstarken Dieselmotorisierung für das Ziehen schwerer Lasten eingesetzt werden.

Apropos schwere Lasten: Je nach Anhängergröße ist man in Deutschland dazu verpflichtet, den Anhänger gegen Wegrollen mit Unterlegkeilen zu sichern. Laut dem § 41 Abs. 14 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) müssen beispielsweise zweiachsige Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 750 Kilogramm mit einem Unterlegkeil gesichert werden. Handelt es sich dabei um Sattelanhänger oder Starrdeichselanhänger, benötigt man sogar zwei. Der europaweit agierende Anhängerkupplungsspezialist Rameder aus Thüringen empfiehlt, unabhängig von den rechtlichen Vorschriften immer Unterlegkeile mitzuführen. Nicht nur rutschige Straßenverhältnisse oder Gefälle sorgen demnach für einen unsicheren Stand, auch das Arbeiten auf oder am Anhänger, beispielsweise beim Be- und Entladen mit einem Gabelstabler, kann zu einem Rutschen des Hängers führen.

Der Anhänger 
Für Fahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht (zGG) gibt es zwei relevante Bauformen: den Starr- und den Gelenkdeichselanhänger, also Anhänger entweder mit einer beweglichen oder eben einer starren Deichsel. Darüber hinaus ist die Auswahl an Anhängerkonfigurationen jedoch sehr umfangreich. Um die individuellen Anforderungen an einen Anhänger, was den Auf- und Ausbau betrifft, bestmöglich zu erfüllen, ist ein guter Dienstleister unerlässlich. „Nicht selten müssen sich Einkäufer und Fuhrparkleiter nur mit einer ‚zweitbesten‘ Option zufriedengeben, da sie vor dem Kauf nicht vollumfänglich beraten worden sind. Es muss in jedem Fall die Transportaufgabe betrachtet werden, nur so lässt sich der perfekte Anhänger dafür finden“, erläutert Markus Wiedemann, Humbaur Vertriebsleiter Schwerlast/Kofferaufbauten, Vertriebsleiter Export. Gerade für Flottenkunden sei zudem ein funktionierendes Aftersales unerlässlich, um eine großflächige und reibungslose Ersatzteilbeschaffung gewährleisten zu können, wie Wiedemann weiter ausführt.

Wie die Branchenexperten herstellerübergreifend Flottenmanagement gegenüber mitteilten, achten Flottenkunden, anders als Privatkunden, vor allem auf Langlebigkeit und weniger auf den Preis. Auch ein optimales Fahrverhalten, ein effizientes Flotten- und Kapazitätsmanagement sowie höchste Wartungsfreundlichkeit sind laut der ALOIS KOBER GMBH ausschlaggebend beim Anhängerkauf. Dabei spiele die Auswahl der richtigen Komponenten wie Chassis, Zugdeichsel, Kugelkupplung, Auflaufeinrichtung und Achsen eine entscheidende Rolle.

Die gefallenen Begriffe „Ersatzteilbeschaffung“ und „Langlebigkeit“ weisen bereits darauf hin, dass Anhänger in Flotten häufig eine längere Lebenszeit haben als der durchschnittliche Firmenwagen oder Transporter. Allerdings muss das nicht unbedingt so sein, wie Justus Böckmann, Mitglied der Geschäftsführung der Böckmann Fahrzeugwerke GmbH, feststellt: „Profikunden können heute alle Vorteile eines modernen Fuhrparkmanagements nutzen. So bieten sehr viele Händler ein Leasing an und sichern so die spätere Vermarktung der Anhänger. Leasing ist für Großkunden sehr empfehlenswert, da der Fuhrpark nicht überaltert und nur der reale Nutzen bezahlt wird und nicht der gesamte Anhänger.“

Fazit 
Anhänger sind im Nutzfahrzeugbereich eine flexible Ergänzung zur Fahrzeugflotte. Vor allem, wer nur hin und wieder Größeres transportieren muss, kann mit einem Anhänger eine individuelle Lösung finden. Dies ist ökonomisch und ökologisch oftmals die bessere Wahl als die Anschaffung eines größeren Fahrzeugs. Rechtlich müssen Fuhrparkleiter allerdings einiges beachten.