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Flottenmanagement: Herr Villinger, seit dem 1. Juni tragen Sie als Generalbevollmächtigter die Gesamtverantwortung für den Vertrieb Deutschland der Volkswagen Leasing GmbH. Mit welchen Erwartungen und Zielen haben Sie diese Position angetreten? Inwieweit spielen hier auch Ihre Erfahrungen als Leiter der Group Fleet International bei der Volkswagen Financial Services AG eine Rolle? 

Armin Villinger: Ich bin hier natürlich mit einer freudigen Erwartungshaltung eingetreten, da es sich zum einen um ein sehr erfolgreiches Unternehmen des Volkswagen Konzerns handelt und zum anderen dessen Bedeutung als Absatzkanal in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. So laufen in Deutschland ungefähr 61 Prozent des Gesamtabsatzes des Volkswagen Konzerns durch die Bücher der Volkswagen Financial Services. Auch die rund 730.000 reinen Großkundenverträge im deutschen Markt haben eine entscheidende Bedeutung, denn sie zeigen, dass wir auch in diesem Sektor ein echtes Schwergewicht sind.

Gerade in den letzten Jahren hatte ich in meiner ehemaligen Funktion als Leiter der Group Fleet International bereits viele Berührungspunkte mit den Strukturen sowie Prozessen im Haus und konnte sozusagen die DNA der Volkswagen Financial Services etwas verinnerlichen. Natürlich haben die Auswirkungen von COVID-19 auch Einfluss auf unser Geschäft, jedoch schauen wir wie gesagt auf einen hochinteressanten Bestand zurück und das ist aus meiner Sicht eine gute Ausgangsposition, um an der erfolgreichen vertrieblichen Weiterentwicklung anzusetzen, die mein Vorgänger begonnen hat. Dabei möchte ich drei klare Themenblöcke fokussieren: die Digitalisierung, die Elektromobilität sowie die „Total Cost of Mobility“. 

Flottenmanagement: In Deutschland konnten die Volkswagen Finanzdienstleistungen ihren Vertragsbestand per 30. Juni 2020 trotz der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie um ein Prozent steigern. Was erwarten Sie für das zweite Halbjahr? Welche Maßnahmen und Strategien verfolgen Sie, um auch das Neugeschäft wieder zu stärken? 

Armin Villinger: Im Vergleich zum Fahrzeugvertrieb kommt uns beim Finanzdienstleistungsgeschäft der sogenannte Portfolio-Effekt zugute. Denn die Verträge verbleiben im Durchschnitt rund drei Jahre im Bestand. Dort spiegeln sich Krisen zeitverzögert wider. Daher muss man ganz klar sagen, dass besonders das zweite Halbjahr große Herausforderungen für uns bereithält. Unser Finanzvorstand hat kürzlich noch einmal klar formuliert, dass das operative Ergebnis der Volkswagen Financial Services dieses Jahr deutlich unter dem Vorjahr liegen wird. Denn mögliche Kreditausfälle werden nicht unmittelbar, sondern aufgrund der Stundungen erst in einiger Zeit sichtbar werden.

Um diese Auswirkungen abfedern zu können, haben wir gemeinsam mit den Marken in den letzten Monaten eine Vielzahl beispielloser Aktionen aufgesetzt: Beispielsweise günstige Leasingkonditionen oder günstige Finanzierungen inklusive Ratenschutz im Falle von Arbeitslosigkeit. Dies war von entscheidender Bedeutung, um gerade auch Privatkunden und kleineren Gewerbetreibenden Planungssicherheit zu geben. In Bezug auf das Großkundengeschäft haben wir markenindividuelle Aktionen gestartet. Denn dort sind Fahrzeuge vor allem Arbeitsmittel. Das hat zur Konsequenz, dass Investitionen in neue Fahrzeuge eher verschoben, statt aufgehoben wurden. So zeigte sich in den letzten Tagen und Wochen, dass das Großkundengeschäft bereits wieder anzieht. Das ist natürlich von Branche zu Branche wie auch je nach Fuhrparkgröße und -konstellation ganz unterschiedlich. Aber ich glaube, dass unsere Flexibilität und unsere Reaktionsschnelligkeit auf solche Markteinflüsse etwas sind, was unsere Kunden von der Volkswagen Financial Services in den letzten Jahren kennen und schätzen gelernt haben. 

Flottenmanagement: Im Februar 2019 ist die Volkswagen Financial Services AG eine strategische Partnerschaft mit dem TÜV Süd eingegangen und hat sich zu diesem Zweck an der FleetLogistics beteiligt. Welche Ziele verfolgt diese Partnerschaft? 

Armin Villinger: Das Kernziel dieser strategischen Partnerschaft mit dem TÜV Süd ist die Bündelung wie auch Weiterentwicklung des Mobilitätsangebots für Flottenkunden. Letztendlich geht es dabei um intermodale Mobilität, also die Verknüpfung von Travel- und Fuhrparkmanagement, die wir mit diesem Joint Venture weiter forcieren wollen. Ein wichtiger Punkt, den ich nochmals herausstellen möchte, ist, dass FleetLogistics komplett unabhängig am Markt bestehen bleibt und die angesprochene Verknüpfung nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch international vorantreibt.

Flottenmanagement: Digitalisierung und Innovationen sind nicht erst seit der COVID- 19-Pandemie Kernthemen in der Industrie. Welche Bedeutung haben Start-ups und Hubs für die Volkswagen Financial Services? In welchen Bereichen sind Impulse von außen besonders wichtig? 

Armin Villinger: Grundsätzlich sind Impulse von außen in jeder Beziehung unerlässlich. Das haben die Volkswagen Financial Services schon früh erkannt und ihr Produktportfolio entsprechend durch gezielte Zukäufe erweitert: sei es beispielsweise im Bereich Smart Parking mit PayByPhone oder bei Tank- und Servicekarten durch LogPay. Mit dem Erwerb des Hamburger Business-Travel-Start-ups Voya, wo ich selbst stark involviert bin und dort auch im Beirat sitze, haben wir beim digitalen Travelmanagement einen deutlichen Schritt nach vorne machen können. Neben der Akquise von Start-ups haben wir Ende 2019 auch einen eigenen Innovations-Hub namens Ubility gegründet. Dieser Hub fungiert nach außen sozusagen als Andockstation für Start-ups und deren Konzepte. Nach innen führt er alle Geschäftsbereiche von Volkswagen Financial Services, die vor unterschiedlichen Herausforderungen stehen und Impulse von außen benötigen, zusammen. Gleichwohl ist es für uns von hohem Interesse, auch unseren kreativen und motivierten Mitarbeitern die Gelegenheit zu geben, sich intern mit neuen Ideen und der Zukunft der Volkswagen Finanzdienstleistungen auseinanderzusetzen. Dafür haben wir ein Projekt namens FS.START.UP ins Leben gerufen, bei dem Mitarbeiter die unterschiedlichsten Themen einreichen und einer Jury aus Geschäftsführern und Vorständen vorstellen können. Hierfür können die Mitarbeiter ungefähr 20 Prozent ihrer Arbeitskraft einbringen.

Flottenmanagement: Im September des vergangenen Jahres haben die Volkswagen Financial Services und der NABU mit dem Label „Blaue Flotte“ ein E-Mobilitätsprogramm für Flottenkunden ins Leben gerufen. Was beinhaltet dieses E-Mobilitätsprogramm? Wie hat sich die Nachfrage nach Elektromobilitätslösungen aus Ihrer Sicht entwickelt? 

Armin Villinger: Unter dem Label „Blaue Flotte“ subsumieren wir alle Elektromobilitätsangebote für Großkunden aus unserem Hause. Das heißt sowohl Leasing, Finanzierung als auch die dazugehörigen Dienstleistungen aus einer Hand. Dazu gehören neben der Charge&Fuel Card auch beispielsweise die Erstberatung für die Ladeinfrastruktur, im Rahmen dessen wir in enger Abstimmung mit den Marken, aber auch mit der Volkswagen Tochtergesellschaft Elli agieren. Gleichwohl umfasst das Programm auch freizugängliche Analyse-Tools für Flottenverantwortliche und User-Chooser. Außerdem erhalten Kunden bei uns die Möglichkeit, Ladeinfrastruktur zu leasen oder zu finanzieren. Ein wichtiger USP im Rahmen der „Blauen Flotte“ ist die Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Projektpartner NABU, der mitgliederstärksten Naturschutzorganisation in Deutschland. Mit dem NABU arbeiten wir bereits seit mehr als zehn Jahren zusammen, um Fuhrparkmanager dazu zu bewegen, ihre Flotte mit umweltfreundlichen Fahrzeugen auszustatten. Diese Zusammenarbeit ist bisher einzigartig in der Industrie. Ziel ist es, im gleichen Maße in Klimaschutzprojekte zu investieren, wie die Elektrofahrzeuge während des ersten Leasingzyklus genutzt werden, um idealerweise einen positiven CO2-Saldo zu erwirtschaften. Denn leider stammt in Deutschland noch nicht 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Genau dort setzen wir an. Diesen Ausgleich erreichen wir durch die Renaturierung von Mooren, die global eine riesige Bedeutung für den Klimaschutz haben.

Um auf den zweiten Teil der Frage zu sprechen zu kommen: Die Nachfrage nach E-Fahrzeugen ist aufgrund der staatlichen Förderungen und der reduzierten Dienstwagenbesteuerung natürlich gestiegen. Dennoch spielen E-Fahrzeuge im Gesamtportfolio der Volkswagen Financial Services noch eine untergeordnete Rolle. Jedoch wird diese Bedeutung mit dem ID.3 und weiteren Modellen aus dem Volkswagen Konzern steigen. Wir gehen aktuell davon aus, dass rund 80 Prozent der E-Fahrzeuge aus dem Volkswagen Konzern durch unsere Bücher laufen werden. 

Flottenmanagement: Zum Verkaufsstart des ID.3 präsentierte die Volkswagen Financial Services die Paketlösung „Lease&Care“. Was verbirgt sich hinter diesem Namen? Und wie können kleine Gewerbetreibende hiervon profitieren? Wird die Lösung auch auf weitere rein elektrische Modelle ausgeweitet?

Armin Villinger: Wie bereits angesprochen, wird sich das maßgebliche Beschaffungskonzept für die ID.-Family ganz klar im Leasingbereich abspielen. Dabei wollen wir nicht nur den ersten Fahrzeugzyklus abdecken, sondern auch den Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge steuern. Kunden profitieren durch den regelmäßigen Fahrzeugwechsel aufgrund der Leasingverträge davon, dass sie stets hochaktuelle Fahrzeuge fahren und somit an dem enormen technologischen Fortschritt im Bereich Elektromobilität teilhaben können. Dadurch schaffen wir Vertrauen in die Elektromobilität.

Die Paketlösung „Lease&Care“ ist dementsprechend bewusst einfach gestaltet, das hilft nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Handel. Wie aus der Modeindustrie bekannt, gliedert sich die Paketlösung in drei Kategorien: Das S-Paket beinhaltet Wartung & Verschleiß, im M-Paket kommen zusätzlich Winterkompletträder hinzu und das L-Paket beinhaltet Reifen je nach Bedarf. Diese Paketstruktur werden wir in der Zukunft auch auf Modelle anderer Marken übertragen.