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Autos wachsen seit Jahren, so ist beispielsweise der aktuelle VW Polo fast so groß wie das Modell des VW Golf IV Ende der 1990er-Jahre. Immer größer, immer mehr Leistung, da muss auch der Reifen – der einzige Kontaktpunkt eines Pkw zur Fahrbahn – mithalten. Sogenannte UHP-Reifen werden dabei immer beliebter, das merken auch die Reifenhersteller. So sagte David Anckaert, Direktor der Entwicklung beim Reifenhersteller Goodyear, bereits vor einiger Zeit in einem Interview mit dem Spiegel: „Generell hat das Segment der Ultra-High-Performance-Reifen in den vergangenen Jahren zugelegt und wird auch weiterwachsen.“ Seit 2012 gebe es in Europa bei 17 Zoll und größeren Reifen jährlich einen Zuwachs von 8,3 Prozent. Aktuell umfasst der UHP-Bereich bereits 22 Prozent des Sommerreifenvolumens, wie die Europool-Daten illustrieren.

 Die Begrifflichkeit UHP-Reifen hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört, aber was ist genau damit gemeint? Continental schreibt: „UHP-Reifen werden nach Geschwindigkeitsindex sowie Querschnitt des Profils klassifiziert. Der Querschnitt ist (...) meist niedrig und das Höhen-Breiten-Verhältnis von der Reifenflanke* zur Lauffläche normalerweise geringer als 45 Prozent. Der Speedindex (Geschwindigkeitsindex) gibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit an. UHP-Reifen werden in die Geschwindigkeitsklassen H, V, W, Y oder ZR eingeteilt. Das bedeutet: H = 210 km/h, V = 240 km/h, W = 270 km/h, Y = 300 km/h und ZR über 240 km/h. Den Geschwindigkeitsindex finden Sie am Autoreifen und im Fahrzeugschein.“ Typische Dimensionen für UHP-Reifen seien beispielsweise 225/45 R 17 91 W oder auch 235/30 ZR 19, so der ADAC.
* Erklärung: Die Reifenflanke ist der seitliche Teil des Reifens.

Eigenschaften von UHP-Reifen
Vor allem der anhaltende SUV-Boom hat den UHP-Reifen noch mal einen deutlichen Zuwachs ermöglicht. So sind große Reifen für die bulligen Geländegefährte schon allein aus optischen Aspekten fast ein Muss. Größere Reifen seien aber ebenfalls technisch zu bevorzugen. So erklärt Goodyear-Entwickler Anckaert, dass die Fahrzeuge aufgrund der gestiegenen Leistung und höherer Gewichte eine breitere Aufstandsfläche benötigen würden, um Kraft und Dynamik sicher auf die Straße übertragen zu können. Der ehemalige Rennfahrer und Automobilexperte Christian Danner erklärt: „Wenn Sie mit Ihrem Auto Geschwindigkeiten über 210 km/h zurücklegen können, sollte Ihr Fahrzeug mit den richtigen Reifen ausgestattet sein. UHP-Reifen bieten Ihnen viele Vorteile im Performance-Bereich und ein Extra an Sicherheit.“

Die Eigenschaften der UHP-Pneus sind dabei eben besonders auf extreme Belastungen (sprich vor allem hohe Geschwindigkeiten) ausgelegt und das Zusammenspiel aus Reifenmischung, Reifenprofil und Konstruktion spielt eine entscheidende Rolle. Neben einem guten Grip, einem präzisen Lenkverhalten und einer stabilen Kurvenlage zeichnen den UHP-Reifen auch kurze Bremswege aus.

Continental erklärt anhand des SportContact 6, wie diese Eigenschaften erfüllt werden sollen. Eine „Black Chili“-Mischung ermöglicht maximalen Grip (...) bei Beschleunigung, Kurvenfahrten sowie Bremsung – auf trockenen und nassen Straßen, so der Reifenhersteller. Das „Force Vectoring Profil“ sorge mit den verstärkten Mittelrippen und der Innenschulter für eine direkte Kraftübertragung über das Profil und für eine maximale Kontrolle – auch bei kleinsten Lenkbewegungen. Für eine maximale Kontrolle dank Kurvenstabilität auch im Grenzbereich sorgt das „Advanced Macro-Block Design“, verspricht Continental. Die Außenschulter des Reifens umfasst drei Elemente – die großen Profilblöcke in der Schulter, verschränkte und verzahnte Profilelemente sowie die Makroblock-Struktur. Dies mache die ultimative Übertragung der Lateralkräfte möglich. Und für die ganz extremen Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h soll das Aralon 350 für maximale Stabilität sorgen. Es besteht gemäß dem Reifenhersteller aus zwei Garnen aus festem Aramit und einem aus flexiblem Nylon. Diese würden das gegensätzliche Verhalten zweier unterschiedlicher Materialien in einer Faser vereinen.

Neben den erwähnten positiven Eigenschaften ist aber auch zu beachten, dass durch hohe Geschwindigkeiten hohe Temperaturen entstehen, die zu einem schnelleren Verschleiß und einer entsprechend kürzeren Lebensdauer führen. Ebenfalls nehmen mit den UHP-Reifen der Spritverbrauch und der CO2-Ausstoß zu. Denn je größer der Reifen ist, desto größer ist folglich auch der Rollwiderstand. Hinzu kommt: Eine niedrige Flanke hat ein geringeres Federungspotenzial zur Folge, da der luftgefüllte Reifen flacher ist.

Ausblick
Bis 2023 wird für Premiumfahrzeuge ein Marktwachstum von 17,5 auf 18,5 Prozent prognostiziert – den steigenden Absatzzahlen bei UHP-Reifen wird dies sicherlich keinen Abbruch tun, im Gegenteil. So haben viele Reifenhersteller neue UHP-Serien angekündigt, dieser Tage brachte Goodyear den Eagle F1 Asymmetric 5 auf den Markt. Die Serie Eagle F1 Asymmetric ist unter anderem großflächig in der Erstausrüstung verbaut – vom VW Golf über die Mercedes C-Klasse und die BMW 3er-Serie bis hin zum Porsche 911. Und auch sonst tut sich einiges: So hat der niederländische Reifenhersteller Vredestein mit dem Quatrac Pro einen speziellen UHP-Ganzjahresreifen vorgestellt. Er wird in rund 100 Größen zwischen 17 und 21 Zoll eingeführt und soll vor allem den Teil des UHP-/SUV-Segments erschließen, in dem die Fahrzeuge bisher in der Regel nur über eine achtfache Bereifung verfügen. Es zeigt sich: Bei den UHP-Reifen ist das volle Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft, der Markt wächst stetig und mit ihm das Interesse an den Pneus.