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Im Gespräch mit Steven Bohg (li., Flottenmanagement) erläutert Martin Klässner (re., has·to·be) die Herausforderung bei der Implementierung einer Ladeinfrastruktur
Martin Klässner: „Günstige Komplettangebote aus Hardware und Backend eignen sich zwar für den schnellen Aufbau einer Elektrofahrzeugflotte, hemmen jedoch die Möglichkeiten des Wechsels oder der Erweiterung“

Mit neuer Energie versorgen

Interview mit Martin Klässner, CEO der has·to·be GmbH, in Radstadt

Flottenmanagement: Herr Klässner, nicht jedem Fuhrparkverantwortlichen wird der Name „has·to·be“ etwas sagen. Können Sie daher kurz zusammenfassen, was hinter diesem Unternehmensnamen steckt?

Martin Klässner: Bereits bei der Gründung war uns eine internationale, aber auch innovative Ausrichtung des Unternehmens wichtig. Dieses Bestreben zeigte sich auch schon in unserem ersten Produkt be.ENERGISED, einer cloudbasierten Plattform für die Verwaltung von Ladestationen und -infrastrukturen sowie von Fahrerkonten. Daher standen wir 2013 vor dem Problem, dass wir einen Firmennamen generieren mussten, der international funktioniert und auch verständlich ist. Zugleich wollten wir uns bei der Firmengründung auch nicht allein auf das Thema Elektromobilität fokussieren, da wir schon zu dieser Zeit gemerkt haben, dass eine Vielzahl von Trends auf die Welt einwirkt und auch die Schnelllebigkeit dieser Trends deutlich zugenommen hat. Aus dieser Konstellation heraus kam der Vorschlag unserer Kreativagentur das Unternehmen „has·to·be“ zu nennen, sprich die englische Formulierung für „es muss sein“. Besonders interessant für uns waren dabei auch die Kombinationsmöglichkeiten: So lässt sich allein durch die Nutzung von Firmen- und Produktnamen ein Slogan kreieren. Beispielsweise signalisiert has to be.ENERGISED genau das Motto, was wir im Mobilitätsbereich forcieren wollen. Damit gelang es uns in den letzten Jahren, sowohl die Bekanntheit des Unternehmens- als auch des Produktnamens zumindest im Branchenumfeld stark zu erhöhen.

Flottenmanagement: Elektrofahrzeug, Ladeinfrastruktur und Stromlieferant, das sind drei Schlagworte, die oft mit dem Thema Elektromobilität assoziiert werden. Wo positioniert sich has·to·be in diesem Umfeld?

Martin Klässner: Wir verstehen uns inzwischen als sogenannter Turnkey-Solution-Provider im Kernmarkt Elektromobilität. Das heißt, aus einer ursprünglich reinen Verwaltungsapplikation, die bereits auch die Überwachung und Abrechnung von Ladestationen beziehungsweise-infrastrukturen durchführen konnte, sind im Laufe der Zeit ergänzende Lösungen entstanden, sodass wir es nun unseren Kunden ermöglichen, den gesamten Anwendungsfall Elektromobilität technisch und operativ abzubilden. Damit stellen wir unseren Kunden eine Lösung bereit, die eigentlich alle nennenswerten Herausforderungen, die mit der operativen Betreuung einhergehen, von ihnen fernhält. Durch die Integration von begleitenden Dienstleistungen haben wir dann in den vergangenen zwei Jahren auch die Transformation vom reinen Software- zu einem Solution-Provider vollzogen. Das heißt, von der Beratung über die Vorbereitung und Hilfestellung beim Aufbau von Elektromobilitätsstrukturen bis zu Themen wie White-Label-Servicehotline und Abrechnungsbeziehungsweise Verrechnungsprozesse können wir alles für die Kunden abbilden. Die Kunden können sich dadurch auf ihren eigentlichen Unternehmenszweck konzentrieren.

Flottenmanagement: Aufgrund von Diesel- Fahrverboten und Anstiegen bei den Kraftstoffpreisen hinterfragen einige Flottenverantwortliche die Zukunftsfähigkeit ihrer Fuhrparks. Wo sehen Sie Vorteile der Elektromobilität? Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus?

Martin Klässner: Vor gut zwei Jahren stand ich selbst noch vor der Frage, ob mich die Elektromobilität in meinem gewohnten Ablauf in irgendeiner Weise einschränken würde. Jedoch hat sich gezeigt, dass alle Wege, die ich zurücklegen muss, auch gut rein elektrisch zu realisieren sind. Auch bei der Umstellung unseres Fuhrparks von Verbrennern auf Elektrofahrzeuge sowie ein Erdgasfahrzeug für wirklich lange Distanzen haben sich keine Einschränkungen ergeben. Demgegenüber sind jedoch die Gesamtkosten deutlich gesunken. Das liegt einerseits an dem Entfall fast aller Betriebskosten für die e-Golfs, aber andererseits auch an den attraktiveren Stromgebühren aufgrund des höheren Abnahmevolumens, die sich zusätzlich auch auf den Office-Strom umlegen lassen. Außerdem haben wir in Österreich noch den Vorteil, dass für die Elektrofahrzeugflotte auch der Vorsteuerabzug infrage kommt, der sonst nur für Nutzfahrzeuge und Fahrzeuge, die ausschließlich der Personenbeförderung dienen, gilt. Neben diesen Kostenvorteilen haben wir auch einen Zugewinn im Bereich Convenience festgestellt: Man steckt das Fahrzeug einfach früh morgens an die eigens errichtete Ladestation an und erspart sich den Weg zur Tankstelle. Um auch dieses Prozedere noch zu erleichtern, haben wir Ladesäulen mit „attached cable“ installieren lassen. Dadurch entfällt selbst die Suche des Ladekabels im Kofferraum und der Ladevorgang kann automatisch starten. Darüber hinaus ist es uns über unser Produkt eMSP.OPERATIONS möglich, unterwegs mit der Ladekarte überall zu laden. Die Abrechnung erfolgt automatisch und ohne Belege direkt über die jeweilige Kostenstelle.

Flottenmanagement: Elektromobilität bedeutet auch ein Umdenken. Wo sehen Sie die Herausforderungen bei der Elektrifizierung von Flotten? Und wie können Sie Unternehmen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen?

Martin Klässner: Hier muss man das Ganze je nach Flottengröße etwas differenziert betrachten. Während vereinzelte Elektrofahrzeuge keine nennenswerten Herausforderungen nach der Installation der Ladeinfrastruktur mit sich bringen, muss man bei Elektrofuhrparks mit mehr als 20 Fahrzeugen viele Details beachten, wie zum Beispiel die Anschlussleistung. So wird eine Mischung von Wechsel- und Gleichstrom-Ladeinfrastruktur ebenso benötigt wie ein intelligentes Lastmanagementsystem. Hier empfehlen wir noch vor Beginn der Installation einer Ladeinfrastruktur den gesamten Lastgang, also die tageszeitabhängige Leistungsaufnahme der Liegenschaft, zu ermitteln, um dann in Folge das Lastmanagement der Ladesäulen so zu gestalten, dass hohe Ladeleistungen ausschließlich zu den Zeiten generiert werden, wenn dem Anschluss noch ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Dadurch kann man bereits im Vorfeld mögliche Fehlinvestitionen verhindern.

Eine andere Herausforderung für Flotten sind lokale Lastmanagementlösungen mit Anbindung an Speichersysteme oder Fotovoltaiksysteme: Hier können Kunden von unserem engmaschigen Partnernetzwerk profitieren, das vor Ort die Installation wie auch die technische und physische Bewirtschaftung übernimmt. Dadurch ist die Lösung bestens auf den individuellen Anwendungsfall des Kunden zugeschnitten. Die IT-seitige Verwaltung und die Betreuung des Kunden erfolgen hingegen über uns.

Flottenmanagement: Könnten Sie uns bei all der Theorie vielleicht einen idealen Use-Case beschreiben?

Martin Klässner: Mit unseren Lösungen sprechen wir in erster Linie Unternehmen an, die mehrere Elektrofahrzeuge in ihrer Flotte haben. Dennoch haben wir mit unserer be.ENERGISED Community auch eine Produktlösung für ein bis zwei Fahrzeuge, worüber die Ladeinfrastruktur kostengünstig gemanagt werden kann. Aber der eigentliche Anwendungsfall sind Unternehmen, die ihren Fuhrpark perspektivisch auf Elektrofahrzeuge umstellen beziehungsweise die bestehende Flotte mit elektrischen Alternativkonzepten ergänzen wollen. Dadurch ergeben sich natürlich einige Herausforderungen für den Kunden: einerseits die Errichtung einer Ladeinfrastruktur am Standort, wo wir beratend beim Thema Technologieeinsatz zur Seite stehen. So empfehlen wir in der Regel eine Kombination aus einer Ladestation mit höherer Ladeleistung für das schnelle Laden, eine sogenannte Gleichstrom-Ladeinfrastruktur mit 20 oder 50 kW Leistung, und Wechselstrom-Ladestationen, die insbesondere dann infrage kommen, wenn Fahrzeuge während der Arbeitszeit ohnehin am Standort verbleiben. Für die Beschaffung und die Installation der Hardware greifen wir auf das zuvor angesprochene engmaschige Partnernetzwerk zurück. Ein Punkt, den ich hier aber noch erwähnen möchte, ist der Bereich der Insellösungen: Vermehrt werden anfangs günstige Komplettangebote aus Hardware und Backend vertrieben. Diese eignen sich zwar für den schnellen Aufbau einer Elektrofahrzeugflotte, hemmen jedoch die Möglichkeiten des Wechsels oder der Erweiterung. Damit können beispielsweise nach ein paar Monaten immense Investitionen nötig werden, wenn ich aufgrund des eigenen Ladeverhaltens feststelle, dass beispielsweise eine Gleichstrom-Ladeinfrastruktur nötig wird.

Andererseits entstehen durch die Einführung einer Elektroflotte beziehungsweise die Umstellung auf eine solche Flotte auch Verwaltungs- und Verrechnungsaufgaben, bei denen wir natürlich mit unserem Know-how beste Unterstützung bieten können. So gäbe es beispielsweise die Möglichkeit, innerhalb der be.ENERGISED Community die errichtete Ladeinfrastruktur außerhalb der Geschäftszeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das hätte neben einem positiven Marketingeffekt auch den Vorteil einer Refinanzierung der Infrastruktur. In unserer Softwarelösung ist hierfür nur ein Häkchen nötig, die weitere Verrechnung geschieht im Hintergrund und der Kunde erhält am Monatsende eine Gutschrift.

Nicht zuletzt besteht eine dritte Herausforderung in der Mobilhaltung der Mitarbeiter. Denn auch wenn ein sehr hoher Prozentsatz der Ladevorgänge am Unternehmensstandort durchgeführt wird, ist es wichtig, auch in den übrigen Fällen ein geeignetes Mobilitätskonzept an der Hand zu haben. Über unsere Produktlinie eMSP. OPERATIONS gewährleisten wir einen Zugang zu allen Ladestationen in Europa. Auch hier werden die Ladevorgänge automatisch auf die Karte des Fahrzeugs oder die Kostenstelle des Mitarbeiters gebucht. Das bedeutet auch keinen weiteren Verwaltungsaufwand, denn am Ende des Monats wird eine einzige Rechnung über die gesamte Mitarbeiterflotte generiert. Zugleich entfällt der umständliche Weg der Belegabrechnung.

Flottenmanagement: Last, but not least: Warum sollten Ihrer Meinung nach Unternehmen mehr in Elektromobilität investieren?

Martin Klässner: Ich denke, bei Unternehmensflotten gibt es immer eine gesunde Mischung aus Fahrzeugen, die langstreckenrelevant sind, und denen, die täglich weniger als 200 Kilometer zurücklegen. Das heißt, in der Regel wird ein Fuhrpark nach und nach durch elektrisch betriebene Fahrzeuge ersetzt. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass hierbei erste „Gehversuche“ im Bereich Elektromobilität gemacht werden können. So kann man dabei die zuvor angesprochenen Kosteneinsparungen bereits im Kleinen erfahren. Zudem sind auch Prognosen für die Umlegung auf die Gesamtflotte ableitbar, da man in solchen Pilotversuchen mit kleinem Kostenrisiko den Ausgangszustand mit dem Istzustand ins Verhältnis setzen kann. Das ist wiederum oftmals entscheidend, um den Controller im Unternehmen von der Umstellung auf Elektromobilität zu überzeugen, da oft die Anfangsinvestitionen ein Hemmnis darstellen.

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