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Unsere Medien werden seit Wochen nur noch von einem einzigen Thema beherrscht: Corona. Keine Frage, was aktuell geschieht, wird uns sicher noch eine ganze Weile beschäftigen. Allerdings wird klar, dass nicht nur die Qualität der Corona- Nachrichten sukzessive abstürzt und teilweise ein beängstigend flaches Reality-TV-Niveau erreicht hat. Der Informationsgehalt jedenfalls ist nicht mehr da. Zuletzt stellte man fest, dass zum Beispiel auch die Infektionszahlen und deren Entwicklung immer weniger kommuniziert werden. Stattdessen sukzessive Verharmlosung der Dinge durch Fokussierung auf Banalitäten, weil krampfhaft irgendwie an irgendeiner Form der Corona-Berichterstattung festgehalten werden muss. Das ist dann nicht mehr Information, das ist dann mehr (seichte bis niveaulose) Unterhaltung. Dabei sind viele andere Themen völlig in den Hintergrund geraten. Flüchtlingsdramen und überfüllte Camps, Terrorismus, zahlreiche Kriege, Politik in anderen Ländern, Brexit, Umwelt … man hört praktisch nichts mehr. Dabei laufen auch diese Dinge weiter. Ist das die Art der Informationspflicht, die wir uns wünschen?

Wollen wir tatsächlich so informiert werden? 
Gut. Informationsschulden sind Holschulden. Wie informieren Sie sich? Woher holen Sie die für Sie wichtigen Informationen? Im Web wird bereits viel Stuss verbreitet. Viele Selbstdarsteller, welche zum Teil Tatsachen verdrehen, nur um irgendwie im Rampenlicht zu stehen. Mit den von den TV-Anstalten bereitgestellten Informationen verhält es sich zum Teil ähnlich. Viel Geschwafel, Klatsch und Tratsch, viel Inszenierung, wenig Greifbares. Alter Kram wird x-fach aufgewärmt, neu verpackt und ist am Ende substanziell derart leer, dass man sich nur noch angeödet abwendet. Powerzapping zwecklos, weil praktisch alle Kanäle das Gleiche liefern, wenngleich vielleicht zeitlich versetzt. Weitere Informationsquellen wie Veranstaltungen, Treffen, Messen, also diverse Möglichkeiten auch zur Netzwerkpflege, fallen erst einmal aus. Wie betrifft das unser Thema Automobil? Nicht unerheblich. Als Fuhrparkleiter konnten wir uns in den letzten Jahren über eine kontinuierlich wachsende Angebotsvielfalt freuen. Diverse Messen, Fachzeitschriften, Seminare, Treffen, Veranstaltungen: Die Auswahl war groß, die Möglichkeiten waren vielfältig. Sicher konnte man über die Vielfalt diskutieren: Hätte man alle Angebote wahrgenommen, wäre im Terminkalender vermutlich kein Platz für andere Aktivitäten gewesen. Aber man hat bewusst und gezielt gewählt. Für mich relevant war zum Beispiel „Flotte! Der Branchentreff“ als Treffpunkt für Leidensgenossen, Anbieter rund ums Kfz und eben auch als wichtige Informationsquelle. Dann der Besuch der Automobilmesse (Genf war für mich nicht zu weit entfernt und nicht hoffnungslos überrannt) und eben Fachzeitschriften. Dazwischen gab es noch den direkten Erfahrungsaustausch mit dem Netzwerk. O. k., oftmals trifft man ja ohnehin die üblichen Verdächtigen/Bekannten auf Fuhrparkveranstaltungen. Und doch gab es immer wieder Neues zu berichten. 

Jetzt ist fast alles anders. Messen fallen aus, starke Einschränkungen bei der Mobilität (Stichwort Homeoffice) … der Lockdown hinterlässt nicht nur in der Wirtschaft Spuren, sondern beeinträchtigt unsere Arbeit massiv. Fragen Sie mal zum Beispiel Autotester nach deren Möglichkeiten, neue Produkte zu testen. In Gesprächen mit Kollegen kann man einen wachsenden Hunger nach echten Informationen wahrnehmen. Diese Informationen bilden für viele von uns eine wichtige Basis für die professionelle Arbeit in unseren Berufen. Sie helfen uns bei der weiteren Entwicklung in allen Bereichen, dienen der Erkennung möglicher Schwachstellen, machen uns aufmerksam und helfen uns, besser zu werden. Wie aber können wir das, wenn die echten Entwicklungen für uns stehen bleiben?

Meiner Meinung nach sollten die für die Bereitstellung von Informationen verantwortlichen Bereiche schnellstens an der Qualität arbeiten und diese deutlich verbessern. Informationen sollen informativ und eben nicht unterhaltend sein (sonst wäre es ja Unterhaltung). Mehr Themen, die unseren Horizont wieder erweitern und uns nicht immer mehr einschränken, uns vielleicht auch mal wieder zum Nachdenken animieren statt uns geistig immer weiter abzustumpfen. Nicht falsch verstehen: Der Umgang mit Corona/Covid- 19 ist ganz ohne Zweifel extrem wichtig und wird uns ganz sicher noch eine ganze Weile begleiten. Wenn man sich allerdings auf die Fakten und Neuerungen hierzu konzentriert und den trivialen Teil weglässt, dann bleibt Platz für andere wichtige Nachrichten.

 

AUTOR

Peter Insam ist seit nunmehr 27 Jahren im Einkauf für Betriebsmittel und Investitionsgüter unterwegs, von denen er seit 25 Jahren die Geschicke verschiedener nationaler und internationaler Fuhrparks gelenkt hat. Seit etwas mehr als einem Jahr ist er als Head of Corporate Procurement und zwischenzeitlich auch als Prokurist unter anderem für die knapp 700 Firmenfahrzeuge der Hays AG verantwortlich. Zuvor war er rund 10 Jahre für den Einkauf von Betriebsmitteln und Investitionsgütern für den Medizintechnik-Hersteller Maquet GmbH in Rastatt tätig. Hierzu gehörte auch die Leitung des Fuhrparks mit 350 Fahrzeugen am Standort Rastatt. Darüber hinaus sammelte er zahlreiche Erfahrungen im Rahmen von Auslandsaufenthalten in Frankreich und Australien.