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Flottenmanagement: Zehn Jahre NewMotion, erst einmal herzlichen Glückwunsch! Blicken wir zurück: Was sind die Meilensteine des Unternehmens?

Klaus Schmidt-Dannert: Die Gründer von NewMotion hatten sich vor zehn Jahren das Ziel gesetzt, mithilfe intelligenter Lösungen zu einer saubereren Welt beizutragen. Das sollte vor allem dadurch gelingen, indem man das Aufladen von Elektrofahrzeugen der breiten Masse zugänglich macht.

Im Oktober 2010 kam die erste NewMotion App auf den Markt, somit war es Elektroautofahrern nun möglich, verfügbare Ladestationen in ihrer Nähe zu suchen. Zu den damaligen Anfängen hatten wir in unserem Roaming-Netz rund 15.000 Ladepunkte. 2011 kam dann die Smart Ladekarte zum ersten Mal zum Einsatz. Damit konnte ein E-Fahrzeug an jeder Ladestation in unserem Netzwerk aufgeladen werden, die Ladekosten wurden automatisch rückerstattet.

Etwas später, im Herbst 2017, führten wir bei NewMotion mit Vehicle-to-everything (V2X) die erste bidirektionale Ladelösung ein. Im gleichen Jahr wurde NewMotion ein Teil der Shell-Gruppe.

Im vergangenen Jahr konnten wir dann als erster Anbieter in der Branche ein Netzwerk von 100.000 Ladepunkten in unserem europäischen Roaming-Netzwerk erreichen, aktuell stehen wir gar schon bei 135.000 Ladepunkten in mehr als 35 Ländern.

Flottenmanagement: Sie sind jetzt seit rund einem halben Jahr Deutschlandchef bei NewMotion. Mit welchen Zielen haben Sie die Position angetreten? Und was konnten Sie in der kurzen Zeit bereits anstoßen?

Klaus Schmidt-Dannert: Ich bin von der Vision überzeugt, dass jeder Mensch möglichst schnell elektrisch laden können sollte. Mein Ansporn ist es, die Erfolge von NewMotion im Mutterland Niederlande nach Deutschland zu übertragen. Damit meine ich unter anderem, ein großes, umfangreiches Ladenetz zu erschaffen, auf ein ausgereiftes Produktportfolio zurückgreifen zu können sowie den Kunden eine gute Servicequalität zu bieten.

Flottenmanagement: Was verbirgt sich hinter der noch recht neuen Vehicle-toeverything- Technologie (V2X)?

Klaus Schmidt-Dannert: Heute redet man beim Thema elektrisches Laden fast immer nur vom Stromfluss in eine Richtung. Das heißt, es fließt Strom aus dem Haus, aus dem Ladepunkt in das Auto. Was wir sehen und auch viele Studien gezeigt haben, ist die künftig steigende Belastung der Stromnetze. Denn je mehr E-Fahrzeuge unterwegs sind, desto mehr wird logischerweise auch geladen und die Stromnetze werden beansprucht.

V2X ist eine Weiterentwicklung der Vehicle-to- Grid-(V2G-)Technologie. V2G-Elektrofahrzeuge können Energie nicht nur speichern, sondern auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Bei V2X kann der Strom nun in das öffentliche Stromnetz oder auch in das eigene Haus oder das Büro zurückgeführt werden. Der Energiespeicher im Auto beträgt im Schnitt zwischen 40 und 80 Kilowattstunden. Diese Energie kann dann, wenn es nötig ist, zurückgegeben werden. Der Nutzer erhält hierfür künftig voraussichtlich auch eine Erstattung, die Details dazu werden derzeit erarbeitet. Das bidirektionale Laden in Verbindung mit der immer breiteren Akzeptanz an E-Fahrzeugen wird diverse Kraftwerke ersetzen können, davon sind wir überzeugt.

Flottenmanagement: Welche Leistungen bietet NewMotion für Businesskunden? Mit welchen Unternehmen kooperieren Sie?

Klaus Schmidt-Dannert: Unser Anspruch ist ein integrierter Ansatz – von der Beratung über die Installation mit unseren eigenen Partnern, eigener Software, unserer App bis hin zur Instandhaltung. Wir bieten alles aus einer Hand. In Deutschland haben wir aktuell zehn Mitarbeiter im Außendienst und weitere vier im Innendienst.

 In Zukunft wird die Anzahl der Ladepunkte bei Unternehmen und bei Kunden ansteigen. Wir bieten hierfür einen speziellen Business Hub. In den Niederlanden ist die Plattform bereits gelauncht, in Deutschland ist sie angekündigt. Mit dem Tool kann der Flottenmanager alle Aspekte der NewMotion-Ladeinfrastruktur sowie das Laden seiner Elektroautoflotte überwachen, analysieren und steuern. Der große Vorteil dabei: Es muss nicht mehr jeder Punkt einzeln bedient werden – es können Gruppen – beispielsweise standort- oder mitarbeiterspezifisch – festgelegt werden.

Durch unsere Kooperation mit Shell können wir unseren Kunden die Shell-Tankkarte anbieten, die nahtlos in das NewMotion-System integriert ist. Sprich E-Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride können ohne neue Abrechnungssysteme in den Flotten genutzt werden. Wenn der gewerbliche Nutzer einen NewMotion-Ladepunkt zu Hause installiert hat, werden die Stromkosten direkt automatisch zurückerstattet.

In Deutschland kooperieren wir unter anderem mit Daimler, Ford, Renault-Nissan und Volvo.

Darüber hinaus arbeiten wir auch mit dem Flottendienstleister Arval zusammen. Idealerweise wird künftig beim Kauf eines E-Autos die Ladestation für zu Hause gleich mit erworben. Wir machen auch Schulungen bei den OEMs selbst, sodass der Kunde direkt beim Händler entsprechend kompetent zum Thema Laden beraten wird.

Flottenmanagement: Elektromobilität ist in Deutschland immer mehr auf dem Vormarsch, aber noch ein gutes Stück entfernt vom endgültigen Durchbruch. Welche weiteren Veränderungen und Entwicklungen sind hier Ihrer Meinung nach nötig?

Klaus Schmidt-Dannert: Nicht nur aus Eigeninteresse – es muss mehr Ladepunkte geben. Dies gilt für den Ausbau des öffentlichen Ladenetzes und auch gerade für Firmen sowie zu Hause. Denn 80 Prozent der Ladevorgänge finden zu Hause oder beim Arbeitgeber statt.

Und ein weiterer wichtiger Punkt: Die Leute müssen das Thema Laden lernen. Es sollte einfach bleiben und einen guten Zugang geben. In den Niederlanden beispielsweise gibt es im Schnitt 1,7 Ladekarten pro Nutzer, der Deutsche hat dagegen durchschnittlich 3,5 Ladekarten. Das Ziel für die Zukunft ist: eine Ladekarte für alles. Die Leute haben keine Lust, jedes Mal vorher Preise zu vergleichen – Preistransparenz ist für uns ein sehr wichtiges Thema. Der Preis, der in unserer App angezeigt wird, ist immer aktuell und entsprechend gültig. Derzeit kann jeder Betreiber einer Ladestation die Preise selbst festlegen, hier muss aus unserer Sicht noch an einer Vereinfachung der Tarife gearbeitet werden.

Flottenmanagement: Sie haben es zu Beginn bereits kurz erwähnt: Ihr Roaming-Ladenetzwerk besteht mittlerweile aus mehr als 135.000 Ladepunkten in über 35 Ländern. Was kann man sich hierzulande von anderen Ländern (beispielsweise den Niederlanden) abschauen?

Klaus Schmidt-Dannert: Die Niederlande haben das Thema Ladeinfrastruktur sehr stark gepusht. Letztlich sind sie uns drei bis fünf Jahre voraus, da sie das Ganze einfach wesentlich früher gefördert haben. Wir können uns hier sicherlich einiges abschauen, auch wie manche Themen rund um das Laden angegangen werden. So kann sich beispielsweise in Amsterdam jeder Käufer eines Elektroautos ohne eigenen Parkplatz mit Stromanschluss bei der Stadt melden. Die Behörden sorgen dann für die Errichtung einer Ladesäule in der Umgebung.