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Flottenmanagement: Herr Seithel, Geotab ist für viele insbesondere aufgrund der vielfältigen Telematiklösungen ein Begriff. Wie kann das Knowhow von Geotab auch im Bereich der Elektromobilität genutzt werden?

Fabian Seithel: Als Datenspezialist und Telematikunternehmen spielen Daten von vornherein eine wichtige Rolle für uns und vor allem für unsere Kunden. Das zeigt sich dann auch im Bereich der Elektromobilität, wofür wir derzeit zwei Lösungen anbieten können. Zum einen bieten wir für Unternehmen an, die heute noch gar kein E-Fahrzeug oder nur einen sehr geringen Anteil an elektrifizierten Fahrzeugen aufweisen, ihre Flotte über einen bestimmten Zeitraum mit unserer Technologie auszustatten und auf dieser Grundlage das Elektrifizierungspotenzial zu analysieren. Grundlegend beobachten wir, dass das Thema Elektromobilität sehr stark emotional behaftet ist, das heißt, man hat entweder eine gewisse Affinität dazu, die auch durch die Unternehmensstrategie bedingt sein kann, oder man ist dagegen. Was beide Seiten eint, ist die Tatsache, dass die meisten Entscheidungen im Fuhrpark kostensensitiv sind, das betrifft im Besonderen Serviceflotten. Durch das analysierte Elektrifizierungspotenzial haben Fuhrparkverantwortliche nun eine rationale Größe zur Hand, die ihnen gerade bei Entscheidungen im Zuge der Fahrzeugneuanschaffungen wichtige Informationen liefern kann, ob neue Fahrzeuge nun mit herkömmlichem Verbrennungsmotor angeschafft werden sollen oder inwieweit (teil-)elektrifizierte Modelle hier auch ökonomisch sinnvoll sind. Die zweite Lösung dreht sich hingegen um das Betreiben von elektrifizierten Flotten: So macht es beispielsweise einen großen Unterschied, ob ich in einem Handwerksbetrieb einen herkömmlichen Fuhrpark betreibe, indem es sicherlich auch einmal vorkommt, dass Fahrzeuge nicht voll betankt sind, oder ob der Fuhrpark elektrifiziert ist und nicht genau darauf geachtet wird, wie die Fahrzeuge geladen werden. Denn der Tankvorgang kostet den Nutzer bei einem Verbrenner vielleicht zehn Minuten; bei einem E-Fahrzeug kann der Ladevorgang schon einmal Stunden in Anspruch nehmen. Daher sind Daten in elektrifizierten Flotten ein hohes Gut und wir unterstützen Kunden dabei, diese Daten so zu nutzen, dass beispielsweise E-Fahrzeuge in der Disposition immer so geladen bereitstehen, dass hierdurch keine Verzögerungen im Betriebsablauf entstehen.

Flottenmanagement: Welche Bedeutung hat die Vernetzung für die Optimierung von Abläufen im Fuhrpark?

Fabian Seithel: Im Grundsatz vernetzen wir Fahrzeuge mit dem Internet und helfen so Fuhrparkleitern und allgemein Unternehmen dabei, clevere Entscheidungen zu treffen. Hierzu setzen wir heute noch in über 90 Prozent aller Fälle auf unsere eigenentwickelte OBD-Hardware. Allerdings sprechen wir auch vermehrt mit Fahrzeugherstellern über Cloud-to-Cloud-Integrationen. Wichtig ist, dass wir Fuhrparks entscheidungsrelevante Daten mit unserer offenen Plattform entweder über unser Portal oder via Schnittstelle zur Verfügung stellen.

Flottenmanagement: In Kooperation mit der RWTH Aachen hat Geotab ein Projekt zur Luftverbesserung gestartet. Worum geht es in diesem Projekt und wie können die daraus erworbenen Daten genutzt werden?

Fabian Seithel: Mit dem Projekt zur Luftverbesserung knüpfen wir quasi an das Thema der offenen Plattform an, denn die Daten aus den angesprochenen After-Sales-Lösungen können über die offenen Schnittstellen vielfältig genutzt werden. Aus diesem Ansatz entstand in Kooperation mit dem Center Smart Services der RWTH Aachen ein Prototyp eines Luftqualitätssensors, der über eine Bluetooth-Verbindung an unsere Hardware gekoppelt ist. Die Daten, die wir so gewinnen, werden innerhalb des Projektes genutzt, um die Informationslage über die Luftqualität zu verbessern. Derzeit wird die Luftqualität oftmals nur über stationäre Luftmesser erfasst, welche die Daten nur lokal erfassen können. In dem „Mobile AirQuality Measurement“- Projekt erweitern wir die derzeitige Informationslage beispielsweise um Daten, die über die Luftqualitätssensoren an Fahrzeugen einer kommunalen Flotte erfasst wurden.

Durch die Kombination der Daten aus den stationären Luftmessern, die über das Umweltbundesamt offen zugänglich sind, und der Daten aus den mobilen Messstationen lässt sich dann eine viel genauere Luftqualitätskarte erstellen. So wäre es beispielsweise möglich, auch die Luftqualität um das sehr prominente Stuttgarter Neckartor so zu veranschaulichen, dass hierüber auch Rückschlüsse über den Erfolg bestimmter Maßnahmen zu ziehen sind. Gleichzeitig können diese Daten aber auch genutzt werden, um Entscheidungen innerhalb der Stadtplanung zu treffen – wo müssen Luftreinhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden und wo sind diese vielleicht nicht notwendig?