PDF DOWNLOAD

Besitz ist im Zusammenhang mit Firmenwagen ein komplizierter Begriff, denn wer besitzt das Flottenfahrzeug? Die Leasinggesellschaft, die das Fahrzeug kauft? Das Unternehmen, welches den Firmenwagen least und finanziert? Oder der dienstwagenberechtigte Mitarbeiter, der den Wagen konfiguriert, personalisiert und letztlich bewegt? Vermutlich wird darauf jeder eine andere Antwort finden. Fest steht, dass das Verständnis von den Besitzverhältnissen stark über den Umgang mit dem Dienstwagen entscheidet. Wer den Dienstwagen als seinen Besitz versteht, wird pfleglich damit umgehen. Wer den Wagen als Mittel zum Zweck versteht, wird wohl die ein oder andere Beule mehr verursachen. „Natürlich werden auffällige Steinschläge oder größere Lackabplatzer von vielen Fahrern gesehen, aber nicht unbedingt als störend empfunden, darum werden diese erst bei der Fahrzeugrückgabe zum Problem. Allerdings ist hier ein Unterschied je nach Fahrzeugtypen festzustellen, so ist die Sensibilität bei User-Chooser höher als bei Funktionsfuhrparks“, erläutert Volker Zens, Direktor Verkauf & Marketing bei der Euromaster GmbH.

Um die Fahrer zu einem ordentlichen Umgang mit dem Firmenwagen zu erziehen, gibt es unterschiedliche Ansätze. So manch ein Unternehmen geht dazu über, eine Selbstbeteiligung an Schäden einzuführen „Das liegt auch etwas an dem Fuhrparkleiter beziehungsweise der Firmenphilosophie, würde ich sagen. Wie heißt es so schön – ‚der erste Eindruck hat keine zweite Chance‘“, erläutert Benjamin Moore, Geschäftsbereichsleiter Schadenmanagement der Global Automotive Repair GmbH. „Daher sollten auch Dienstwagennutzer auf die optische Erscheinung ihres Dienstwagens achten. Ich denke schon, dass die Sensibilität für diese Themen in den letzten Jahren gestiegen ist.“ Der Tenor der Dienstleister ist hier relativ einheitlich. Auch Arnd Metzler, Key Account Flotte Consumer bei der First Stop Reifen Auto Service GmbH, sagt: „Die Sensibilität für kleinere Schäden beim Fahrzeug steigt, gerade weil auch die Fuhrparkleitung höhere Kosten bei der Fahrzeugrückgabe im Blick hat.“

Die zunehmende Sensibilität hängt in einigen Fällen auch mit der Technisierung der Fahrzeuge zusammen. Wenn zum Beispiel ein Steinschlag die Funktionsweise der Kameras hinter der Frontscheibe beeinträchtigt, funktionieren gewisse Assistenzsysteme schlicht nicht mehr. Gleiches gilt für eine simple Beule im Stoßfänger, in dem die Sensoren für die Einparkhilfe untergebracht sind. Um diese Problematik weiß auch Ralf Stelzenmüller, Key Account Manager bei der Carlofon GmbH: „Beim Scheiben-Doktor bemerken wir eine deutlich ansteigende Sensibilität für Glasschäden. Aus unserer Sicht hat die technische Entwicklung der Fahrzeuge damit zu tun. Gerade im Flottenbereich ist ein enormer Anstieg an Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen zu sehen, welche nur bei 100 Prozent intakten Scheiben auch die volle Funktionalität gewährleisten.“ Unverständlich in diesem Zusammenhang findet da Jörg Curtius, Key Account Manager junited AUTOGLAS Deutschland GmbH, dass „einige Leasinggeber und -nehmer im Schadenfall tatsächlich warten, bis es zum Riss kommt, oder darauf bestehen, die Scheibe immer auszutauschen, anstatt sie zu reparieren.“

Mit der Sensibilität aufseiten der Fuhrparkleiter und der Dienstwagenfahrer für einen gepflegten Dienstwagen ist allerdings auch deren Erwartungshaltung gestiegen, weiß Marco Heistermann, Head of Sales Commercial Accounts Carglass Deutschland, zu berichten: „Speziell der Faktor Zeit nimmt eine immer größere Rolle im Bereich Flotten- und Gewerbekunden ein. Da die Fahrzeuge keine langen Standzeiten haben dürfen, rückt die zeitsparende Steinschlag-Reparatur immer mehr in den Fokus der Fuhrparkverantwortlichen.“

Einsparpotenzial Fahrzeugrückgabe
Zwar ist die Pflege des Flottenfahrzeugs ein Prozess, der sich über die gesamte Haltedauer erstreckt, doch am Ende wird abgerechnet, wie es so schön heißt. Wer hier vor der Restwertermittlung mit ein paar kleineren Reparaturen für ein besseres Erscheinungsbild sorgt, erzielt oftmals einen besseren Wiederverkaufswert. Dirk Winter, Geschäftsinhaber FAC Concept, bringt es auf den Punkt: „Die Rückgabekosten des Fahrzeuges können signifikant gesenkt werden, und das bei geringer Ausfallzeit des Fahrzeuges.“

Doch was macht Smart Repair so effizient gegenüber der herkömmlichen Reparatur? Was bedeutet Smart Repair überhaupt? Unter dem Sammelbegriff Smart Repair werden Methoden verstanden, die Kleinschäden am Pkw beseitigen und nur einen geringen Aufwand verursachen. Der Leiter Geschäftskunden der A.T.U Auto-Teile-Unger GmbH & Co. KG, Thomas Tietje, erläutert die wesentlichen Vorteile dieser Methoden: „Im Vergleich zur konventionellen Reparatur ist hierbei im Regelfall kein Austausch durch ein teures Neuteil notwendig, wodurch auch eine erforderliche Komplettlackierung sowie Demontage- und Montagearbeiten entfallen. Daher ist Smart Repair eine einfache Lösung, um die Kosten bei Fahrzeugrückgaben in Bezug auf die Wertminderung möglichst gering zu halten.“ Allerdings erinnert Tietje auch daran, dass der Einsatz solcher Methoden im vertraglichen Regelwerk des Leasinggebers nicht verboten sein sollte. Tatsächlich sollte man vorher bei der Leasinggesellschaft erfragen, welche Reparaturen erlaubt sind und welche nicht. Bereits zuvor wies Jörg Curtius von junited AUTOGLAS darauf hin, dass einige Leasinggeber darauf bestehen, die Scheibe bei einem Steinschlag komplett auszutauschen, unabhängig davon, ob dies notwendig sei oder nicht.

Ob Smart Repair die Wertminderung bei der Leasingrückgabe verringert oder nicht, ist also nicht allein eine Frage der Reparaturmethoden, wie das Beispiel zeigt. Auch Mark Breitschaft, Geschäftsführer der car.aktiv GmbH, macht deutlich, dass es keine pauschale Antwort auf die Frage nach dem wirtschaftlich sinnvollen Einsatz der smarten Reparaturmethoden am Ende einer Laufzeit in der Flotte gibt: „Eine automatische Durchführung von Smart Repair ist nicht ratsam. Zuerst müsste man sich ältere Rücknahmegutachten anschauen und dann entscheiden, ob Smart Repair Sinn macht.“ Dennoch haben sich Unternehmen wie die LPS Gruppe mit ihren bundesweiten LPS Service-Centern darauf spezialisiert, Leasingrückläufer aufzuarbeiten, das geht vom Lackschaden, über Lederaufbereitung im Innenraum bis zu Hagelschäden. Dass diese Spezialisierung ein wachsender Markt ist, zeigt auch das kürzlich in Neuss eröffnete Leasing-Rückgabe-Bearbeitungs- Center der LPS Gruppe. Neben einer Leuchttunnel-Anlage zur Schadenbewertung, einer 16 Meter langen S.m.a.r.t-Repair-Linie (Vorbereitungs- Plätze) Lackierkabinen, Hightech- S.m.a.r.t-Repair-Absauganlagen und Montage-Demontage-Plätzen entstehen hier auch Gutachter-Abnahme- Flächen, eine Fotoecke für aufbereitete Fahrzeuge und vieles mehr.

Alle Werkstattketten bieten natürlich noch sehr viel mehr an, als eine schnelle, kostengünstige Reparatur von Kleinschäden. „Die Partnerwerkstätten von IDENTICA bieten ihren Kunden individuell auf deren Situation zugeschnittene Lösungen. Diese reichen vom Hol- und Bringdienst über die vollständige Ersatzmobilität bis hin zu umfassenden Assistance- Dienstleistungen. Mit RepScore.netTM verfügen unsere Kunden im Bereich Fuhrpark/Flotte zudem über die Möglichkeit einer direkten digitalen Anbindung an die Werkstätten“, berichtet beispielsweise Stephan Ortmann, FLI Manager DACH & BeNeLux, Axalta Coating Systems Germany GmbH & Co. KG.

Schöne neue Technikwelt
Es ist bereits in dem ein oder anderen Statement angeklungen – der rasante Fortschritt in der Fahrzeugtechnologie erschwert die Reparatur von beschädigten Fahrzeugen im Allgemeinen und im Besonderen beim zeitsensiblen Smart Repair. Natürlich bedeuten die Assistenzsysteme einen Zugewinn an Sicherheit im Straßenverkehr, aber eben auch mehr Verantwortung aufseiten der Werkstätten, die diese Systeme warten müssen. Dazu benötigt es zusätzliche Technologie, geschulte Mechaniker und mehr Reparaturzeit. Gordon Kahler zufolge, technischer Leiter bei der Wintec AG, nehmen die Herausforderungen in diesem Bereich in Zukunft noch weiter zu: „Die Vernetzung der Fahrzeuge und ihre Fähigkeit, nach außen zu kommunizieren, bringt eine neue Herausforderung mit sich. Die Fahrzeughersteller müssen für die Sicherheit dieser Systeme sorgen, um sie vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Die Einführung von Security Gateways durch die Fahrzeughersteller stellt die nächste große Herausforderung für die Werkstätten dar.“ Das Problem sei, dass die Hersteller kein einheitliches System geschaffen haben, sondern jeder für sich eine Insellösung, um die Kommunikationssicherheit der Fahrzeuge zu gewährleisten. Große Werkstattketten können prinzipiell den geschilderten Herausforderungen besser begegnen als kleinere. Doch viele sehen sich den Anforderungen gegenüber gut aufgestellt, so wie Horst Hirte, Business Development Manager von der Fleetcar + Service Community GmbH & Co. KG: „Die Häuser der F+SC sind aufgrund ihrer Struktur alle in der Lage, mit den Herausforderungen des technischen Fortschritts umzugehen. Die Häuser verfügen über bestens geschulte Spezialisten, welche die neuen Fahrzeugtechnologien beherrschen und im Reparaturfall für den Kunden bereitstehen. Natürlich erfordert die sich stetig weiterentwickelnde Technik einen immer höheren Schulungsaufwand, welcher in den nächsten Jahren noch weiter fortschreiten wird.“ Damit stehen die Werkstätten mit der zunehmenden Technisierung der Pkw vor einer ähnlichen Situation, wie sie die gesamte Branche, unter anderem auch die Gutachter, zu bewältigen hat.

 

 

Infokasten Smart Repair

Smart Repair ist ein Kunstwort das sich aus den Begriffen Small Middle Area Repair Technologies zusammensetzt. Die Reparaturmethoden können kleine bis mittlere Schäden am Fahrzeug beheben und verhindern ein Austauschen des jeweiligen Fahrzeugteils. Dadurch ist Smart Repair im Vergleich zur Reparatur meist günstiger.

Folgende Reparaturen am Fahrzeug können mit diesen Techniken bearbeitet werden:

• Blechreparatur
• Kunststoffreparatur
• Glasreparatur
• Lackreparatur (Spot-Repair)
• Polsterreparatur

(Quelle: In Anlehnung an den ADAC)