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Miete
Der Antrieb der Zukunft wird ein Elektromotor sein, davon gehen derzeit die meisten Experten aus. Daher werden in absehbarer Zeit auch im Mietwagengeschäft immer mehr Stromer zum Einsatz kommen. Doch derzeit sind die Zulassungszahlen von Stromern im Vermieter- und Carsharing- Bereich eher verhalten. Eines der meist gekauften E-Fahrzeuge in Europa ist der Renault Zoe. Der kleine Franzose passt von der Größe und den Ausstattungsmöglichkeiten sowohl in das Portfolio von Autovermietern als auch von Carsharing-Anbietern. 2019 war der Zoe das beliebteste E-Fahrzeug in der Bundesrepublik. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gab es insgesamt 9.431 Neuzulassungen dieses Modells, davon sind allerdings nur 30 Fahrzeuge auf Carsharing-Unternehmen zugelassen worden und nur 609 auf Autovermietungen. Bei anderen reinen Stromern wie dem Nissan Leaf oder dem Audi e-tron sieht das Verhältnis ähnlich aus. Bei den geringen Zulassungszahlen verwundert es kaum, dass einige der großen Autovermietungen überhaupt keine E-Fahrzeuge in Deutschland anbieten.

Doch bevor sich nun alle erbost auf die Autovermietungen stürzen, der Kunde trägt an dieser Situation eine gewisse Mitschuld. Zunächst sind E-Fahrzeuge beratungsintensiver. Kunden haben deutlich mehr Nachfragen aufgrund eines geringeren Kenntnisstands im Umgang mit den Stromern. Daraus resultiert letztlich auch eine geringere Nachfrage. Ein Dienstreisender möchte schließlich möglichst komfortabel und mit minimalem Aufwand von A nach B reisen. Ein E-Auto-Abenteuer, noch dazu in einer unbekannten Stadt, möchte vermutlich niemand eingehen. Hinzu kommt noch eine geringere Reichweite gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, was den wohl größten Hemmschuh für die Elektromobilität im klassischen Vermietungsgeschäft darstellt. Denn die Tageskilometerleistung übersteigt oft die Akkukapazitäten von Stromern.

Die gestiegene Nachfrage nach alternativen Antrieben bei den Dienstwagen kann demnach nicht einfach auf die Nachfrage nach Mietwagen übertragen werden. Die Entwicklungen auf dem Mietwagenmarkt dürften schlicht zeitverzögert und etwas langsamer anlaufen. Ein Katalysator dafür werden die höheren Reichweiten der kommenden Fahrzeuggenerationen sein. Wer darauf nicht warten möchte, kann auch bereits bei einigen namhaften Autovermietungen wie SIXT, STARCAR oder ADAC Autovermietungen Elektrofahrzeuge bekommen. Bei STARCAR sind sogar die Stromkosten in der Mietpauschale enthalten. Darüber hinaus gibt es mit nextmove einen Anbieter, der ausschließlich E-Fahrzeuge vermietet, vom Tesla Model X bis hin zum Elektro-smart – und das bundesweit. Mit 380 Fahrzeugen und einer Präsenz in elf Städten ist nextmove, nach eigenen Angaben, größter Anbieter in diesem Bereich.

Carsharing
Aus dem gerade Beschriebenen geht hervor, dass die Reichweite der Fahrzeuge und die Infrastruktur zum Laden bei der Miete von Fahrzeugen noch stärker die Nachfrage bestimmen als auf dem übrigen Markt. Bei dem Thema Carsharing sollten diese Faktoren eigentlich eine geringere Rolle spielen. Denn die Ultrakurzzeitmiete findet schließlich häufig im urbanen Umfeld statt, wo nur kurze Strecken zurückgelegt werden müssen. Tatsächlich bieten viele Carsharing-Unternehmen Stromer an. Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverbands CarSharing e. V. (bcs), kann dies bestätigen: „Der Elektro-Anteil im Carsharing ist 50-mal höher als in der nationalen Pkw-Flotte. Das zeigt: Die Anbieter wollen auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Aber die Rahmenbedingungen stimmen noch nicht: Die Fahrzeuge sind immer noch zu teuer. Und für die Einrichtung von Ladeinfrastruktur an Carsharing-Stationen fehlt nach wie vor ein Förderkonzept.“

Erste Anbieter, wie beispielsweise die 100-prozentige Tochter der Volkswagen AG, die UMI Urban Mobility International GmbH, setzen bereits vollständig auf Elektrofahrzeuge. Diese startete im Juni 2019 in Berlin mit WeShare einen Carsharing- Dienst mit 1.500 e-Golf-Modellen. Mittlerweile haben sich rund 50.000 Kunden dort registriert. „Für uns ist 2020 ein Jahr des starken Wachstums“, sagt Philipp Reth, Chief Executive Officer (CEO) von WeShare. „Wir sind überzeugt, dass vollelektrisches Free-Floating-Carsharing auf dem Weg zu automatisierten Transportsystemen noch eine längere Zeit ein wesentliches und skalierungsfähiges Brückenelement im Bereich der nachhaltigen und geteilten Mobilität ist.“ Zuletzt wurde bekannt, dass WeShare auch in weiteren europäischen Städten expandieren will. Nach Prag und Hamburg im Frühjahr 2020 will die VW-Tochter im Jahresverlauf zudem in Paris, Madrid, Budapest, München und Mailand starten. In allen Städten wird WeShare eine vollelektrische Flotte aus rund 8.400 E-Fahrzeugen anbieten. Auch das derzeit größte Free-Floating- Carsharing-Netz in Deutschland, Share Now, und der größte stationsbasierte Anbieter, Stadtmobil, haben Elektrofahrzeuge in ihrer Fahrzeugauswahl (Quelle: Bundesverband Car- Sharing e. V., bcs).

Gleichwohl Carsharing und Elektromobilität augenscheinlich gut zusammen funktionieren, gibt es einige Hürden zu bewältigen. Wie schon bei der klassischen Fahrzeugmiete über einen oder mehrere Tage besteht bei E-Fahrzeugen im Carsharing-System ein erhöhter Aufwand bei der Kundenbetreuung. Der Unterschied zur klassischen Fahrzeugmiete ist, dass beim Carsharing die Fahrzeugübergabe ohne einen Servicemitarbeiter stattfindet. Ein Problem, das mit der Zeit verschwindet, wenn fast jeder einmal mit Elektromobilität in Berührung gekommen ist. Doch derzeit, in der Phase des Übergangs, ist dies eine große Hürde. Auch kommen wirtschaftliche Aspekte hinzu. Denn zum einen sind E-Fahrzeuge in der Anschaffung schlicht teurer als Verbrenner und zum anderen werden die Carsharing-Stromer aufgrund der Ladezeiten längere Standzeiten haben als vergleichbare Verbrenner-Fahrzeuge und können in dieser Zeit nicht gebucht werden.

Kommunen könnten im Sinne der Nachhaltigkeit die Carsharing-Unternehmen unterstützen, E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, findet auch Philipp Reth von WeShare: „Wir wünschen uns daher ein Entgegenkommen der Städte, etwa im Bereich der Parkgebühren für Carsharing- Fahrzeuge oder beim Ausweisen von neuen Carsharing-Flächen im öffentlichen Raum, um für potenzielle Nutzer positive Anreize zu setzen und Carsharing noch interessanter und relevanter zu machen.“ Gunnar Nehrke fordert allgemein eine breitere Unterstützung des Carsharing-Konzeptes: „Carsharing ist die ökologische Alternative zum privaten Pkw. Bund, Länder und Kommunen sollten das Carsharing als vierte Säule des Umweltverbunds endlich systematisch fördern.“

Fazit: Es ist wohl eine Frage der Zeit, bis sich Elektrofahrzeuge in den Flotten der Autovermietungen durchgesetzt haben werden. Egal ob klassische Mehrtagesmiete oder Ultrakurzzeitmiete, die ohnehin bekannten Hürden der Elektromobilität in Sachen Preis, Reichweite, Infrastruktur und Nutzerskepsis potenzieren sich bei den bekannten Mietmodellen. Derzeit hängt die Möglichkeit, ein E-Auto zu leihen, sehr stark vom eigenen Standort ab. Im urbanen Umfeld dürfte es deutlich leichter sein, ein E-Fahrzeug zu leihen. Im Falle der Firmenmobilität könnten auch die Richtlinien des Travelmanagements die E-Fahrzeugmiete beeinflussen: Je nachdem ob bei der Reiserichtlinie die CO2-Reduzierung stärker als die Kostenreduzierung gewichtet wird. Auf die durchgehende Elektrifizierung des Marktes wird man also noch ein wenig warten müssen.