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Flottenmanagement: Das Wort „Mut“ spielt in Ihrem Unternehmen und auch in Ihrer aktuellen Kampagne eine große Rolle. Woher haben Sie im Jahr 2015 den Mut genommen, eeMobility zu gründen? E-Mobilität hatte damals noch nicht annähernd die Relevanz wie heute ...

Robin Geisler: Das eigene Erleben und der eigene Bedarf waren entscheidende Punkte, warum wir eeMobility gegründet haben. Ich fahre selbst seit 2013 ein Elektroauto und habe recht schnell realisiert, dass das Elektroauto einen disruptiven Charakter hat und die Nutzung mehr Spaß machte als bei den bis dato existierenden Formen der Mobilität. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt: Man ist dabei CO2-neutral unterwegs.

Allerdings war es damals nicht wirklich möglich, das Auto dort aufzuladen, wo ich es wollte – sprich zu Hause oder am Zielort. In dem Zuge fiel auf: Es gab keine guten Angebote für das Laden am Firmenstandort und überhaupt keine Angebote für das Laden zu Hause. Jedenfalls waren es keine Angebote, die dem Steuerberater ansatzweise verdeutlichten, dass es sich beim geladenen Strom um eine Unternehmensausgabe handelte.

So hatten wir eine klare Marktlücke entdeckt und auf der Basis dann auch das Unternehmen gegründet. Diese recht frühe Gründung spielt uns nun in die Karten. Denn so haben wir gegenüber unseren jetzigen Marktbegleitern einen immensen Vorsprung in Sachen Erfahrung, Daten, Kundenverständnis und Kundennutzen.

Flottenmanagement: Wie kam der erste Kundenkontakt zustande?

Klaus Huber: Das war tatsächlich schon während der Gründungsphase. Wir haben zufällig in einem Gespräch über E-Mobilität festgestellt, dass eben just zu dieser Zeit ein IT-Unternehmen seine Flotte mit E-Fahrzeugen bestückt hat und vor den gerade beschriebenen Problemen stand. Das bestärkte uns noch mal in unserem Gründungsprozess.

Flottenmanagement: Wer ist Ihre Hauptzielgruppe? Und welche Ladelösungen bieten Sie konkret an?

Klaus Huber: Der Fokus liegt ganz klar auf den gewerblichen Flotten. Denn Elektrofahrzeuge sind in der Regel ein Neuwagengeschäft und da landet man schnell in den Fuhrparks. Unsere Produktwelt haben wir in zwei Teile aufgegliedert – in fahrzeugbezogen und ladepunktbezogen. Da gibt es zum einen die eeFlat für den Fahrer, eine Komplettlösung, also eine Art Tankkarte für das Elektroauto inklusive des Ladens zu Hause. Zum anderen bieten wir das eeCharging für den Ladepunktbetreiber an, der intelligente Ladestationen an seinem Firmenstandort benötigt.

Bei all unseren Leistungen ist uns wichtig: Wir stellen ausschließlich „grünen“ Strom zur Verfügung.

Robin Geisler: Ein kleiner Nachtrag zur eeFlat: Hier haben wir auch darauf geachtet, dass es steuerlich in die Systematik passt. Das heißt, die Wallbox ist bei uns in der Rate inkludiert ebenso wie die Installationsleistung beim Mitarbeiter. Die Wallbox wird dem Mitarbeiter steuerfrei zur Verfügung gestellt – die Firma kann es vor dem Vorsteuerabzug geltend machen und voll als Betriebsausgabe absetzen. So spart man schnell einige Tausend Euro und der elektrische Dienstwagen wird noch einmal attraktiver.

Unser Produkt wird – ähnlich wie bei einem Leasingvertrag – je nach Fahrzeugmodell, Vertragslaufzeit und Kilometerlaufleistung bepreist. Das Laden zu Hause, am Firmenstandort und das Laden unterwegs ist immer enthalten. Natürlich kalkulieren wir hier bei einer mehrjährigen Laufzeit auch ein, dass das Fahrzeug für Urlaubsfahrten oder für eine Dienstreise ins europäische Ausland genutzt wird. Wir erachten es als zielführend, dass der Kunde nicht mit vielen verschiedenen Ladekarten hantieren muss, sondern das Fahrzeug mit einer Lösung bewegen kann.

Flottenmanagement: Inwieweit werden Sie als Spezialist für Ladeinfrastruktur auch beratend tätig? Oder sind die Bedürfnisse in den Flotten in Sachen E-Mobilität in der Regel schon entsprechend klar formuliert?

Klaus Huber: Informationsstand und Bedarf in den Flotten sind sehr unterschiedlich, hier muss man fast monatlich neue Einschätzungen treffen. Es gibt Unternehmen, die sich erstmalig mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen, aber es gibt auch Unternehmen, die sich E-Fahrzeuge bestellen werden und im Rahmen dessen auf uns zukommen. Diese Gruppe wächst inzwischen deutlich. Dabei nehmen in den Flotten elektrische Nutzfahrzeuge mittlerweile eine immer größere Rolle ein, auch im Schwerlastverkehr – beispielsweise bei Linienbussen – werden unsere Lösungen bereits genutzt.

Es gilt in allen Fällen, dass wir einen beratungsintensiven Vorlauf haben, der weit über das Thema technische Ladelösungen hinausgeht. Letztlich wollen wir eine abrechenbare Ladelösung erklären. Dabei reden wir aber auch über Autos, Routenplanung, Batteriekapazität oder über Degradation von Batteriespeichern. Das ist ein Teil unserer Kompetenz, wir kennen uns umfassend aus und können Dinge übergeordnet erklären. Und wird sind dabei nicht auf bestimmte Hardware oder geschlossene Systeme festgelegt.

Robin Geisler: Noch ein interessanter Randaspekt: Wir erleben es sehr oft, dass der Impuls für E-Mobilität vom Mitarbeiter oder vom Nachhaltigkeitsmanager an den Fuhrparkleiter herangetragen wird. Der Flottenmanager selbst hat hier dementsprechend oftmals gar keine konkreten Vorstellungen.

Flottenmanagement: Sie bauen seit Kurzem ein eigenes Technikteam auf. Was ist hier der Hintergrund und wie ist der aktuelle Stand?

Robin Geisler: Uns muss klar sein: Wir stehen vor einem fundamentalen Wandel in Deutschland. Hierzulande sprechen wir derzeit über circa 40 Millionen Pkw. Die mittlerweile konvergente Zahl der E-Fahrzeuge, die zwischen 2025 und 2030 auf dem Markt sein werden, bewegt sich bei mindestens 25 Prozent. Da sind zehn Millionen Ladeeinrichtungen nötig. Und ein kleines Beispiel an der Stelle: Wenn Sie in letzter Zeit privat versucht haben, einen Handwerkertermin zu bekommen, werden Sie wahrscheinlich schnell gemerkt haben, dass das gar nicht so einfach ist. Daher ist ein eigenes Team essenziell, um eine skalierbare Lösung bieten zu können.

Klaus Huber: Bisher haben wir schon viel Erfahrung im Installationsgeschäft – im Bereich Flotte wahrscheinlich die meiste – sammeln können, indem wir Dritte gesteuert haben. Jetzt wollen wir das Ganze aber mit eigenen Teams und mehreren Standorten schnell auf den Weg bringen.

Wir sind damit gut vorangekommen und haben bereits einige neue Mitarbeiter eingestellt. Der Hintergedanke des eigenen Technikteams ist folgender: Das ist sozusagen eine Integration von Wertschöpfungsstufen, die wir in erster Linie aus Qualitäts- und Verfügbarkeitsgründen anstreben. Dafür haben wir eine eigene GmbH gegründet und werden hier noch bis zu zehn Mitarbeiter einstellen.

Und unser Pioniergeist ist nach wie vor vorhanden, denn wir werden dieses Handwerk selbst ausbilden. Im Rahmen der Elektromobilität werden viele neue Qualifikationen erforderlich sein; viele Leute wollen hier auch umschulen. Das ist ein Vorteil für unser Geschäftsmodell, aber sicherlich auch ein kleiner Dienst für die Gesellschaft.

Flottenmanagement: Abschließend noch ein Blick nach vorne: Wie wollen Sie Ihre Firma künftig ausrichten? Sind beispielsweise auch Kooperationen mit Autoherstellern denkbar?

Robin Geisler: Wir haben festgestellt, dass unsere Zielgruppe – wir arbeiten auch viel mit großen Unternehmen zusammen – im Wesentlichen gar nicht mehr herstellerabhängige Flotten im Einsatz hat. Mit vielen Autoherstellern sind wir in regem Kontakt und Austausch, aber auf diese Gruppe legen wir momentan nicht unseren Fokus. Denn aus unserer Sicht wäre das für einen Flottenmanager eines großen Unternehmens gar nicht zielführend, wenn wir eine herstellerspezifische Ladelösung bieten würden. Unser Fokus liegt eher auf der Seite der Energieunternehmen. Seit Ende letzten Jahres ist Statkraft, Europas größter Erzeuger erneuerbarer Energien, mit 67 Prozent an der eeMobility beteiligt. Das gibt uns nicht nur die finanzielle Solidität des norwegischen Staates, sondern auch Zugang zur ganzen Erzeugungskapazität. Das hilft dabei, erneuerbare Energie effizient in das Fahrzeug zu bringen.

Klaus Huber: Ein Fuhrparkmanager wird unserer Ansicht nach künftig nur noch einen Katalog mit Modulen – Bahncard, E-Scooter, E-Auto et cetera – herausgeben und dem Dienstwagenberechtigten nicht mehr eine entsprechende Fahrzeugklasse vorschreiben. Von daher macht es für uns auch Sinn, auf die Seiten der Energie- und Mobilitätsdienstleistungen zu setzen. Hier können wir uns Partner vorstellen – noch ist der Markt ja etwas unklar. Aber hier sind Partnerschaften mit Carsharing-Unternehmen oder mit Anbietern von Lösungen im Frachtbereich durchaus vorstellbar. Auch Unternehmen, die diese Multimodalität zur Verfügung stellen, sind interessant für uns. Denn künftig wollen wir gemeinsam Themen erlernen und erschließen, weil wir wissen wollen, wie Entwicklungen vonstattengehen.

Zudem werden wir spätestens im nächsten Jahr unsere Lösungen in weiteren Ländern – neben Deutschland und Österreich – anbieten. Da sehen wir noch viel Potenzial.