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Flottenmanagement: Seit etwa eineinhalb Jahren haben Sie, Herr Raschig, die Position des Geschäftsführers inne. Wie haben Sie die Marke vorgefunden und wie wollen Sie sie in Deutschland voranbringen?

Steffen Raschig: Als ich im November 2017 zu Peugeot kam, habe ich eine sehr vitale Marke kennengelernt, die extrem überrascht. Mit der Verantwortung, die ich für Peugeot übernommen habe, war es mir sehr wichtig, die Marke genau wahrzunehmen und zu entdecken. Dabei habe ich viele schöne Überraschungsmomente erlebt. Peugeot hat in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung vollzogen, insbesondere im Hinblick auf die Produkte, die mit Sicherheit, Komfort und hohem Qualitätsanspruch punkten. Eine meiner Herausforderungen besteht vor allem darin, die Produktbekanntheit weiter voranzutreiben, denn gerade die neueren Modelle 3008 und 5008 werden noch nicht so bewusst als SUV der Marke Peugeot wahrgenommen.

Flottenmanagement: Was schätzen Ihre Kunden an der Marke und womit gewinnen Sie Neukunden?

Steffen Raschig: Wir legen sehr viel Wert darauf, in der Nähe des Kunden zu sein. An 635 Standorten in Deutschland weht eine Peugeot- Fahne, hier halten wir unser Dienstleistungs- und Qualitätsversprechen, indem wir für den Kunden da sind und verlässlich sowie schnell für seine Mobilität sorgen. Genau dieses „Worthalten“ schätzen unsere Kunden und spiegeln dies durch Markentreue wider. Aus Interviews wissen wir, dass Fahrer der neueren Modelle wie 3008 und 508 Peugeot positiv und von überdurchschnittlicher Qualität wahrnehmen. Das spricht sich rum und davon profitieren wir bei der Neukundengewinnung. Attraktive Produkte, die gefallen, wecken Begehrlichkeit, und wenn das Produkt seine Erwartungen erfüllt, dann zeigt sich das im Verkaufserfolg. Zu den Erwartungen eines Flottenkunden gehören insbesondere Lösungen für das Hier und Jetzt und die können wir ihm bieten, weil wir ihm genau zuhören und verstehen, was er braucht.

Mathias Kalkbrenner: Das Angebot bei Peugeot auch über das Produkt Auto hinaus spielt ebenfalls eine Rolle. Sämtliche Dienstleistungen rund um die Mobilität wie Finanzierung, Fuhrparkmanagement oder Konnektivität kann der Fuhrparkkunde bei uns erhalten. Wenn er sich für Peugeot entscheidet, setzt er bereits voraus, dass wir ihm Lösungen für seinen Bedarf auch in Zukunft bieten können, selbst wenn er heute noch nicht so genau weiß, was das dann sein könnte. Darauf zahlen wir ein mit dem, was wir heute tun. Dadurch, dass wir in die Groupe PSA eingebunden sind, profitieren wir von den Investitionen, die dort – auch für Innovationen – getätigt werden. Beispielsweise sieht die Push-to-Pass-Strategie des Konzerns vor, bis 2025 jede Modellreihe zu elektrifizieren.

Flottenmanagement: Wo positioniert sich Peugeot als Importeur im deutschen Flottengeschäft? Und mit welchen Alleinstellungsmerkmalen wollen Sie sich von den drei anderen Konzernmarken absetzen?

Steffen Raschig: Wir bieten mit all unseren Modellen vom Kleinwagen bis zum Großraumtransporter eine sehr gute Qualität und können Pakete mit viel Ausstattung zu einem guten Preis schnüren. Unsere Zielgruppe ist die obere Mittelklasse, die Wert auf Qualität legt und bereit ist, dafür auch etwas auszugeben. Zudem möchten wir unbedingt Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in der Fahrzeugausstattung und -technologie vereinbaren. Ein Beispiel dafür ist „Night-Vision“, eine Art Nachtsichtgerät, das mit Infrarotsensoren funktioniert und in der Dunkelheit den Fahrer bei der Erkennung von Lebewesen im Straßenverkehr unterstützt. Wir bringen diese Ausstattung in die Mittelklasse zu einem bezahlbaren Preis, weil wir sie einer breiteren Masse zugänglich machen wollen. Mit dem i-Cockpit haben wir etwas geschaffen, das mittlerweile eng mit Peugeot verknüpft ist. Das kleinere Lenkrad ist sehr ergonomisch, auch die zurückversetzte Lage des Kombiinstruments ermöglicht einen komfortableren und gleichsam sicheren Blick auf die Anzeigen, ohne die Aufmerksamkeit vom Straßenverkehr zu nehmen. Unsere Herausforderung besteht darin, die Kunden dazu zu bringen, sich auf etwas Neues einzulassen. Wenn wir das schaffen, können wir sie nicht nur überraschen, sondern sie tatsächlich auch von unseren Produkten überzeugen.

Jede Marke hat im Konzern ihren Platz: Peugeot positioniert sich als französische Marke in Deutschland im oberen Bereich des Volumen- Segments und tritt als Vollsortimenter mit hochwertiger Ausstattung auf. Wir wollen uns aber klar von den avantgardistischen Einflüssen, mit denen DS antritt, abgrenzen. Ebenso sprechen wir eine andere Käuferschicht als die Marke Citroën an, die ein jugendlicheres Publikum im Visier hat. Opel hingegen gilt als die deutsche Marke. Dass wir nicht im eigenen Konzern kannibalisieren, können wir anhand von Käuferströmen verifizieren.

Flottenmanagement: Als Top-Seller im Pkw-Geschäft agieren seit Jahren der 308 und 208. Was macht den Erfolg dieser Modelle aus? Wie halten Sie sie jung, attraktiv und konkurrenzfähig?

Mathias Kalkbrenner: Von unserem Bestseller 308 verkaufen wir im Jahr mehr als 12.000 Einheiten. Der Erfolg des Modells begründet sich dabei in mehreren Faktoren: Zum einen modernisieren wir es konstant, das heißt, vor zwei Jahren hat es ein Facelift erhalten, ebenso neue Technologien wie Motoren nach der Euro-6d-temp-Norm, weitere Assistenzsysteme et cetera. Damit können wir eine Alternative im C-Segment schaffen, auch aufgrund der Diesel-Diskussionen der letzten Monate, denn wir garantieren, dass unsere Motoren die geltenden Schadstoffgrenzwerte einhalten. Ende des Jahres kommt der 208 als komplett neue Generation. Spannende Innovationen werden dann der Elektromotor sein sowie ein neu entwickeltes 3-D-i-Cockpit und weitere Ausstattungen aus höheren Klassen. Wir wollen immer ein Stück weit der Zeit voraus sein. Eine der Herausforderungen dabei ist, unsere bestehende Klientel zu halten, aber auch eine neue, urban fokussierte Zielgruppe hinzuzugewinnen.

Flottenmanagement: Mit welchen Modellen können Sie zudem im Flottengeschäft punkten? Welche Rolle spielen spezielle Business-Ausstattungslinien?

Steffen Raschig: So wie der Markt SUV nachfragt, bedienen wir auch diese Bedürfnisse und sind präsent mit dem 2008, 3008 und dem 5008. Zwar ist das deutsche Flottengeschäft nach wie vor ein starker Abnehmer von Kombimodellen, aber der Trend geht dahin, dass diejenigen, die vorher Kombi gefahren sind, nun ein SUV wählen. Dem Wunsch nach einer bequemen Sitzposition, insbesondere bei der älteren Generation, kommt ein solches Fahrzeugkonzept nach. Unsere Kombivarianten des 308 und 508 werden bevorzugt gegenüber der Limousine gewählt. Die Business- Ausstattungslinien beim 308 SW, 508 SW, 3008 und 5008 tragen dem Bedürfnis des Kunden Rechnung, sämtliche beliebte Komfort- und Sicherheitsausstattungen in einem günstigen Paketpreis erhalten zu können, der sich positiv auf die Ein-Prozent-Versteuerung des Brutto-Listenpreises auswirkt. Wir richten uns nach dem, was der Kunde nachfragt, und sehen hier auch eine Chance für uns als Importeur, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Denn wir können mehr Ausstattung zum gleichen Preis unterbringen als beispielsweise ein deutscher Mitbewerber.

Flottenmanagement: Wohin geht der Trend im Flottengeschäft, sowohl bei den Modellen als auch den Motorisierungen?

Mathias Kalkbrenner: Im Flottenbereich ist der Diesel nach wie vor die beliebteste Motorisierung. Wir erleben nur leichte Schwankungen der Verkaufszahlen, denn unsere Kunden können darauf vertrauen, dass unsere Motoren alle Schadstoffnormen erfüllen. Ab sofort liefern wir übrigens auch alle Nutzfahrzeugmodelle mit den Euro-6d-temp-Motoren aus. Was für gewerbliche Kunden vor allem zählt, ist die Wirtschaftlichkeit der Antriebsvariante, deshalb investieren wir nach wie vor in diese Technologie. Und mit über 40 Prozent Dieselverkäufen liegen wir über dem Durchschnitt von 37 Prozent Anteil an den Gesamtverkaufszahlen.

Steffen Raschig: Aktuell wird es durch politische Maßnahmen (Halbierung der Versteuerung) zu einer Belebung des Absatzes von Elektro- und Hybridfahrzeugen kommen, aber ob sich dadurch der Zweck der Umweltentlastung erfüllt, muss sich noch zeigen. Insbesondere die Unternehmen sind gefragt, Regelungen über ihre Dienstwagenrichtlinien zu finden, die eine zweckfremde und damit auch teurere Verwendung unterbinden. Alle Konzepte haben ihre Berechtigung, deshalb haben wir bewusst entschieden, für den 208 eine vollelektrische Lösung, die im Regionalverkehr ihre Wirkung entfaltet, und für Langstreckenmodelle wie den 3008 oder 508 die Hybridlösung zu wählen.

Flottenmanagement: Das Fahrzeug wird noch attraktiver in einem gut geschnürten Gesamtpaket mit Finanzprodukten und Full-Service-Dienstleistungen. Welchen Anteil leistet dabei die Business Unit der Groupe PSA und Banque PSA Free- 2Move (Lease)?

Mathias Kalkbrenner: Free2Move Lease bedient gewerbliche Kunden mit Full-Service-Leasing und Fuhrparkmanagement und ist damit mehr als nur eine Leasinggesellschaft, sondern ein Mobilitätsanbieter. Wir haben Produkte für jede Flottengröße im Portfolio, auch wenn der Großteil der Kunden aus dem Kleinflottensegment stammt. Mit Free2Move Connect und den einzelnen Modulen aus dem Bereich Reporting, Eco-Driving und Telematik können wir gerade diese Fuhrparkmanager stark entlasten, denn wir bieten eine Lösung aus einer Hand, die sich unter anderem leicht über eine App auf dem Handy bedienen lässt. Hierüber hat der Verwalter alle Fahrzeuge samt Kosten im Blick und kann die Prozesse so steuern, dass er nachweislich Kosten spart. Bei Fahrzeugen des PSA-Konzerns ist die Connect-Box ab Werk eingebaut, sie lässt sich aber bei allen anderen Marken leicht nachrüsten. Dieses Flottenmanagementangebot verschafft uns Zugang zu sämtlichen Ausschreibungen, die insbesondere von größeren Flotten getätigt werden. Für Datenschutz ist selbstverständlich vollumfänglich gemäß der Rechtsprechung gesorgt, die Übermittlung personenbezogener Daten kann deaktiviert werden.

Flottenmanagement: Eine Säule des Erfolgs von Peugeot ist das Nutzfahrzeuggeschäft. Wie strukturieren Sie dies, um die individuellen Bedürfnisse von Handwerkern genau zu treffen und bedienen zu können?

Steffen Raschig: Für unsere drei leichten Nutzfahrzeuge halten wir die gängigen Branchenlösungen für unterschiedliche Gewerke in verschiedenen Ausführungen bereit. In weiteren Kategorien sind wir zudem präsent, beispielsweise Thermoaufbauten, Kipper oder Kofferausbauten. Etwa 50 Prozent der Ausbauten verkaufen wir als Werkslösungen im Einrechnungsgeschäft. Eine gute Zusammenarbeit mit den namhaften Ausbauern wie Bott, die auch individuelle Lösungen bereitstellen können, ergänzt das Angebot. Wesentlich für Peugeot ist, dass sowohl das Pkw- als auch das Nutzfahrzeuggeschäft bei jedem Händler zu Hause ist. An 80 Standorten haben wir zusätzlich Peugeot Professional Center mit besonderer Gewerbekundenfokussierung eingerichtet, beispielsweise mit verlängerten Öffnungszeiten und speziell geschulten Beratern.

Flottenmanagement: Das Händlernetz ist eine wichtige Schnittstelle in der Kundenbindung und im Informationsfluss. Wie verändert sich das Geschäft durch die Digitalisierung, welche Services vor Ort bleiben nach wie vor wichtig für Flotten? Mit welchen Aktionen steigert Peugeot die Attraktivität insbesondere bei gewerblichen Nutzern?

Steffen Raschig: Wir erleben, dass heute viel weniger telefoniert wird als früher, beispielsweise, wenn es um Werkstatttermine geht. Das erledigen viele Kunden lieber per WhatsApp oder online. Unsere Händler bieten mittlerweile Plattformen an, über die Service gebucht werden kann. So werden personelle Kapazitäten für andere Aufgaben am Standort frei. Im Gewerbekundenbereich insbesondere bei den Nutzfahrzeugen geht es aber noch eine Spur konventioneller zu, hier greifen die Kunden eher zum Telefon, weil sie möglicherweise ein Problem haben, das sich besser persönlich lösen lässt. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen den Ansprechpartner an die Hand geben, der immer für sie da ist. Aber über allem müssen wir uns darauf einstellen, so mit dem Kunden zu kommunizieren, wie er es bevorzugt, nämlich zunehmend digital.

Mathias Kalkbrenner: Spezielle Aktionen sind sehr wichtig in unserem Bereich. Zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst, veranstalten wir die Peugeot- Businesswochen. Dann bewerben wir verstärkt für eine Reihe von Modellen unsere sehr guten Angebote in Bezug auf Ausstattung und Full-Service-Dienstleistungspakete. Attraktive Angebote individuell auf den Kunden zugeschnitten bieten wir aber das ganze Jahr über an.

Flottenmanagement: Wenn dem Auto in Zukunft weniger Bedeutung als Besitz, sondern mehr als Mobilitätsmittel zukommt, wie rüstet sich die Groupe PSA für diesen Wandel? Welche ganzheitlichen Mobilitätskonzepte können Sie schon jetzt anbieten?

Mathias Kalkbrenner: Der Trend geht stark in Richtung flexibles Leasing. Wenn wir mehr und mehr Elektromodelle im Portfolio haben, müssen wir dafür sorgen, dass die Kunden für andere Nutzungszwecke unkompliziert auf andere Modelle mit Verbrenner oder Hybride zurückgreifen können. Wer beispielsweise wochentags den e-208 fährt, braucht für längere Strecken möglicherweise ein größeres Fahrzeug. Neue Flexi-Lease-Angebote sollen dies ermöglichen. Mit dem Launch der neuen Antriebe werden wir für solche Konstellationen Lösungen anbieten. Dank Free2Move verfügen wir über die Infrastruktur, schnell mit passenden Angeboten reagieren zu können.

Steffen Raschig: Ich glaube, dass das Auto an sich nicht so schnell seinen Status verlieren wird. Meiner Meinung nach wird sich die Gesellschaft teilen: Die einen, die sagen, ich brauche Mobilität, egal von welcher Marke das Auto ist. Die anderen benötigen ein eigenes Auto mit einer bestimmten Ausstattung, das jederzeit verfügbar sein soll. Unsere Maßgabe wiederum lautet: Wir möchten all unseren Kunden das bieten, was sie wünschen und brauchen. Und für diese Mobilitätswünsche und -bedürfnisse wollen wir Lösungen bieten. Aber über allem mit absoluter Wichtigkeit steht für uns als Automobilhersteller das Fahrzeug.

Flottenmanagement: Zur neuen Mobilität gehört auch das autonome Fahren. Wie ist der Stand der Entwicklung bei Peugeot?

Steffen Raschig: Jeder, der viel fährt und Assistenzsysteme nutzt, weiß, dass wir heute technologisch bereits viele Komponenten wie Hard- und Software, Kameras, Sensoren, Infrarot oder Systeme haben, die man braucht, um autonom fahren zu können. In verschiedenen Bereichen wie im Flugverkehr, in geschlossenen Werksverkehren und in der Landwirtschaft funktioniert vieles schon autonom. Wir stoßen derzeit gesellschaftlich, ethisch und rechtlich an Grenzen, es tatsächlich zu tun, und haben noch viel Klärungsbedarf. Es hängt hier wieder viel davon ab, was der Verbraucher zulässt. Und wenn alles geregelt ist, kann die Groupe PSA und auch die Marke Peugeot sofort das autonome Fahren umsetzen.

Flottenmanagement: Auf welche Neuerungen kann sich der deutsche Flottenkunde in den nächsten Monaten freuen?

Steffen Raschig: Der Aufbruch ins Elektrozeitalter prägt die Entwicklung bei Peugeot. Mit dem e-208 wollen wir die E-Mobilität in die Breite bringen. Auch die Ergänzung der Modelle 3008 und 508 um Plug-in-Hybride sind wichtige und spannende Neuerungen. Auch vor dem Nutzfahrzeugbereich machen wir nicht Halt: Auf der Birmingham Motorshow ist das Konzept für die Elektrifizierung des Boxers vorgestellt worden. Und es werden noch viele weitere elektrifizierte Modelle folgen.