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Bei der Auswertung der Ergebnisse der letzten Flottenmanagement-Onlineumfrage zur Digitalisierung der Flottenverwaltung in Deutschland fiel der Blick sofort auf die Teilnehmerstruktur – zwar hatten wie in den Umfragen zuvor ähnlich viele Flottenmanager unsere Fragen beantwortet, aber der prozentuale Anteil der großen Flotten jenseits von 100 Fahrzeugeinheiten ist dieses Mal mit 57 Prozent erstaunlich hoch. Allein 22 Prozent der Teilnehmer verwalten Fuhrparks mit mehr als 500 Fahrzeugen. Ist das Thema der Digitalisierung also nur etwas für die großen Fuhrparks? Nicht unbedingt, schließlich fühlten sich auch Betreuer von Kleinstflotten mit weniger als fünf Einheiten von dem Thema der Umfrage angesprochen. Hier lag der Anteil bei 15 Prozent. Diese Diskrepanz bei der Flottengröße der Umfrageteilnehmer sollte man bei der Analyse der Umfrage im Hinterkopf behalten, denn bei der ein oder anderen Frage wird der Unterschied zwischen Großflotte und Kleinunternehmer mehr als deutlich. Über alle Fuhrparkgrößen hinweg handelt es sich übrigens um Pkw-Flotten, die 78 Prozent der Fahrzeugeinheiten der Umfrageteilnehmer stellen. Ein Befund, der ebenfalls berücksichtigt werden muss, wenn es beispielsweise um das Thema Telematik geht. Logistikunternehmen und Nutzfahrzeugflotten haben hier fast immer Erfassungssysteme an Bord, um die Fahrzeugdisposition zu ermöglichen. Bei User-Chooser-Flotten hingegen ist dies ein umstrittenes Thema. So erklärt sich auch das Umfrageergebnis zu dieser Frage, demzufolge 54 Prozent überhaupt keine Telematik einsetzen und nur 26 Prozent umfangreich auf das Sammeln von Fahrdaten setzen (Grafik 1).

Immerhin sieben Prozent planen in nächster Zeit, Telematik einzusetzen. Dabei geht es nicht einmal um die Frage Telematik ja oder nein, eigentlich müsste die Frage lauten: Wie viel Telematik kommt in der Flotte zum Einsatz? Schon ein einfaches elektronisches Fahrtenbuch fällt unter den Bereich Telematik und hat mit dem oft von Telematik-Gegnern befürchteten Problem des gläsernen Mitarbeiters erst mal nichts zu tun. Zumal mittlerweile auch die Fahrzeughersteller das Thema für sich erkannt haben und eigene Lösungen anbieten.

Die Daten, die aus Telematiksystemen gewonnen werden können, ermöglichen eine deutlich effizientere Flottenverwaltung, insbesondere wenn Verwaltung ohnehin digital abläuft. Dann können die gesammelten Fahrdaten über eine entsprechende Schnittstelle direkt in das System einfließen. Doch auch bei den Flottenverwaltungssystemen ist die Digitalisierung noch nicht abgeschlossen, wie die Umfrageergebnisse zeigen. Ganze sieben Prozent verwalten die Fahrzeuge noch in Papierform, 28 Prozent immerhin in einer Excel-Tabelle (Grafik 2). Die anderen Umfrageteilnehmer managen den Fuhrpark mithilfe von Softwareprogrammen von spezialisierten Softwareunternehmen (36 Prozent), von Leasinggesellschaften (11 Prozent) oder besitzen ein eigens entwickeltes Verwaltungssystem (11 Prozent). Der Markt bietet den Softwareunternehmen also noch genügend Entwicklungspotenzial, da der Bedarf an professioneller Verwaltungssoftware noch groß ist. Vergleicht man die Antworten zu dieser Frage mit denen der letzten Flottenmanagement-Onlineumfrage zu diesem Thema vor knapp einem Jahr, zeigt sich, dass sich die Flotten digitalisieren. Damals gaben erstaunliche 42 Prozent der Umfrageteilnehmer an, eine Excel-Tabelle für die Verwaltung der Fahrzeuge zu verwenden (FM 3/2019).

Da die Flottenverwaltung aus vielen einzelnen Prozessen besteht, ist es auch möglich, dass einzelne Abläufe bereits digital vonstattengehen und andere noch nicht. Die Führerscheinkontrolle beispielsweise wird relativ häufig (68 Prozent) mithilfe einer Smartphone-App geregelt (Grafik 3). Auch das Fahrtenbuch wird immer öfter über eine App geführt. Beide Anwendungen benötigen nicht zwangsweise ein volldigitalisiertes Flottenmanagement und können auch als Stand-alone-Lösung funktionieren. Neben der Verwaltung gibt es noch weitere Prozesse, die in den Fuhrparks digital ablaufen können. So nutzen beispielsweise 64 Prozent einen Online- Fahrzeugkonfigurator und ein Viertel der Umfrageteilnehmer vermarktet die Fahrzeuge auf digitalen Kanälen (Grafik 4). Immerhin 17 Prozent nutzen bereits Onlineangebote der Autohäuser; ein Wert, der sich, auch getrieben durch die Pläne vieler Fahrzeughersteller, in den nächsten Jahren noch deutlich erhöhen dürfte. Sowohl die Nutzung des Smartphones als auch die weiterer digitaler Dienstleistungen zeigt, dass die Digitalisierung schrittweise die Flottenwelt erobert. Einzelne Anwendungen werden durch webbasierte Plattformen ins Netz verlagert, weil es praktischer, schneller und günstiger ist.

Mit den gleichen Worten könnte man auch die Vorteile von Webinaren beschreiben. Diese erfreuen sich gerade in diesen Zeiten einer großen Beliebtheit. So nehmen dann auch 52 Prozent der Umfrageteilnehmer zur persönlichen Weiterbildung an dieser Form des E-Learnings teil und 20 Prozent planen, demnächst diese Fortbildungsmöglichkeit zu nutzen (Grafik 5). Rund ein Viertel nutzt das digitale Lernen auch für die Fahrerunterweisung. Inwieweit die Ergebnisse durch die Situation der letzten Monate beeinflusst wurden, lässt sich nicht zurückverfolgen. Fest steht, dass sich nicht nur die Verwaltung digitalisiert, sondern auch die Themen Bildung, Informationsbeschaffung und Informationsvermittlung. Somit wird sich auch die Arbeitszeit für die Fuhrparkleiter hinter dem Computer-Bildschirm verlängern und der persönliche Kontakt zu den Fahrern schwinden. Schon jetzt geben elf Prozent der Teilnehmer an, ausschließlich am PC zu arbeiten und ein digitaler Flottenmanager zu sein (Grafik 6). Mehr als die Hälfte arbeitet hauptsächlich am Rechner und nur sieben Prozent gar nicht. Dies mag sich in anderen Berufen ähnlich entwickeln, für den Fuhrparkleiter bedeutet dies jedoch, sich immer mehr zum Datenmanager zu entwickeln. Eine Tendenz, die sich unaufhaltsam fortsetzen wird. So planen 78 Prozent der Umfrageteilnehmer, in der nächsten Zeit weitere Prozesse zu digitalisieren (Grafik 7). Ein sehr hoher Wert, wenn man bedenkt, dass einige Flotten ja bereits einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen.

Fazit: Schon im Vergleich zur letzten Flottenmanagement-Onlineumfrage zu diesem Thema zeigt sich, dass die Arbeit des Flottenmanagers digitaler wird. Ob es jemals zu einer vollständigen Digitalisierung kommen wird, ist schwer abzusehen. Zumal das Thema Datenschutz hierzulande eine große Rolle spielt und einige Digitalisierungsprozesse durch datenschutzrechtliche Bedenken zumindest verlangsamt werden. Übrigens in immerhin sechs Prozent der Flotten ist der Fuhrparkleiter auch Datenschutzbeauftragter (Grafik 8). Auch hier zeigt sich die bereits angesprochene Diskrepanz in der Teilnehmerstruktur. Tendenziell größere Unternehmen leisten sich einen gesonderten Datenschutzbeauftragten. In kleineren Flotten übernimmt der Geschäftsführer oder der Fuhrparkmanager.