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Rund 200 Teilnehmer konnten wir bei unserer Umfrage verzeichnen, ein eher niedriger Wert. In den Fuhrparks scheint das Thema „Green Fleet“ also nach wie vor nur einen Teil zu interessieren. Unter den Umfrageteilnehmern sind Flottengrößen bis 50 Fahrzeuge mit 47 Prozent knapp zur Hälfte vertreten, Fuhrparks mit 51 bis 250 Fahrzeugen mit weiteren 30 Prozent. 251 bis 500 Fahrzeuge verwalten lediglich vier Prozent der Teilnehmer, beachtliche 19 Prozent managen über 501 Fahrzeuge. Davon sind 76 Prozent der Flotten mit Pkw ausgestattet, 20 Prozent mit Kleintransportern und Transportern bis 3,5 Tonnen sowie vier Prozent, welche sonstige Fahrzeuge nutzen.

Auch wenn das Thema unserer Umfrage „Green Fleet“ heißt, widmen wir uns anfänglich kurz dem Diesel. So ergab das aktuelle DAT Diesel-Barometer, dass bei der Verteilung der Antriebsarten in den Fuhrparks Dieselfahrzeuge 86 Prozent (Stand: Oktober 2019) ausmachten, im September 2018 waren es 85 Prozent. Diese Konstanz zeigt: Der Diesel wird uns vor allem in den Fuhrparks noch einige Zeit begleiten. Klar ist auch, dass die von Fahrverboten betroffenen Fahrzeuge (Euro 5 und älter) aufgrund der kurzen Haltedauer in den Fuhrparks kaum vorzufinden sind. Bei unserer Umfrage ist das Ergebnis ebenfalls deutlich, alle (!) Fuhrparks (100 Prozent) setzen auf Diesel. 70 Prozent nutzen weiterhin Benziner. Interessant sind auch die weiteren Ergebnisse: In 41 Prozent der Flotten kommen batterieelektrische Fahrzeuge zum Einsatz. Ein erstaunlich hoher Wert, der sicherlich (noch) nicht repräsentativ ist. 30 Prozent Plug-in-Hybride erscheinen ebenso viel. Zu beachten ist bei dieser Frage jedoch, dass bereits ein Fahrzeug mit entsprechendem Antrieb in der Flotte ausreicht, um hier berücksichtigt zu werden (Grafik 1).

Bei der Frage nach dem Antrieb der Zukunft gibt es etwas überraschend einen deutlichen Gewinner. So glauben 48 Prozent der Teilnehmer an Wasserstoff. Hierfür müsste sich bei der Modellauswahl (sowie den Preisen der Modelle) und der Infrastruktur sicherlich noch einiges tun (lesen Sie hierzu auch unseren Artikel über Wasserstoff auf S. 98). Fördert die Bundesregierung dieser Tage Elektromobilität wie kaum ein zweites Thema (verlängerter Umweltbonus, Steuervergünstigung, Förderung der Ladeinfrastruktur et cetera), scheint es die Befragten unserer Umfrage kaum zu beeindrucken. Gerade einmal ein Neuntel der Teilnehmer glaubt an den rein batterie-elektrischen Antrieb. Immerhin knapp ein Fünftel geht nicht von der einen Lösung bei den Antrieben aus, sondern vermutet, dass es auf mehrere beziehungsweise einen Mischverkehr hinausläuft. Dass sich Autound Erdgas hingegen in Zukunft durchsetzen, glaubt keiner der Befragten. (Grafik 2).

Die steigende Bedeutung der alternativen Antriebe zweifelt wohl kaum jemand an. Doch derzeit erfüllen diese Fahrzeuge noch nicht immer die Bedürfnisse der Firmen. Fast zwei Drittel der Befragten geben die (geringe) Reichweite nach wie vor als Problemfeld an. Rückblick: Bei unserer Befragung vor zwei Jahren waren es gar 84 Prozent. Ob nun Vorurteil oder tatsächliches Problem, es scheint sich hier etwas zu tun. Klar ist: Für einen Vertriebsmitarbeiter, der mehrere Hundert Kilometer am Tag fährt, ist die rein batterieelektrische Lösung vermutlich nicht der richtige Ansatz; für ein Kundendienstfahrzeug in einer Stadt aber womöglich schon. So sieht der Löwenanteil von 68 Prozent hierin auch die wesentliche Schwierigkeit – alternative Antriebe sind ihrer Meinung nach aktuell nicht für jede Flotte oder jeden Einsatzzweck brauchbar. Und mehr als die Hälfte der Teilnehmer hält die Anschaffung alternativer Antriebstechnologien für schlichtweg zu teuer. Die Frage ist: Wie lange noch? Denn die Auswahl an preisgünstigen Modellen wie beispielsweise dem VW ID.3 (er kostet voraussichtlich unter 30.000 Euro) steigt, hinzu kommen zahlreiche Einsparmöglichkeiten (Umweltbonus, halbierte Besteuerung ...). Doch ist die Technik überhaupt schon massentauglich? Immerhin 43 Prozent sehen alternative Antriebe insgesamt als noch nicht ausgereift an (Grafik 3).

Nach wie vor sind Autos mit konventionellen Antrieben in den Fuhrparks unserer Befragten mit Abstand am meisten vertreten. 44 Prozent haben bereits alternative Antriebe im Einsatz, somit immerhin fast jede zweite Flotte. ÖPNV-/Jobtickets und die Bahncard sind jeweils bei rund einem Drittel der teilnehmenden Unternehmen vertreten. Warum nicht mehr? Haupthindernisse dürften hier der hohe Preis und die fehlende Zuverlässigkeit sein. Ein Vorbild könnte Wien sein; durch günstige Tickets und ein extrem gutes Netz inklusive guter Taktung sind die öffentlichen Verkehrsmittel in Österreichs Hauptstadt sehr hoch frequentiert. Optionen wie Fahrräder, E-Bikes und Carsharing werden in rund jeder fünften Flotte genutzt. Noch wenig Beachtung finden Lastenräder in den Flotten, der Anbietermarkt und auch das Kundeninteresse wachsen aber zunehmend (lesen Sie hierzu auch den Artikel auf S. 100). Die seit Sommer zugelassenen E-Scooter spielen indes kaum eine Rolle (Grafik 4).

Immer häufiger wird in letzter Zeit das Mobilitätsbudget thematisiert. Denn der Trend geht – gerade bei der jüngeren Generation – weg vom individuellen Dienstwagen hin zu mehr Flexibilität und persönlicher Freiheit in Sachen Mobilität. Allerdings scheint das Mobilitätsbudget bei unseren Befragten bis jetzt kaum eine Rolle zu spielen. Lediglich in 14 Prozent der Fuhrparks gibt es ein solches Budget, bei weiteren 14 Prozent ist es zumindest in Planung. Hier darf man gespannt auf die weitere Entwicklung sein (Grafik 5).

Nutzen die Fuhrparks so etwas wie eine grüne Car-Policy, sprich wird ein Mitarbeiter bei der Wahl eines Dienstwagens nach ökologischen Gesichtspunkten entsprechend belohnt? Bei neun Prozent ist dies mit einem entsprechenden Bonus-Malus-System der Fall. So kann beispielsweise der Verzicht auf Motorleistung eine teurere Ausstattung ermöglichen. Wer hingegen an Zylindern und Hubraum festhält, muss dazuzahlen. Bei rund einem Fünftel der Befragten gibt es eine Ausrichtung auf Umweltaspekte nach bestimmten Vorgaben. Das können beispielsweise vorgeschriebene Modelle oder Antriebsarten sein. Bei der deutlichen Mehrheit der Befragten (60 Prozent) kommt indes keine grüne Car-Policy zum Einsatz (Grafik 6).

Aus den Umfrageergebnissen wie auch anderen Studien lässt sich herauslesen: Deutschland bleibt Autoland. Gerade in Fuhrparks, in denen es zumeist um maximale Kostenkontrolle und -effizienz geht, stellt sich dann die Frage nach den Ansätzen zum Spritsparen. Bedenklich: Fast zwei Drittel (64 Prozent) unserer Befragten geben an, sich noch nie darüber Gedanken gemacht zu haben. 14 Prozent bejahen immerhin die Frage, ob sie ihren Mitarbeitern Spritspar-Trainings anbieten. Elf Prozent nutzen ein Telematiksystem, mit dessen Auswertung der Mitarbeiter zum Spritsparen motiviert werden kann, und immerhin zwölf Prozent nutzen sonstige Methoden zum Spritsparen (Grafik 7).

Zwar verschmelzen Fuhrpark- und Travelmanagement immer mehr, trotzdem scheinen nicht alle Flottenverantwortlichen über die Details der Reiserichtlinien ihres Unternehmens Bescheid zu wissen. Das jedenfalls geben 22 Prozent der Befragten an. Bei 35 Prozent sind die Reiserichtlinien dem Nachhaltigkeitsgedanken untergeordnet. Das heißt, es wird beispielsweise auch einmal auf eine Dienstreise zugunsten einer Videokonferenz verzichtet oder bei Kurzstrecken wird die Bahn anstelle des Flugzeugs genutzt (Grafik 8).

Abschließend wollten wir noch wissen, auf welche Informationsquellen die Fuhrparkleiter beim Thema Green Fleet zurückgreifen. Klar in Front liegen Fachmagazine mit 68 Prozent, gefolgt vom Internet (58 Prozent) und Fachmessen, Tagungen oder Kongressen (38 Prozent). An dieser Stelle eine kurzer Hinweis in eigener Sache: Am 18. und 19. März gibt es bei „Flotte! Der Branchentreff“ wieder unter anderem diverse Vorträge, Diskussionen und Informationen rund um das Thema Green Fleet (Grafik 9).

Fazit
Die Onlineumfrage zeigt: Der Wille und der Glaube an nachhaltige Mobilität in den Fuhrparks sind derzeit nur bedingt vorhanden. Sicher, unsere Umfrage ist nicht repräsentativ, aber sie zeigt dennoch Tendenzen auf. Eine grüne Car-Policy, Spritspar-Trainings oder nachhaltige Reiserichtlinien sind in den Unternehmen in der Minderheit, auch das Mobilitätsbudget scheint noch lange nicht angekommen zu sein. Abzuwarten bleibt die Entwicklung bei den alternativen Antrieben. Die Bundesregierung und die Automobilbauer setzen jetzt voll auf das Zugpferd Elektromobilität. Die diversen erwähnten Anreize könnten künftig in den Flotten zu einem Umdenken beziehungsweise zu einer verstärkten Nutzung von Stromern führen.