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Das Großherzogtum Luxemburg ist mit rund 600.000 Einwohnern und einer Fläche von der Größe des Saarlandes das kleinste unserer neun Nachbarländer. Dennoch ist es mit Blick auf das Thema Mobilität eines der interessantesten Länder. Denn 2019 pendelten täglich mehr als 200.000 Ausländer zum Arbeiten nach Luxemburg, rund 50.000 davon aus Deutschland. Diese an der Bevölkerungsgröße gemessene hohe Zahl an Pendlern war auch ausschlaggebend für die Entscheidung der luxemburgischen Regierung, als erstes Land der Welt das komplette öffentliche Nahverkehrssystem kostenlos anzubieten. Das ambitionierte Projekt ist Teil einer umfassenden Verkehrswende, um dem Stauproblem an Werktagen entgegenzuwirken. Zu diesem Projekt zählen auch ausgebaute Park-and-Ride-Parkplätze an den Grenzen zu Frankreich, Belgien und Deutschland. Zuletzt sorgten die coronabedingten Einreiseprobleme der Pendler für Schlagzeilen. Deutschland hatte Luxemburg aufgrund steigender Corona-Fallzahlen als Risikogebiet eingestuft, was zu erheblichen Problemen für die Berufspendler geführt hat. In dem international verflochtenen Land, das neben Luxemburgisch auch Französisch und Deutsch als offizielle Sprachen hat und zudem den Europäischen Gerichtshof sowie den Europäischen Rechnungshof beheimatet, zeigte sich anhand der deutschen Reisewarnung sehr deutlich, welche Auswirkungen ein nationaler Alleingang in der Corona-Pandemie hat. Aktuelle Informationen zu den Pendler- und Reisevorschriften finden sich unter: coronavirus. gouvernement.lu

Strafen und Pflichten 
Im Vergleich mit anderen europäischen Nachbarländern hat Luxemburg einen ziemlich moderaten Bußgeldkatalog, der in der Strafhöhe oft auf dem Niveau der Bußgelder in Deutschland liegt. Wer mit 20 km/h zu schnell unterwegs ist, zahlt hierzulande mindestens 60 Euro, in Luxemburg sind es 50 Euro. Ein Handyverstoß kostet in Luxemburg mindestens 145 Euro, in Deutschland sind es 100 Euro. Im Vergleich mit den europäischen Nachbarn sind das niedrige Strafen. So würde man in den Niederlanden beispielsweise 240 Euro zahlen, wenn man mit dem Smartphone hinter dem Steuer erwischt wird. In Luxemburg sollte man aber wissen, dass man bei niedrigen Bußgeldern auch direkt an Ort und Stelle belangt werden kann. Insbesondere dann, wenn man aus dem Ausland kommt.

Der Flottenmarkt 
Anfang 2019 waren in Luxemburg 86.481 gewerbliche Fahrzeuge zugelassen, das waren etwa 20 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands in dem Großherzogtum (Quelle: FleetEurope). 53 Prozent der Firmenwagen werden dort gekauft, 47 Prozent geleast. Nur 15 Prozent der Flotten betreiben ein reines Finanzleasing. Im europäischen Vergleich ist der Leasinganteil in Luxemburg also eher gering. In Dänemark beispielsweise liegt dieser Anteil bei 75 Prozent und auch im Nachbarland Frankreich werden prozentual mehr Fahrzeuge geleast. Auch was die Elektromobilität betrifft, liegt das kleine Land etwas zurück. 2019 lag der Anteil an alternativen Antrieben mit Hybrid oder vollelektrischem Antrieb bei 1,5 Prozent, das ist deutlich unter dem europäischen Schnitt von rund fünf Prozent. Es gibt allerdings derzeit ein Infrastruktur-Projekt (Chargy), das vor allem die E-Mobilität fördern soll. Das Chargy- Netz sieht 800 öffentliche Ladestationen für Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge in Luxemburg vor. Etwa die Hälfte dieser Stationen soll auf Park-and-Ride-Parkplätzen installiert werden, der Rest auf öffentlichen Parkplätzen der Gemeinden.

Vielleicht fällt der Umstieg auf die Elektromobilität in Luxemburg auch angesichts der sehr niedrigen Spritpreise so schwer. Die geringere Steuer auf Kraftstoffe treibt zudem den Tanktourismus aus den Grenzgebieten an. Viele, die in Grenznähe wohnen, tanken regelmäßig in Luxemburg, sodass der Staat rund 700 Millionen Euro jährlich durch den Tanktourismus aus Nachbarländern einnehmen soll. Übrigens ist das Mitführen von Kraftstoff in Reservekanistern in Luxemburg nicht mehr erlaubt.