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Per App buchen und dann an einem der Haltepunkte in das Fahrzeug zusteigen. So funktioniert Ridepooling
So sieht beispielsweise ein klassisches Fahrzeug von Moia in Hamburg von innen aus

Eine Zwischenbilanz

Ridepooling ist auf dem Vormarsch. Diverse Projekte in verschiedenen Städten laufen seit einiger Zeit – mit zunehmendem Erfolg. Flottenmanagement hat sich diesen Markt näher angeschaut und erklärt, warum solche Angebote zum Teil kritisch gesehen werden.

Um sich dem Thema Ridepooling zu nähern, sollte erst einmal die Begrifflichkeit genau abgesteckt werden. Was ist Ridepooling und wie grenzt es sich vom Ridesharing ab?

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg schreibt dazu in seiner Projektlinie Ridepooling/ Ridesharing im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft Folgendes: „Ridepooling ist der in der Fachliteratur verwendete Begriff, der kommerzielle Sammelfahrten mit einschließt. Beim Ridesharing handelt es sich dagegen um die nicht-kommerzielle Mitnahme weiterer Personen auf einer Fahrt, die ohnehin stattfinden würde. Die Anbieter von Ridepooling vermarkten ihre Dienste häufig jedoch unter dem Begriff ‚Ridesharing‘.“ Ole Harms, bis September 2019 CEO des Ridepooling-Unternehmens Moia, fügt an: „Begriffe wie Sammeltaxi oder Fahrgemeinschaft treffen es nicht zielgenau.“ Zwar sei es auch Ziel, Fahrtanfragen mit einem ähnlichen Weg zu bündeln, der Service sei allerdings digital, hocheffizient, streckendynamisch und skaliert.

Anbieter
Der Ridepooling-Markt wächst zunehmend. Neben schon bekannten Unternehmen wie Moia sowie Clevershuttle gibt es Projekte von städtischen Verkehrsbetrieben. Dazu zählen beispielsweise der „BerlKönig“ (Berlin), der „IsarTiger“ (München) oder der „LÜMO“, ein Lübecker Nacht-Shuttle. Allesamt sind sie per App buchbar, in der Regel gibt es keine festen Haltestellen; in einigen Städten sind mittlerweile auch fahrerlose Busse im Einsatz. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV) zählt inzwischen in 17 Städten Ridepooling- Projekte.

Verbandspräsident (und Geschäftsführer der Münchener Verkehrsgesellschaft) Ingo Wortmann sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zuletzt, dass das Ridepooling ein gutes Zwischenstück zwischen dem klassischen ÖPNV und dem Taxi sei. Anruf-Sammeltaxis und Rufbusse gebe es bereits seit den 1970er Jahren, so Wortmann weiter. „Das ist jetzt alles durch mobiles Internet und entsprechende Apps viel einfacher geworden.“ Denn mithilfe von entsprechenden Algorithmen können die Fahrten inzwischen besser gebündelt werden. Somit teilen sich immer häufiger mehrere Menschen ein Fahrzeug und das Ganze wird für die Anbieter aus wirtschaftlicher Sicht attraktiver. So sagte Baden- Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann unlängst: „Sammelfahrten können eine umweltfreundliche Alternative zur individuellen Autonutzung werden. Diese neue Art Fahrten zu bündeln ermöglicht auch Personen ohne ein eigenes Auto mehr Mobilität.“

Kritik
Doch bei allen augenscheinlich positiven Aspekten des Ridepoolings vermehrt sich nicht nur die Zahl der Anbieter und Nutzer, sondern ebenfalls die seiner Kritiker. So geriet Moia beispielsweise in Hamburg bereits mit einem Taxiunternehmer gerichtlich aneinander. Und auch Clevershuttle sah sich in der Hansestadt einer Klage eines Taxifahrers ausgesetzt. Allerdings: In beiden Fällen wurden die Klagen abgewiesen. Die Taxifahrer wollten in beiden Fällen eine Ausweitung des Angebots der Ridepooling-Anbieter verhindern.

Doch nicht nur im Taxigewerbe sieht man das Ridepooling kritisch – beim öffentlichen Nahverkehr stößt man in Bezug auf die Dienstleistung der privaten Anbieter nicht überall auf Begeisterung. So sagt Ingo Wortmann: „Die Anbieter solcher Verkehre gehen genau dahin, wo wir auch Geld verdienen.“ So wurden schon Forderungen laut, eben solche Ridepooling-Angebote gesetzlich als öffentlichen Personennahverkehr zu betrachten. Private Unternehmen hätten es dadurch erheblich schwerer. „Dann gilt auch für sie eine Tarif-, eine Betriebs- und eine Beförderungspflicht und so weiter“, sagt Wortmann. Dann könne ein stabiles und trotzdem flexibleres Angebot daraus gemacht werden, auf das sich die Kunden verlassen könnten.

Wolfgang Pettau, Geschäftsführer der Hallo Taxi 3811 GmbH in Hannover, geht indes davon aus, dass viele bisherige Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs umsteigen würden. „Dann verstopfen die Straßen noch mehr“, sagt er gegenüber der dpa. Denn zunächst wird es durch Moia vor allem zusätzliche Fahrzeuge auf den Straßen geben. Ole Harms von Moia hält dagegen: „Wir gehen davon aus, dass unser Dienst entlastende Effekte haben wird. Klar ist aber auch: Veränderungsprozesse sind langfristig. Erste Ergebnisse wird man also erst nach einiger Zeit messen können.“ Nicht zuletzt deshalb setzt der Anbieter auf eigene und städtische Begleitforschung.

„Die Verkehrswende ist ein zartes Pflänzchen“, so Harms weiter. Sie lebe vor allem vom Zusammenspiel vieler Akteure. Mit dem Taxigewerbe würde man sich austauschen – das Segment sei mit seinen zwei bis drei Prozent Anteil am Verkehr auch nicht die Zielgruppe: „Wer fährt schon mit dem Taxi zur Arbeit?“

Ausblick
Noch steckt das Ridepooling in den Kinderschuhen. Noch haben die Anbieter zum Teil zu viele Leerfahrten, die gewählten Routen erscheinen mitunter als umständlich, darüber hinaus sind noch nicht alle Fahrer ausreichend ortskundig. Den Anbietern wird es aber auch nicht unbedingt leicht gemacht. So bemängelt Ole Harms von Moia, dass es in Europa noch nicht einmal den gesetzlichen Rahmen gebe, um die Services schnell und einfach zu genehmigen.

 Verkehrsprobleme kann das Ridepooling auch sicherlich nicht allein lösen, hier ist ein Zusammenspiel aller Akteure im Mobilitätsbereich nötig. So fordert Ingo Wortmann vor allem eine Verbesserung des ÖPNVs: „Wir brauchen neue Strecken, zusätzliche Gleise, längere Bahnsteige, zusätzliche Züge“, fordert der Verbandspräsident. Momentan würde man von dem leben, was die Vorgänger in den 1960er und 1970er Jahren aufgebaut hätten. Das ginge beim jährlichen Fahrgastwachstum nicht mehr lange gut.

Klar ist zudem: Ridepooling ist kein Taxi, es bietet aber viele Haltepunkte und man gelangt ohne Umsteigen recht nah an sein Ziel. Die Frage ist jedoch, ob dafür das eigene Auto stehen gelassen wird oder stattdessen ÖPNV-Nutzer diese Variante in Betracht ziehen.

 Und auch wenn es auf den ersten Blick etwas paradox erscheint, erst mit einer großen Anzahl an Ridepooling-Fahrzeugen käme es zu einer Entlastung im individuellen Pkw-Verkehr – bei Lärm und Emissionen. Dies ist das Ergebnis einer Simulation für die Stadt München von Professor Klaus Bogenberger von der Universität der Bundeswehr München. Konkret müssten mehr als fünf Prozent der Autofahrer auf entsprechende Fahrdienste zurückgreifen, dafür müssten rund 1.000 Fahrzeuge dieser Anbieter im Einsatz sein, so Bogenberger. Ob das realistisch ist, sei mal dahingestellt, die steigende Tendenz spricht aber dafür. Ein Moia-Sprecher sagte im Juli dieses Jahres, dass es mehr Nachfrage nach dem Fahrdienst gebe als bedient werden könne. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg rief bis Ende September gar zur Einreichung von Projektanträgen zum Ridepooling/Ridesharing im Land auf, die entsprechend gefördert würden. Und wo innovative Mobilitätskonzepte im Umlauf sind, ist Elon Musk auch nicht fern. So will sich auch Tesla künftig des Themas Ridepooling annehmen – mit autonom fahrenden Robo-Taxis.

 

 

Berlkönig
Start: September 2018
Einsatzort: Berlin (in Teilen)
Fahrzeuge: 150 (neben der Mercedes-Benz V-Klasse und der eVito-Baureihe kommt auch der B250e zum Einsatz)
Fahrten: mehr als 750.000
Registrierungen: 140.000
Kosten: 1,50 Euro pro Kilometer (Mindestpreis von 4 Euro ist unabhängig von der Streckenlänge), einige weitere Besonderheiten (Zuschlag bei Stoßzeiten, Vergünstigungen bei Buchungen für mehrere Personen et cetera)

Moia
Start:
Sommer 2018
Einsatzorte: Hannover, Hamburg (2019, in Teilen)
Fahrzeuge: 150 eigens für das Pooling entwickelte Fahrzeug in Hannover (bis Sommer 2020 sind 250 geplant), 100 in Hamburg, alle Fahrzeuge vollelektrisch (Anzahl wird bis 2021 auf 500 erhöht)
Fahrten: mehr als 340.000 (in Hamburg)
Registrierungen: 250.000 (Zahl basiert auf Downloads der App)
Kosten: Kilometerpreis variiert, liegt zwischen öffentlichem Nahverkehr und Taxi (keine Grundgebühr; bei Buchung für mehrere Personen, zahlt nur der erste Fahrgast den vollen Preis, alle Weiteren zahlen deutlich weniger)

Clevershuttle
Start:
2014
Einsatzorte: Berlin, Hamburg, München, Leipzig, Dresden, Frankfurt am Main, Stuttgart und Kiel
Fahrzeuge: ausschließlich Elektro- und Wasserstofffahrzeuge: Nissan Leaf, Nissan Leaf 2, Nissan e-NV200 Evalia, VW E-Golf, Toyota Mirai, Hyundai Ix35, Hyundai Nexo
Fahrten: keine Angaben, aber insgesamt mehr als 2,5 Millionen Fahrgäste
Registrierungen: keine Angaben
Kosten: laut eigenen Angaben bis zu 50 Prozent günstiger als Taxis; Fahrpreis berechnet sich auf Basis eines gestaffelten Kilometerpreises und ist zusätzlich abhängig von der Anzahl der Sitzplätze, die ein Kunde jeweils bucht.

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