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In unserer Onlineumfrage zum Stand der Digitalisierung in den Flotten (S. 70) gaben nur 39 Prozent der Teilnehmer an, Telematiksysteme zumindest teilweise in der Fahrzeugflotte einzusetzen. Ein deutliches Ergebnis, welches sich vielleicht auch ein wenig mit der umfangreichen Bedeutung des Begriffs „Telematik“ erklären lässt. Grundsätzlich beschreibt Telematik die Verknüpfung von mindestens zwei Systemen mithilfe von Telekommunikationstechnik. Welche Daten wie und in welchem Umfang zwischen den Systemen ausgetauscht werden, ist damit allerdings noch nicht beschrieben. Darin mag auch der Argwohn vieler Betriebsräte und anderer Skeptiker der Telematik liegen. Letztlich ist es also nur eine Frage der Aufklärung. Die Vorteile solcher Systeme für Flotten sind unbestritten, weiß Anatoliy Reinhardt, Director DACH der Mobileye Germany GmbH: „Flotten können von Telematiksystemen gleich mehrfach profitieren: Sie steigern die Sicherheit der Fahrer, liefern tagesaktuelle Insights für Fahrertrainings, bieten Routenoptimierungen und sichern zudem Fahrer bei der Einhaltung von Vorgaben ab. Diese Bereiche zahlen alle auf das übergeordnete Ziel ‚Kosten sparen und Ausfälle vermeiden‘ ein.“ Dabei ist es neben der Fahrzeugdisposition, vornehmlich in der Logistikbranche, vor allem eine Funktion, die von den Flotten derzeit nachgefragt wird, berichtet Claus Wollnik, CEO der Wollnikom GmbH: „Die beliebteste Funktion ist sicherlich das Fahrtenbuch, da inzwischen auch vom Finanzamt handgeschriebene Fahrtenbücher nicht mehr gerne gesehen sind und das Führen eines digitalen Fahrtenbuches auch für den Mitarbeiter eine deutliche Vereinfachung und Zeitersparnis mit sich bringt.“ Die angesprochenen handschriftlichen Fahrtenbücher vergangener Tage sind deutlich fehleranfälliger als digitale Systeme, was mittlerweile auch eine Vielzahl von Finanzämtern erkannt hat. Die Angst vor einer Manipulation des elektronischen Systems ist in der Praxis unbegründet. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel auf S. 58. 

Neben dem Fahrtenbuch gibt es unzählige weitere mögliche Telematikbausteine, seien es nun die Fahrzeugdisposition, Fahrverhaltensanalysen, Fahrerkommunikation oder die Auftragsverwaltung. Laut Wolfgang Schmid, Sales Director D-A-CH bei Webfleet Solutions, sind clevere Systeme sogar in der Lage, dem Fuhrparkleiter Handlungsempfehlungen mit auf den Weg zu geben: „Die Systeme können Betriebszustände nicht nur aufzeigen, sondern diese Informationen auch zielgerichtet übermitteln und einen Blick in die Zukunft werfen. Getreu dem Motto: ‚Heute schon wissen, wann die nächste Wartung ansteht‘. Daten nicht nur zu erfassen, sondern auch fachgerecht auszuwerten und dem Kunden konkrete Handlungsempfehlungen zu geben: Das macht den Reiz eines cleveren Telematiksystems aus.“

Dabei spielt auch das Smartphone als Kommunikationsmittel eine immer wichtigere Rolle. Viele der Anbieter in unserer Übersicht haben angegeben, bereits eine Smartphone-Lösung im Angebot zu haben. Einer der ersten Dienstleister, der die Vorteile des Smartphones erkannt hat, war TrackJack. So beschreibt Frank Schreiner, CEO von TrackJack Deutschland: „TrackJack ist seit Markteinführung in Deutschland 2012 vollständig webbasiert und verfügt seitdem über eine Smartphone-App.“ Mithilfe des Smartphones lassen sich viele unterschiedliche Prozesse zentral steuern und einsehen, wie auch die Experten der Bornemann AG wissen: „Unsere Telematiksysteme können beispielsweise SMS- oder Push-Nachrichten direkt auf das Smartphone des Fuhrparkmanagers senden, wenn ein von ihm definiertes Ereignis (zum Beispiel ein bestimmtes Gebiet befahren) ausgelöst wurde.“ Doch auch für die Fahrer können die Apps der Telematikanbieter einen Mehrwert darstellen, insbesondere wenn sie das elektronische Fahrtenbuch nutzen. Andreas Schneider, Co-Founder und Managing Director der Vimcar GmbH, erläutert in diesem Zusammenhang: „Für Fahrzeugführer, die von einem elektronischen Fahrtenbuch Gebrauch machen, generiert das Smartphone einen unverzichtbaren Mehrwert. Schnell und unkompliziert können die Fahrer, unabhängig von Zeit und Ort, die Kategorisierung ihrer Fahrten durchführen. Der Zeit- und Arbeitsaufwand wird durch die Nutzung eines mobilen Endgerätes reduziert.“

Die Relevanz der Telematik verdeutlicht sich auch daran, dass immer mehr moderne Fahrzeuge ab Werk solche Systeme verbaut haben. Dies liegt zum einen an der Zunahme automatisierter Fahrzeugtechnik, zum anderen aber auch an dem Wert der gesammelten Daten (dazu mehr auf S. 52). Dennoch dürfte der Markt für unabhängige Anbieter in Deutschland nicht kleiner werden, wie Hans-Joachim Guth, Leitung Vertrieb bei der Carano Software Solutions GmbH, mitteilt: „Eine externe Lösung ermöglicht es, verschiedene Anwendungsfelder herstellerunabhängig in Modulen zu verpacken, die fürs Unternehmen oder auch als Unterstützung der Fahrer bedarfsgerecht eingesetzt werden kann. Der Einsatz von Telematiklösungen auf dem deutschen Markt ist auf jeden Fall noch ausbaufähig.“ Außerdem fügt Cem Devrim, Geschäftsführer der Arvento Mobile Systems GmbH, hinzu: „Externe Lösungen bieten zusätzlich eine Standard-Berichterstattung für Unternehmen an, die unterschiedliche Fahrzeugtypen und -marken verwenden. Daher können herstellerabhängige Lösungen nicht mit Lösungen von Unternehmen wie Arvento verglichen werden.“ Auch die größere Flexibilität bei neueren Funktionen sei ein Vorteil externer Lösungen, so Alexander Spielmann, Produktmanager bei BURY GmbH & Co KG: „Neue Features können bei externen Geräten schneller implementiert werden. Außerdem können die Lösungen flexibler an die Wünsche des Kunden angepasst werden. In Zukunft werden die meisten Funktionen vermutlich über die Kundengeräte realisiert, wobei das Fahrzeug lediglich das Interface bietet.“ Das bedeutet natürlich nicht, dass Hersteller-Telematik schlechter sei als die Angebote von Spezialisten. Zumal Mobileye beispielsweise auch als Zulieferer für die Automobilbranche in diesem Bereich tätig ist und somit die gleiche Technologie zum Einsatz kommt. Der Aftermarket von Telematiklösungen spricht im Vergleich zur Hersteller-Telematik einfach eine andere Zielgruppe an. Mehrmarken-Flotten mit vielen unterschiedlichen Fahrzeugen und ständig wechselnden Fahrern werden nicht umhinkommen, externe Lösungen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, zu suchen.

Die teilweise rasante technologische Entwicklung im Bereich der Fahrzeugtelematik wird den Flotten neue Möglichkeiten eröffnen, die Fahrzeuge effizienter zu verwalten, und der Ruf nach mehr Effizienz und Kosteneinsparungen ist dieser Tage lauter denn je.