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Der älteste Automobilclub in Deutschland hatte für das Round-Table-Gespräch einige Referenten eingeladen, um sich dem immer dringlicheren Thema Datenschutz im Pkw zu nähern. Das eigene Auto als Datensammler wurde von vielen lange Zeit ignoriert und auch jetzt noch werden sich einige denken: „Soll mein Pkw ruhig Daten sammeln, ich habe nichts zu verbergen ...“ Eine nicht ganz unproblematische Einstellung, wie einige Referenten aufzeigen konnten. Zum Beispiel Erika Ebers, Policy Manager FIA Region I. Sie referierte zur FIA-Kampagne „My Car My Data“ und stellte anhand der Ergebnisse einer 2016 durchgeführten Studie fest, dass die europäischen Autofahrer an Vernetzung durchaus interessiert sind (siehe Grafik 1). Demnach sind Sicherheit und Kraftstoffersparnis die wichtigsten Vorteile einer Fahrzeugvernetzung für die Befürworter dieser. 76 Prozent der Befragten interessierten sich für das Thema, immerhin schon sechs Prozent der Studienteilnehmer gaben an, ein vernetztes Fahrzeug zu besitzen. Ein Befund, der zumindest angezweifelt werden kann, denn 2016 gab es bereits deutlich mehr als sechs Prozent solcher vernetzten Pkw auf der Straße. Seit 2018 sind alle Neuwagen durch E-Call-Systeme per definitionem vernetzt.

Wissen viele demnach nicht, dass ihr Fahrzeug permanent Daten sammelt?

Das Sammeln von Daten im automobilen Umfeld beginnt bereits vor dem Einstieg in das Fahrzeug, wie Deutschlands Fachjournalist des Jahres 2019 und Autor für das Magazin „kfz-betrieb“, Christoph Seyerlein, in seinem Vortrag herausstellte. Die Fahrzeughersteller nähmen immer mehr den Endkunden an sich in den Fokus und übergingen damit Händlerstrukturen. Ökosysteme wie Volkswagen We, die verschiedene Mobilitätsdienstleistungen bündeln, seien Datensammler schlechthin. Wer einen Neuwagen haben möchte, wird zukünftig immer auch mit Daten bezahlen. Ohne eine Kunden-ID geht bald nichts mehr, so der Experte. Ein Vorgehen, das wir bereits vom Smartphone kennen und das sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt.

Allerdings läuten da bei Datenschützerinnen wie Dr. Katja Henschler, Referatsleiterin Digitales, Verbraucherzentrale Sachsen, natürlich die Alarmglocken. Sie forderte die Hersteller in ihrem Vortrag mit dem Titel „Wie wird der Verbraucher im Umgang mit Daten geschützt?“ dazu auf, mehr Transparenz und Datensparsamkeit an den Tag zu legen. Die Daten gehörten eigentlich dem Fahrzeughalter, doch der habe allzu oft nicht mal eine grobe Vorstellung davon, welche Daten von ihm gerade gesammelt werden.

Lösungsansätze für diese Probleme gibt es schon. Eine Forderung der bereits angesprochenen FIA-Kampagne „My Car My Data“ ist eine sichere und unabhängige Plattform zwischen Hersteller und Kunde zu errichten, die die gesammelten Daten beiden Seiten zur Verfügung stellt.

Etwas Ähnliches bietet die CAR Information Services GmbH mit CarPass an. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der 2013 gegründeten Initiative Tachomanipulation e. V. Das Ziel ist es, eine Schnittstelle zu schaffen, die die Vermittlung von Fahrzeugdaten, beispielsweise bei einem Gebrauchtwagenverkauf oder in Versicherungsfällen, an Dritte datenschutzkonform ermöglicht (Grafik 2). Der Fahrzeughalter besitzt die volle Datenhoheit und bestimmt über die Vergabe von Zugriffsrechten. Um die Daten zu schützen, greift das Unternehmen auf eine Technologie zurück, die auch von der Bundesdruckerei zur Sicherung ihrer Daten verwendet wird. Der Erfolg dieses Projektes hängt selbstverständlich von der Marktdurchdringung und auch der Akzeptanz der Fahrzeughersteller ab.

Bei allen berechtigten Datenschutzsorgen sollte man die Vorteile der technischen Möglichkeiten nicht außer Acht lassen. Ein genereller Missbrauchsverdacht gegenüber Datensammlern wäre bei Autoherstellern genauso unangebracht, wie bei Smartphone-Produzenten. Wenn über Hersteller- ID zukünftig Sitz- und Spiegelkonfiguration, Lieblingsradiosender oder Ähnliches bereits hinterlegt sind und in jedem Mietwagen eben jenes Herstellers nur noch ein Passwort eingeben werden muss, um automatisch die persönlichen Konfigurationen zu erhalten, wird dies das Autofahren auch zu einem neuen Erlebnis machen. Zudem erleichtern digitale Services den Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen, wie Lars Häger, Managing Director von Motory, in seinem Kurzvortrag herausstellen konnte. Motory ist eine Fahrzeug-Community, aber auch eine digitale Fahrzeugakte, die neben den Basisdaten des Fahrzeugs sogar das Fahrverhalten dokumentieren kann. Voraussetzung dafür ist die Verknüpfung mit dem TomTom Telematics Service. Der User entscheidet selbstverständlich, wer welche Informationen einsehen kann. Bei einem Verkauf des eigenen Fahrzeugs kann der User aber auch sein Profil als Hinweis für den pfleglichen Umgang mit seinem ehemaligen Fahrzeug mit dem Käufer teilen. Doch am Ende entscheidet der Fahrer, denn es gilt der Grundsatz „Mein Auto, meine Daten“.