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Da steht er nun, der neue Mercedes-Benz GLS – wuchtig und vor allem mit kantiger Front. Seine 5,21 Meter Außenlänge kann der Untertürkheimer nicht wirklich verbergen – will er auch gar nicht. Dennoch ist es den Designern gelungen, einen Hauch Dezenz auf das Blech des GLS zu zaubern, der sich optisch nie in den Vordergrund drängt. Aber er löst Vorfreude aus, jedenfalls dann, wenn gerade eine längere Fahrt bevorsteht. Und wenn auch noch die Einzelsitze installiert sind (wie im Testwagen), wird das automobile Reisen tatsächlich zur Firstclass-Angelegenheit. Also ab in den GLS und erst einmal umschauen. Man erklimmt den Brocken tatsächlich, falls das Fahrzeuglevel nicht vorher gesenkt wurde, was per Schalter möglich ist dank Luftfederung. Einmal angekommen, darf man das freizügige Raumangebot genießen und sich eine Weile auf die Instrumente einlassen, die vor allem aus viel Anzeige bestehen. Der so genannte Widescreen thront im GLS selbstverständlich serienmäßig auf der nobel belederten Armaturentafel.

Es ist an der Zeit, den Startknopf anzutippen – und wieder beeindruckt der GLS selbst hartgesottene Autotester: Denn auf das kaum wahrnehmbare Anlassergeräusch folgt der kultivierte Motorlauf. Sind aber Lüftung oder Radio eingeschaltet, geht die Maschinenaktivität unter. Erst nach genauem Horchen fällt auf, dass der doppelt aufgeladene 2,9-Liter überhaupt arbeitet. Dann wirst du neugierig und willst wissen, wie der historisch korrekterweise in Reihe angeordnete Sechszylinder unter Last klingt. Also bitte die Fahrstufe „D“ per Lenksäulen-Hebel bemühen, und ab geht die Post. Die eigentlich für diese Maschinenart so typische Anfahrschwäche verkneift sich das 330 PS starke Powerpack, stattdessen schiebt es den 2,5-Tonner einfach nur bullig voran, ohne dabei merklich die Stimme zu heben. Selbst kurz vor dem Drehzahlende wird der Selbstzünder nicht streng in der Akustik. Pfusch am Sound betreibt Mercedes indes nicht und lässt ihn so klingen, wie es ihm gebührt, will heißen: Aus der Arbeitsweise macht der Reihensechser keinen Hehl, hat er auch gar nicht nötig.

Unterhaltungen quer durch das große Auto, so es denn komplett mit Passagieren besetzt ist, stellt dank niedrigem Lärmniveau überhaupt kein Problem dar. Einen besonderen Exkurs verdienen aber die Sitze, die wirklich eher als Clubsessel wahrgenommen werden: Weich schmiegt sich die feine Rindshaut an die Körper der Passagiere und bettet diese in ergonomisch bester Manier, so dass das Fortkommen selbst über viele hundert Kilometer zum Lustevent avanciert. Und dass das noble Mobiliar elektrisch zurechtgerückt werden darf, ist selbstverständlich – funktioniert bei Mercedes schon seit Jahrzehnten mit einem genialen Kniff: In den Türen sitzt ein kleiner Miniatursitz, den man so bewegt, wie man es von den Sitzen gern hätte. Klimatisierung der Kontaktflächen plus ein umfangreiches Massageprogramm tun ihr Übriges, um den Mitfahrern den Aufenthalt an Bord zu versüßen. Per Knopfdruck wandeln sich die hinteren Fauteuils zur ebenen Ladefläche, um 2.400 Liter Stauvolumen freizugeben – das ist jede Menge Holz.

Der GLS kann nicht nur luxuriös, sondern auch praktisch. Sei es, dass er dreieinhalb Tonnen an den Haken nehmen oder über 700 kg zuladen darf. Das große SUV macht auf dem Baumarkt-Parkplatz eine ebenso gute Figur wie auf dem Boulevard. Und, was bei allem Komfort und praktischem Nutzen nicht zu vergessen ist: Ganz nebenbei ist der große Mercedes auch noch ein veritabler Geländewagen. Zumindest, wenn man die 1.900 Euro netto für das Offroad-Package ausgibt. In diesem Fall gibt es für ganz anspruchsvolle Passagen abseits fester Straßen eine Geländereduktion, und der vollvariable Allradantrieb erlaubt diverse Sperr-Funktionen. Dazu kommen neben verschiedenen Geländeprogrammen auch noch ein wirkungsvoller Unterfahrschutz. Eine leistungsfähige Bergabfahrhilfe unterstützt den Fahrer auf stark abschüssigen Sektionen. Überhaupt ist umfangreiche Assistenz allzeit präsent im GLS, das gilt natürlich auch für den – zumindest statistisch – wesentlich häufigeren Onroad-Bereich.

Schon während der ersten Meter mit dem Fünfmeter- Liner erfährt der Fahrer die Existenz zahlreicher Assistenten. Je nach Fahrmanöver und Einstellung vibriert es im Lenkrad, oder das Elektronenhirn greift sogar aktiv in die Lenkung ein, wenn man beispielsweise die Spur verlässt. Wer Erinnerungen dieser Art befremdlich findet, kann sich seine persönliche Assistenz konfigurieren. Es empfiehlt sich in jedem Fall das netto 1.930 Euro teure Fahrassistenz-Paket mit einigen autonomen Bremsfunktionen. Darin enthalten ist auch der bis zum Stillstand herunterbremsende aktive Tempomat, der nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Komfort auf langen Autobahn-Etappen bringt. Wird der Fahrer von einem Hindernis auf der Fahrbahn überrascht und muss schnell ausweichen, unterstützt die Elektronik das Manöver und hilft nach. Wer häufiger im Zugbetrieb unterwegs ist, aber rückwärtiges Manövrieren mit Gespann dennoch nicht mag, sollte auf den Rangierassistenten (350 Euro netto) nicht verzichten, der den genauen Lenkeinschlag visualisiert. Eine Rundumkamera dagegen gibt es serienmäßig mit auf den Weg. 

Rundum versorgt mit Infotainment sind die Mitreisenden darüber hinaus ebenso. Der ausladende „Widescreen“ ist ja bereits seit einigen Jahren bekannt und demnach gewohntes Bild. Auch nicht ganz neu, aber doch immer wieder frappierend ist die „MBUX Augmented Reality“ – ein Feature des Navigationssystems, bei dem während einer Abbiegeanweisung kurz die Straße per Kamerabild live eingeblendet und ein Pfeil darübergelegt wird, um deutlich zu machen, welchen Weg man einschlagen soll. Die dafür zusätzlich anfallenden 390 Euro netto sind gut angelegt. Mager ausgestattet rollt der ab 76.805 Euro netto teure GLS 400d 4Matic indes keineswegs vom Hof, sind die wichtigsten Sicherheitsmerkmale doch an Bord plus Dinge wie Digitalradio, volladaptive LED-Scheinwerfer, Luftfederung, Navigationssystem, schlüsselloses Schließsystem, elektrisches Schiebedach, die praktische dritte Sitzreihe sowie eine heutzutage kaum noch wegzudenkende Smartphone-Integration. Das nützliche Head-up-Display zu 1.090 Euro netto ist definitiv eine Überlegung wert.