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Flottenmanagement: Herr Glaßmacher, seit August 2018 bekleiden Sie die Position des International Fleet Managers bei PS-Team und haben an der Entwicklung von „driviva“ mitgewirkt. Was verbirgt sich hinter der Marke „driviva“ und inwieweit konnten Sie bei der Entwicklung auf Ihre Erfahrungen als International Fleet Manager zurückgreifen?

Björn Glaßmacher: Wie der Name „driviva“ schon sagt, der das Fahren, den „drive“, und das Leben (viva) zusammenführt, ist eine Fahrzeugüberführung für uns viel mehr als ein nüchterner Prozess: Ein Auto zu bewegen, bedeutet Freiheit und macht Spaß. Die Idee für „driviva“ wurde bereits vor meiner Zeit bei PS-Team geboren. Ich selbst stieß vor anderthalb Jahren dazu. Ich bündelte die Ideen und erhielt die Gelegenheit, mit einem starken Team die Marke „driviva“ zu entwickeln. Eingestiegen in die Flottenwelt bin ich im Jahr 2005 als Referent Fleet bei Europcar in Hamburg und lernte über die Jahre viele verschiedene Bereiche der Autovermietung kennen. Ab 2010 war ich als Leiter Logistik zuständig für die Überführungen sowie Ein- und Aussteuerung der Fahrzeuge. In dieser Zeit knüpfte ich auch erste Kontakte zu PSTeam. Damals ging es um die Bereiche Zulassung und Dokumentenmanagement. Schon während dieser Zeit stellte sich mir die Frage, wie sich Prozesse digitalisieren und optimieren lassen. Dies auch im internationalen Umfeld umzusetzen, treibt mich voran.

Flottenmanagement: Wie unterscheidet sich „driviva“ von traditionellen Vergabeverfahren von Aufträgen für die Fahrzeugüberführung?

Björn Glaßmacher: „driviva“ ist ein webbasierter Multiuser-Marktplatz, auf dem passende Auftragnehmer zu den Vorgaben der Auftraggeber und den gewünschten Leistungen ermittelt werden. Im Rahmen eines automatisierten Prozesses schließen die Auftraggeber und Auftragnehmer Einzelverträge miteinander ab. Damit ermöglichen wir Fuhrparkbetreibern wie auch Auftragnehmern den Einstieg in die Plattformökonomie. Die Reichweite wächst auf beiden Seiten: Fuhrparkbetreiber greifen über diesen Vergabekanal auf einen sehr viel größeren Kreis an Auftragnehmern zu, wodurch sich ihre Transportkapazitäten spürbar erweitern. Selbstständige Fahrer wie auch Transportunternehmer haben hingegen durch die Qualifizierung Zugang zu großen Unternehmen, die zuvor aufgrund der Vertragskonstrukte für sie nicht erreichbar waren. Hierfür werden innerhalb des sogenannten Onboardings alle notwendigen Informationen und Dokumente geprüft.

Neben der Reichweitenerhöhung spielen aber auch Nachhaltigkeit und Ökonomie eine wichtige Rolle bei „driviva“: Über die digitale Plattform kann ich jederzeit schauen, ob in meiner Nähe gerade ein Fahrzeug zu überführen ist. Die Dienstleister lasten ihre Transportkapazitäten besser aus und vermeiden Leerfahrten. Auch dem Auftraggeber bietet „driviva“ Optimierungspotenziale: Nehmen wir einmal an, dass der gewohnte Spediteur das Fahrzeug erst in einer Woche überführen kann. Die Chancen stehen gut, diesen Auftrag über die Plattform in einer Art Rückwärtsauktion mit Sofortkaufoption frühzeitig zum besten Preis zu vergeben.

Wichtig ist dabei, dass „driviva“ nicht vermittelt, sondern die Auftraggeber und selbstständige, gewerbetreibende Auftragnehmer für Fahrzeugüberführungen und -transporte zusammenbringt. Bei gewonnener Rückwärtsauktion wird lediglich eine Nutzungsgebühr beim Auftragnehmer fällig. Daneben koordinieren wir online den Einzelvertragsabschluss für optional hinzubuchbare Leistungen etwa von Versicherungspartnern für den Fahrer oder Transportunternehmer. Das kann beispielsweise eine Selbstbeteiligung von null Euro im Schadenfall sein. Wir erbringen und vermitteln diese Leistungen nicht, sondern ermöglichen den Vertragspartnern, die Aufträge komfortabel mit wenigen Klicks nach ihren Vorstellungen auszugestalten.

Flottenmanagement: Gerade bei Unternehmen mit einem großen Fuhrpark ist die Fahrzeugüberführung ein eigener logistischer Prozess. Wie können Sie diese Kundenklientel hierbei unterstützen und gleichzeitig sicherstellen, dass der Prozess reibungslos abläuft?

Björn Glaßmacher: Entscheidend bei der Entwicklung von „driviva“ war, dass die Auftraggeber die komplette Kontrolle über die Touren haben. Einerseits umfasst das den Pool der Fahrer: Nur qualifizierte Fahrer, die hinsichtlich der Auftragsparameter geeignet sind, können die Aufträge sehen. Daneben erhält der Auftraggeber über ein Bewertungssystem Informationen über den Fahrer, der sich gerade bewirbt. Hinzu kommen Tools wie die Direktvergabe, womit der Auftraggeber den Zuschlag bereits bekannten Fahrern geben kann, oder der Sofortkaufpreis, wodurch der Auftrag bei Zuschlag auf einen vorher definierten Preis von der Plattform verschwindet. Nicht zuletzt kann „driviva“ aber auch die Auslastung des Fahrerpools des Unternehmens steigern. So könnten eigene Fahrer, die gerade nicht eingesetzt werden, ihre Dienste über die Plattform einer breiten Klientel anbieten. In die Plattform sind unsere jahrzehntelangen Erfahrungen als Marktführer für Fahrzeugüberführungen eingeflossen. Mit mehr als 430.000 Fahrzeugtransaktionen im Jahr stehen wir für Prozesssicherheit und hohe Qualität.

Flottenmanagement:
Auch bei einigen Mobilitätskonzepten wie Carsharing ist eine Fahrzeugüberführung unabdingbar. Welche Herausforderungen stellen diese neuen Mobilitätskonzepte an die Fahrzeugüberführung und welche Lösung bietet „driviva“ hierfür?

Björn Glaßmacher: Eine der größten Herausforderungen beim Carsharing ist, die Fahrzeuge zu dem Ort zu bringen, wo sie gerade benötigt werden und sich Geld verdienen lässt. Dies kann im Tagesverlauf ganz unterschiedlich sein. Unser Ansatz mit „driviva“ ist es, die Fahrzeuge dahin zu bringen, wo sie gerade benötigt werden. Statt sich ein Fahrzeug zu mieten, könnte man sich beispielsweise die Fahrt in Form einer Fahrzeugüberführung erarbeiten. Wir werden hierfür nach und nach Zusatzoptionen anbieten, etwa um Ringtouren zu planen.

Flottenmanagement: Betrachtet man einmal den Autohandel genauer, stellt sich sogleich die Frage, ob Autohäuser auch ein Modell für die Zukunft sind oder ob der Hersteller nicht zukünftig die direkte Partnerschaft zum Endkunden sucht. Wie stehen Sie diesem Zukunftsszenario gegenüber?

Björn Glaßmacher: Dieses Thema wird bei uns sehr kontrovers diskutiert. Vergleicht man den Autohandel mit einem Reisebüro, kann man diesen in einer Plattformökonomie einfach durch einen Marktplatz für das Wunschmodell und die für die Einsteuerung benötigten Services ersetzen, analog den Hotel- und Flugportalen. Jedoch wird es auch hier immer die Kunden geben, die ausschließlich über das Autohaus gehen. Daher versteht „driviva“ sich als Partner des Herstellers wie auch des Autohandels. Wir wollen sowohl die Hersteller unterstützen, die den Ansatz des Direktkontaktes zum Kunden verfolgen und bei denen das Autohaus zu einem Showroom mit Zusatzleistungen avanciert, als auch den Autohandel, der beispielsweise einen Hol- und Bringdienst für Services im After-Sales- Bereich anbieten will. Gerade Letzteres könnte für Autohäuser mit eigener Werkstatt sehr interessant sein, da sich durch einen Hol- und Bringservice auch die Werkstattauslastung steuern lässt. Ist diese zu gering, kann das Autohaus die Werkstattleistungen zu einem günstigeren Preis anbieten – Fahrzeugüberführung inklusive. Die Werkstatt würde so zusätzlich Geld verdienen und der Kunde könnte weiter seiner Arbeit nachgehen.

Flottenmanagement:
„driviva“ ist bekanntermaßen eine Marke der PS-Team Gruppe. Inwiefern ist „driviva“ in das Portfolio von PS-Team eingebunden? Lässt sich die Onlineplattform nahtlos mit weiteren Prozessdienstleistungen kombinieren?

Björn Glaßmacher: „driviva“ ist als Software as a Service ein Zusatzangebot von PS-Team und verfügt als eigenständige Einheit über eine eigene Kostenstelle. Das Wissen um die Fallstricke in der Vergabe und Erbringung von Fahrzeugüberführungen kombinieren wir mit unserer auf Plattformen spezialisierten Softwarekompetenz. Dadurch wollen wir nicht nur uns selbst zukunftssicher aufstellen, sondern ebnen unseren Geschäftspartnern den Weg in ein ausbaufähiges digitales Ökosystem. Im Vergleich zu den produktspezifischen Leistungen, die meist aufeinander aufbauen, kann „driviva“ völlig autark arbeiten, aber auch über Schnittstellen mit anderen Systemen verknüpft werden. Nicht zuletzt eröffnen sich durch die eigenständige Marke auch viele Möglichkeiten für Unternehmenskooperationen und Partnerschaften.

Flottenmanagement: Gerade der Anfang eines Jahres eignet sich für einen Ausblick: Welche weiteren Neuerungen können Fuhrparkkunden seitens PS-Team 2020 erwarten? Welche Trends spielen hierbei eine Rolle?

Björn Glaßmacher: Analog zu „driviva“ wird PS-Team zukünftig für viele Bereiche Software as a Service anbieten. Digitale Speziallösungen, die Fuhrparkmitarbeitern ihren Alltag erleichtern und dazu beitragen, die Effizienz zu erhöhen, rollen wir weiter aus und entwickeln sie ständig weiter. Mit PS Ticket, dem digitalen Strafzettelmanagement und der neuen Generation des OWi-Verfahrens in Deutschland, senken Autovermieter und Fuhrparks ihre Prozesskosten. Über PS Tracking können sie transportierte Fahrzeuge wie Pakete verfolgen. Das gibt Sicherheit. Daneben führen wir viele Produkte in verschiedene internationale Märkte ein. Beispielsweise konnten wir mit dem ebenfalls autark arbeitenden Auftrags- und Transportmanagementtool PS Spe(e)dLog bereits viele Kunden im Ausland überzeugen, die vorher nicht auf so eine Systematik zugreifen konnten. Die strukturellen Veränderungen und die Expansion in Europa machen uns wiederum interessant für neue Kundengruppen. Nicht zuletzt wird es auch Veränderungen bei PS-Team geben: In Kürze stellen wir einen neuen Geschäftsführer vor, der mit seiner europäischen Expertise die Zukunft des Unternehmens positiv weiter gestalten wird und PS-Team in die gerade begonnenen goldenen Zwanziger führen wird.