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Telematik, eine technische Kombination aus Telekommunikation und Informatik, ist im Fuhrpark eigentlich kaum noch wegzudenken. Das bestätigt Benjamin Tschache, Business Development Manager DACH bei der Sycada Deutschland GmbH: „Die Entwicklung als auch der Zuwachs von Flottenmanagementsystemen hat gerade in den letzten drei bis vier Jahren riesige Sprünge gemacht. Wir sind davon überzeugt, dass diese rasante und auch notwendige Entwicklung noch länger andauern wird. Erst war lediglich die Fahrzeugortung bekannt und beliebt, mittlerweile wird die ‚grüne‘ Telematik immer wichtiger. Weitere Module wie beispielsweise die Disposition von Serviceflotten, Überwachung von Kühlketten, Führerscheinkontrolle erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Der Bedarf ist unserer Meinung nach also noch lange nicht gestillt und auch die Entwicklung neuer Module wird stetig vorangetrieben.“ Dabei steht der Markt hier erst am Anfang seiner Entwicklung. Wolfgang Schmid, Sales Director DACH bei TomTom Telematics, sagt: „Die Geschwindigkeit des technologischen Wandels ist atemberaubend und wir kratzen gerade erst an der Oberfläche von Robotik, Automatisierung und maschinellem Lernen.“

Vorteile
Die Zukunft ist in diesem Bereich besonders spannend, aber schon heute hat die Nutzung von Telematikdiensten viele positive Auswirkungen auf die Arbeit im Fuhrpark. Nils Mathias, Leiter Entwicklung Frontend bei der Bornemann AG, erläutert: „Mit Telematiksystemen lassen sich zu jeder Zeit die Positionen von Fahrzeugen und Betriebsmitteln bestimmen, deren Sicherheit erhöhen, ihre Verwaltung erleichtern und die Routenplanung allgemein optimieren. Bereits nach kürzester Zeit ist der gesamte Fuhrpark effizienter. Ressourcen, Kapazitäten und Umwelt werden geschont. Der Kraftstoffverbrauch reduziert sich, die Unterhaltskosten (TCO) sinken. Man ist wettbewerbsfähiger, verbessert seinen Service gegenüber dem Endkunden.“ Claus Wollnik, Geschäftsführer der Wollnikom GmbH, gibt ein konkretes Beispiel: „Telematik hilft Fahrzeuge sinnvoll einzusetzen, wie zum Beispiel beim Carsharing, ohne Telematik ist die Auslastung von Poolfahrzeugen mit allem, was dazugehört, nahezu nicht zu realisieren.“ Wolfgang Schmid von TomTom Telematics fasst zusammen: „Daten nicht nur zu erfassen, sondern auch fachgerecht auszuwerten und dem Kunden konkrete Handlungsempfehlungen zu geben: Das macht den Reiz eines cleveren Telematiksystems aus.“

Smartphone-Apps
Im Zeitalter der Digitalisierung stellt sich beim Thema Telematik auch die Frage nach mobilen Applikationen. Dabei können Smartphone-Apps gerade für Poolfahrzeuge und Corporate-Carsharing-Systeme einen echten Mehrwert bieten, wie zum Beispiel für die Buchung der Fahrzeuge oder im Bereich der schlüssellosen Fahrzeugöffnung, sagt Manuel Schrenk, Head of Productmanagement bei der Carano Software Solutions GmbH. „Für den klassischen Dienstwagenfahrer bietet eine App die Möglichkeit, wichtige Informationen zum Dienstwagen ortsunabhängig und ohne Computerzugang bereitzustellen beziehungsweise zu erhalten, wie beispielsweise anstehende Termine und Informationen zu einem Schaden am Fahrzeug“, so Schrenk weiter. Maria Johanning, Geschäftsführerin der Ctrack Deutschland GmbH, sieht den schnellen Zugriff per Smartphone als eine wichtige Unterstützung im Tagesgeschäft und ein entscheidendes Element bei der Digitalisierung des Fuhrparks an. Sich unterwegs einen Überblick über den Standort der Fahrzeuge zu verschaffen oder das Fahrtenbuch elektronisch zu führen, spare Zeit und Schreibarbeit, so Johanning. Für Ulric Rechtsteiner, Geschäftsführer der AREALCONTROL GmbH, sind Apps im Telematikbereich allerdings nur eine Ergänzung – ob für das Fahrpersonal oder Führungsfunktionen.

Datenschutz
Im Bereich der Telematik ist das Thema Datenschutz logischerweise allgegenwärtig – denn hier fallen wohl die meisten Daten im Fuhrpark an. Mit besonderer Spannung wurde daher auch die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erwartet, die vor etwas mehr als einem Jahr in Kraft trat. Die einzelnen Telematikanbieter haben hierzu sehr unterschiedliche Ansichten. Thomas Gräbner, Leiter Vertrieb und Gesellschafter der YellowFox GmbH, sagt: „Die aktuell sehr allgemeinen Datenschutzregelungen ohne jeglichen praktischen Bezug zum unternehmerischen Umfeld führen zu großer Verunsicherung. Ein Großteil der Beteiligten glänzt mit ‚Halbwissen‘ und selbst absolut nachvollziehbare Einsatzbereiche des Mittelstandes für Telematik werden durch realitätsfremde und überzogene Urteile der Justiz torpediert. Hier muss ein vernünftiger Kompromiss, welcher die Interessen ALLER Gruppen berücksichtigt, erzielt werden.“ Alexander Wöllner, Gesellschafter und Geschäftsführer der HipSquare GmbH, sieht durch die DSGVO vor allem zusätzlichen Aufwand in vielen Bereichen. „Auf der einen Seite gibt es bestimmte Regeln, die in den IT-Systemen reflektiert werden müssen, auf der anderen Seite auch einen zusätzlichen administrativen Aufwand für die Unternehmen, aber auch für die Kunden. So müssen beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen Zusatzvereinbarungen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern getroffen werden.“

Gelassener wird das Ganze von Niels Krüger, Geschäftsführer der TCS – Technology Content Services GmbH, angegangen: „Aus unserer Sicht sind hier die Spielregeln klar, die Nutzung muss den gesetzlichen Anforderungen genügen – was aber auch durch die neue Grundverordnung kein Problem darstellt.“ Frank Schreiner, CEO von der TrackJack Deutschland GmbH, stößt in das gleiche Horn: „Aus unserer Sicht hat die DSGVO keinen Einfluss auf die Nutzung von Telematikdiensten; auch zuvor gab es die Verpflichtung, Fahrer auf den Einsatz von Telematiksystemen hinzuweisen und die Zustimmung dazu einzuholen.“

Ausblick
Wie schon eingangs erwähnt, schreitet die Technik schnell voran und wird den Telematikbereich in den nächsten Jahren zumindest ein Stück weit revolutionieren. Hinzu kommen anderweitige Veränderungen im Markt. Can Oektem, Sales Manager DACH von der Fleetize GmbH, geht davon aus, dass „bei der steigenden Anzahl an alternativen Antriebstechnologien vermutlich Ladeauslastungen von zum Beispiel E-Tankstellen steigen werden und Ladezustände der Fahrzeuge immer relevanter und stark mit dem Fuhrparkmanagementsystem wie auch den Buchungstools vernetzt werden müssen“. Künstliche Intelligenz helfe hier, die Kosten niedrig zu halten und eine effiziente Auslastung zu gewährleisten.

Deutschland wird indes kein gutes Zeugnis hinsichtlich der Telematik und ihrer Marktdurchdringung ausgestellt. Ulric Rechtsteiner von AREALCONTROL sagt: „Deutschland ist – wie oft bei technischen Neuerungen – weit hinter europäischen Nachbarländern zurück, schätzungsweise zwei bis drei Jahre.“ Inzwischen begriffen viele Unternehmensführungen die Vorteile und würden gerne in die Telematik einsteigen. Aber der Markt sei unübersichtlich und die Orientierung für Neueinsteiger schwer, so Rechtsteiner weiter.

Unsere tabellarische Übersicht soll hier Abhilfe verschaffen.