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Wenig überraschend befindet man sich in Deutschland auf Rekordkurs: Bis September dieses Jahres wurden mit rund 48.000 E-Fahrzeugen so viele Pkw mit reinem Elektroantrieb neu zugelassen wie nie zuvor. Seit dem Jahr 2015 haben sich die Neuzulassungen von Elektroautos sogar fast verdreifacht.

Und auch die Anzahl an öffentlich zugänglichen Ladesäulen wächst. Sie stieg von 13.006 (Q4 2018, Stand 3. Januar 2019) auf rund 16.700 (Stand 1. November 2019) an (Quelle: Statista). Insgesamt gibt es derzeit circa 21.000 Ladepunkte in Deutschland.

Autogipfel
Viel beachtet war das von den Medien als „Autogipfel“ betitelte Treffen in Berlin am 4. November. Die Bundeskanzlerin hatte dazu die Koalition, Vertreter der Bundesregierung, Ministerpräsidenten aus ausgewählten Bundesländern sowie Vertreter der Automobilwirtschaft, der Arbeitnehmer und der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität eingeladen.

In der zweiten Sitzung der „Konzertierten Aktion Mobilität“, wie das Treffen offiziell heißt, herrschte Einigkeit: Der Aufbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur soll massiv verstärkt werden. In den nächsten zwei Jahren ist die Errichtung von 50.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten geplant. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sollen schnell verbessert werden.

Die Automobilwirtschaft wird nach Angaben der Bundesregierung bis zum Jahr 2022 15.000 öffentliche Ladepunkte beisteuern. Die Energiewirtschaft hat auf dem Treffen ebenfalls weitere Anstrengungen angekündigt und wird noch in diesem Jahr mit den zuständigen Ministern zusammenkommen. Die Standorte der Ladepunkte werden mit der Bundesregierung koordiniert.

Und es gab weitere wichtige Beschlüsse: So hat die Bundesregierung den Umweltbonus zum Kauf von Elektrofahrzeugen bereits im November verlängert und nochmals deutlich erhöht – um 50 Prozent bei Fahrzeugen mit einem Nettolistenpreis bis 40.000 Euro und darüber hinaus um 25 Prozent bis zu einem Nettolistenpreis von 65.000 Euro. Damit soll ermöglicht werden, weitere rund 650.000 bis 700.000 Elektrofahrzeuge zu fördern. Die Industrie wird sich nach Angaben der Regierung weiterhin paritätisch daran beteiligen.

Neben der Umweltprämie gibt es eine Reihe weiterer Vorteile von E-Autos gegenüber konventionell angetriebenen Fahrzeugen wie der ...

• hohen Energiesteuer auf Benzin und Diesel im Vergleich zur niedrigen Stromsteuer
• steigenden Kfz-Steuer für Neuwagen ab 2021 (entfällt beim E-Auto auf zehn Jahre)
• im Klimaschutzprogramm 2030 festgelegte CO2-Preisaufschlag auf Benzin und Diesel ab 2021 mit einer Steigerung bis 2025 verbunden mit einer Senkung der EEG-Umlage
• Kosten der CO2-Regulierung der EU ab 2021 für Pkw mit Verbrennungsmotor
• Anrechnungsmöglichkeit von E-Autos auf die gesetzliche Treibhausgasminderungsquote von Kraftstoffen
• von 0,5 auf 0,25 Prozent verminderten Dienstwagenbesteuerung für E-Autos, sofern der Netto-Listenpreis unter 40.000 Euro liegt und das Fahrzeug erst ab 2020 angeschafft wurde

Quelle: In Anlehnung an Hamburger Beratungsbüro Economic Trends Research (ETR)

Die deutschen Autobauer starten durch ...
Doch der 4. November war nicht nur der Tag des Autogipfels. Für VW begann gemäß eigenen Angaben ab dann eine neue Zeitrechnung: Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Konzernchef Herbert Diess rollte im Werk Zwickau das erste Fahrzeug der neuen E-Auto-Generation vom Band – ein weißer ID.3. „Die Zukunft gehört dem elektrischen Fahren. Und VW liefert das Auto für diese Zukunft. Mit dem ID.3 holen wir die Elektromobilität aus der Nische. Der ID.3 ist nicht das erste Elektroauto. Aber das erste mit hoher Reichweite, hoher Fertigungsqualität und hohem Nutzwert – und zwar zum Preis eines vergleichbaren Golf Diesel“, sagte Konzernchef Herbert Diess beim Festakt in Zwickau.

Zwar kostet allein der 58-kWh-Akku rund 9.000 Euro (Quelle: Center of Automotive Management), die Verkaufspreise sollen bei VW aber durch Skaleneffekte mit dem Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB) aufgefangen werden. Auf ihm basieren neben den ID-Modellen auch sämtliche E-Fahrzeuge von Audi, SEAT und Škoda. Bis 2028 plant Volkswagen konzernweit rund 22 Millionen Elektrofahrzeuge zu verkaufen. Bereits im kommenden Jahr sollen rund 100.000 E-Modelle in Zwickau produziert werden. Ab 2021 sind dann bis zu 330.000 E-Autos pro Jahr geplant.

Und auch Daimler legt nach. So wird der EQV das nächste Mitglied der Mercedes-EQ-Familie. Die elektrisch angetriebene Premium-Großraumlimousine vereint emissionsfreie Mobilität in Kombination mit „überzeugenden Fahrleistungen und hoher Funktionalität“, verspricht der Autobauer. Weitere elektrische Modelle wie der EQA und der EQS stehen ebenfalls bereits in den Startlöchern. Mit ihrem Marktstart darf man Ende 2020 beziehungsweise in der ersten Jahreshälfte 2021 rechnen.

BMW wird voraussichtlich 2021 den mit Spannung erwarteten i4 präsentieren. Bereits im kommenden Jahr startet der iX3, der auf Elektroantrieb umgerüstete X3, durch. Die bayerischen Kollegen aus Ingolstadt legen mit dem Audi e-tron Sportback ihr zweites E-Fahrzeug auf.

Opel lässt 2021 mit dem Corsa-e und dem Mokka-e X zwei rein elektrische Fahrzeuge zu den Händlern rollen. Die Eingliederung in den PSA-Konzern scheint dabei die Realisierung dieser Fahrzeuge deutlich beschleunigt zu haben. PSA setzt dabei – allerdings in etwas anderer Form als VW – auf eine modulare Plattform. So sagt Frank Jordan, Director Advanced Engineering bei Opel, gegenüber dem Fachportal electrive.net: „Die Konzernplattform CMP (Common Modular Platform) ist eine Multi-Energy-Plattform, die es ermöglicht, auf einer technischen Basis Benzin-, Diesel- und elektrische Antriebe zu realisieren. Das hat unter anderem den Vorteil, dass wir in unserem spanischen Werk in Saragossa sämtliche Antriebsvarianten des neuen Opel Corsa auf einer Produktionslinie bauen und dadurch flexibel auf wechselnde Anforderungen des Marktes reagieren können.“

Importeure
Wo wir direkt bei Citroën, DS und Peugeot wären: Der Peugeot e-208 und der DS 3 Crossback E-Tense basieren auf eben jener Plattform wie der Corsae mitsamt ähnlicher Technik. Citroën wird hier aller Voraussicht nach mit dem elektrischen C4 hinzustoßen, zu ihm sind aber bis jetzt noch keine Details bekannt. Vorerst versucht man es mit dem kleinen Ami One. Mit dem Mini-SUV will man Ende 2020 die Innenstädte erobern. In Deutschland könnte er bereits von 16-Jährigen gefahren werden, da er in die L6e- Kategorie der Leichtkraftfahrzeuge bis 45 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit fällt.

Einer darf in der Auflistung natürlich nicht fehlen. Die Rede ist von Tesla. Der E-Auto-Pionier erweitert 2020 seine Modellpalette um ein SUV namens Model Y. Es basiert auf dem Model 3 und soll bis zu sieben Insassen Platz bieten. Der Preis für das vermutlich ab Mitte des nächsten Jahres erhältliche Modell wird nach einer gewissen Zeit auch noch leicht zurückgehen, da anfänglich nur teurere Varianten verkauft werden.

Die us-amerikanischen Kollegen von Ford werden 2020 den „Mach-E“ auf die Straße bringen. Über das E-SUV ist noch nicht viel bekannt, nähere Informationen gab es Ende November (Redaktionsschluss war der 4. November). Künftig wird Ford in Sachen Elektromobilität eng mit VW zusammenarbeiten und kann dabei auch auf den MEB der Deutschen zugreifen.

Werfen wir abschließend noch einen kurzen Blick nach China. Das dort ansässige Start-up Aiways versucht im kommenden Jahr mit dem U5 den europäischen Markt zu erobern. Bereits vorab bekommt das Mittelklasse- SUV fast ausschließlich gute Pressekritiken. In Deutschland kann es voraussichtlich nur geleast und nicht gekauft werden, die monatliche Rate soll sich auf circa 400 Euro belaufen.

Fazit
Die Modellauswahl wird immer größer, die Preise werden immer massentauglicher und die Ladeinfrastruktur wächst – alle Punkte sind nicht zuletzt auch bedingt durch politische Anstrengungen. Hinzu kommt, dass die Reichweitenangst immer mehr der Vergangenheit angehört. Zudem verfügen zunehmend mehr Modelle über einen Schnelllade-/CSS-Anschluss, sprich der Akku füllt sich innerhalb von 30 bis 45 Minuten wieder auf 80 Prozent. Es scheint also alles „angerichtet“. Jetzt liegt es vor allem an den Kunden.