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Die mobile Lösung 
Immer häufiger kommt dabei das Smartphone zum Einsatz. Einer der Pioniere bei den smartphonegestützten Lösungen ist die DriversCheck-App der Wollnik & Gandlau Systems GmbH. So berichtet einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens, Richard Gandlau: „Seit nunmehr fünf Jahren sind wir der führende Anbieter einer rein smartphonebasierten Führerscheinkontrolle.“ Mittlerweile bieten viele Dienstleister in unserer Übersicht eine Kontrollfunktion mit dem Smartphone an. Doch wie funktioniert das überhaupt mit der Kontrolle via Mobiltelefon? Hier unterscheiden sich die Systeme deutlich voneinander. Häufig muss auf dem Führerschein ein manipulationssicheres Prüfsiegel angebracht werden, welches das Smartphone auslesen kann, wie beispielsweise bei dem System von Hendrik Scherf, Geschäftsführer YellowFox GmbH: „Bei der elektronischen Führerscheinkontrolle greift YellowFox auf NFC-Tags zurück, die auf der Rückseite des Führerscheins an einer dafür vorgesehenen Stelle aufgeklebt werden. Diese NFC-Tags enthalten eine eindeutige Identifikationsnummer, die im System mit dem jeweiligen Nutzer verknüpft ist. In der Praxis muss der Mitarbeiter lediglich den Führerschein an sein NFC-fähiges Smartphone halten, um die Kontrolle durchzuführen.“ In anderen Systemen kommen RFID-Chips oder Hologramme zum Einsatz. Das angesprochene Drivers- Check-System kommt hingegen gänzlich ohne Siegel oder Ähnliches aus. 

Trotz der Vielfalt an Apps und mobilen Lösungen sind andere Kontrollmethoden längst noch nicht abgemeldet – im Gegenteil: Für René Roeder, Geschäftsführer der fleet innovation GmbH, ist eine App eine Ergänzung in einem größeren System: „Erst die Vielfalt der Prüfverfahren zur Führerscheinkontrolle ermöglicht unseren Kunden, auf die Bedürfnisse ihrer Dienstwagenfahrer individuell einzugehen. Die sinnvolle Kombination der Instrumente ist entscheidend und für uns ist es deshalb keine Frage des ‚Entweder-oder‘: Mit der neuen fleet-iD Fahrer-App können die Flottenmanager jetzt eine zusätzliche orts- und zeitunabhängige Anwendung zur Führerscheinkontrolle anbieten.“ 

Es gibt einige Anwendungsfälle, bei denen eine Smartphone-App nicht die beste Prüfmethode darstellt, denn nicht immer sind Diensthandys vorhanden und nicht immer ist eine ortsunabhängige Prüfung gefragt. So haben auch stationäre Systeme nach wie vor ihre Berechtigung, erklärt zum Beispiel Lars Beckonert, Verkauf Flotteninformationssysteme, SCHROIFF SoftwareSysteme GmbH: „Unsere Führerscheinkontrolle funktioniert ohne Smartphone und ist bei den Unternehmen mittels fest installiertem Prüfterminal einfach durchführbar. Gut nutzbar für alle Flotten, bei denen die Mitarbeiter/Fahrer regelmäßig zum Firmensitz zurückkehren, um die Kontrolle durchführen zu können.“ Auch bei anderen Flottenszenarien ist eine stationäre Kontrolle des Führerscheins ganz ohne mobile Anwendung sinnvoll, wie Peter Vogel, Senior Sales Manager Mobility bei der KEMAS GmbH, weiß: „Je nach Unternehmenspolitik kann der Führerschein auch vor Antritt jeder Fahrt geprüft werden. Dies erfolgt zum Beispiel bei Entnahme des Fahrzeugschlüssels aus einer kontaktlosen 24/7-Übergabestation von KEMAS. Der Führerschein kann mit Label ebenfalls als Identifikationsmedium genutzt werden.“ Gerade in Poolfahrzeugflotten erscheint diese Lösung besonders praktikabel.

Eine Frage der Sicherheit 
Komfort und Praktikabilität sind jedoch nur ein Aspekt, den es zu betrachten gilt, viel wichtiger dürfte jedoch die Datensicherheit sein, schließlich handelt es sich bei der Fahrerlaubnis um ein sensibles Dokument. Entsprechend genau dürften Betriebsräte die Einführung eines elektronischen Führerscheinkontrollsystems beobachten, erst recht wenn die Prüfung smartphonebasiert funktioniert. Daher ist die Datensicherheit bei LapID seit Jahren und „nicht erst seit der DSGVO“ ein Thema, wie Jörg Schnermann, Geschäftsführer LapID Service GmbH, schildert: „Als einziger Anbieter wurde unsere Auftragsverarbeitung schon 2016 extern zertifiziert, durch den TÜV Süd.“ Dies dürfte wohl auch ein wichtiger Grund gewesen sein, warum sich die Verantwortlichen von Vimcar entschieden haben, auf LapID als Kooperationspartner bei der Führerscheinkontrolle zu setzen. 

Neben dem Schutz der personenbezogenen Daten muss auch die Manipulationssicherheit insbesondere bei Lösungen mit einem Siegel gewährleistet sein. Das weiß auch Hannes Behacker, Managing Director der edding Tech Solutions GmbH: „Bei Entfernung des aufgebrachten Prüflabels vom Führerschein werden sowohl das Label-Material als auch die darin enthaltene leitfähige Codierung zerstört. Da wir in der Codierung keinerlei personenbezogene Daten speichern, ist ein Fremdauslesen des Labels, etwa durch nicht autorisierte Lesegeräte oder Smartphones, nicht möglich. Insgesamt setzt ein erfolgreicher Prüfprozess zwingend den physischen Besitz von entsprechendem Label und Führerschein voraus, den wir nachweisen.“ Das System von edding Tech ist neu am Markt und wird voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres erhältlich sein. Das Besondere daran ist, dass Prüfungen sowohl für Karten- als auch Papierführerscheine vollkommen zeit- und ortsunabhängig und ohne stationäre Prüfgeräte durchgeführt werden können. Dafür wird ein vollständig transparentes Label, das eine unsichtbare leitfähige Codierung enthält, einfach auf den Führerschein aufgeklebt. Die eigentliche Prüfung erfolgt in wenigen Sekunden mittels Smartphone durch ein einfaches Fingerstreichen über das Label. Das für den Prüfprozess relevante Signal wird somit vom Fahrer selbst erzeugt und übermittelt. Es erfolgt keine Übermittlung von personenbezogenen Daten, die durch externe Dienstleister und Unternehmen fremdausgelesen werden könnten. 

Es gehört also eine Menge dazu, die Führerscheinkontrolle manipulieren zu wollen, wie Andreas Rupp, Geschäftsführer ICT Handels GmbH, beschreibt: „Die Siegel sind auf Geldscheinniveau und da muss man schon kriminelle Energie aufbringen, dies zu manipulieren.“

Zukunftsszenario 
Ist es in einer digitalen Zukunft überhaupt noch notwendig, eine einzelne Prüftechnologie zu verwenden, oder ist die Kombination verschiedener digitaler Anwendungen nicht sinnvoller? Eine Zukunftsfrage, die Wolfgang Schmid, Sales Director D-A-CH bei Webfleet Solutions, schon heute beantworten kann: „Mit fortschreitender Digitalisierung sind unsere Kunden nicht nur auf der Suche nach einem flexiblen Weg für die Führerscheinkontrolle, sondern wünschen sich Lösungen, die eine möglichst große Bandbreite der unternehmerischen Herausforderungen abdecken. Webfleet Solutions bietet deshalb eine Komplettlösung, die Funktionen wie Fahrzeugortung, umfassende Reportings, Auftragsmanagement, Analyse des Fahrerverhaltens, elektronisches Fahrtenbuch sowie viele weitere kombiniert, Schnittstellen zu externen Anwendungen ermöglicht und sich zudem nahtlos in bestehende Softwarelösungen integrieren lässt.“

Auch der Berliner Softwareanbieter Carano Software Solutions GmbH liefert einen ganzheitlichen Ansatz – allerdings aus einer etwas anderen Perspektive. So beschreibt Matthias von Tippelskirch, Geschäftsführer Carano Software Solutions GmbH: „Durch die fortschreitende Digitalisierung aller betrieblichen Prozesse profitieren Unternehmen von schnelleren Prozessabläufen und schlankeren Organisationen. Dies spart letztlich Kosten und trifft auch auf die Führerscheinprüfung zu. Eine Integration dessen in das Fuhrparkmanagementsystem gibt ein ganzheitliches Bild über alle zu überwachenden Zustände des Fuhrparks. So können alle Termine und Kosten überblickt werden. Carano bietet deshalb ein vollintegriertes System, das manuelle Schnittstellen komplett vermeidet und alle Prozesse automatisiert ablaufen lässt.“

Fazit 
Auch wenn im digitalen Zeitalter eine einfache Sichtprüfung des Führerscheins durch den Fuhrparkleiter und eine anschließende schriftliche Dokumentation nach wie vor möglich sind, sinnvoll erscheint dies in Anbetracht der Fülle an großen und kleinen Prüfmöglichkeiten nicht.