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Flottenmanagement: Herr Meyer, seit nunmehr einem Jahr bekleiden Sie die Position des Geschäftsführers bei LeasePlan Deutschland. Mit welchen Erwartungen beziehungsweise Vorstellungen haben Sie die Position angetreten?

Roland Meyer: Ich bin als Commercial Director im Januar 2018 angetreten, um das Geschäft mit Kleinkunden voranzubringen und um das Geschäft mit Großkunden neu zu ordnen. Somit war ich damit betraut, eine neue Sales-Struktur einzuführen, um uns auf die Veränderungen am Markt vorzubereiten. Dann wurde ich gefragt, mit Wirkung zum 1. Mai die Geschäftsführung zu übernehmen, um LeasePlan in Deutschland nachhaltig für die Zukunft auszurichten. Wenn Sie LeasePlan von früher mit heute vergleichen, wird Ihnen auffallen, dass wir an sehr vielen Stellschrauben gedreht haben – intern und extern. Dabei war es mir persönlich sehr wichtig, die Mitarbeiter auf diese Reise mitzunehmen. Diesen Prozess der Veränderung werden wir jedoch wohl nie ganz abschließen, da die Vielzahl an Einflüssen, die auf unsere Branche einwirken, uns jeden Tag dazu bewegt, uns neu zu erfinden.

Flottenmanagement: Der Automobilbereich sieht sich in den letzten Monaten vielen Herausforderungen gegenübergestellt. Wie sehen Sie sich für die aktuellen Herausforderungen wie Dieselfahrverbote, steigenden Kostendruck oder flexiblere Mobilitätsanforderungen gerüstet?

Roland Meyer: Was mir bei den Diskussionen um Dieselfahrverbote und Antriebsarten im Allgemeinen etwas zu weit geht, ist das doch sehr einseitige Denken, denn der Diesel ist per se nicht schlecht und Elektromobilität wird auch nicht das Allheilmittel sein. Hingegen sehe ich, wenn ich unterwegs bin, dass im Großteil der Autos nur eine Person sitzt und im gleichen Moment der öffentliche Personennahverkehr relativ leer an uns vorbeifährt. Dieses Mobilitätsverhalten führt meiner Meinung nach dazu, dass die Straßen gerade hier in Düsseldorf verstopft sind und man am Ende zu Fuß genauso lange braucht wie mit dem Auto. Daher bringt uns die Diskussion über die Antriebsarten in dieser Form nicht voran. Vielmehr müssen wir es schaffen, unser Mobilitätsverhalten zu ändern, denn nur so werden wir es schaffen, den Verkehr zu reduzieren und auch den Schadstoffausstoß in den Griff zu bekommen. An diesem Punkt sehe ich uns als Leasingunternehmen und Mobilitätsanbieter auch in der Position, bei diesem Umdenken mitzuhelfen und es mitzugestalten. Jedoch bin ich mir bewusst, dass dieser Prozess auch bei unseren eigenen Fahrern noch nicht abgeschlossen ist, und sehe unser Umgehen mit den Veränderungen daher auch als eine Art Pilotprojekt. Die damit verbundenen Erfahrungen können wir dann an unsere Kunden weitergeben. Und am Ende ist es auch so: Je einfacher ein Wandel gestaltet ist, desto schneller kann er auch vollzogen werden.

Flottenmanagement: Verfolgt man die Modellankündigungen der Hersteller seit geraumer Zeit etwas genauer, sind drei Megatrends zu entdecken: autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektromobilität. Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Mobilitätsgewohnheiten in der nächsten Dekade verändern?

Roland Meyer: Wir hatten ja bereits kurz die Änderungen in den Mobilitätsgewohnheiten angesprochen, daher würde ich zunächst einmal mit dem Bereich des autonomen Fahrens beginnen. Hier wird meiner Einschätzung nach auch mittelfristig noch kein Durchbruch gelingen. Vielmehr wird die Zahl der Assistenzsysteme, die in bestimmten Situationen das Steuer übernehmen und das Fahren sicherer machen, weiter zunehmen. Dass ein Fahrzeug hingegen autonom beispielsweise den Düsseldorfer Verkehr bewältigt, übertrifft meine Vorstellungskraft und wird so auch kurz- beziehungsweise mittelfristig aus meiner Sicht noch nicht kommen.

Beim Thema Elektromobilität bin ich der Meinung, dass sich diese in den nächsten fünf Jahren sprunghaft weiterentwickeln wird, da viele neue Anbieter auf den Markt kommen, aber auch das Angebot der etablierten Hersteller stetig wächst. Für den großen Durchbruch muss jedoch auch ein Umdenken geschehen, denn in vielen Köpfen herrscht Reichweitenangst. Hier hilft es den Menschen, Elektromobilität erlebbar zu machen, wie beispielsweise in Form einer Langzeitmiete. Ebenso müssen wir uns um das Thema Infrastruktur im Zuge der Kundenberatung kümmern: Ist eine eigene Wallbox nötig oder reicht die Ladeinfrastruktur in der Umgebung? Hier haben wir eine einfache Formel herausgegeben, die besagt: Wenn die allgemeine Infrastruktur so gut ausgebaut ist, dass man auch bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor keinen Kanister in der Garage stehen hat, dann braucht man auch keine Wallbox zu Hause für ein Elektrofahrzeug mit einer Reichenweite über 300 Kilometer. Bei einem Plug-in-Hybrid empfehlen wir hingegen eine Wallbox, da die Fahrzeuge nur dann effizient genutzt werden können, wenn der Pendelverkehr annähernd elektrisch erfolgt und aufgrund der begrenzten rein elektrischen Reichweite ist in diesen Fällen eine eigene Wallbox empfehlenswert.

Der dritte genannte Megatrend – die Digitalisierung – hat bei uns eine Priorität, die weit über die IT-Abteilung hinausgeht. Wir können und wir sind dabei, die aktuellen Prozesse zu digitalisieren. Wenn wir dabei nicht auch das Momentum nutzen, die aktuellen Prozesse zu hinterfragen und mutig umzubauen, wird das nicht unbedingt bedeuten, dass der digitale Dienst schneller wird. Um wirklich Wirkung zu zeigen, ist der nächste Schritt beispielsweise die Umwandlung von Fahrzeugwartung und -inspektion in einen digitalen Use-Case. Beispielsweise könnten wir mit einer App den Fahrer darüber informieren, dass der Service fällig ist, bevor er im Fahrzeug angezeigt wird, und gleichzeitig die Terminierung starten. Die gleiche App kann uns Ladesäulen anzeigen und nach Preis sortiert priorisieren. Die hinterlegte digitale Tank- und Ladekarte vereinfacht die Administration wesentlich.

Flottenmanagement: LeasePlan hat sich als Gründungsmitglied der Initiative EV100 der Climate Group verpflichtet, alle Firmenfahrzeuge im Unternehmen bis 2021 ausschließlich elektrisch zu betreiben. Welche Investitionen sind hierfür am Standort in Düsseldorf notwendig? Wie beeinflusst dies aber auch die Arbeit Ihrer Außendienstmitarbeiter?

Roland Meyer: Im Moment verfügen wir an unserem Standort über sechs Ladesäulen. Diese Ladeinfrastruktur wird aber in den nächsten Monaten auf 28 Ladeplätze erweitert. Da die Infrastruktur des Hauses aber nicht auf Elektromobilität ausgerichtet ist, haben wir mit einem Anbieter zwei Konzepte entwickelt, damit die 28 Ladeplätze durch ein intelligentes Lastmanagement ohne einen zusätzlichen kostspieligen Trafo realisiert werden können. Ein Konzept sieht eine Mischung von Ladeplätzen mit Schnellladestationen und normalen Ladestationen vor, an denen der Mitarbeiter beziehungsweise Besucher das Elektrofahrzeug abhängig von der Zeit, die er hier verbringt, schnell oder langsam laden kann. Beim zweiten Konzept wird das Lastmanagement automatisiert: Der Nutzer fährt beispielsweise an die Ladesäule Nummer drei und gibt an einem Bildschirm an, an welcher Ladestation das Elektrofahrzeug steht und die Länge des Aufenthaltes. Dann steuert das Lastmanagement intelligent die Ladeleistung und das Fahrzeug ist zum angegebenen Zeitpunkt aufgeladen. Die Umsetzung ist für uns ein Pilotprojekt und die daraus gewonnenen Erfahrungen können wir dann natürlich – wie eben bereits angesprochen – auf unsere Kunden übertragen. Denn eine Gebäudeinfrastruktur, die nicht auf Elektromobilität ausgerichtet ist, ist kein Einzelfall.

Im Außendienst ist bis heute nicht gesagt, dass wir diesen Umschwung bis 2021 schaffen können. Zum einen liegt dies am Modellangebot und der öffentlichen Ladeinfrastruktur, aber zum anderen hat dies auch wieder etwas mit einem Umdenken zu tun. Denn gerade im Außendienst sind es Fahrer gewöhnt, lange Strecken am Stück zurückzulegen. Eine Pause nach beispielsweise 300 Kilometern, die genutzt werden kann, um das Fahrzeug zu laden, aber im gleichen Moment auch dafür sorgt, dass der Mitarbeiter entspannter weiterfahren kann, kommt uns noch sehr fremd vor.

Flottenmanagement: Neben der Umstellung Ihres eigenen Fuhrparks auf den rein elektrischen Betrieb wollen Sie Ihren Kunden auch helfen, die E-Mobilität in Form einer Langzeitmiete auszuprobieren. Was beinhaltet Ihr Angebot? Und wie sind die ersten Erfahrungen?

Roland Meyer: Die Langzeitmiete von E-Autos beinhaltet neben dem Fahrzeug auch den Ladechip. Damit muss sich der Kunde im Grunde genommen um nichts kümmern: Er kann ein Elektrofahrzeug fahren und muss nur die monatliche Miete zahlen und das Stromtanken.

Wie auch im Fahrzeugleasing freuen wir uns über die hohe Nachfrage aufgrund der Versteuerungsmodalitäten. Denn wir haben eine Menge Elektrofahrzeuge auf eigenes Risiko gekauft und lagen damit goldrichtig, denn nun sind auch die Nachfrage und die Verfügbarkeit da. Gleichermaßen ist die Langzeitmiete von E-Autos auch so erfolgreich, da sie oft auch genutzt wird, um mit der Elektromobilität erste Erfahrungen zu sammeln. Sprich, für den Kunden bildet sie die Grundlage dafür, ob der nächste Dienstwagen ein Elektrofahrzeug wird oder nicht.

Flottenmanagement: Auch in puncto Digitalisierung ist LeasePlan mit der Kooperation mit LeasingMarkt.de neue Wege gegangen. Was waren die Beweggründe für die Bündelung des Know-hows? Welcher Stellenwert kommt dem Onlinevertrieb aktuell bei Ihnen zu?

Roland Meyer: LeasingMarkt.de unterstützt unser „Click & Drive“-Leasingangebot, bei dem der Kunde einfach über unseren Webshop schnell und unkompliziert verfügbare Fahrzeuge leasen kann. Diese Fahrzeuge sind teilweise vorkonfiguriert und dadurch kurzfristig verfügbar. Der Prozess ist zum größten Teil digital. Dies kommt bei unseren Kunden sehr gut an.

Flottenmanagement: Neben den vielen äußeren Einflüssen, die derzeit auf die Leasingbranche einwirken, haben Sie sich zusätzlich für einen Umzug Ihrer Hauptverwaltung von Neuss nach Düsseldorf entschieden. Welche Vorteile bietet Ihnen die neue Zentrale? Und wie kommt dies Ihnen in der durch Digitalisierung veränderten Arbeitswelt zugute?

Roland Meyer: Wir haben aus unserem Umzug ein wirkliches Projekt gemacht, denn neben dem Umzug hat sich auch einiges bei unseren Arbeitsbedingungen verändert. So haben wir vorher mit zwei oder drei Personen in einem Büro gesessen – heute sitzen wir alle zusammen in Großraumbüros. Durch die Großraumbüros ist die Kommunikationsbasis nun breiter geworden, wir sehen uns häufiger und bekommen viel einfacher etwas von der Stimmung mit. Gleichermaßen ist auch die Zahl der Meetings geringer, da wir insgesamt viele Abstimmungen einfach im Tagesgeschäft erledigen können. Zum offenen Konzept ergänzend bieten wir auch zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten an, wo die Kollegen ungestört arbeiten, telefonieren oder Meetings abhalten können.

Daneben haben wir aber auch alle Voraussetzungen geschaffen, dass wir von überall arbeiten können. Das heißt, wenn ein Kollege dem morgendlichen Verkehr aus dem Weg gehen will, fängt er einfach an, von zu Hause aus zu arbeiten, und kommt später ins Büro. Dies geht sogar so weit, dass selbst das Callcenter nicht an einen Ort gebunden ist. Auch hinsichtlich der Infrastruktur haben wir viele Schritte nach vorn gemacht: So bieten wir flächendeckend WLAN an. Das heißt, wenn schönes Wetter nach draußen lockt, kann selbst dort noch weitergearbeitet werden. Ich denke, das ist genau der richtige Weg, denn nur in einer Arbeitsumgebung, in der die Menschen Spaß haben, können sie noch produktiver sein.

Flottenmanagement: Nicht zuletzt verfügt ein Leasingunternehmen über eine Vielzahl hochwertiger junger Gebrauchtwagen. Was verbirgt sich hinter der Marke CarNext.com? Und wie können Interessenten hiervon profitieren?

Roland Meyer: Was wir mit CarNext geschaffen haben, ist ein einheitlicher europäischer Auftritt für den Gebrauchtwagenverkauf. Das heißt, die 250.000 Gebrauchtwagen, die LeasePlan jedes Jahr verkauft, werden nun über Stores verkauft, die nicht nur den gleichen Auftritt haben, sondern auch die gleichen Versprechen geben wie ein 14-Tage- Rückgaberecht und eine gepflegte Fahrzeughistorie. Damit haben wir natürlich ein Angebot geschaffen, das optimal für den Privatmarkt geeignet ist.