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Selbstverständlich: Auch wenn die Wahrnehmung gerade in einer Krise auf die Gefahrenquelle gerichtet ist und alles andere zunächst unwichtig erscheint, sind die Themen der Branche nicht verschwunden. Sicher sind die Entwicklungen in den letzten Monaten für Wirtschaft und Gesellschaft einschneidend gewesen. Massiv geändert hat sich mit Homeoffice und Social Distancing die Arbeitssituation vieler Menschen und die Planbarkeit von Prozessen für die meisten Unternehmen. An den Märkten stellten sich sowohl die Angebotsseite durch Zwangsschließungen oder Einschränkungen, unterbrochene Lieferketten, fehlende Kapazitäten und Ressourcen als auch die Nachfrageseite teilweise völlig anders dar. Wer zu Hause bleibt und mit Kontakteinschränkungen konfrontiert ist, von Arbeitslosigkeit bedroht ist oder mit weniger Einkommen zurechtkommen muss, der ändert auch seine Konsumgewohnheiten. Die Rahmenbedingungen haben sich schneller geändert, als sich die meisten von uns das hätten vorstellen können.

Themen, die die Branche zuvor bewegten, sind natürlich nicht dem Notfallplan zum Opfer gefallen, sie stehen derzeit nur in der Aufmerksamkeit nicht ganz oben auf der Agenda. Aber das ist ein hoffentlich vorübergehendes Phänomen. Doch klar ist: Teils werden Themen anders bewertet, sind gebremst worden oder haben sogar einen Schub erhalten.

Hat das alles Sinn gemacht? 
Was die Pandemie angeht, scheinen die Maßnahmen – trotz der vielen offenen, virologischen Fragen und Fragezeichen – geholfen zu haben. Was die Wirtschaft angeht und vor allem die Eventbranche, sehen wir viele, manchmal existenzielle Sorgen. Ob und wer mit einem blauen Auge davonkommt und in welchen Betrieben es sich stark negativ auswirkt, das werden wir vielleicht im Laufe des Jahres erfahren und spüren. Dabei reicht nicht der alleinige Blick auf Deutschland. Als Exportnation mit starken internationalen Handelsbeziehungen werden wir genauso betroffen sein, wenn Italien, Spanien oder andere Länder ihre Wirtschaftskraft vorübergehend verlieren sollten beziehungsweise nicht wieder an Fahrt aufnehmen.

Positive Aspekte der Krise 
Für das erste Halbjahr steht fest: Auch wenn vordergründig mehr über „C“ gesprochen wurde, eine Entwicklung in Richtung nachhaltiges Mobilitätsmanagement ist nicht aufzuhalten und darf es auch nicht sein. Und was die digitale Veränderung angeht, da haben uns das Virus und die Vorsorgemaßnahmen eher nach vorne katapultiert.

„Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus.“ Das haben wir zum Motto unseres 24. Verbandsmeetings gemacht. Als Präsenzveranstaltung geplant, musste das aus bekannten Gründen von der schönen bayrischen Stadt Nürnberg in den virtuellen Raum verlegt werden. Und auch wenn wir im Fuhrparkverband bereits viel Erfahrung mit E-Learning hatten, haben uns drei Dinge überrascht: der Zuspruch, die Intensität des Austausches und der reibungslose Ablauf. Sicher möchte niemand auf den persönlichen Erfahrungsaustausch voll und ganz verzichten, aber als ergänzender, bereichernder und gleichzeitig umweltfreundlicher Baustein innerhalb eines Systems an Möglichkeiten ist dies eine wertvolle Veranstaltung. Zugegeben – wir haben zwar an solchen Formaten gearbeitet, aber wäre es kein „Muss“ gewesen, hätte eine Umsetzung sicher länger gedauert. 

Durch die zunehmende Digitalisierung ergeben sich einzigartige Chancen, die dem ein oder anderen vielleicht erst jetzt greifbarer geworden und näher gekommen sind.

Was die Nachhaltigkeit angeht haben wir durch die Pandemie ebenfalls neue Erkenntnisse: 
1. Es wurde durch die verordnete Verkehrsreduzierung klar, dass der Autoverkehr allein nicht der Auslöser aller Umweltprobleme ist, sondern dass im Gegenteil andere Faktoren – wie in manchen Städten Holzöfen – einen unerwartet hohen Anteil an den Schadstoffen haben. Nichtsdestotrotz muss auch in der Zukunft ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement dafür sorgen, dass ökologische und ökonomische Aspekte gemeinsam in unternehmerische Entscheidungen einfließen und die Automobilindustrie immer emissionsärmere Fahrzeuge produzieren kann, egal mit welcher Antriebsart diese betrieben werden.

2. Es wurde auch klar: Wenn die Menschen etwas wollen, dann kann das auch gelingen. Was die Bewegung „Fridays for Future“ in anderthalb Jahren nicht geschafft hat, hat ein Virus in wenigen Wochen hinbekommen: klarere Luft zum Beispiel in chinesischen Großstädten. Ein fern im Atlantik schwimmendes und Meerestiere bedrohendes Plastikteilchen ist eben abstrakter und leider für das menschliche Gehirn schwerer zu fassen. Das löst weniger politische Entscheidungen und menschliches Handeln aus als Särge auf Lkws bei unseren europäischen Nachbarn und eine real drohende Gefahr für die eigene Person. In diesem Sinne können wir alle nur hoffen, dass eine gewisse Sensibilität für Natur und Umwelt auch nach der Krise bleibt. Vor diesem Hintergrund sollten alle Unternehmen auch nach Corona die Daten und Fakten rund um ihre Mobilität kennen und regelmäßig die Entwicklung ihres Fuhrparks unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten überprüfen. Unterstützung dazu bietet der Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V. (BVF) beispielsweise mit einem Umweltaudit und arbeitet gemeinsam mit anderen europäischen Mobilitäts- und Fuhrparkverbänden in der FMFE Fleet And Mobility Management Federation Europe an dem ECSM European Certificate For Sustainable Mobilitymanagement, einem europäischen Zertifikat für nachhaltiges Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement. Das wird Unternehmen helfen, die Ausrichtung der Mobilität konsequent nachhaltig zu gestalten.

Wie geht es weiter? 
Sharing-Modelle und der öffentliche Personennahverkehr haben gerade einen Dämpfer bekommen. Gilt das eigene Fahrzeug doch derzeit als sicherere Rückzugsmöglichkeit. Sobald die Angst vor Ansteckung und Quarantäne nachlässt, werden auch diese Möglichkeiten zwar anders, aber wieder stärker genutzt werden und On-Demand-Lösungen sowie Mobilitätsbudgets werden wieder in den Fokus rücken. Einen richtigen Schub haben dagegen webbasierte Lösungen im Bereich der Meetings und der Schulung erhalten. Neue Techniken und Kommunikationsformen haben sich in letzter Zeit etabliert. Dieser Wandel wäre ohne den Zwang sehr viel langsamer gegangen. Es bleibt dabei: Um dem Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement angemessen gerecht zu werden, bedarf es umfangreichen Wissens. Blended Learning ist mehr denn je die Zukunft: eine gesunde Mischung aus Onlinebausteinen und Präsenzveranstaltungen. Genau so ist der Zertifikatslehrgang „Zertifizierte/-r Mobilitätsmanager/- in (BVF)“ konzipiert, der im zweiten Halbjahr wieder starten wird. Und der Fuhrparkverband hat noch ein Ass im Ärmel, das allen Unternehmen den Weg zur Elektromobilität erleichtern wird. 

Wichtig ist es jetzt, dass die Menschen, dass wir alle die Verantwortung wieder selbst übernehmen und uns das Gelernte zunutze machen. 
Weitere Informationen: www.fuhrparkverband.de

 

AUTOR

AXEL SCHÄFER ist seit 2010 Geschäftsführer des von ihm mitinitiierten und mitgegründeten Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. und Sprecher der FMFE Fleet And Mobility Management Federation Europe. Zuvor war er viele Jahre erfolgreich im Vertrieb bei führenden Leasinggesellschaften tätig, bevor er sich 1991 selbstständig machte. Der diplomierte Finanzierungs- und Leasingwirt (VWA) ist seit 1992 als Autor, Trainer/Fachreferent in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Seine Kernkompetenz liegt nach wie vor in Fuhrparkmanagement und Leasing. Von 1992 bis 2012 war er Autor und Herausgeber des Praxishandbuchs Fuhrparkmanagement, aktuell gibt er das Fuhrparkcockpit für Mitglieder des Fuhrparkverbandes heraus, eine digitale Know-how-Sammlung, die umfangreiches Fuhrparkwissen bereitstellt.