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"Flotte! Der Branchentreff" 2020
Axel Schäfer

Electrify your fleet?

Über die Einführung oder den Ausbau von Elektromobilität im Fuhrpark denken viele Unternehmen nach. Welche Gründe gibt es eigentlich, dass kein Hype ausbricht?

Elektrofahrzeuge sind in. Zumindest liegen sie in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit – so mein Eindruck – im Zeitgeist, um dem Klimawandel entgegenzutreten. Zugegeben, manchmal etwas unreflektiert und zu einseitig in den Himmel gelobt, denn es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, also den bösen Verbrenner und den guten Elektromotor und nichts dazwischen. So ist auch in der Gesellschaft und der Diskussion von Experten aller Richtungen ein deutlicher Konflikt zu erkennen.

Elektro oder nicht? Das greift zu kurz
Wer die betriebliche Mobilität auch unter Umweltgesichtspunkten optimieren möchte, der kann sich nicht nur mit der Frage beschäftigen „Elektro oder nicht?“. Doch gerade auf die Frage, ob elektrischer oder konventioneller Antrieb, fokussiert sich eine sachlich nur schwer nachvollziehbare Diskussion, die oft medial und publikumswirksam ausgetragen wird. Das Spektrum reicht vom Abstreiten, dass Änderungen bei Antriebsarten von Fahrzeugen als ein Beitrag zu ökologischer Mobilität überhaupt notwendig sind, bis zu radikalen Positionen, die Verbote (zum Beispiel Dieselverbote) als einzigen Weg sehen. Erfahrene Politiker wissen, dass Verbote in der Regel nicht der optimale Weg sind, einen gesellschaftlichen Wandel einzuleiten. Andererseits ist auch die leider zu häufig anzutreffende Meinung schwer nachvollziehbar, der Staat müsse sich raushalten. Das Ergebnis zeigt sich in wenig mutigen politischen Entscheidungen und führt dazu, dass oft einheitliche, vernünftige politisch gesetzte Rahmenbedingungen fehlen. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Regelungen, die den Mobilitätsverantwortlichen in Unternehmen die Arbeit eher erschweren. Ein Blick auf die Gesetzeskarte Elektromobilität erzeugt eher Kopfschmerzen, als es Klarheit signalisiert. Vor allem ist es Zeit, in Erinnerung zu rufen, dass es bei der Frage bevorstehender Änderungen im Mobilitätsmanagement nicht allein um Antriebsarten gehen darf.

Der Fuhrpark ist das mobile Herz des Unternehmens. Es dreht sich heute noch viel um das Auto im Fuhrpark. Doch wenn Unternehmen ökologisch und ökonomisch sinnvoll steuern wollen, dann muss und wird es in Zukunft kein isoliertes Fuhrparkmanagement geben. Die Zukunft heißt Mobilitätsmanagement. Der Manager soll nicht den Fuhrpark, sondern die Mobilität optimal gestalten, alle sinnvollen Möglichkeiten und Mobilitätsmittel nutzen und bereitstellen. Das bedeutet eben auch mehr, als nur über Elektromobilität und Antriebe zu reden. Das könnte ein Grund sein, warum E-Mobilität in den Unternehmen noch nicht richtig zündet und so manche staatliche Stellen frustriert sind, dass das Thema nicht vorankommt. Mit 0,177 Prozent am Gesamtbestand von 47,1 Millionen Fahrzeugen können Elektroantriebe die Welt derzeit noch nicht retten.

Anders gesagt: Die Elektrifizierung von Flotten ist ein möglicher Aspekt und Faktor, den jedes Unternehmen prüfen sollte. Andererseits ist Elektromobilität nach dem heutigen Stand nicht per se gleichzusetzen mit der besten ökologischen Alternative und schon gar nicht die einzige und abschließende Lösung aller Umweltprobleme. In der betrieblichen Praxis scheitert die schnelle Einführung und Elektrifizierung der Flotte heute aber nicht an diesen Argumenten, sondern aus ganz verschiedenen anderen Gründen.

Fehlendes Know-how
Auch wenn das erste Elektroauto bereits im 19. Jahrhundert entwickelt wurde, ist das alles noch sehr neu für uns. Entscheider brauchen umfassendes, neues Wissen. Viele glauben immer noch an Mythen, dass beispielsweise die Batterie eines BEV immer voll „getankt“ (geladen) werden muss. Aber es geht nicht nur um Technik, E-Fahrzeuge im Fuhrpark bringen jede Menge Fragen mit sich. Auf der einen Seite gibt es steuerrechtliche Aspekte, auf der anderen Seite vielerlei Rechtsfragen. Dies fängt beim Punkt Finanzierung und steuerlichen Sonderregelungen an und geht über Fragen der UVV bis zur Handhabung der Ladeinfrastruktur. Außerdem ist das Thema Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer zu betrachten, denn die neuen Fahrzeuge sind sehr häufig „connected“. Dies sind nur einige der Anforderungen, mit denen man sich in der Praxis befassen muss und bei denen auch der Fuhrparkverband mit Weiterbildungsangeboten Flagge zeigt.

Investitionssicherheit und Wirtschaftlichkeit
Jeder Unternehmer muss sich die Frage stellen, ob seine Investition sicher ist. Sind die Investitionskosten planbar und die laufenden Kosten kalkulierbar? Das ist bei Elektrofahrzeugen noch schwierig, denn die Möglichkeit, eine TCO-Analyse zu fahren und entsprechende Vergleiche zu erstellen, besteht eben häufig noch nicht. Die Unterschiede bei Wartungs- und Betriebskosten sind für Unternehmen nicht transparent nachvollziehbar und/oder verständlich. Hinzu kommt, dass die Verfügbarkeit von Fahrzeugen ein Problem darstellen wird, sofern Unternehmen beginnen, massiv Fahrzeuge zu ordern. Die angekündigte Bestellung von 14.000 Fahrzeugen durch die EnBW brachte große Aufmerksamkeit, denn die Produktion der Fahrzeuge ist eben noch nicht so weit angelaufen, dass Fuhrparks mit größeren Stückzahlen versorgt werden könnten. Oft sind noch keine Modelle vorhanden oder gerade lieferbar, die dem notwendigen Mobilitätsanforderungsprofil entsprechen. Die Rahmenbedingungen wie Ladeinfrastruktur, Sekundärmarkt für Gebrauchtfahrzeuge, Abrechnungsmodalitäten mit Stromversorgern und Entsorgungsfragen für die Batterien verunsichern zusätzlich. Dies wird durch häufig unterstellte unzureichende Reichweiten verstärkt.

Faktor Mensch
Was der Mensch zu dem allen sagt, wird ja gerne vergessen. Sind die Dienstwagennutzer schon so weit und überhaupt gewillt, Elektrofahrzeuge zu akzeptieren? Wie können wir sensibilisieren und vor allem die Notwendigkeit von Veränderungen deutlich machen und Begeisterung auslösen? Aber es fängt ja schon bei den internen Entscheidern an. Wer heute als Fuhrpark- und Mobilitätsmanager arbeitet, der ist in der Regel mindestens 30 Jahre alt. Er hat oft „Benzin im Blut“, ist mit Automobilen aufgewachsen, die gerade in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert hatten und haben. Doch die Welt, das Klima, die Möglichkeiten und die Technologien haben sich verändert. Deswegen müssen sich auch unsere Verhaltensweisen und unsere Entscheidungsprogramme ändern. Nutzer alternativer Antriebskonzepte müssen bereit sein, ihr Mobilitätsverhalten mit etwas mehr Bedacht zu gestalten. Natürlich muss man im Moment noch schauen, ob die Lademöglichkeiten ausreichend vorhanden sind und so weiter. Und wie schon gesagt, eine Batterie muss nicht immer voll sein. Mit kurzen Nachladezeiten können auch größere Reichweiten gestaltet werden.

Fazit
Es geht nicht mehr allein um das Auto, es geht um integrierte Mobilität, die bewusst geplant werden muss. Die Menschen müssen darauf vorbereitet werden und bereit sein, teilweise noch ungewohnte Möglichkeiten zu nutzen und die persönlichen und ökologischen Vorteile zu erkennen. Vielleicht auch mal persönliche Vorlieben zurückzustellen, um etwas für unseren Planeten zu tun. Die Geschäftsleitung muss da vorangehen, weil es nichts anderes ist als eine Veränderung der Unternehmenskultur.

Ob für die eigenen Fahrprofile und Mobilitätsanforderungen die Elektromobilität eine wichtige Rolle spielt, muss jeder Entscheider für sein Unternehmen analysieren und festlegen. Klar ist, dass Elektromobilität als Bestandteil eines integrierten Mobilitätskonzeptes heute schon machbar und zukünftig noch besser möglich ist. Die Macher am Steuer des Mobilitätsmanagements müssen den Blick offen halten für Trends und technologische Entwicklungen und diese auch annehmen. Sie sollten Gestalter sein, denn sie haben die Erfahrung, das Know-how sinnvolle Vorschläge zur Gestaltung der Mitarbeitermobilität zu machen. Das ist ihr Job – und der wird immer wichtiger.

 

AUTOR

AXEL SCHÄFER ist seit 2010 Geschäftsführer des von ihm mit initiierten und mit gegründeten Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. und Sprecher der FMFE Fleet And Mobility Management Federation Europe. Zuvor war er viele Jahre erfolgreich im Vertrieb bei führenden Leasinggesellschaften tätig, bevor er sich 1991 selbstständig machte. Der diplomierte Finanzierungs- und Leasingwirt (VWA) ist seit 1992 als Autor, Trainer/Fachreferent in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Seine Kernkompetenz liegt nach wie vor in Fuhrparkmanagement und Leasing. Von 1992 bis 2012 war er Autor und Herausgeber des Praxishandbuchs Fuhrparkmanagement, aktuell gibt er das Fuhrparkcockpit für Mitglieder des Fuhrparkverbandes heraus, eine digitale Know-how-Sammlung, die umfangreiches Fuhrparkwissen bereitstellt.

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