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Flottenmanagement: Herr Stahl, seit über einem Jahr sind Sie nun Direktor Groß- und Gewerbekunden bei Opel. Mit welchen Plänen sowie Vorstellungen sind Sie an die neue Position herangetreten und auf welche Erfahrungen können Sie dabei zurückgreifen?

Wolfgang Stahl: Mitte 2018 wurde ich gefragt, ob ich die Position des Direktors Groß- und Gewerbekunden bei Opel übernehmen kann. Für mich war klar, dass eines der Themen lauten muss, die Bedeutung des Flottengeschäfts für Opel weiter herauszustellen. Dadurch soll zum einen das Geschäft mit den Funktionsfahrzeugen gestärkt werden, bei denen der rationale Faktor für die Kunden im Vordergrund steht. Zum anderen soll auch unsere Attraktivität für Dienstwagenberechtigte weiter ausgebaut werden. Daneben liegt ein wesentlicher Fokus im Ausbau unserer Position im Bereich der kleinen und mittleren Flotten, insbesondere durch die Nutzung unserer herstellereigenen Full-Service-Leasingmarke „Free2Move Lease“.

Flottenmanagement: Welche Produktmerkmale stehen für Sie im Vordergrund? Und wie zeigt sich dies auch in den flottenrelevanten Modellen?

Wolfgang Stahl: Wir demokratisieren die Automobiltechnik seit inzwischen 120 Jahren und bringen modernste Features in Fahrzeugsegmente, in denen die Kunden diese sonst nicht erwarten. Das ist die DNA von Opel. Beispielsweise sind dies die ergonomischen AGR Aktiv-Sitze oder das IntelliLux LED® Matrix-Licht. Gepaart wird dies mit einer hohen Qualität und Zuverlässigkeit unserer Fahrzeuge, um die Kundenzufriedenheit auch im Flottenbereich nachhaltig zu steigern.

Flottenmanagement: Beim Blick auf die gewerblichen Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2019 zeigt sich, dass Opel sein Ergebnis aus dem Vorjahreszeitraum um mehr als 18 Prozent steigern konnte. Auf welchen Strategien beruht das starke Wachstum in diesem Bereich und wie stellen Sie auch in Zukunft ein gesundes Wachstum sicher?

Wolfgang Stahl: Wir konnten unsere traditionell gute Position in großen Fuhrparks weiter ausbauen. Unsere langjährigen Geschäftsbeziehungen gepaart mit dem attraktiven neuen Produktportfolio zeigen sich nun in den Kundenauftragseingängen. Neben dem neuen Astra, mit seinen um bis zu 21 Prozent reduzierten CO2-Werten und den damit entsprechend gesunkenen Verbrauchswerten, sehen wir insbesondere im Nutzfahrzeuggeschäft weitreichende Chancen. Die Erneuerung unseres Nutzfahrzeugportfolios ist mit dem Launch des neuen Movano abgeschlossen und wird einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg leisten. Essenziell zum Erfolg tragen aber unsere Händler in ihrer täglichen Arbeit mit unseren gemeinsamen Gewerbe- und Flottenkunden bei. Hier leisten insbesondere unsere Flottenleistungszentren und Nutzfahrzeug-Profi-Partner hervorragende Arbeit mit großem Engagement für die Marke Opel.

Flottenmanagement: Als Vollsortimenter ist das Produktportfolio von Opel erfahrungsgemäß umfangreich und umfasst nahezu alle Fahrzeugsegmente. Welches sind Ihre Topseller im Flottengeschäft und wie wird sich Ihrer Meinung nach der gewerbliche Markt weiter entwickeln?

Wolfgang Stahl: Bezüglich des Verkaufsvolumens sind unsere Topseller aus Pkw-Sicht ganz klar Astra und Insignia. Das größte Wachstum zeigt unser Grandland X, der hier dem SUV-Trend auch im gewerblichen Segment folgt. Besonders positiv ist daran, dass wir mit dem Grandland X neue gewerbliche Kunden, Flottenbetreiber und hier insbesondere Dienstwagenberechtigte erobern konnten.

Bei den Nutzfahrzeugen hatten wir eine Sondersituation durch den Umbau der Flotte: So haben wir mit dem Combo die Erneuerung unserer Nutzfahrzeugpalette begonnen, gefolgt vom neuen Vivaro – beide auf einer Groupe-PSA-Plattform. Wir sind davon überzeugt, dass wir nach Abschluss der Erneuerung unserer Nutzfahrzeugpalette mit dem neuen Movano samt emissionsarmen Motoren in den kommenden Jahren deutlich wachsen werden.

Flottenmanagement: Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) präsentieren die Hersteller ihre Neuankündigungen für den Automobilmarkt. Mit welchen Neuerungen sowie Produkten wartete Opel hier auf und wie schätzen Sie deren Bedeutung für das Flottengeschäft ein?

Wolfgang Stahl: Neben der Publikums-Weltpremiere des Corsa, des vollelektrischen Corsa-e und der Rallyeversion des Corsa-e, haben wir auf der IAA auch den neuen Astra, den Grandland X Hybrid4 und den Zafira Life präsentiert. Aus Flottensicht hat natürlich der neue Astra eine enorme Bedeutung: Hier gab es ein umfassendes Update und unter der Haube kommen nun hocheffiziente Dreizylindermotoren zum Einsatz, wodurch auch jeder neue Astra positiv auf unsere CO2-Ziele einzahlt. Wenn man nun bedenkt, dass sich auch jeder neue Corsa positiv auf diese Ziele auswirkt, dann ist das ein riesiges Volumen an emissionsarmen Fahrzeugen. Gerade im Zuge der steigenden gesetzlichen Vorgaben und der immer mehr auf CO2 ausgerichteten Flottenrichtlinien gewinnt dies für Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Obwohl man den Zafira Life nicht unbedingt als Erstes mit Flotten in Zusammenhang bringt, bietet er viele Einsatzmöglichkeiten, wie die ersten Gespräche mit Kunden bestätigt haben. So ist er beispielsweise gerade in der kurzen Variante mit  einer Länge von nur 4,6 Metern für Dienstwagenberechtigte mit Familie eine spannende Alternative, weil er bei der Funktionalität nochmals im Vergleich zum bisherigen Zafira zugelegt hat und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Zudem sehen wir auch im Markt rund um Limousinenservices und „Ride-Hailing“, wo wir gerade mit zwei Partnern zusammenarbeiten, aufgrund der eben genannten Vorzüge gepaart mit den neuesten, sparsamen Dieselmotoren ein großes Wachstumspotenzial.

Flottenmanagement: Mit dem neuen Opel Astra feierte ein echtes Flottenschwergewicht Premiere in Frankfurt. Welche Highlights hält die Rüsselsheimer Kompaktklasse in ihrer neuen Version bereit?

Wolfgang Stahl: Wir konnten durch die Umstellung auf Dreizylindermotoren und eine nochmals verbesserte Aerodynamik die CO2-Emissionen um bis zu 21 Prozent senken, und das ganz ohne auf Fahrkomfort sowie Fahrdynamik verzichten zu müssen. Gerade in puncto Komfort haben wir beispielsweise durch die 9-Gang-Automatik einen Riesenschritt gemacht: Nicht nur, dass eine solche Automatik erstmalig in diesem Segment angeboten wird und wir damit eine Vorreiterrolle einnehmen, hat sie gerade in einem so typischen Flottenauto wie dem Astra eine enorme Bedeutung. Wie komfortabel eine solche Automatik insbesondere auf langen Strecken ist, zeigen die positiven Feedbacks aus den Erfahrungen im Insignia. Daneben haben wir natürlich einiges getan, um den neuen Astra zur Sperrspitze in der Kompaktklasse bei den Themen Fahrspaß, Komfort und Sicherheit werden zu lassen.

Flottenmanagement: Bereits im Juni 2019 wurde die sechste Generation des Corsa offiziell vorgestellt und es wurde auch bekannt gegeben, dass dieser erstmals auch als batterieelektrische Variante zu haben sein wird. Welches Potenzial sehen Sie in der Elektrifizierung des Kleinwagensegments? Für welche Branchen könnte ein Corsa- e interessant sein und warum?

Wolfgang Stahl: Elektro- und Hybridfahrzeuge werden auch im Flottenbereich das Thema der kommenden Jahre sein. Persönlich kann ich sagen, dass der neue Corsa-e sehr viel Fahrfreude bereitet, was immer eine der wichtigsten Ausgangspunkte bei einer Kaufentscheidung ist. Die rein elektrische Reichweite von 330 Kilometern erlaubt eine hohe Alltagstauglichkeit. Daneben erreichen uns natürlich auch Anfragen aus dem städtischen Bereich, von Carsharing- und Großunternehmen, die möchten, dass ihre Fahrer in Zukunft vermehrt elektrisch fahren. Das zeigt auch wieder, dass bei Unternehmen zunehmend auf die Emissionswerte und Zukunftstechnologien geachtet wird.

Der Corsa-e bietet weitreichende Einsatzgebiete für viele gewerbliche Kundengruppen, aber auch für Dienstwagenberechtigte oder Unternehmer, die mit einer Haltung zum umweltbewussten Fahren sich besonders für Elektro- und Hybridfahrzeuge interessieren.

Flottenmanagement: Wird ein batterieelektrischer beziehungsweise Plug-in-Hybrid- Dienstwagen auch privat genutzt, erfolgt unter bestimmten Voraussetzungen eine Halbierung der Dienstwagenbesteuerung. Welche Bedeutung haben solche Ansätze für eine umweltfreundlichere Mobilität und die Nachfrage nach Modellen, wie dem kürzlich präsentierten Opel Grandland X Hybrid4?

Wolfgang Stahl: Wenn wir den Grandland X Hybrid4 als Beispiel nehmen, liegen wir durch das SUV-Konzept gepaart mit der Elektrifizierung voll im Trend. Durch die Hybridisierung gewinnt der Grandland X noch an Fahrspaß und kann sogar dabei verbrauchsgünstiger bewegt werden. Bedenkt man dann noch die finanziellen Vorteile durch die halbe Dienstwagenbesteuerung, sind die Vorzeichen für einen Erfolg mehr als gegeben. Um den Mehrwert in der Flotte vollumfänglich zu heben, müssen natürlich auch die Fahrer so geschult werden, dass sie die Vorteile eines Hybrids richtig ausnutzen können. Gleichermaßen ist die Ladeinfrastruktur hier von Bedeutung.

Flottenmanagement: Wie bereits erwähnt, besetzt Opel als Vollsortimenter mehrere Segmente, darunter auch einige Sparten im Nutzfahrzeugbereich. Welche Neuheiten halten Sie für den Nutzfahrzeugbereich bereit? Inwieweit können Sie dabei den unterschiedlichen Ansprüchen seitens der Gewerke bereits ab Werk entgegenkommen?

Wolfgang Stahl: Mit dem Launch des neuen Movano ist die komplette Nutzfahrzeugpalette einmal erneuert worden, und das in zwei Dimensionen: Die eine ist, dass wir beim Combo und Vivaro jeweils auf PSA-Plattformen gewechselt sind. PSA ist in Europa marktführend im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge. Hinzu kommt, dass wir beim Vivaro von Industriebestwerten in Bezug auf Emissionswerte sowie Verbrauch sprechen können und uns die Konzernplattform ganz andere Möglichkeiten eröffnet.

In puncto Ein- und Umbauten sind wir seit jeher nicht ausschließlich über den Preis gegangen, sondern haben uns bewusst für die Zusammenarbeit mit professionellen Partnern entschieden. Dabei gehen die Individualisierungsmöglichkeiten im Vivaro beispielsweise so weit, dass wir für ganz große Kunden individuelle Lösungen anbieten. Gleichzeitig erarbeiten wir intern gerade einen Zertifizierungsprozess für Partner und überlegen, welche Werkslösungen wir anbieten wollen.

Im kommenden Jahr werden wir zudem eine vollelektrische Variante des Vivaro anbieten, die sicherlich auch für die stark wachsende KEP-Branche (Kurier, Express, Paket) auf der letzten Meile von sehr hohem Interesse sein wird. Bei den ersten Präsentationen des Modells vor Großkunden zeigte sich sehr deutlich das immense Interesse.

Flottenmanagement: Die Ansprüche von Flottenkunden differenzieren sich oftmals schon bei der Ausstattung von denen der Privatkunden. Mit welchen Ausstattungsvarianten kommen Sie diesen Ansprüchen entgegen?

Wolfgang Stahl: Traditionell bieten wir neben unseren Ausstattungslinien Edition, Elegance sowie Innovation unsere Businesslinien an. Hervorragend ausgestattete Fahrzeuge mit einem sehr attraktiven Listenpreis haben für den Dienstwagenberechtigten den angenehmen Nebeneffekt, dass diese Businesslinien eine geringere, effektive Dienstwagenbesteuerung als herkömmliche Ausstattungslinien haben. Das gute Feedback der Flottenkunden zeigt uns, dass wir mit unseren Businesslinien auf dem richtigen Weg sind.

Flottenmanagement: Neben den Fahrzeugmodellen sind für den Fuhrparkverantwortlichen auch die Kundenbetreuung und die Rahmenbedingungen im Bereich Finanzierung und Service ausschlaggebend – wie ist Opel hier aufgestellt? Womit können Sie hier besonders punkten?

Wolfgang Stahl: Wir haben in Deutschland 145 Flottenleistungszentren und 120 Nutzfahrzeug- Profi-Partner, die spezifische Standards erfüllen – angefangen beim zertifizierten Flottenbeziehungsweise Nutzfahrzeugverkäufer bis hin zur TCO-Beratung und zu der Verfügbarkeit flottentypischer Vorführwagen. Daneben ist für uns die Qualitätssicherung ein hohes Gut, denn wir geben mit der Arbeit in den Flottenleistungszentren immer auch ein Leistungsversprechen ab. Die Zentren sind gleichzeitig auch für die Ausrollung neuer Themenfelder von Bedeutung, sei es die Beratung sowie Betreuung im Bereich Elektromobilität oder bei unserem Dienstleistungsangebot für gewerbliche Kunden und Flotten.

Bezüglich Service-Dienstleistungen haben wir im Januar 2019 mit Free2Move Lease eine große Umbruchphase begonnen, um den Kunden Lösungen aus einer Hand über unser Händlernetz anbieten zu können. Hier sind wir natürlich noch nicht dort angekommen, wo wir sein wollen – Free2Move Lease zu einem Synonym für ein gewerbe- und großkundenorientiertes Dienstleistungsangebot zu machen. Obwohl wir dieses eigene Angebot gestartet haben, waren und bleiben fremde Leasinggesellschaften weiterhin unsere Partner. Dennoch bietet uns die übergeordnete Marke Free2Move einige neue Mobilitätsmöglichkeiten, sei es im Bereich der Fahrzeugvernetzung oder bei alternativen Mobilitätsmodellen, die wir gemeinsam mit unserem Free2Move-Team entwickeln.

Flottenmanagement: Last, but not least, welche Ziele haben Sie sich mittel- und langfristig gesetzt? Was wollen Sie mit und für die Marke Opel erreichen?

Wolfgang Stahl: Wie bereits erwähnt, ist es uns ein Anliegen, den Handel für das kleine und mittlere Flottensegment sowie für das Nutzfahrzeuggeschäft weiter zu begeistern. Hier besteht noch viel ungenutztes Potenzial und darin liegen auch Chancen für weiteres Wachstum. Gleichwohl ist für uns von Bedeutung, die Relevanz des gewerblichen Marktes auch innerhalb der Organisation herauszustellen und für eine engere Verknüpfung der einzelnen Bereiche zu sorgen. Nicht zuletzt ist die vereinfachte Kommunikation zwischen uns als Organisation und dem Handel der dritte Punkt, dem wir uns widmen werden, in den natürlich auch der Bereich Digitalisierung mithinein spielt.