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Im zweiten Halbjahr 2020 können wir auf eine Normalisierung des Lebens hoffen, sofern keine größere zweite Corona-Welle über uns kommt. Käme es dazu, wären wir zumindest selbst Schuld: Die Ansteckungswege sind bekannt, ebenso welches Verhalten risikobehaftet ist und welches nicht. Es bleibt abzuwarten, wie viele Menschen sich im jetzt bald wieder möglichen Urlaub infizieren und das bei uns fast schon besiegte Virus reimportieren. 

Die Frage bei der Normalisierung des Lebens und der Arbeitswelt aber heißt: Wird alles wieder so, wie es zuvor gewesen ist? Ändert sich durch den Corona-Schock unser (Arbeits-)Leben nachhaltig?

Ich denke: Jein. Viele Menschen haben Gefallen gefunden am gemütlichen Homeoffice und den virtuellen Treffen am Computer. Corona war ein echter Digitalisierungsbooster, wohl wir alle hatten Videokonferenzen, die wir „früher“ auf jeden Fall persönlich als echtes Meeting durchgeführt hätten. Wird das der Trend? Werden wir kaum noch aus dem Haus gehen, und aus unserer sicheren Schutzzone heraus (fast) nur noch digital arbeiten und kommunizieren? Die Umwelt würde es erfreuen, und die günstigen Spritpreise derzeit sind auch toll – auch wenn uns diese nur mental erfreuen, denn ohne Reisetätigkeit sind die Spritpreise ja eigentlich egal. 

Sicher werden kürzere, sachlich orientierte Gespräche und kurze Meetings, die einen hohen Reiseaufwand erfordern würden, künftig öfter als Videokonferenz enden. Aber gerade im reiseintensiven Außendienst und bei komplexeren Themen gilt: Nichts ersetzt den persönlichen Kontakt. Videokonferenzen sind toll, kostengünstig und schnell. Aber nur bei einem persönlichen Treffen gibt es berühmten „Smalltalk“ und das Netzwerken, bei dem aus den „Parteien“ Menschen werden, die sich auch persönlich näherkommen. Das ist die Basis für ein vertrauensvolles Miteinander – und das kann kein Bildschirmkontakt ersetzen. Vertrauen wird über mehr menschliche Sinne aufgebaut, als ein Videobild übertragen kann. Und wenn das Menschliche im Business unwichtig werden würde, würden wir alle von Computern und Algorythmen ersetzt werden können – und das wollen wir doch nicht. 

Nutzen wir also künftig die digitalen Helfer als das was sie sind: Als Helfer. Kurze Besprechungen, nachdem man sich persönlich hinreichend kennengelernt hat, sind über Videomeetings toll – aber den Aufbau einer tieferen Geschäftsbeziehung sollten wir nach wie vor persönlich angehen. Zumindest sobald Corona Geschichte ist.

Eine schwierigere Frage ist die nach dem öffentlichen Nahverkehr und Flugreisen. Während die letztgenannten ab einer gewissen Distanz schwer durch den (Dienst-)Wagen ersetzen lassen, sieht die Sache bei Bus und Bahn schon ganz anders aus: Denn inzwischen sollte auch der Letzte verstanden haben, wie die Übertragung von viralen Erkrankungen funktioniert. Und dass dazu die gewöhnliche Grippe gehört, wegen der noch nie so viel Tam-Tam gemacht wurde, ist auch klar. Der beste Schutz neben Distanz und Masken in Innenräumen ist auch hier: Vor allem sind große Menschenansammlungen aller Art zu vermeiden, die über einen längeren Zeitraum gehen. Dazu gehören nun mal auch Busse, Straßenbahnen und Flugzeuge. Aus Umweltgründen von einigen lautstarken Randgruppen in der Vergangenheit viel geschmäht, kann das private oder dienstliche Auto als virenfreier Kokon durchaus wieder einen Imagegewinn verbuchen. Und für die Umwelt gibt es ja inzwischen ein immer größeres Angebot an alltagstauglichen Elektroautos, deren Reichweiten inzwischen schon für die meisten Anwendungszwecke reichen. Den geviertelten Steuersatz auf die Privatnutzung und zehn Jahre Steuerfreiheit gibt es gratis dazu.

Ganz nebenbei erledigt sich dann auch fast schon organisch die Diskussion um das Tempolimit auf der Autobahn: Denn die Stromer haben ohnehin schon weniger Reichweite als Verbrenner und laden auch viel langsamer. Da fährt man automatisch sparsamer, also langsamer, und die Höchstgeschwindigkeit liegt meist deutlich unter jener der Verbrenner. In Zeiten von Corona hat sich bei der Schadstoffbelastung in den Städten zudem gezeigt: Der Verbrenner, gleich ob Benziner oder Diesel, war es so ursächlich offenbar doch nicht.

Übrigens auch noch interessant für den Fuhrparkleiter, wenn es um das generelle Thema Mobilität geht und die Mitarbeiter einerseits keinen Dienstwagen bekommen, andererseits aber wegen Corona auch nicht öffentlich fahren möchten: Das intelligent genutzte Poolfahrzeug könnte ein Revival erleben (zumindest wenn die Desinfektion des Innenraums geregelt ist), und auch das individuelle E-Bike macht auf kürzeren Strecken durchaus Sinn – denn auch dort sitzt man alleine und hält hinreichend Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern.