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Flottenmanagement: Herr v. Tschirschnitz, Sie leiten jetzt seit rund einem Jahr die Geschicke von Sixt Mobility Consulting. Mit welchen Zielen sind Sie die neue Aufgabe angetreten und was konnten Sie seitdem bereits anstoßen?

Christoph v. Tschirschnitz: Ich übernahm die Sixt Mobility Consulting mit einem stabilen Kundenbestand, einem breiten, attraktiven Dienstleistungsportfolio für das Fuhrparkmanagement großer Flotten sowie einer leistungsstarken IT.

Die Eigentümer haben mir vier große Ziele gesetzt: Dazu zählen zum einen die Internationalisierung unserer Aktivitäten über neue Tochtergesellschaften sowie die Digitalisierung aller Geschäftsprozesse zum Fahrzeugnutzer von A bis Z. Zum anderen sind wir dabei, unser attraktives Serviceportfolio weiter ausbauen, mit dem wir für unsere Kunden Effizienzen bei TCO heben. Nicht zuletzt gilt es die Sixt-typische hohe Kundenorientierung mit allen Mitarbeitern zu leben sowie Servicequalität zu liefern. Durch unsere Unabhängigkeit von Herstellern und Leasinggesellschaften wollen wir stets die beste Lösung für den Kunden umsetzen.

Flottenmanagement: Wo stehen Sie heute bei der Umsetzung dieser anspruchsvollen Ziele?

Christoph v. Tschirschnitz: Mittlerweile haben wir drei neue Tochtergesellschaften in den Märkten Österreich/Osteuropa, Frankreich und den Niederlanden gegründet. In der Schweiz ist unsere schon existierende Tochtergesellschaft stärker aufgestellt worden. Weitere Länder werden nächstes Jahr dazukommen. Unsere Kunden schätzen unsere Fähigkeit, auch transnational betreuen zu können.

Wir bei Sixt legen hohen Wert auf kundenorientierte, leistungsstarke IT-Lösungen als Grundlage unseres Geschäftsmodells. Ergänzend zu unserer Fuhrparkmanagementsoftware, die den Fuhrpark managt und Analysen, Konfigurator, Multi-Bid, Reparaturrechnungsprüfung et cetera leistet, haben wir dieses Jahr auch erfolgreich die Fahrzeugnutzerbetreuung mit der App „The Companion“ digitalisiert. Seit 30. September 2019 können rund 42.000 Nutzer mit der fuhrparkindividuellen App viele Aufgaben rund um das Fahrzeug und die Fuhrparkpolicy 24/7 auf ihrem Smartphone erledigen. Wir sind bekannt für unser Customer- Care-Team mit sehr hohem Fokus auf Kundenzufriedenheit. Der Fahrzeugnutzer kann nun seine App oder unser Customer-Care-Team nutzen – und ohne Brüche zwischen beiden „Kanälen“ springen. Die Nutzerdaten sind immer à jour.

Wir haben uns somit sehr gut im Jahr 2019 aufgestellt, um unsere Zielsetzung zu einem der führenden europäischen Flottenmanager bei Qualität, Innovation und Volumen zügig zu erreichen.

Flottenmanagement: Sie haben gerade Ihre zunehmende internationale Ausrichtung angesprochen. Ist das Flottenbusiness nicht eher ein nationales Geschäft? Wie sind Sie in Deutschland aufgestellt?

Christoph v. Tschirschnitz: Die Kunden fragen zunehmend nach transnationalen Lösungen. Aber ich gebe Ihnen recht. Selbst bei internationalen Konzernen ist das Fuhrparkgeschäft relativ national ausgerichtet. Warum? Weil es landespezifische Regeln bei Steuern, Car-Policy, Fahrzeugprogrammen et cetera gibt. Da sind die Unterschiede so groß, dass man auch unter Einkaufsaspekten nicht ohne Weiteres einen synergetischen Effekt hat. Doch das ändert sich aus zwei Gründen: Mitarbeiter werden international transferiert und die Unternehmen sind von der Berichtspflicht zum Fuhrpark in den Bilanzen sowieso gezwungen, die Daten transnational zu konsolidieren. Das bedienen wir sowohl durch unser Produkt „Global Reporting“ als auch auf der Betreuungsseite und es funktioniert gut.

In Deutschland selbst haben wir unseren Vertrieb ausgebaut und betreuen und beraten jetzt mit vier sehr erfahrenen Key-Account-Managern unsere Kunden beziehungsweise deren Fuhrparkverantwortliche.

Flottenmanagement: Sie haben das Thema Digitalisierung bereits vermehrt thematisiert. Firmenwagennutzern steht seit Kurzem die schon von Ihnen erwähnte neue App „The Companion“ zur Verfügung. Welche Funktionen bietet sie und was sind ihre Besonderheiten?

Christoph v. Tschirschnitz: Die App ist ab sofort integraler Bestandteil unserer Nutzerbetreuung und bietet diverse Vorteile – vor allem auch Zeitersparnisse – keine Anrufe, Warteschleifen ... Die App ist immer unternehmensspezifisch und bildet sämtliche Informationen rund um die firmeneigene und die mitarbeiterspezifische Car-Policy, über Tankkarten oder den Reifenservice des individuellen Flottenkunden ab. Wir fügen neben den Funktionen, die man für das Fuhrparkmanagement braucht, immer mehr Lieferanten und Partner hinzu. Dadurch entwickelt sich die App „The Companion“ zu einer digitalen Plattform. Ob Werkstätten, Reifenwechselstationen mit Online-Terminvereinbarung, Führerscheinkontrollen oder Mineralölgesellschaften, wir sind hier komplett offen. Der Kunde soll so möglichst einfach und komfortabel alles vorfinden, was er benötigt. Und das ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wir sind durch unsere eigene leistungsstarke IT extrem schnell beim Implementieren von neuen Funktionen.

Flottenmanagement: Sixt Mobility Consulting hat ein breit aufgestelltes Leistungsspektrum, das unter anderem Beratung, Fuhrparkmanagement als auch innovative Mobilitätskonzepte umfasst. Wie unterscheiden Sie sich von Marktbegleitern? Und welche Zielgruppen haben Sie im Flottenbereich?

Christoph v. Tschirschnitz: Wir investieren einerseits stark in Digitalisierung der Geschäftsprozesse mit den Fahrzeugnutzern, andererseits aber auch in Mitarbeiter, sei es im Consultingbereich für unsere Kunden oder in unseren Customer-Care-Centern. So können wir die vielen Nutzer qualitativ hochwertig und adäquat betreuen. Dabei messen wir die Kundenzufriedenheit regelmäßig. Diese Messungen schaffen Bewusstsein, welches wiederum zu Handlungen führt. In Sachen Digitalisierung haben wir mittlerweile den Status „Leading Edge“ national wie international erreicht – unser Serviceportfolio ist voll digitalisiert.

Unsere Zielgruppe beginnt bei Flotten ab 200 Fahrzeugen. Die Übernahme der Flottenmeister GmbH, die viele kleinere Fuhrparks betreut, hat unsere Bandbreite der Kunden verändert. Denn dadurch sind wir jetzt auch in der Lage, Flotten ab 50 Fahrzeugen einen optimalen Service zu bieten.

Flottenmanagement: Sie haben es gerade angesprochen: Vor wenigen Wochen haben Sie 100 Prozent der Geschäftsanteile der Flottenmeister GmbH, einem unabhängigen Fuhrparkverwalter, übernommen. Was steckt hinter diesem Schritt?

Christoph v. Tschirschnitz: Grundsätzlich wachsen wir organisch. Wenn es strategisch Sinn macht, sind wir aber durchaus bereit, unsere Gesellschaften durch Akquisitionen mit spannenden Unternehmen im In- und Ausland zu verstärken. Im Fall der Flottenmeister GmbH war dies so. Das Ganze ergab sich als interessante Gelegenheit. Wir freuen uns hier, eine Reihe von neuen Kunden begrüßen zu dürfen, die das Flottenmeister-Team nun im Hause der Sixt Mobility Consulting nahtlos weiter betreuen wird. Wir wollen auch diese Kunden mit unserem „Sixt-Spirit“ begeistern und mit ihnen ein neues Qualitäts- und Effizienz-Level erreichen.

Flottenmanagement: Sie sind ein unabhängig von Leasinggesellschaften und Herstellern im Namen Ihrer Kunden agierender Flottenmanager. Welche Vorteile bietet Ihre Unabhängigkeit Ihren Kunden?

Christoph v. Tschirschnitz: In der Tat: Wir arbeiten mit allen Leasinggesellschaften, mit allen Fahrzeugherstellern seit Jahren im Namen unserer Kunden zusammen. Damit können wir die besten Leistungen für unsere Kunden optimal zusammenstellen – mit dem Ziel niedriger TCO und hoher Zuverlässigkeit.

Unsere Unabhängigkeit hat für unsere Kunden große Kostenvorteile: Warum? Der Fahrzeug- und der Leasingmarkt unterliegen einer großen Preisdynamik. Durch den Absatzdruck bei Herstellern und Volumenzielen bei Leasinggesellschaften stehen laufend und wechselnd gute Angebote zur Verfügung. Angebote, die häufig besser sind, als der sicher gut verhandelte Rahmenvertrag des Kunden.

Diese Einkaufschancen gilt es, für den Kunden vorteilhaft zu nutzen: Wir empfehlen unseren Kunden ab circa 200 Fahrzeugen, mindestens zwei Leasinggesellschaften unter Vertrag zu nehmen. Durch unser voll digitalisiertes Produkt „Multi-Bidding“ sind hier Einsparungen von drei bis sieben Prozent möglich. Ein kleines Beispiel dazu: Wenn einer unserer Kunden mit drei Leasinggesellschaften Rahmenvereinbarungen getroffen hat, sind die Konditionen in unserem markenneutralen Konfigurator hinterlegt. Hier sieht der Nutzer sofort eine näherungsweise richtige Leasingrate auf Basis der Jahresvereinbarung mit den Leasinggesellschaften. Entscheidet sich der Nutzer dann für ein Fahrzeug, geht dieses Fahrzeug über in unser digitales Tool Multi Bidding zu den drei Leasinggesellschaften. Die entsprechende Konfiguration geht volldigital an die drei Leasinggesellschaften, die dann 48 Stunden Zeit haben, um darauf zu pitchen. So ergeben sich in der Regel die oben erwähnten Einsparungen. Das Gleiche gilt bei Reifen, Wartung und Reparatur sowie Schadenmanagement. Hier sind durch die digitale Werkstatt-Rechnungsprüfung, die Leasingrückgabe oder im Räder-/ Reifen-Einkauf über unser Sixt Partner Werkstattnetz gegenüber Full-Service Leasingverträgen durchaus 10 bis 25 Prozent Einsparungen möglich. Diese bilden wir in voller Transparenz für unsere Kunden ab.

Flottenmanagement: Elektromobilität ist stark im Kommen. Ist sie auch schon in den deutschen Fuhrparks angekommen? Und was sind die brennenden Fragen der Unternehmen?

Christoph v. Tschirschnitz: Das Interesse an Elektromobilität wird größer, das merken wir. Es gibt Fuhrparks, die auf das Durchsetzen von E-Mobilität sehr fokussiert sind. Kritische Themen der letzten Jahre wie eine kleine Modellauswahl und die Herausforderung Ladeinfrastruktur hallen noch nach. Wenn man hier objektiv hinschaut, ist das eigentlich nicht mehr gerechtfertigt. Es kommen dieser Tage jede Menge Modelle auf den Markt und auch die Infrastruktur wird vor allem im urbanen Bereich immer besser. Aber Vorurteile brauchen bekanntlich etwas Zeit, bis sie abgebaut sind.

Besonders interessieren Unternehmen Themen wie Best Practice beim Laden oder Empfehlungen für E-Fahrzeuge. Zudem wollen sie von uns wissen, mit welchen Incentives man eine Fuhrpark-Policy zur Elektroautonutzung belegen kann. Zum Teil organisieren wir auch einen Meinungsaustausch zwischen Fuhrparks, die bereits E-Modelle nutzen, und solchen, die willens sind einzusteigen. Zudem geben wir auch Beratungen rund um das Thema Ladeinfrastruktur und vermitteln hier auch gerne kompetente Partner.

Flottenmanagement: Blicken wir abschließend noch etwas voraus: Wie wird sich die Unternehmensmobilität Ihrer Ansicht nach künftig entwickeln? Inwieweit unterstützen Sie Ihre Kunden mit flexiblen Mobilitätslösungen?

Christoph v. Tschirschnitz: Die Menschen verändern in enormer Geschwindigkeit ihre Haltung zum eigenen Auto. Das ist nicht bedingt durch den „Greta-Effekt“, jedenfalls nicht in erster Linie, sondern es hat aus meiner Sicht etwas mit Pragmatismus zu tun. Es geht den Nutzern mehr und mehr darum, die Strecke von A nach B nach praktischen Gesichtspunkten – wie mehr körperlicher Bewegung oder größerer Effizienz – zu bewältigen. Menschen, die in Städten leben oder arbeiten, merken zunehmend, dass sich ein eigener Dienstwagen aus ökonomischer Sicht nicht mehr lohnt. Denn die meiste Zeit wird er nicht genutzt, kostet aber dennoch Geld. Dann gibt es noch die Menschen, die einen Dienstwagen der gehobenen Kategorie fahren. Viele können aber mittlerweile ihr Traumauto nicht mehr bestellen, bedingt durch CO2-Obergrenzen im Unternehmen. Sie bestellen dann zwar immer noch ein hochwertiges Auto, beispielsweise einen Plug-in-Hybrid, der trifft dann nicht mehr ganz deren emotionale Ader. So findet mittlerweile auch bei dieser Klientel ein Umdenken statt. Macht es für mich Sinn, ein für mich nicht mehr passendes Auto über das Unternehmen zu beziehen? Oder verzichte ich auf meinen Dienstwagen und wende mich Alternativen zu?

Daher ist das Mobilitätsbudget zunehmend im Kommen, in den Niederlanden beispielsweise ist es schon sehr weit verbreitet. Vor allem in großen Städten wollen Mitarbeiter vermehrt darauf zurückgreifen. Das Ganze hat allerdings einen Haken, denn es ist administrativ für jede HR-Abteilung ein Albtraum. Jeder Fahrtbeleg aus jedem Land muss aufgelistet und nach der entsprechenden Versteuerung des Verkehrsmittels eingebucht werden.

Hier kommen wir ins Spiel. Wir haben das digitale Produkt „Mobility Budget Management“. Damit übernehmen wir digital das Sortieren und die steuerkorrekte Addition für den Verbrauch des Mobilitätsbudgets und übertragen die Daten am Ende des Monats an das HR-System des Unternehmens.

Flottenmanagement: Herr v. Tschirschnitz, vielen Dank für das Gespräch.