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Die Corona-Krise und die begleitenden Hygienemaßnahmen scheinen den Trend zu weniger Bargeldzahlungen zu beschleunigen, wenn auch das Argument, Münzen und Scheine seien Viren- und Bakterienverbreiter, epidemiologisch nicht unbedingt haltbar ist. Dennoch, wenn deshalb der Bäcker für 1,50 Euro für Brötchen das EC-Kartenlesegerät bevorzugt und wenn sogar die Rentnerin ihre NFC-fähige (Near Field Communication, kurz NFC) Kreditkarte oder ihr NFC-fähiges Smartphone daran hält, hat sich einiges in der Bevölkerung bewegt. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman erwartet bis 2025 einen Rückgang der Barzahlungen auf etwa 32 Prozent (2019: 47 Prozent) zugunsten der kontaktlosen Zahlungen und mobilen Wallet- Lösungen. „Das Schwierigste bei der Einführung einer neuen Zahlungsoption war und ist immer, die Konsumenten dazu zu bringen, es auszuprobieren“, sagt Martina Weimert, Partnerin und Payment-Expertin bei Oliver Wyman. „Wer aber erste Erfahrungen gemacht hat und feststellt, dass alles problemlos funktioniert, der nutzt diese Zahlungsoption auch weiterhin.“ Zudem haben die Unternehmen medienwirksam das Limit für kontaktlose Zahlungen erhöht, sodass die Hemmschwelle gesunken ist und für die Kunden die Annehmlichkeiten überwiegen, was wiederum die Gewöhnung beschleunigt.

Vormarsch 
Neben den GAFAs (Google, Apple, Facebook, Amazon) wollen sich viele weitere Unternehmen, insbesondere Banken, aber auch Start-ups mit hoher technischer Affinität, Innovationskraft und Flexibilität ein Stück vom Kuchen sichern. Die Vorteile des mobilen Bezahlens sind aus ihrer Sicht klar: schneller, räumlich unabhängiger, transparenter sowie uneingeschränkt digital. PayPal hat sich schon vor einigen Jahren etabliert, da dieser Zahlvorgang bei vielen Anbietern als Option verknüpft ist. Für Fuhrparkkunden empfehlen sich in der Regel spezielle Apps aus den Bereichen Parken sowie Tanken, sowohl für herkömmliche Kraftstoffe als auch für Strom. Hierbei seien die folgenden Vorteile prominent, wie Johannes Martens, Chief Product Officer bei der ThinxNet GmbH, für die Marke ryd pay unterstreicht: „Zentrale, digitale Abrechnung und enorme Zeitersparnis an der Tankstelle. Über ryd pay ist es möglich, alle Fahrzeuge und deren Betankungen über einen Account abzubilden. Somit stehen der Buchhaltung alle notwendigen Rechnungen digital zur Verfügung. Viele Kunden schätzen im hektischen Alltag zusätzlich die Zeitersparnis an der Tankstelle, da man direkt vom Auto aus zahlen kann und nicht in den Shop gehen muss. Außerdem hat man sein Smartphone in der Regel schneller griffbereit als eine Tankkarte.“

An der Tankstelle 
Das mobile Bezahlen wird mehr und mehr die klassische Flottenkarte ablösen. Sämtliche bekannten Wettbewerber haben sich IT-Know-how zugelegt, um die digitale Technologie voranzutreiben. Gerade für die geschäftliche Nutzung müssen die Weichen für eine absolut sichere Anwendung gestellt sein. Datenschutz ist eine wesentliche vertrauensschaffende Basis, die in vielen Unternehmen auch den Betriebsrat überzeugen muss, damit dieser das O. K. gibt. Das Nächste ist der sorgsame Umgang des Nutzers mit der App. Mobile Firmengeräte sollten deshalb in jedem Fall über eine Verschlüsselung verfügen, zudem ist bei der Auswahl von Apps auf die Erfüllung sämtlicher Datenschutzanforderungen zu achten. Ebenfalls zu beachten ist, dass die Geräte stets über die aktuellsten Updates verfügen. „Wichtig ist, dass Nutzer vor allem vorsichtig sind. Darauf zu achten, wer was, wann und bei welcher Gelegenheit weiß, ist heutzutage besonders wichtig – Vorsicht ist also die Devise. Händler und Anbieter von Mobile- Payment-Lösungen sollten darauf achten, dass sie in Fragen rund um den Datenschutz und die Datensicherheit kompetent unterstützt werden. Nur dadurch ist gewährleistet, dass sie den mitunter komplexen rechtlichen Anforderungen genügen und nachhaltig auf das Vertrauen ihrer Kunden setzen können“, rät das Portal datenschutzbeauftragter-info.de. Weitere Sicherheitsempfehlungen lauten: Nutzen Sie einen Virenschutz für das mobile Gerät und sichern Sie es mit PIN oder Fingerabdruck.

Um das kontaktlose Bezahlen für Kunden in der Corona-Krise noch zugänglicher zu gestalten, hat Shell den Aktivierungsprozess für Shell SmartPay für Geschäftskunden optimiert: Ab sofort ist der Service automatisch in Shell Fleet Hub, der digitalen Fuhrparkmanagementsoftware, hinterlegt und Flottenmanager können sich direkt anmelden, um die Tankkarten dafür auszuwählen. Zuvor musste zunächst die Kontaktaufnahme mit dem Kundenservice erfolgen, um Shell SmartPay für Geschäftskunden in dem entsprechenden Account des Flottenmanagers zu aktivieren. „Wir haben die aktuelle Lage zum Anlass genommen, unseren Registrierungsprozess für mobiles Bezahlen zu optimieren und zu verschlanken“, sagt Rainer Klöpfer, Geschäftsführer euroShell Deutschland GmbH & Co. KG. Auch können Großkunden Shell SmartPay für Geschäftskunden in ihren eigenen Apps implementieren. Für diesen Service entwickelt Shell Programmierschnittstellen, die eine Integration in andere Systeme ermöglichen. Für die Sicherheit beim mobilen Bezahlen ist auch gesorgt. Gerade wenn es um Geld geht und sensible Daten im Umlauf sind, erwarten die Nutzer höchstes Sicherheitsniveau. Judith Sauter, Leiterin Mercedes me Ökosystem, Mercedes-Benz AG, und verantwortlich für die Bertha App für Tanken und kontaktloses Zahlen, sagt dazu: „Schon bei der Konzeption von vernetzten Diensten haben wir den Datenschutz im Blick. Aus diesem Grund sind unsere Systeme und Dienste von Anfang an so entwickelt, dass hohe Datenschutzstandards berücksichtigt sind. Die hohen Sicherheitsansprüche unserer Kunden gelten in gleicher Weise für die Datensicherheit des vernetzten Fahrzeugs. Wir schützen die Kundendaten vor Manipulationen und Missbrauch. Mit Blick auf den IT-technischen Fortschritt entwickeln wir die Datensicherheit ständig weiter.“

Je nach Anbieter muss sich der Nutzer vor der ersten Verwendung identifizieren oder vor jedem Vorgang seine Sicherheits-PIN eingeben beziehungsweise seine Identität per Fingerabdruck verifizieren. Letzteres gehört zum Standard der TOTAL-App mit der TOTAL e-wallet, in der die Tankkarte als mobiles Zahlungsmittel hinterlegt werden kann. Hierüber können Kraftstoffpreise von verschiedenen Tankstellen miteinander verglichen werden. Das Risiko der Fehlbetankung lässt sich mit der Tankkarte TOTAL e-Wallet dadurch minimieren, dass der regelmäßig benötigte Kraftstoff gespeichert werden kann. Das zeitsparende Bezahlen mit der TOTAL Card per Handy verhindert außerdem lange Wartezeiten an der Kasse, direkt im Shop bezahlen funktioniert aber weiterhin.

Ohne Parkschein 
Auch Park-Apps erweisen sich als nützliche Helferlein für Dienstwagenfahrer. Die Initiative smartparking listet auf ihrer Internetseite die Städte auf, die diesen Service bereits anbieten, ebenso welche Dienstleister in der Stadt aktiv sind. Sunhill Technologies, eine Volkswagen-Konzerntochter, hat mit PayByPhone FLEET eine App für Unternehmensfuhrparks herausgebracht, die Dienstwagenfahrer geschäftlich und privat nutzen können, um digital ihre Parktickets zu buchen, zu verwalten und minutengenau zu bezahlen. Die Vorteile liegen auf der Hand: schlanke Prozesse, monatliche Abrechnung, transparente Verwaltung sowie Trennung zwischen privaten und dienstlichen Vorgängen. Die Deutsche Telekom und Park and Joy stellen für ihre Dienstleistung neben den für diese ebenso geltenden oben stehenden Vorteilen ihre Verantwortung für eine nachhaltigere Zukunft in den Vordergrund. Mit der Smart-Parking-App will Park and Joy einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem die App den Parksuchverkehr und somit Emissionen in Städten reduziert, freie Parkplätze im öffentlichen Raum und auf privaten Flächen einfach zu finden sind und sie in wenigen Schritten auch gleich per Smartphone buchbar sind und bezahlt werden können. Ab sofort funktioniert die Park-App in mehr als 200 APCOA-Parkhäusern. Ein Parkticket benötigt man künftig nicht mehr: Am Wunschparkhaus angekommen, öffnet die Schranke automatisch mit der Park-and-Joy-Zugangskarte mit RFID-Chip. Park and Joy und auch ParkNow bieten in ihren Produkten für Geschäftskunden unterschiedliche Tarife an, je nachdem, wie häufig Parkvorgänge gebraucht werden. Zusätzliche Services sind Erinnerungen per E-Mail oder Push-Nachricht zur Verlängerung der Parkzeit. Manche Anwendungen erlauben auch die Bewirtschaftung eigener Parkplatzflächen, zum Beispiel Firmenparkplätze, die nach Dienstschluss für die öffentliche Nutzung freigegeben werden können. So lässt sich nicht genutzte Fläche gewinnbringend verwenden.

Fazit 
Mobiles Bezahlen nimmt immer mehr zu. Je mehr der Privatnutzer von Sicherheit und Komfort überzeugt ist, umso eher werden auch Unternehmen diese Möglichkeit ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Vor allem wenn die Sicherheitsvoraussetzungen überzeugen, kommen die Vorteile schlankerer Prozesse zur Geltung. Aus der Vielzahl der Anwendungen gilt es dann, die am besten funktionierenden und sichersten nach Bedarf herauszufiltern. Und nicht zuletzt müssen Freigaben für die Nutzungsberechtigung beziehungsweise Nutzungsrichtlinien erstellt werden, um Missbrauch in jeglicher Richtung zu verhindern.