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Erst seit Mitte März ist vielen die Dramatik und die Gefahr, die vor allem durch die Überlastung des Gesundheitssystems droht, erst richtig bewusst geworden. Spätestens als die Bundes- und Landesregierungen drastische Maßnahmen anzuordnen begannen, die nicht nur den Alltag für alle Menschen in Deutschland von jetzt auf gleich radikal verändert haben, sondern das komplette Wirtschaftssystem zum Teil stillstehen lassen. Ein kleines Virus hat dramatische Auswirkungen. Entsprechend trifft das Coronavirus auch die Automobilbranche und Flottenverantwortliche sind gezwungen, in den Corona-Krisenmodus zu schalten.

Die Entwicklung ist dynamisch. Was ich in dieser Minute zu Papier bringe und Ende März an die Redaktion gesendet habe, kann bereits durch die Ereignisse überholt worden sein, wenn Ihnen die gedruckte April/Mai-Ausgabe vorliegt. Streng genommen hoffe ich ein wenig, dass dieser Artikel dann vielleicht sogar nicht mehr erforderlich wäre. Die Gesundheitsexperten und politischen Entscheider betreten Tag für Tag Neuland und müssen über Maßnahmen entscheiden, Impfstoffe oder klare Behandlungsroutinen gibt es noch nicht. Wann die Maßnahmen greifen, wann die Wirtschaft langsam wieder Richtung Normalbetrieb schalten kann, ist ungewiss. Fakt bleibt: Im April wird das noch nicht einfach so zu Ende sein. Die Automobilhersteller haben die Produktion wegen Corona ausgesetzt. Der Volkswagen Konzern ließ im März verlautbaren, dass man die Teileproduktion für Medizingeräte vorbereiten will. Die strikten Maßnahmen eines Produktionsstopps haben – wie in allen Branchen – mit Fürsorge für die Mitarbeiter*innen zu tun, aber auch mit Versorgungsstörungen bei Zulieferern und mit dem plötzlichen Rückgang der Märkte. Die Corona- Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft auf vielen Ebenen. Der letztendliche Schaden für die Beschäftigten und die Unternehmen ist abhängig davon, wann die Pandemie eingedämmt werden kann und wie lange die staatlichen Eingriffe notwendig sind.

Auch wenn das Automobil derzeit wegen der geringeren Ansteckungsgefahr wesentlich stärker und lieber genutzt wird als öffentliche Verkehrsmittel – an einen Autokauf denken ganz unabhängig von einem Lieferengpass in der derzeitigen Situation die wenigsten Menschen, Investitionen der Unternehmen werden wegen der Unsicherheit eher verschoben.

Die Bedeutung von Mobilität wird in einer Situation, in der diese eingeschränkt werden muss, mehr denn je deutlich. Was bedeutet das nun aber konkret für Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortliche in den Unternehmen und worauf ist zu achten? Mobilität bleibt wichtig. Dort, wo Homeofficelösungen nicht praktikabel sind, die Dienstleistungen und Produkte aber zum Kunden kommen müssen, da müssen auch die Fuhrparks leistungsfähig bleiben und gemanagt werden. Auch wenn ein Teil der Flotte unter Umständen erst mal pausieren muss. In dieser Zeit können Wartungsarbeiten, die Umrüstung auf Sommerreifen et cetera gemacht werden, sofern es die Situation zulässt. Falls auch die Arbeit von Werkstätten und Servicebetrieben weiter eingeschränkt würde, wäre dies freilich schwierig. Auch hierbei müssen selbstverständlich Hygienevorschriften, Abstandsregeln et cetera eingehalten werden. Für Mitglieder bietet der Verband seit Ende März wöchentliche Webmeetings, um sich über die aktuelle Lage auszutauschen, und zahlreiches Informationsmaterial im Mitgliederbereich der Homepage. Mit Disziplin und Solidarität werden wir durch diese Krise kommen, und das ist in drei Bereichen gefragt:

M wie Mensch
Zunächst einmal steht die Gesundheit der Menschen im Vordergrund. Für ein solches Krisenszenario sollte jedes Unternehmen im Rahmen des Business Continuity Managements einen Plan haben. Die Nutzung eines Pkw ist derzeit das risikoärmere Verkehrsmittel, wie auch der den Fuhrparkverband bei arbeitsmedizinischen Fragen unterstützende Mediziner Dr. med. Malte Berger bestätigt. Um die Ansteckungsgefahr einzudämmen und die Verbreitung zu verlangsamen, sollten die bekannten Hygienemaßnahmen eingehalten werden, Händeschütteln sowie persönliche interne und externe Meetings soweit wie möglich vermieden werden. Die Menschen sollten auch bewusst darauf achten, sich nicht so oft ins Gesicht zu fassen oder vorher die Hände zu waschen. Auch den Fahrer*innen sollten entsprechende Regeln im Unternehmen kommuniziert werden.

Veranstaltungen sind derzeit sowieso abgesagt, Dienstreisen für Mitarbeiter*innen sind nur eingeschränkt oder nur wenn absolut notwendig zu gestatten. Vorsicht: Reiserücktrittsversicherungen sind nur im Krankheitsfall gültig oder bei offiziellen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Dort, wo es möglich ist, sollten Verwaltungs- und Managementaufgaben im Homeoffice erledigt werden. In diesem Falle muss man aber auch für erhöhte IT-Sicherheit sorgen, da Geräte außerhalb der Netzwerkinfrastruktur des Unternehmens anfälliger sind für Hackerangriffe. Zur persönlichen Weiterbildung und Qualifizierung empfehlen wir auch die Webinare und Webmeetings des Fuhrparkverbandes mit Impulsen durch Experten und vielen Praxistipps. So können unfreiwillige Freiräume auch sinnvoll genutzt werden.

U wie Unternehmen und Organisation
Bei Poolfahrzeugen und beim Carsharing sind Lenkrad, Cockpit und Dinge, die mit den Händen berührt werden, regelmäßig und nach jedem Wechsel zu desinfizieren. Denn Viren können laut Dr. med. Malte Berger durchaus auf „toten“ Oberflächen überlebensfähig sein. Es ist zwar nicht sicher, wie lange das Virus überlebt, doch Desinfektion und Handschuhe können helfen. Notwendige Aktivitäten sollten also möglichst kontaktlos – sprich online – durchgeführt werden: Beispielsweise die Unterweisungen auf Basis der Vorschrift Nummer 70 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Der Fuhrparkverband hält hier einen günstigen Onlinekurs „UVV Unterweisung für Fahrzeugnutzer/-innen“ bereit, der kurz und kompakt gehalten ist.

Sollte der Verdacht bestehen, dass sich Mitarbeiter*innen infiziert haben, werden Tests seit dem 28. Februar 2020 in weitem Umfang von Krankenkassen übernommen. Es besteht eine Meldepflicht beim zuständigen Gesundheitsamt.

T wie Technik
Durch den Ausfall oder die Verschiebung von Messen und Ausstellungen können derzeit wichtige Informationen zu neuen technischen Entwicklungen nur schlecht abgerufen und kommuniziert werden. Wir hoffen, dass diese Zusammenkünfte bald wieder möglich sind. Wenn die Auswahl und Bestellung von Fahrzeugen bereits erfolgt sind, ist zu beachten, dass der normale Autohandel in Deutschland seit dem 18. März erst mal geschlossen ist, Autowerkstätten bleiben geöffnet. Das kann Auswirkungen bei bestellten Fahrzeugen haben, sofern der regionale Autohandel hier eingebunden ist. So oder so kann es in der momentanen Situation dazu kommen, dass es Lieferengpässe bei dringend benötigten Fahrzeugen gibt. Die Produktion wurde wie beschrieben weltweit gedrosselt beziehungsweise eingestellt. Viele Komponenten kommen außerdem aus China, vor allem bei Elektrofahrzeugen. Besonders betroffen sind hier die fein aufeinander abgestimmten Lieferketten. Werden die unterbrochen, können Fahrzeuge nicht fertig montiert werden. Nach Bedarf sollte geprüft werden, die Fahrzeuge länger im Fuhrpark zu belassen oder für den Übergang Mietfahrzeuge zu nutzen. Für diese Nutzungsart gilt die entsprechende Empfehlung zur Fahrzeugdesinfektion wie vorgenannt.

#staystrong und #stayhealthy
Je nach Branche, Liquiditätsausstattung und Stärke der Unternehmen können die – richtigen und wichtigen – präventiven Maßnahmen des Staates existenzgefährdende Auswirkungen haben. Wir hoffen, dass die Versprechungen zu Liquiditätshilfen, Steuerstundungen, Bürgschaften und Krediten „ohne Limit“ vielen Unternehmen helfen, hier unbeschadet durchzukommen, und Kündigungen von Arbeitsplätzen vermieden werden können.

Wer sich über die aktuelle Lage informieren und Input zu vielen fachlichen Themen erhalten will, dem empfehlen wir die Teilnahme an unserem Verbandsmeeting am 28. und 29. April, welches nicht wie ursprünglich geplant in Nürnberg, sondern als Webkonferenz durchgeführt wird.

Zu weiteren Informationen, Nutzungsmöglichkeiten und Terminen der Onlineangebote: www.fuhrparkverband.de

 

AUTOR

AXEL SCHÄFER ist seit 2010 Geschäftsführer des von ihm mitinitiierten und mitgegründeten Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. und Sprecher der FMFE Fleet And Mobility Management Federation Europe. Zuvor war er viele Jahre erfolgreich im Vertrieb bei führenden Leasinggesellschaften tätig, bevor er sich 1991 selbstständig machte. Der diplomierte Finanzierungs- und Leasingwirt (VWA) ist seit 1992 als Autor, Trainer/Fachreferent in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Seine Kernkompetenz liegt nach wie vor in Fuhrparkmanagement und Leasing. Von 1992 bis 2012 war er Autor und Herausgeber des Praxishandbuchs Fuhrparkmanagement, aktuell gibt er das Fuhrparkcockpit für Mitglieder des Fuhrparkverbandes heraus, eine digitale Know-how-Sammlung, die umfangreiches Fuhrparkwissen bereitstellt.