PDF DOWNLOAD

Es gibt viele Gründe, elektrisch zu fahren. Sich mit CO2-neutralem Strom umweltfreundlich bewegen beispielsweise, keine lokalen Emissionen zu verbreiten, wäre ein anderes Motiv. Oder wie wäre es, niemanden in der ruhigen Straße aufzuwecken, wenn man nachts von einer Party nach Hause kommt. Alleine: Elektrisches Fahren ist mit der aktuellen Technik einfach noch mit Umständen verbunden. Die Batterien, die verfügbar sind, erfordern noch zu lange Ladezeiten, als dass sie praktisch wären. Doch es gibt ja auch noch den Plug-in-Hybriden – quasi das beste aus zwei Welten. Jetzt kombiniert Mercedes einen Elektroantrieb mit einem Dieselmotor – der ist sparsam auf der Langstrecke und lässt elektrisches Fahren zu, wann immer es in das Nutzungsprofil des Anwenders passt. Außerdem kommt der Mercedes in den Genuss der 1/2 Prozent-Regel bei der Besteuerung, wenn das nicht mal eine gute Nachricht ist. Obendrein hat unser C 300de auch noch richtig Dampf, bereitet also durchweg Fahrspaß – doch dazu später mehr.

Unter der Haube des Dreihunderters steckt der kultiviert laufende OM654 – dabei handelt es sich um den zwei Liter großen Vierzylinder-Selbstzünder mit 194 PS, an sich schon ein properes Aggregat. Jetzt gesellt sich zu dem Verbrenner noch eine 122 PS starke E-Maschine, die auch noch ein Drehmoment von 440 Nm aufbringt. Damit leistet der gesamte Strang 306 PS und stellt 700 Nm Zugkraft zur Verfügung – nach Spaßbremse klingt das jetzt nicht. Der Akku speichert 13,5 Kilowattstunden und kann rasch wieder aufgeladen werden per Typ 2-Stecker beispielsweise. Möglich sind etwas mehr als 50 Kilometer elektrische Fahrt – glaubt man der Statistik, fahren rund 80 Prozent der Bürger hierzulande ohnehin unter 50 Kilometer pro Tag – insofern würde ein Plug-in-Hybrid die Bedürfnisse der meisten Nutzer erfüllen, sofern die Möglichkeit besteht, das Auto zu laden. Stadtbewohner müssten dann in der Tat öffentliche Ladesäulen in Anspruch nehmen – dank Typ 2-Kabel allerdings überhaupt kein Problem.

Inzwischen ist die Neugierde auf den PHEV ganz schön groß, also, los gehts. Ist der Akku voll, wird zunächst ausschließlich mit Strom gefahren, wenn man seinen Gasfuß im Zaum hält. Der Drehzahlmesser bleibt auf „0“. Man kann ein bisschen mit den Modi herumspielen – soll die Batterie für spätere E-Fahrten gefüllt bleiben, kein Problem. Wer vollen Schub will, muss den Zweiliter rotieren lassen, der dann eine sportliche Akustiknote verbreitet. Und die C-Klasse wird plötzlich angriffslustig, kann durchaus mit potenten Sportwagen mithalten. Nach 5,6 Sekunden steht Tempo 100, der Vortrieb endet erst bei 250 Sachen. Sorge vor abfallenden Fahrleistungen nach leergezogener Batterie muss man nicht hegen, denn in rekuperativen Phasen oder wenn man gerade nicht die volle Power abruft, wird der Akku stets nachgeladen – das reicht immer, um den Hecktriebler kurzfristig auf Tempo zu boosten. Im Alltag gibt er ein souveränes Bild ab, erfreut durch sanfte Regeltechnik inklusive Neungang-Automatik – wann gerade welcher Motor wie viel Anteil am Antrieb hat? Spüren kann man es nicht. Wenn sich der Stromer gerade einklinkt, sieht man das insbesondere an der Infografik.

Doch nicht nur der Antrieb selbst ist souverän, der C 300de glänzt auch durch sein ausgewogenes Fahrwerk; vor allem mit der adaptiven Luftfederung gelingt der Spagat zwischen Fahrdynamik und Komfort. Bemerkenswert ist, wie effektiv der Dreihundert frostbedingte Beulen im Asphalt einfach wegschluckt. Andererseits pariert er Kurven mit der Präzision eines Schweizer Taschenmessers; die Mittelklasse macht trotz ihrer Komfort-Ausrichtung unglaublich Laune auf schnell gefahrenen Landstraßen. Die Servolenkung vermittelt exakt so viel Fahrbahn-Gefühl wie möglich bei einer frappierenden Leichtgängigkeit. Dass der Mercedes mittlerweile auf stattliche 4,80 Meter angewachsen ist, tut seiner Handlichkeit keinen Abbruch. Die Passagiere spüren den Größengewinn natürlich in Form von Raumfreiheit innen. So sitzen Hinterbänkler hier mittlerweile ziemlich freizügig – selbst hochgewachsene Personen dürften keinerlei Probleme damit haben, auch mal mit übereinandergeschlagenen Beinen zu reisen, falls ihnen danach sein sollte.

Mindestens ebenso wichtig freilich sind heutzutage Infotainment und Fahrerassistenz. Auf dem Kombiinstrument läuft alles längst elektronisch ab (750 Euro netto), mechanische Anzeigenadeln sind passé – aber die klassische Formensprache bleibt immerhin erhalten: Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser bieten sich in der altgewohnten Form dar, und wenn nötig, werden in einer der beiden Skalen auch andere Infos eingeblendet – ist ja schließlich ein Bildschirm. Auf der Mittelkonsole sitzt wie gewohnt der Zentralmonitor, jetzt im üppigen 21:9-Format. Er ist nicht nur Ausgabe vieler Daten, sondern darüber hinaus so etwas wie das Gehirn des Fahrzeugs, auf dem sich alle möglichen Features steuern lassen. Ach ja, wer Fahrassistenten bisher nichts abgewinnen kann, sollte sie mal in der C-Klasse ausprobieren. Speziell den adaptiven Tempomaten haben die Techniker nahezu perfekt abgestimmt: Der Mercedes rollt zügig an den langsameren oder sogar stehenden Vordermann heran, um dann sanft herunterzubremsen. Vor dem Stillstand nimmt der Rechner noch einmal kurz Bremsmoment weg, damit es nicht ruckt – ein guter Fahrer könnte es kaum besser.

Der Mercedes C 300de kostet netto 41.265 Euro – nicht gerade wenig Geld, aber der Schwabe ist in jeder Hinsicht auf hohem Niveau unterwegs. Das gilt für den starken Antrieb ohnehin – aber die Käufer dürfen sich außerdem an einer exzellenten Verarbeitungsqualität erfreuen. Säuberlich geschliffenes Metall hier, sorgfältig ausgewählte Hölzer da – in der C-Klasse geht es vornehm zu. Immer an Bord sind Autonombremse, Bluetooth-Freisprechanlage sowie Tempomat. Mit dem ab 1.230 Euro netto teuren Assistenz- Paket halten aktive Lenkung inklusive Ausweichassistent sowie Totwinkel-Warner plus Radartempomat mit Stau-Assistent Einzug in den Benz. Extras, über die man sich Gedanken machen sollte, sind Head-up-Display (990 Euro netto), adaptive LED-Scheinwerfer (1.045 Euro netto), schlüsselloses Schließsystem (ab 550 Euro netto) sowie das Touchpad für bessere Bedienerfreundlichkeit zu moderaten 140 Euro netto Aufpreis.