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Das Geheimnis des Erfolgs der Lastenräder liegt in ihren flexiblen Einsatzmöglichkeiten begründet. So kommen Lastenräder in Serviceflotten, auf dem Werksgelände, im Lieferverkehr, als Werbeträger oder auch im Sozialdienst zum Einsatz. Seit Jahrzehnten setzt beispielsweise die Post bei der Briefzustellung auf Lastenräder, und das aus gutem Grund. In überfüllten Großstädten kennen die Lastenradler keine Parkplatznot, Umweltzonen, Fahrverbote oder Verkehrsstaus. Einfach am Stau vorbei lautet hier das Motto. Hinzu kommt, dass auch das Fahrradleasing in der Unternehmensmobilität immer mehr an Bedeutung gewinnt. Für Annette Treu, Teamleiterin Kommunikation bei JobRad, liegen daher Lastenräder voll im Zeitgeist: „Dienstradleasing boomt – auch die Zahl geleaster Lastendiensträder wächst rasant und stetig weiter. Der Grund: Lastenräder bieten innovative Lösungen für ganz unterschiedliche Mobilitätsherausforderungen – sei es für den Vater, der sein Kind während des Berufsverkehrs vom Kindergarten abholen muss, oder für Freiberufliche, deren Kunden am anderen Ende der Stadt auf ihre Waren warten. Insbesondere im innerstädtischen Liefer- und Transportverkehr stellen Lastenräder eine attraktive, umweltfreundliche und zeitgemäße Mobilitätsalternative dar. Diese Vielseitigkeit in Verbindung mit der zunehmenden Modellvielfalt fördert das Wachstum dieses Segments enorm.“

Neben den flexiblen Einsatzmöglichkeiten ist auch die technische Weiterentwicklung des Elektroantriebs für Fahrräder ein Erfolgsgarant für das Lastenrad. Die Antriebe werden immer leistungsfähiger und kompakter und ermöglichen auch ein komfortables Vorankommen mit einem beladenen Lastenrad. Daher verwundert es auch nicht, dass bei Bikeleasing-Service vor allem Lastenräder mit Elektrounterstützung geleast werden, wie der Marketingleiter Axel Hillebrandt darlegt: „Ganz klar steht hier der E-Antrieb vorn. Gerade die E-Variante ermöglicht eine Kontinuität der doch zum Teil hohen zu transportierenden Gewichte in Sachen Geschwindigkeit und Ausdauer.“

Oftmals sind Lastenräder individuell an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasste Nutzfahrzeuge. Dabei sind neben der Beklebung mit Firmenlogos und Werbebotschaften auch Aufbaulösungen und andere Sonderwünsche an der Tagesordnung. Grenzen werden hier laut Axel Hillebrandt nur durch die Fachwerkstatt gesetzt: „Wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, sowohl das zum Fahrrad gehörende Zubehör als auch Umbauten, die sich im Fahrradpreis widerspiegeln, zu leasen. Bedingung dafür ist natürlich, dass der Fachhandel diese Umbauten auch durch-führen kann.“

Eine besonders interessante Lösung hat der Fahrzeugeinrichter Sortimo mit dem ProCargo CT1 (Bild) entwickelt. Auf Basis eines Lastenrads mit Elektromotor bietet das bayerische Unternehmen unterschiedliche Aufbaulösungen an. Darunter auch spezialisierte Lösungen für Straßen- und Stadtreinigung sowie den Werkverkehr. „Das ProCargo CT1 ist die perfekte Ergänzung zur bestehenden Fahrzeugflotte für Handwerker aller Branchen, Servicetechniker, Logistikunternehmen (Paket- und Lieferdienste) oder Städte und Kommunen, deren Tätigkeitsbereich im urbanen Raum liegt. Es verbraucht keinen Kraftstoff, ist emissionsfrei und erfordert keine Fahrerlaubnis oder Zulassung“, fasst der Sales Manager der Sortimo International GmbH, Sascha Auer, die Vorteile zusammen. Ebenfalls besonders ist, dass das Rad zusätzlich zu den Sortimo Service Stationen auch über ein Onlineportal zum Verkauf angeboten wird. In der Regel laufen Beratung, Kauf und Wartung des Lastendienstrads über regionale Händlerstrukturen. Dem ZIV zur Folge werden insgesamt 67 Prozent aller Fahrräder über den Fachhandel vertrieben, gleichwohl auch in der Radbranche die Digitalisierung Einzug gehalten hat. So kann man bei JobRad seit Neuestem über ein Onlineportal sein Wunschrad bestellen. Abgewickelt wird die Radübergabe aber nach wie vor über die 5.000 Fachhändler im JobRad-Netzwerk.

Aufbaulösungen wie die von Sortimo bilden den Anfang einer Entwicklung, die sich durch zunehmende Spezialisierung auszeichnen wird. „Es wird zum Beispiel an Schwerlast-Dreirädern gearbeitet, mit denen, auch durch die entsprechende E-Motorisierung, in den urbanen Zentren die Kurierdienste effektiver, kostensparender und ganz besonders CO2-reduzierter ihre Dienste anbieten können“, schildert Burkhardt Budde, Senior Produktmanager der Hercules GmbH.

Wer jedoch schon mal mit einem Lastenrad in einer durchschnittlichen deutschen Großstadt unterwegs gewesen ist, erkennt hier vielleicht schon ein erstes Problem. Wer mit einem Schwerlastrad mehr als die bisher möglichen 250 Kilogramm transportieren möchte, wird sehr schnell an die Grenzen der lokalen Radinfrastruktur stoßen. So gibt Sven Kindervater, Marketing und Strategie (CMO) bei citkar, zu bedenken: „Letztlich ist der Lastenradmarkt von einer verhältnismäßig großen Dynamik in der Gesetzgebung und Förderpolitik geprägt. Nicht nur die Technologie macht regelmäßig große Sprünge, auch der rechtliche Rahmen und die finanziellen Unterstützungen sind kontroversen Prozessen ausgesetzt. Sobald sich etwas ändert, wirkt sich das auch immer sofort auf die Produkte aus. Wenn es beispielsweise gewollt ist, dass auch größere Lasten jenseits der viertel Tonne bewegt werden sollen, dann muss dafür noch einiges passieren.“

Politik und Infrastruktur hängen, da sind sich die Experten einig, der Nachfrage an flexiblen Transportlösungen im urbanen Umfeld massiv hinterher. Die Forderungen lauten: größere Abstellplätze, breitere Radwege und bessere Verkehrsführung. Kindervater schildert die Situation in den Städten mit klaren Worten: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass kein Autofahrer den derzeitigen Zustand auf Radwegen akzeptieren würde. Bisher aber fehlt dem Rad die ausreichende Lobby, um sich hier Gehör zu verschaffen.“ Zumindest das ändert sich aber derzeit. So gibt es mittlerweile den Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) und den Radlogistik Verband Deutschland (RLVD), um die Lobbyinteressen der Radbranche auch in der Politik geltend zu machen.

Ausblick
„Die Lastenräder nehmen einen sehr hohen Stellenwert in unserem Leasinggeschäft ein. Die Nachfrage ist extrem gestiegen und die Räder nehmen immer mehr an Beliebtheit zu“ - so wie es Lutz Dahlhues, Geschäftsführer Radelnde Mitarbeiter, formuliert, hat die Erfolgsgeschichte der Lastenräder gerade erst begonnen. Oder besser gesagt, die Erfolgsgeschichte hat gerade erneut begonnen. Denn wenn man an das sogenannte Bäckerrad, die Posträder oder Ähnliches denkt, war das Fahrrad schon vor Jahrzehnten ein beliebtes Transportmittel.