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„Klimaneutralität müssen alle Unternehmen herstellen. Wir alle brauchen viel mehr Mut, in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren. Diese müssen ein echter zusätzlicher Beitrag sein, der eigene Anstrengungen ergänzt“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke anlässlich der Vorstellung der „Blauen Flotte“, dem E-Mobilitätsprogramm der Volkswagen Financial Services GmbH. Hier arbeitet der Finanzdienstleister von Volkswagen mit dem Naturschutzbund zusammen, um CO2-Emissionen aus dem deutschen Strommix, der nicht immer aus erneuerbaren Quellen stammt, unter anderem durch die Investition in klimarelevante Moorschutzprojekte auszugleichen.

Kompensation als Einstieg
Dass Leasingunternehmen direkt diese Möglichkeit anbieten, ist derzeit noch eher selten. Generell gilt zur Verbesserung der unternehmerischen Klimabilanz, CO2-Emissionen zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren. Damit tut sich die Branche derzeit noch schwer, obwohl sich gerade im Bereich der Mobilität gute Reduktionsmöglichkeiten bieten beziehungsweise schnell eine positive Wirkung erzielt werden kann. Als Zwischenlösung stehen multiple Möglichkeiten bereit, den unvermeidbaren Ausstoß zu kompensieren. Oftmals dient die Kompensation im Fuhrpark auch als Einstieg, sich mit betrieblich entstandenen CO2-Emissionen auseinanderzusetzen und die Reduktion und Vermeidung auf das ganze Unternehmen auszudehnen.

Die Berechnung des Flottenausstoßes gestaltet sich relativ einfach anhand der Jahresfahrleistung und der Verbräuche, in der Regel sind das die genau ausgelesenen Informationen über Fahrzeugtyp, Motorleistung, Kraftstoffmengen und gefahrene Kilometer. Ganz einfach funktioniert das beispielsweise gekoppelt an eine Tankkarte (zum Beispiel Aral Plus Tankkarte, DKV Card Climate, euroShell, novofleet Card Climate) und Teilnahme am Kompensationsprogramm, bei dem anhand des Kraftstoffbedarfs die  CO2-Kompensation berechnet wird. Der Beitrag wird mit der Abrechnung geleistet. Flotten mit weniger als zehn Fahrzeugen können über den Webshop der ARKTIK GmbH Vignetten für ihre Fahrzeuge beziehen und darüber gleich über ein paar technische Angaben zu den Fahrzeugen den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge individuell kompensieren. Andere Dienstleister verfügen über spezielle Software und CO2-Programme, in die die Daten einfließen und die die Emissionen vorhersagen. Der Anbieter Klimapatenschaft GmbH richtet sich beispielsweise nach dem „Greenhouse Gas Protocol – Corporate Standard“, dem am weitesten verbreiteten internationalen Standard für die Berechnung von CO2-Emissionen. Als Grundlage dienen verschiedene Treibhausgase, die anhand der vom IPCC definierten Global Warming Potentials in CO2-Äquivalente umgerechnet werden. Der Projektentwickler South Pole erläutert das weitere Procedere stellvertretend: „Da der Klimawandel ein globales Problem ist, spielt es keine Rolle, wo genau in der Welt eine Emissionsminderung stattfindet. Eine CO2-Gutschrift ist ein Zertifikat, das der Verringerung oder Vermeidung einer Tonne CO2-Äquivalent entspricht und das als Nachweis für die Vermeidung verwendet wird. Durch den Kauf von CO2-Zertifikaten kann eine Organisation die Entwicklung von Projekten, zum Beispiel in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Forstwirtschaft, unterstützen.“

Pioniere
Das Münchener Unternehmen X-Leasing GmbH gehört zu den wenigen Anbietern mit einer direkten Kompensationsmöglichkeit und wirbt damit, dass seine Leasingflotte mit Verbrennungsmotor im ersten Vertragsjahr klimaneutral fährt – ohne Mehrkosten für den Kunden. Für die weitere Laufzeit soll der Kunde überzeugt werden, diese Kompensation gegen eine moderate Erhöhung der Leasingrate fortzuführen. Pro Tonne CO2 pflanzt der Projektpartner Plant-for-the-Planet fünf Bäume auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Die Kunden des Fuhrparkmanagementanbieters Imperial Fleet Management können über eine Kooperation mit myclimate CO2-Emissionen kompensieren. Die LeasePlan GmbH vermittelt interessierte Flotten an den Dienstleister CO2OL, über den mit der Finanzierung globaler Umweltprojekte der Kohlenstoffdioxidausstoß des Fuhrparks neutralisiert werden kann. DieAlphabet Fuhrparkmanagement GmbH arbeitet gemäß eigener Angaben bei der Kompensation mit der First Climate Markets AG zusammen.

Projekte
Grundsätzlich können die Unternehmen aus verschiedenen Projekten wählen, in die die Gelder über die Klimaschutz-Dienstleister fließen, beziehungsweise sie erhalten individuelle Empfehlungen. Die 100 internationalen Klimaschutzprojekte, die über die gemeinnützige Organisation myclimate Deutschland gGmbH betreut werden, befinden sich in 30 Entwicklungs- und Schwellenländern rund um den Erdball und nutzen zehn unterschiedliche Technologien, um Treibhausgasemissionen wirksam zu reduzieren. So ermöglichen die Beiträge, fossile Energiequellen durch erneuerbare Energien zu ersetzen oder energieeffiziente Technologien zu fördern. Die finanziellen Beiträge gelten übrigens nicht als Spenden, sondern als Dienstleistungen, für die Gegenwerte entstehen.

Wichtig für den Entscheider: Bei hochwertigen Klimaschutzprojekten wird die CO2-Einsparung sehr streng und vor allem rückwirkend kontrolliert: Es gibt eine Reihe von international anerkannten und verlässlichen Standards für Klimaschutzprojekte. Die Projekte werden regelmäßig von unabhängigen Organisationen wie TÜV, SGS oder PwC kontrolliert, die genaue Menge an tatsächlich eingesparten CO2-Emissionen wird rückwirkend festgestellt. Projekte mit diesen Standards existieren bereits und haben das CO2 nachweislich in der Vergangenheit eingespart. Dazu gehören folgende Standards: Gold Standard, Verified Carbon Standard, Climate, Community and Biodiversity Standard, Plan Vivo Standard, Social Carbon Standard und Fairtrade-Klima-Standard.

Positiver Nebeneffekt „Aufgrund einer sich ändernden gesellschaftlichen Wahrnehmung – im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels – wird von Unternehmen immer mehr erwartet, dass sie sich Gedanken über Ressourcennutzung und ihr unternehmerisches Handeln machen. Diejenigen, die sich mit einer entsprechenden Strategie darauf vorbereiten, sind im Vorteil“, weiß Michael Sahm, Director Business Development bei der ForestFinest Consulting GmbH mit dem Unternehmenszweig CO2OL für betrieblichen Umweltschutz. Darüber hinaus gibt es einen wachsenden regulatorischen Druck, wie beispielsweise die Einführung von CO2-Preisen oder die EU-weite Vorgabe Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen. Es wird daher selbstverständlicher, auf klimaneutrales Wirtschaften zu achten, um im Wettbewerb zu bleiben.

Reduktion und Vermeidung Kompensation sollte gemäß der Klimaschutzorganisationen immer nur eine Möglichkeit darstellen, um unvermeidbare CO2-Ausstöße zu neutralisieren. Als höhere Unternehmensziele sollten die Reduktion und die Vermeidung von klimaschädlichen Aktionen gesetzt sein. Die Klimaschutzberater empfehlen deshalb eine stete Kontrolle des betrieblichen CO2-Fußabdrucks und darauf basierend eine Bewertung der veranlassten Maßnahmen. Die gezielte Information zum Thema sowie ein regelmäßiger Austausch über neue Entwicklungen im Bereich Mobilität, mit denen man CO2 vermeiden und reduzieren kann, gehören zum Portfolio der Project Climate GmbH. Sie berät zudem zur sinnvollen Integration von E-Mobilität im Fuhrpark, zu Möglichkeiten eines Mobilitätsbudget- Ansatzes, CO2-Emissionen durch Carsharing zu reduzieren, und dazu, wie man richtige Anreize setzt, dass kleinere und effiziente Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Konzepte und Lösungen für klimafreundliche Transportstrategien innerhalb der Wertschöpfungskette bietet First Climate an. Außerdem unterstützt der Dienstleister ganzheitlich bei der Umsetzung interner Maßnahmen zur CO2-Minderung und -Kompensation und erarbeitet im Bereich e-Charging Grünstromversorgungsstrategien für globale Akteure.

Fazit
Klimaneutrales Handeln wird auch in der Wirtschaft immer wichtiger im Wettbewerb. Früher oder später kommt kein Unternehmen mehr drum herum, denn konkretes Handeln setzt Zeichen und lässt sich auch für die Außenwahrnehmung verwenden. Eigene Klimaziele leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Minimierung wirtschaftlicher Risiken und zur Steigerung der Profitabilität, sagt auch Jochen Gassner, CEO der First Climate Markets AG. Oftmals decken sich auch die Erfordernisse des Klimaschutzes mit den Zielvorgaben wirtschaftlicher Effizienz. Somit bedeutet CO2-Kompensation noch nicht einmal höhere Ausgaben. Also wieder einmal eine typische Win-win-Situation.