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Der spürbare Klimawandel und die Demonstrationen der Klimaaktivisten haben das Umweltthema ganz nach oben auf die politische Agenda gehoben und damit auch zu einem Umdenken in der Marketingstrategie vieler Unternehmen geführt. Die Folge daraus sind eine Menge unklar definierter Begriffe wie „grün“, „bio“, „fair“ oder „nachhaltig“ und in Bezug auf das Flottenthema „Green Fleet“ oder „klimaneutral“. Etymologisch betrachtet, also vom Wortursprung her, werden die Begriffe oft falsch verwendet, ebenso finden sich häufig unterschiedliche Definitionen ein und desselben Begriffs. Ein Beispiel: „Green Fleet“ wird in den englischsprachigen Ländern vor allem im militärischen Sprachgebrauch verwendet und beschreibt Armeefahrzeuge in Abgrenzung zur „White Fleet“, den Fahrzeugen der Zivilisten. In unserem Fall ist „Green Fleet“ aber ein Sammelbegriff für alles, was unter klimaschonende Mobilität in Unternehmen fällt. In der ganzen Klimadiskussion ist es also wichtig, genau zu erklären, was man meint. Daher haben wir uns in unserem Special „Green Fleet“ mit unterschiedlichsten Antrieben und Mobilitätsformen beschäftigt. Den Flotten in Deutschland kommt im Übrigen eine Führungsrolle bei der Einhaltung der politischen Klimaziele zu. Denn der Straßenverkehr, getragen durch Berufspendler, Dienstfahrten und Lieferverkehr, ist einer der großen Bausteine im Klimaplan der Regierung. Außerdem lassen sich durch die häufigen Fahrzeugwechsel sehr schnell saubere Antriebe auf die Straße bringen.

Allerdings sind die meisten Flotten in Deutschland noch nicht so weit. So zumindest das Ergebnis unserer Onlineumfrage (S. 82) zum Thema Green Fleet. Roland Meyer, Geschäftsführer von LeasePlan Deutschland, kann dafür auch gute Gründe nennen: „Unsere deutschen Kunden interessieren sich mehr und mehr für Elektromobilität. Wir erleben eine stärkere Nachfrage. Aber in der Praxis gibt es neben der Reichweitenangst weitere Hürden, die einem schnellen Umstieg im Wege stehen.“

Natürlich gibt es auch noch einen anderen Weg, den Fuhrpark grüner zu gestalten. Einige Flotten setzen beispielsweise bereits auf CO2-Kompensationen (S. 92). Was zunächst einmal nach Ablasshandel für Klimasünden klingt, wird tatsächlich von vielen bereits erfolgreich praktiziert, beispielsweise auf Flugreisen. Grundlage dafür sind nachhaltige Reiserichtlinien oder eine nachhaltige Fuhrpark-Policy (S. 90). Am besten für das Klima ist natürlich die Vermeidung von Dienstreisen oder Anschaffung von Dienstwagen unabhängig von deren Antriebstechnologie. Um dennoch von A nach B kommen zu können, ist manchmal auch das Dienstrad oder Lastenrad eine Alternative (S. 100).

Ein Verzicht auf Mobilität ist selbstredend nicht in allen Unternehmen möglich, häufig ist diese sogar Teil des Tätigkeitsfelds, man denke beispielsweise an Lieferdienste oder Serviceflotten. Wer auf einen Pkw nicht verzichten kann oder möchte, der kann sich über eine immer größere Auswahl an erschwinglichen Fahrzeugmodellen mit alternativem Antrieb freuen. Insbesondere die Auswahl an batterieelektrischen Modellen nimmt zu (S. 87), da diese auch vom Staat verstärkt gefördert werden (S. 84). Dabei ist vor allem die 0,5-Prozent-Regelung hervorzuheben, die zu einer verstärkten Nachfrage seitens der firmenwagenberechtigten Mitarbeiter nach Plug-in- Hybriden und Elektrofahrzeugen geführt hat.

Auch wenn der Trend derzeit stark Richtung batterieelektrische Fahrzeuge geht, so ist doch zu erwarten, dass wir lange Jahre mehrere Antriebsarten parallel auf der Straße vorfinden werden. Hier wird auch der Verbrennungsmotor nach wie vor eine gewichtige Rolle spielen. Synthetische und regenerative Kraftstoffe sollen den Verbrennungsmotor klimafreundlicher machen (S. 96). Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Motorentechnologie und ein funktionierendes Tankstellennetz gibt es bereits. Auch die großen Tankkartenbetreiber bieten zunehmend Hybridtankkarten an, die ein Tanken von alternativen Kraftstoffen ermöglichen. Anders sieht dies beim Energieträger Wasserstoff aus. Hier befindet sich die Infrastruktur gerade erst im Aufbau (S. 98). Nichtsdestotrotz wird mit der Brennstoffzelle in Zukunft zu rechnen sein. „Unser Schwerpunkt der Aufmerksamkeit liegt zwar derzeit auf der Elektromobilität (BEV/PHEV), aber wir blenden andere Optionen nicht aus: Wasserstoff- und Brennstoffzelle bleiben ebenso auf der Agenda wie klimaneutrale synthetische Kraftstoffe (E-Fuels). Denn wir brauchen diese mit Blick auf die Klimaziele 2050“, erläuterte der scheidende VDA-Präsident Bernhard Mattes im Oktober 2019.

Dennoch haben in Deutschland derzeit, politisch unterstützt, die Stromer die Nase bei den Zulassungen vorne. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) entfielen in der ersten Hälfte des Jahres 2019 knapp acht Prozent der Neuzulassungen auf Fahrzeuge mit alternativen Antrieben (inklusive Mild-Hybrid-Fahrzeugen), davon wiederum waren allein 21,2 Prozent der Fahrzeuge Elektroautos (Quelle: KBA). Daher schießen aktuell auch die Ladekartenanbieter (S. 102) und Ladesysteme (S. 86) wie Pilze aus dem Boden. Wer im urbanen Umfeld lebt, kann schon heute bedenkenlos mit einem Elektroauto den Alltag bestreiten. Die Herausforderung für Flotten besteht nur darin, diese Ladesysteme und Ladekarten in die Fuhrparkverwaltung zu integrieren. Hier dürfte wohl noch der größte Hinderungsgrund für die Integration von Elektroautos in aktuelle Fuhrparkstrukturen liegen.

Fazit
Man kann nun von den Klimaaktivisten unserer Tage halten, was man will, eines steht jedoch außer Frage: Sie haben frischen Wind in Fragen nach grüner Mobilität gebracht. Dem DAT Diesel-Barometer zufolge hat sich auch die Berichterstattung rund um das Elektroauto verändert, so gaben 38 Prozent der Befragten an, dass seit dem letzten Sommer positiver darüber berichtet würde. 39 Prozent fanden, dass sich die Berichterstattung nicht verändert habe (siehe Grafik). Der Greta-Effekt wird auch die Fuhrparkpolitik in den Unternehmen zunehmend erreichen.