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Wer kennt es nicht: Man fährt hinter einem Transporter her, dessen Ladung weit über die Ladefläche hinausragt – womöglich noch, ohne dies ausreichend kenntlich zu machen. So ein bisschen mulmig kann einem schon werden, und die Gedanken drehen sich um das Szenario, wenn die Gegenstände in Überlänge auf die Straße purzeln – was tun in diesem Fall? Ausweichen oder Vollbremsung? Doch es gibt noch andere Gefahren bei schlecht gesicherter Ladung jeglicher Art. Schweres, aber bewegliches Gut, das man in einem Kastenwagen transportiert, kann rasch zum gefährlichen Geschoss werden. Bei geringer Geschwindigkeit oder nicht allzu schwerer Fracht erleidet womöglich nur die Innenverkleidung des Transporters Schäden. Kann die Innenverkleidung das sich weiterbewegende Gut jedoch nicht aufhalten, wird die Ladung schnell zur Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Auch wenn Zeitmangel oder akute Anfälle von Unlust der Feind ordentlicher Sicherung sind – man sollte den inneren Schweinehund unbedingt überwinden und die Ladung vor der Abfahrt sorgfältig verstauen und sichern. Denn die Folgen können gravierend sein und sicherlich nicht weniger unangenehm, als vorher etwas Arbeit zu investieren – im Gegenteil.

Um zu verstehen, was mit der Ladung passiert, wenn sie nicht gesichert ist, bedarf es eines kleinen Exkurses in die Physik. Im Grunde ist jedes Transportgut an sich träge, sei es ein Tablet auf dem Beifahrersitz oder ein von vornherein schweres Gut wie ein Kühlschrank auf der Ladefläche. Das bedeutet, dass sich diese Gegenstände im Ruhezustand einer Beschleunigung widersetzen und an ihrem Platz verweilen wollen. Aus diesem Grund kippen oder rutschen beim ruckartigen Anfahren nicht gesicherte Ladungen nach hinten. Ist ein Gegenstand jedoch einmal in Bewegung geraten, möchte er seine Richtung und Geschwindigkeit beibehalten. Fährt ein Transporter mit 80 Stundenkilometern und wird plötzlich abgebremst, möchten sich die nicht mit dem Fahrzeug fest verbundenen Gegenstände im Inneren weiterhin mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern vorwärts bewegen – sie schießen deshalb nach vorne. Die physikalische Kraft, die dahintersteckt, heißt Massenkraft. Sie ist auch dafür verantwortlich, dass Taschen beim Abbiegen oder in Kurven nach außen rutschen; jedoch wird sie in diesem Zusammenhang meist als Fliehkraft bezeichnet. Daneben gibt es weitere Kräfte, die auf eine Ladung wirken, aber der Massenkraft entgegenwirken: die Gewichtskraft, die einen Gegenstand nach unten drückt, und die Reibungskraft, die das Verrutschen eines Objekts auf dem Untergrund erschwert. Für die Ladungssicherung ist dabei die Reibungskraft entscheidend, da sie dafür sorgt, dass ein Gegenstand an seinem Platz liegen bleibt – und zwar solange, bis die Massenkraft zu stark wird. Ab diesem Moment müssen dann Sicherungssysteme wie Zurrgurte die verbleibende Kräftedifferenz ausgleichen, damit das Ladegut an Ort und Stelle bleibt. Viele der bekannten Spezialisten aus dem Bereich der Fahrzeugeinrichtungen, wie Adolf Würth, allsafe, Aluca, bott, Fami, Schoon Fahrzeugsysteme, Service-System, Sortimo oder Winter Fahrzeugtechnik, haben spezielle Produkte zur Ladungssicherung im Portfolio.

Ebenso wichtig wie die Kenntnisse über die Kräfte, die auf die Ladung wirken, ist eine ideale Lastverteilung. Daher sollte darauf geachtet werden, dass das Schwerste nach unten und vorne auf die Ladefläche kommt, sodass sich der Schwerpunkt möglichst weit in die Mitte und nach unten verlagert. Dabei muss aber auch an das maximal zulässige Gesamtgewicht und die Achslasten gedacht werden, welche in den Fahrzeugpapieren vermerkt sind. Außerdem sollte die Fracht möglichst mittig zwischen den Seitenwänden und schwere Ladung nicht im hinteren Bereich des Laderaums platziert werden.

Doch was bedeutet eine ungesicherte Fracht im Detail? Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV) veröffentlichte im März 2020 die Broschüre „Der sicherheits-optimierte Transporter“ (https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/2948/der-sicherheits-optimiertetransporter) mit vielen Informationen und eindrucksvollen Zahlen, welche Kräfte wirken, wenn es zu einer Vollbremsung oder einem Zusammenstoß kommt. So wurde in Crashtests ermittelt, dass in diesen Situationen Personen wie auch die Ladung auf das bis zu Fünfzigfache ihres Eigengewichts beschleunigt werden. Zum Beispiel entwickelt ein 25 Kilogramm schwerer Hund so eine Gewichtskraft eines jungen Elefanten von bis zu 1.250 Kilogramm; selbst das Smartphone mit 300 Gramm entwickelt eine wirkende Massenkraft von 15 Kilogramm. Deshalb ist es wichtig, die im Fall eines Unfalls oder einer Vollbremsung wirkenden physikalischen Kräfte durch Ladungssicherung zu beherrschen. Nur so können folgenschwere Unfälle verhindert werden.

Wie sollte die Ladung gesichert werden? 
Sind die physikalischen Grundlagen einmal geklärt, geht es an die eigentliche Ladungssicherung. Dabei gibt es drei Arten: kraftschlüssig, formschlüssig oder eine Kombination beider Methoden. Eine kraftschlüssige Ladungssicherung wird erreicht, indem die Ladung durch Zurrmittel wie beispielsweise Zurrgurte an die Ladefläche gepresst wird. Dadurch erhöht sich die Reibungskraft, die die Ladung letztlich auf ihrem Platz festhalten soll. In der Regel sind für diese Art der Ladungssicherung mindestens zwei Zurrmittel nötig, welche die Fracht in Längs- und Querrichtung absichern. Zusätzlichen Halt verleihen rutschhemmende Materialien, die unter das Frachtgut gelegt werden und ein Verrutschen nun fast völlig ausschließen. Aber eben nur fast: Um die optimale Vorspannkraft zu erreichen, sollte der Zurrwinkel zwischen 83 und 90 Grad groß sein, die Ratsche eine Vorspannkraft von maximal 250 Dekanewton besitzen und das Ladegut formstabil sein.

Unter der formschlüssigen Ladungssicherung sind hingegen das lückenlose Verstauen und das gleichzeitige direkte Anladen der Ladung an den Fahrzeugaufbau zu verstehen. Die Hauptsache ist, dass der Fahrzeugaufbau und die Hilfsmittel ausreichend stabil sind, da beide die gesamte Last schultern. Aber auch alle Ladungsteile müssen stabil genug sein, um den Ladungsdruck aufnehmen zu können. Sollten besonders schwere Frachten transportiert werden, sind diese an allen Seiten durch formstabile Ladegüter zu sichern. Doch nicht nur andere Frachtgüter können das Verrutschen der Ladung verhindern: So eignen sich auch Verzurrgurte, Klemmstangen oder Bodenschienen, die an geeigneten Zurrpunkten im Fahrzeug verankert werden.

Die Kombination beider Methoden wird als „Kopflashing“ bezeichnet und findet insbesondere als „Stirnwandersatz“ Anwendung, falls die Ladung wegen der Lastverteilung nicht an die Stirnwand geladen werden kann. Bei der kombinierten Ladungssicherung wird daher in erster Linie in Fahrtrichtung gesichert, bei Bedarf aber auch entgegen dieser. Die Kopfschlinge muss dabei vor beziehungsweise hinter der Ladung durch Hilfsmittel gehalten und an Zurrpunkten am Fahrzeug fixiert werden. Außerdem muss die seitliche Sicherung bei dieser Methode extra vorgenommen werden. Wer sich tiefergehend damit befassen möchte, welche Zurrmittel er wofür genau braucht, findet Hilfe in der VDI-Richtlinie 2700. Dort werden viele Parameter beschrieben, auf die bei der perfekten Ladungssicherung Rücksicht genommen werden muss. Denn man hat nicht nur das reine Gewicht des Ladeguts zu beachten, auch der Zurrwinkel der Gurte, der Reibbeiwert der Ladung auf dem Boden sowie der Beschleunigungsfaktor spielen eine Rolle. Und zwar geht es vor allem um negative Beschleunigung, denn man muss immer die Möglichkeit der Gefahrenbremsung einkalkulieren. Auch die Beschaffenheit des Zurrgurtes spielt eine Rolle. Mit welcher Vorspannkraft wird gearbeitet? Wie hoch ist die Belastbarkeit?

Sicherungsmittel für Ladungen 
Welche Methode für die Ladungssicherung anzuwenden ist, entscheidet sich von Fall zu Fall. Jedoch unterstützen Fahrzeug- wie auch Einrichtungshersteller den Kunden hierbei mit einer Vielzahl von Produkten: So sind nahezu in jedem Fahrzeug fest installierte Ösen (sogenannte Zurrpunkte) am Boden oder der Seitenwand vorhanden. Diese können dann beispielsweise für Zurrgurte genutzt werden, mit welchen die Ladung schnell und flexibel gesichert werden kann. Wichtig dabei ist, dass jeder Zurrgurt und jeder Zurrpunkt eine maximale Belastungsgrenze hat, die nicht überschritten werden darf. Diese Angabe ist auf dem Zurrgurtlabel unter LC (= Lashing Capacity) oder Fzul (zulässige Scherkraft) zu finden. 

Leichte Ladungen, die man nur schwer einzeln sichern kann, werden hingegen idealerweise über sogenannte Zurrnetze fixiert. Diese werden genau wie Zurrgurte an den Zurrpunkten befestigt und straff über die Einzelteile gespannt. Auch hier wird die nötige Vorspannkraft über Ratschen erzeugt. Gleichzeitig eignen sich Zurrnetze auch für offene Ladeflächen wie Pritschen und Anhänger, bei denen der Fahrtwind eine völlig unberechenbare Dynamik auf die Ladung ausüben kann.

Bevor man übrigens mit schlecht gesicherter Fracht losfährt, ist ein Blick in den Bußgeldkatalog empfehlenswert. Die Beförderung einer Ladung ohne vorgeschriebene Sicherungsmittel zieht bereits ein Bußgeld von 25 Euro nach sich. War die Ladung nicht verkehrssicher verstaut und wurden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, wird nicht bloß ein Strafgeld von 60 Euro fällig, sondern es gibt auch einen Punkt in Flensburg. Je nach Beeinträchtigungsgrad der Verkehrssicherheit kostet das Knöllchen bis zu 200 Euro. Als Fuhrparkleiter sollte man berücksichtigen, dass neben dem Fahrer auch der Halter des Fahrzeugs bei unsachgemäßem Umgang mit der Ladung mit in die Pflicht genommen werden kann. Problematisch wird es, wenn der Schaden infolge einer schlechten Ladungssicherung so gelagert ist, dass er dem Unternehmen hohe Folgekosten beschert. Insofern sind eine fachgerechte Ladungssicherung und überhaupt umfangreiche Kenntnisse darüber essenzieller Teil guten Fuhrparkmanagements, das Leben rettet und Kosten auf ein Minimum beschränkt.

Fazit 
Ein guter Fuhrparkleiter einer gemischten Flotte hat das Thema Ladungssicherung auf der Agenda und investiert hier regelmäßig Zeit und durchaus auch Geld. Das Risikomanagement spielt eine entscheidende Rolle. Also lieber im Vorfeld gut absichern als am Ende einen Schaden riskieren, der dem Unternehmen viel teurer zu stehen kommt, sei es durch Geld, das es zahlen muss oder – manchmal noch viel schlimmer – durch einen Imageschaden, den es potenziell erleiden kann.