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„Die Auswahl ist in allen Segmenten deutlich größer geworden“, so Nicolai Müller, Seniorpartner von McKinsey, über die Entwicklung auf dem E-Fahrzeugmarkt. Eine Vielzahl an E-Transportermodellen ist mittlerweile verfügbar, einige weitere folgen in Kürze (siehe Tabelle). Doch führt eine größere Auswahl auch automatisch zu einer erhöhten Nachfrage? Oder muss finanziell vonseiten des Staates noch weiter (über die Umweltprämie hinaus) subventioniert werden?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte im vergangenen Jahr gegenüber der Rheinischen Post, dass insbesondere beim Lieferverkehr die Strecken meist kurz und gut planbar seien und die Autos nachts aufladen könnten. „Darum setze ich mich dafür ein, dass der bisherige Zuschuss von 4.000 Euro für kleine E-Lieferwagen deutlich erhöht wird. 7.000 Euro wäre eine Größenordnung, ab der sich die Flottenumstellung für viele Logistiker und auch Handwerker lohnt“, so die Ministerin im letzten Frühjahr.

Erstes Bundesland reagiert
Nordrhein-Westfalen hat jetzt als erstes Bundesland das Fördervolumen für E-Fahrzeuge erhöht. Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister NRW, sagt: „Neben der Energiewirtschaft muss auch der Sektor Mobilität einen Beitrag zur Treibhausgasminderung leisten, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen. Deshalb wollen wir Gewerbetreibende für einen Umstieg auf elektrische Antriebe gewinnen. Ganz gleich ob kleiner Handwerksbetrieb, Liefer- oder Pflegedienst oder großer Flottenbetreiber: Alle können das neue Angebot nutzen und unser Land zum Vorreiter einer emissionsarmen und innovativen Mobilität machen.“ Mit den Förderungen bietet Nordrhein- Westfalen ein umfassendes Gesamtpaket zum Einstieg in die Elektromobilität, das von der Beratung über die Anschaffung und Finanzierung von Fahrzeugen bis hin zum Aufbau der Ladeinfrastruktur reicht. „Dafür haben wir das Fördervolumen auf 40 Millionen Euro im Jahr 2019 verdoppelt,“ so Pinkwart.

Nordrhein-westfälische Unternehmen erhalten im Rahmen des Programms „Emissionsarme Mobilität“ seit dem 4. Februar 2019 vom Land 8.000 Euro beim Kauf von E-Nutzfahrzeugen von 2,3 bis 7,5 Tonnen. Wer einen E-Transporter bis 4,25 Tonnen erwirbt, kann zusammen mit dem Umweltbonus des Bundes sogar Fördergelder in Höhe von 12.000 Euro beantragen.

Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK NRW, sieht das neue Förderprogramm als positiven Schritt. Es helfe insbesondere den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die jetzt in ihren Fuhrpark investieren müssen, bei der Entscheidung. „Vor dem Hintergrund der drohenden Dieselfahrverbote und der Klimaschutzziele denken viele Unternehmen vor allem im innerstädtischen Bereich über die Nutzung der E-Mobilität nach. Noch fehlt es aber in den Unternehmen häufig am Know-how zu der neuen Technologie. Die Unternehmen müssen erst noch Erfahrungen sammeln, um ihre Mobilitätsanforderungen mit den Möglichkeiten der neuen Fahrzeuge etwa hinsichtlich Reichweite, Ladezeiten und Kosten überein zu bekommen“, so Mittelstädt.

Für welche Flotten?
Die Anschaffung von E-Transportern kann für Unternehmen der richtige Schritt sein, muss es aber eben nicht. Für wen also ist der Einsatz der elektrischen Gefährte sinnvoll?

Vor allem in der KEP-Branche wird E-Transportern eine große Zukunft prophezeit. Klaus Maier, Leiter Vertrieb und Marketing bei Mercedes-Benz Vans, bezeichnete die E-Mobilität in einem Interview unlängst als „mit das wichtigste Thema in der KEP-Industrie, weil sie quasi für Elektrotransporte geboren ist“. Diese Branche wisse ganz genau, wie viele Kilometer sie am Tag fahre, so Maier weiter.

VW Nutzfahrzeuge führte im Vorfeld der e-Crafter-Entwicklung (das Modell ist seit Herbst 2018 auf dem Markt) eine aufwendige Mobilitätsanalyse durch. Dabei wurden mehr als 210.000 Fahrprofile von über 1.500 Kunden ausgewertet. Das Ergebnis: Paketdienstleister, Energieversorger, Handwerksbetriebe und Einzelhändler sind mit ihren Fahrzeugen pro Tag zwischen 70 und 100 Kilometer unterwegs – zum Teil mit Hunderten Starts und Stopps täglich. Diese Daten stünden für 85 Prozent der Fahrten im urbanen Bereich, wie die Hannoveraner durch ihre Studie ermittelten. Demnach stellt eine vermeintlich geringe Reichweite nur für sehr wenige Unternehmen ein Problem dar.

Markt wächst
Daimler setzt in Sachen E-Transporter auf den eVito und den eSprinter. „Die Elektrifizierung der gewerblichen Flotte folgt unserer Überzeugung, dass dem Elektroantrieb vor allem im innerstädtischen Verkehr die Zukunft gehört. Dass wir es mit der Umsetzung ernst meinen, haben wir bereits mit dem eVito gezeigt. Jetzt legen wir mit dem eSprinter nach“, so Volker Mornhinweg, bis 1. Mai 2019 Leiter Mercedes-Benz Vans. Der Autobauer verkündete für den eSprinter bereits ein identisches Ladevolumen (10,5 Kubikmeter) wie beim konventionell angetriebenen Pendant, die Wahlmöglichkeit der Batteriekapazität soll Flexibilität gewährleisten. So ist je nach Bedürfnissen eine Reichweite von rund 115 oder 150 Kilometern möglich, die Zuladung beträgt bei der kleineren Batterie ungefähr 1.040 Kilogramm, bei der größeren Batterie entsprechend etwas weniger (900 Kilogramm). Voraussichtlich 2020 soll der eCitan das Angebot der Stuttgarter komplettieren.

Und auch andere Autobauer ziehen nach. Auf der Nutzfahrzeugmesse in Birmingham feierten vor wenigen Wochen die E-Varianten der großen Lieferwagen Peugeot Boxer und Citroën Jumper Premiere. Vorgesehen seien zwei Batteriegrößen, die Reichweiten von 225 Kilometern beziehungsweise 270 Kilometern (nach NEFZ) ermöglichen sollen. Mehr ist derzeit noch nicht bekannt. Darüber hinaus plant der PSA-Konzern im kommenden Jahr den Markteintritt des vollelektrischen Peugeot Expert, des Citroën Jumpy und des Opel Vivaro, 2021 sollen die elektrischen Stadtlieferwagen Peugeot Partner und Citroën Berlingo sowie der baugleiche Opel Combo folgen. Gemäß verschiedenen Medienberichten will PSA bis 2025 seine gesamte Nutzfahrzeugpalette mit vollelektrischen Varianten versehen.

Die französischen Kollegen von Renault haben den Kangoo Z.E. schon länger im Portfolio, jetzt wird er neu aufgelegt. 2020 soll er dann erhältlich sein. Eine kürzlich vorgestellte Studie des Kangoo entspreche zu 80 Prozent dem Serienmodell, sagte Renault-Designchef Laurens van den Acker. Deutlich vor dem neuen Kangoo Z.E. soll der überarbeitete Master Z.E. zu den Händlern rollen. Neben einer aufgefrischten Front und einem neu aufgelegten Interieur sind auch neue Assistenzsysteme im Master verbaut. Am Elektromotor soll es indes keine Modifizierungen geben.

Auch Ford wird in Sachen E-Transporter aktiv – mit einem gänzlich neuen E-Modell. Vor wenigen Wochen verkündete der Autobauer für das Jahr 2021 eine rein batterie-elektrische Transit-Version. Eine Vorserienversion des elektrischen Transit wurde im Frühjahr bei einer Veranstaltung in Amsterdam präsentiert. Das Modell sei an Firmen gerichtet, die einen Bedarf an einem praktischen und vielseitigen Ladungsträger mit der Fähigkeit zum emissionslosen Fahren für den Einsatz im urbanen Bereich hätten, so der Autobauer.

Fazit
Die nächsten zwei Jahre bringen noch einmal einige neue oder zumindest neu aufgelegte E-Transporter auf den Markt. Mittlerweile haben die Hersteller erkannt, dass die Reichweite für die meisten Unternehmen nicht das entscheidende Kriterium ist. Vielmehr ist es ein ausgewogenes Verhältnis aus Batteriegröße, Ladevolumen und Nutzlast. Hinzu kommt der Kostenaspekt. So fasst Benjamin Kaehler, Leiter eDrive@VANs bei Mercedes-Benz Vans, treffend zusammen: „Die Gesamtbetriebskosten müssen auf dem Niveau eines vergleichbar ausgestatteten Fahrzeugs mit Dieselaggregat liegen (...). Nur wenn der Einsatz von Elektromodellen auch wirtschaftlich sinnvoll ist, sind sie im gewerblichen Einsatz konkurrenzfähig. Den höheren Anschaffungskosten stehen geringere Energie- und Wartungskosten sowie Steuereinsparungen gegenüber.“ Und eben auch solche Anreize, wie sie beispielsweise das Land Nordrhein-Westfalen mit dem Programm „Emissionsarme Mobilität“ setzt. Auch auf das Image haben E-Transporter sicherlich einen positiven Effekt. Festzuhalten bleibt: Innerstädtisch und für Kurzstrecken stellt ein elektrischer Transporter mittlerweile eine ernst zu nehmende Alternative zum Diesel-Pendant dar.

 

BUNDESREGIERUNG MIT GESETZENTWURF
Bundesfinanzminister Olaf Scholz will die steuerlichen Anreize für Elektroautos verlängern. Geplant sind gemäß eines im Mai veröffentlichten Gesetzentwurfes eine längere steuerliche Förderung bei privater Nutzung von Elektroautos als Dienstwagen sowie eine Sonderabschreibung in Höhe von 50 Prozent für elektrische Lieferfahrzeuge. Damit sind neue, rein elektrisch betriebene Lieferfahrzeuge gemeint, das Ganze soll von 2020 bis 2030 und nur für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge der Fahrzeugklassen N1 und N2 bis 7,5 Tonnen gelten.