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Erinnern Sie sich noch an die ersten Elektroautos? Gerade den Akku vollgeladen und eine Runde um den Block gedreht – schon war die Reichweitenanzeige zweistellig. An diesem Punkt springt beim konventionellen Benziner gerade das Reservelämpchen an. Lange ist das noch nicht her, vielleicht sieben Jahre. Damals haben viele Menschen abgewunken und gesagt, mit der Elektromobilität werde das ohnehin nichts. Anno 2020 sieht das anders aus – wenn man beispielsweise in den ZOE der aktuellen Generation steigt, weist die Reichweitenanzeige auch mal 500 oder 600 Kilometer aus – okay, solche Distanzen lassen sich lediglich bei optimaler Temperatur und Streckenprofil erzielen, aber das ist ja innerhalb einer Generation schon ein gewaltiger Fortschritt. Immerhin gibt das Werk 386 Kilometer für den WLTP-Wert an, das ist eine praxisgerechte Norm und recht solide. Um eines ganz klar vorweg zu sagen: Der Renault ZOE mit der 52 kWh-Batterie ist ein alltagsfähiges Fahrzeug, mit dem man ohne Probleme auf die Langstrecke gehen kann. Und die Situation wird sich ja noch verbessern, schließlich wächst das Netz an Schnellladern. Schnell laden mit Gleichstrom kann der ZOE ohne Frage ebenfalls.

Renault hat Flottenmanagement für den Test die stärkere der beiden ZOE-Varianten zur Verfügung gestellt. Damit bringt der Kleinwagen 135 PS, was für das Fahrzeugsegment schon eher oberer Bereich ist. Auch das Drehmoment liest sich ganz ordentlich mit 245 Newtonmetern. Allerdings ist der knapp über vier Meter lange Fronttriebler mit 1,6 Tonnen auch ganz schön schwer – hier schlägt eben der Akku durch. Die gute Nachricht ist aber: Die Techniker haben die Batterien im Bereich zwischen den Achsen im Fahrzeugboden untergebracht, so dass ein optimaler Schwerpunkt entsteht. Und das merkt man dem ZOE sofort an. Die 1,6 Tonnen spürt man überhaupt nicht, würde man dem Fahrer sagen, der Franzose wiege nur 1,2 Tonnen – er glaubte es sofort. Klar, mit dem stärkeren Motor zieht der ZOE schon aus dem Stand kräftig weg, wenn man in Verbindung mit ein bisschen Lenkwinkel von der gerade grün gewordenen Ampel aus volle Last auf die Maschine gibt, bringt man die Pneus an ihre Traktionsgrenze.

Das Fahren mit dem ZOE bereitet demnach wirklich Spaß. Und auch wenn der Franzose markentypisch weich abgestimmt ist und seine Passagiere wirklich weich bettet, kann man mit ihm auch auf der Landstraße behände durch die Kehren zirkeln. Man ist auf keinen Fall phlegmatisch unterwegs, und selbst wenn das Tempo vor der Kurve herausgenommen werden muss, geht es danach dank sattem Drehmoment unten herum wieder flugs auf Trab. Apropos weich – der ZOE bietet nicht nur fahrwerkseitig, sondern auch bezüglich Geräusch viel Komfort. Logisch, der einzige Lärm, den er beim Antrieb macht, ist die künstlich generierte Warn-Frequenz bei niedrigen Geschwindigkeiten, damit Fußgänger und Radfahrer den ZOE wahrnehmen. Ist aber abschaltbar. Ansonsten bleibt es innen erfreulich leise, und selbst wenn man die Richtgeschwindigkeit einmal überschreitet, behelligt der Renault seine Passagiere nicht mit lautem Windlärm. Auf den Sitzen weilt man übrigens recht gut. Dafür, dass der ZOE ja von Hause aus eher ein Citycar ist, lässt er sich ohne Probleme multifunktional einsetzen. Auch die zweite Reihe bietet hinreichenden Platz für sämtliche Gliedmaße und lange Oberkörper.

Beim Lieblings-Modethema Infotainment lässt die Marke mit dem Rhombus ihre Anhänger und jene, die es noch werden möchten, ebenfalls nicht im Stich. Das im Testwagen verbaute 9,3-Zoll-Touchscreen-Tablet erlaubt vielfältige Möglichkeiten, den ZOE digital zu erleben. Sei es, ob man das Smartphone mittels Apple CarPlay oder Android Auto steuern möchte oder eben die integrierte Navigation aus dem Hause TomTom. Letztere bezieht ihre Updates übrigens „over the air“ – und bleibt somit immer aktuell. Das variable Kombiinstrument besteht ebenso aus Anzeigefläche, ist mit zehn Zoll sogar größer als der Zentralmonitor. Läuft eine Zielführung, wird die Straßenkarte auch hier angezeigt, sodass der Fahrer seinen Kopf nicht mehr zur Seite neigen muss. Für die alltäglichen Dinge – die Steuerung der Klimaautomatik beispielsweise – bleiben weiterhin physische Schalter, Drehregler in diesem Fall. Schneller und präziser kann man eine Fahrzeug- Bedienung nicht gestalten. Auch bei der Lenkradbedienung bleibt sich Renault treu und hat den traditionellen Satellit zur Lautstärkeregelung noch nicht aus dem Programm geworfen.

Ein Punkt, der beim vollelektrischen Auto natürlich immer noch nicht ganz abgehakt ist, ist das Laden. Klar, es ist für viele potenzielle Autokunden noch Neuland. Man weiß nicht, wie es funktioniert, wo man wie laden kann – die Geschichte ließe sich unendlich fortführen. Fakt ist, dass Deutschland jetzt schon über ein recht dichtes Netz an Schnellladesäulen verfügt, was auch nutzbar ist. Der ZOE kann mit einem sogenannten CCS-Anschluss für rasches Gleichstromladen ausgerüstet werden – das lässt sich der Hersteller indes mit netto 916 Euro extra bezahlen. In diesem Fall wird die Batterie binnen 25 bis 30 Minuten wieder von 20 auf 80 Prozent Füllstand gebracht. So sind auch Reisen quer durch die Republik mit vertretbarem Aufwand machbar. Wer vom Fahrund Ladeprofil ohnehin entweder eine heimische Wallbox oder öffentliche Ladesäulen mit Typ 2-Stecker vorzieht, also auch mit Ladezeiten von mehreren Stunden zurechtkommt, der kann sich den Aufpreis sparen. Aber bitte immer auch den Wiederverkauf im Hinterkopf halten.

Mit den derzeitigen Förderungen ist ein Elektroauto natürlich spannend – schließlich gibt es die volle Unterstützung von Hersteller und Staat bei Fahrzeugen bis 60.000 Euro brutto, und der starke ZOE startet ab 33.133 Euro brutto, was netto 28.562 Euro entspricht – ist also in vollem Umfang förderfähig. Außerdem muss die private Nutzung lediglich mit 0,25 Prozent versteuert werden, was kaum weniger attraktiv ist im Firmenbereich. Wählt der Käufer die 135 PS-Version, gibt es neben den Basics wie programmierbare Klimatisierung, LED-Scheinwerfer, schlüsselloses Schließsystem und Tempomat auch noch einen Spurhalteassistent und feschere 16-Zöller. Ach ja, Stichwort fesch – mit dem technoiden Rückleuchten- Layout aus LED sieht der Franzose nicht nur hübsch, sondern auch ein bisschen futuristisch aus. Und derzeit sieht es ja so aus, als seien elektrische Antriebe die Zukunft.