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Vor der Praxis kommt meist die Theorie und so war es auch bei dem Fuhrpark Convent im ADAC Fahrsicherheitszentrum Rhein-Main in Gründau. Bevor es auf die Strecke des Fahrsicherheitszentrums ging, gab es verschiedene Fachvorträge zu aktuellen Themen. In Zusammenarbeit mit der Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH bot der erste Veranstaltungstag eine Plattform, um aktuelle Themen aus der Branche mit Experten und Kollegen zu diskutieren. Gespräche, die dann beim gemeinsamen Abendessen und Ausklang am Abend vertieft werden konnten.

Reifenwahl
Am zweiten Tag ging es dann rund – und das im wortwörtlichen Sinn. Das Wetter am zweiten Event-Tag war wechselhaft und somit perfekt, um Sommer- gegen Winterbereifung antreten zu lassen. Die Trainer des ADAC hatten unterschiedliche Testmodule für den Tag vorbereitet, neben den üblichen Fahrsicherheitsübungen, wie Gefahrenbremsung auf unterschiedlichen Untergründen oder Slalomfahrten, standen auch mehrere Fahrzeuge mit spezieller Bereifung bereit. So gab es Fahrzeuge mit Sommeroder Winterbereifung und Pkw mit Reifen, die eine Profiltiefe von nur noch 1,6 Millimetern aufwiesen. Die Teilnehmer hatten also die Möglichkeit, im direkten Vergleich Brems- und Ausweichverhalten der Reifen zu testen. Es war sich im Vorfeld wohl jeder bewusst, dass Pneus einen Einfluss auf das Fahrverhalten haben. Doch dass dieser so eklatant ist, war sicher nicht allen klar. Im Ernstfall könnten selbst die 1,6 Millimeter, immerhin die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe, zu wenig sein, um noch vor dem Hindernis zum Stehen zu kommen. Wer auf neuen Continental Winter Contact unterwegs war, konnte die Wasserhindernisse relativ problemlos umfahren oder rechtzeitig davor anhalten. In Kombination mit der Antriebsschlupfregelung der Testfahrzeuge vermittelten die Reifen einen souveränen Eindruck. Auf abgefahrenen Sommerreifen „erwischte“ es aber jeden der Teilnehmer und das Testfahrzeug bekam eine unfreiwillige Dusche beim Wasserhindernis. Zum Glück wurde regelmäßig getauscht und jeder konnte mal die Grenzen der Reifen austesten.

Elektronische Helfer
Um Grenzerfahrung ging es auch bei dem Modul „Kurvenfahren in der Kreisbahn“. Dabei war es das Ziel, bei ausgeschaltetem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) während einer Kurvenfahrt innerhalb der aufgemalten Markierungen zu bleiben. Fahrer und Reifen kamen hier schnell an ihr Limit. Unabhängig von der Bereifung war auch beeindruckend zu sehen, wie unterschiedlich das ESP die Motorleistung im Grenzbereich steuert, um ein allzu starkes Untersteuern des Fahrzeugs zu verhindern. So fuhren einige Teilnehmer während ihrer Runden kontinuierlich mit durchgedrücktem Gaspedal und kamen dennoch nicht schneller vorwärts, während andere sich mit quietschenden Reifen der äußeren Markierung näherten.

Fazit
Jedem der Teilnehmer war spätestens nach dem Continental Fuhrpark Convent klar, dass Reifen nicht gleich Reifen ist. In vielen Flotten spielt die gesetzliche Mindestprofiltiefe, zum Glück, keine Rolle, da Leasinggesellschaften oder auch interne Car-Policys oftmals einen Reifenwechsel bei drei oder mehr Millimetern vorschreiben. An die „Grenze“ gehen sollte demnach im Flottenalltag niemand. Für Fahrer ist es dennoch lehrreich, auf sicherem Trainingsgelände mit dem Dienstwagen mal im Grenzbereich unterwegs zu sein. Nur so ist man für den Ernstfall gewappnet. Darüber hinaus ist es im Sinne des Fuhrparks, wenn die Fahrer ihren Dienstwagen auf diese Art und Weise richtig kennen lernen, so lässt sich zudem die Schadenquote senken. Wem die Kosten für ein firmeninternes Fahrsicherheitstraining zu hoch sind, kann sich auch an die Berufsgenossenschaften wenden, oftmals gibt es hier einen Zuschuss für Fahrertrainings.