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"Flotte! Der Branchentreff" 2020
Schädliche Abgase entstehen natürlich überwiegend nicht durch den Pkw-Verkehr
Professor Dr. Michael Schreckenberg

Auto-mobil im Jahr 2019 oder voll vor die Wand?

Die „Gehirnwäsche“ des sowieso schon verwirrten Autofahrers, hauptsächlich der Besitzer von Selbstzündenden, hat 2018, wie nicht anders zu erwarten war, mächtig an Speed aufgenommen. Ständig erreichen uns, fast routinemäßig, neue Horror-Meldungen, die alles, nur nichts Gutes verheißen. Fast verzweifelt wird nach dem rettenden Strohhalm (nicht aus Plastik!) gesucht, an den man sich klammern und mit dem man zugleich einen Zaubertrank einsaugen kann, der magische Kräfte wie bei Asterix und Obelix verleiht. Nur wer nimmt bei uns die Rolle des Zaubertrankmixers Miraculix ein?

Einen ganz anderen Zaubertrank mixt(e) sich die gemeinnützige (!) Deutsche Umwelthilfe e. V. (kurz DUH) unter ihrem Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch zusammen. Dieser verhalf ihr vor Gerichten in verschiedenen Städten zu einem Erfolg nach dem anderen. Damit avancierte sie für die betroffenen Autofahrer zum „Teufel auf der Straße“.

Dabei entwickelte sich das Wort „Stickoxide“ (der „stoff“ wurde kurzerhand aus der Mitte wegrationalisiert) zu einem „Unwort“, das sowieso keiner mehr hören kann. Irgendwann schaltet das Gehirn auf Durchzug (gar nicht so schlecht bei Schadstoffen!). Wohnt man neben einer Kirche, hört man das Läuten der Glocken auch nicht mehr (eigene Erfahrung!).

Da werden die relativ willkürlich bestimmten Grenzwerte in Mikrogramm pro Kubikmeter schnell zu einem Menetekel, das eine gewisse Endzeitstimmung mit sich bringt. Man kann sich darunter eigentlich sowieso nichts Konkretes vorstellen. Auch taucht die Frage auf, wo dieser Wert eigentlich herkommt. Erschreckt muss man zudem feststellen, dass für „gesunde Arbeitende“ in Industrie und Handwerk lediglich ein Grenzwert von 950 Mikrogramm vorgegeben ist. Zur Begründung wird angeführt, dass die Tages- und Wochenarbeitszeit begrenzt ist (40 Stunden) und arbeitsmedizinische Betreuung zur Verfügung steht. Na also, geht doch, nur mehr Betreuung an die Straße! Und da streitet man über 40 oder 50 Mikrogramm. Man ist an das deutsche Spießertum erinnert, die Grenzen sind irgendwie grenzenlos, Hauptsache sie werden eingehalten. Wie viel ist eigentlich in Ministerien und Gerichten erlaubt …?

Ein Höhepunkt war der Stich in die Hauptschlagader des Ruhrgebiets, der A40, mit der das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zum ersten Mal für eine Autobahn ebenfalls ein Diesel-Fahrverbot angeordnet hat. Das brachte das Fass (mit Zaubertrank?) dann doch zum Überlaufen und langsam dreht sich der schadstoffhaltige Wind gegen die DUH. An einer openPetition für die Aberkennung der Gemeinnützigkeit der DUH aufgrund ihrer eigenen wirtschaftlichen Interessen und der Schädigung des Allgemeinwohls beteiligten sich bis Anfang Januar 2019 über 160.000 entnervte Autofahrer. Auch der CDU-Bezirksverband Nordwürttemberg forderte eine Aberkennung.

Zudem lief es vor Gericht auch nicht mehr so gut, denn beispielsweise die Entscheidung für Mainz war nicht stringent, sondern es wurde die Möglichkeit einer „Nachbesserung“ des Luftreinhalteplans gegeben. Einen Eilantrag zur Umsetzung von Fahrverboten in Frankfurt zum 1. Februar 2019 lehnte der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) erst mal ab.

Weitere Verfahren wird es 2019 auf jeden Fall geben. Und es bleiben die angeordneten Umsetzungen abzuwarten. Denn die Erfahrungen aus Hamburg-Altona für zwei Straßen, für die als erste in Deutschland ein Diesel-Fahrverbot erlassen wurde, zeigen ernüchternde Ergebnisse. Für die Max-Brauer-Allee ergab sich sogar eine Steigerung. In Oldenburg am Heiligengeistwall wurden sogar Höchstwerte an Stickoxiden ohne Verkehr (Marathon, Baustelle) gemessen!

Es sind also durchaus Zweifel auch an der gesamten „Messstrategie“ angebracht. Denn jüngst fand eine Studie des Forschungszentrums Jülich heraus, dass eigentlich die Lkw, Kleintransporter und Busse das Problem sind. Mehr als die Hälfte der Stickoxide in Innenstädten stammten daher. Nur ein Drittel geht auf die Pkw-Belastung zurück. Und wieder stehen wir vor einem umweltpolitischen Chaos. Was stimmt denn nun, was sollen (oder wollen) wir glauben und machen? Da ist die Wand näher als das Nichts am Ende des Tunnels!

Nicht zu vergessen ist auch der Fakt, dass Toyota seine Zahlungen an die DUH eingestellt hat. Man fragt sich, warum Toyota (der Vorstandschef heißt übrigens Akio Toyoda!) überhaupt dort eingezahlt hat. Der Beitrag war insgesamt allerdings nicht wesentlich. Der Hauptteil der Finanzierung der DUH kommt tatsächlich von der Bundesregierung, wesentlich vom Bundesumweltministerium, und es fließt sogar Geld aus den USA. Derweil Toyota übrigens gegen das Elektroauto wettet und die Zukunft nur in der Brennstoffzelle sieht.

An einer Stelle hat sich die DUH jüngst allerdings sehr weit aus dem (Auto-) Fenster gelehnt. Mit einem generellen Tempolimit von 120 km/h auf deutschen Autobahnen startete man einen Angriff auf die heilige Kuh der deutschen Autofahrerseele, die man förmlich im Handstreich schlachten wollte. Damit wolle man dem Klimaschutz auch in Bezug auf die Autos dienen, die schon auf der Straße sind, so Resch.

Doch dem erteilte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer postwendend eine Absage und bezeichnete das Ansinnen als „Nebelkerze, die fachlich den Argumenten nicht standhält“. Zudem sei ein Tempolimit in der großen Koalition nicht vorgesehen. Wir werden 2019 sehen, wie das „weiterfährt“, zumal die DUH auch „juristische Möglichkeiten“ zur Durchsetzung prüfen will. Auf die Gerichtsverhandlungen können wir schon jetzt gespannt sein.

Derweil Verkehrsminister Scheuer schon über Kontrollmöglichkeiten für Dieseler nachdenkt und da sollte man aufhorchen. Denn mit der automatischen Kennzeichenerfassung wird Tür und Tor geöffnet für weitere angestrebte schmerzliche Maßnahmen. Mit Personal der Polizei und anderen Ordnungskräften sind die Verbote kaum kontrollierbar, das sagen viele Städte. Also muss was Automatisches her. Eine neue Datenflut wird erzeugt, vor der den Städten jetzt schon graut. Bei allen „Nichtverdächtigen“ wird sofort gelöscht, nur bei Verstößen gespeichert. Wer’s glaubt, wird selig. Wer’s nicht glaubt, wendet sich an die Datenschützer.

Ein Schelm, wer glaubt, dass da nicht noch mehr hinter steht. Nämlich die Pkw-Maut, die auch per Kennzeichenerfassung kontrolliert und per elektronischer E-Vignette erhoben werden soll. Die Verträge mit CTS Eventim und der österreichischen Kapsch TrafficCom sind am 30. Dezember 2018 für mindestens zwölf Jahre (optional 15) ab Start im Oktober 2020 unterschrieben worden. Makaber ist, dass gerade Österreich gegen das Projekt vor dem europäischen Gerichtshof klagt, das Urteil wird für Mitte 2019 erwartet.

Derweil wird aber vergessen, dass der eigentliche Feind der Fein(d)staub ist. Das Problem wird vielerorts als gelöst angesehen. Gelöst ist derweil in dieser Beziehung allenfalls die Stimmung, denn Feinstaub lässt sich nicht einfach auflösen. Anders als Stickoxide sammelt sich Feinstaub im Körper kontinuierlich an. Je feiner, desto gefährlicher, angereichert mit krebserregenden Stoffen, wie eine Schweizer Studie unlängst bestätigte. Und dieses Problem betrifft hauptsächlich Benziner mit Turbolader und Direkteinspritzung. Ob da der Partikelfilter wirklich hilft? Gerade den Diesel gegen einen Benziner getauscht und nun das? Das nächste Target der DUH sind übrigens die Benziner ohne Partikelfilter. Da braut sich was zusammen, ohne Hopfen und Malz. Prost denn auch im Jahr 2019!

So atmen wir uns von einem Schadstoff zum nächsten. Kohlendioxid ist schädlich, aber nicht direkt, sondern eher auf lange Sicht, oben in der Atmosphäre. Eine Reduktion wäre daher eine Investition in die Zukunft. Aber wen interessieren diese Szenarien noch wirklich? Und nicht zu vergessen, reduziert man die Stickoxide, so steigt der Verbrauch und damit proportional Kohlendioxid, Teufel mit Beelzebub ausgetrieben, nur sieht man das (oder den?) noch weniger …

Konzeptlos schlingern wir also im Schadstoffuniversum umher, die Astronauten von der ISS schauen sich das „genüsslich“ von oben her an. Nur dort ist die Gefahr eine ganz andere, nämlich der Weltraumschrott, durchaus sichtbar. Dagegen ist der gefährliche Plastikmüll bei uns in den Meeren am Ende eigentlich nicht sichtbar (im Gegensatz zu den gerade angespülten Containern der MSC Zoe), landet aber trotzdem in unserem Körper.

Plastikmüll ist sowieso das Ding der Zukunft. Die EU hat gerade ihren Bannstrahl gegen beispielsweise Wattestäbchen, Besteck, Teller und Trinkhalme ab 2021 ausgesendet. Dabei handelt es sich (normalerweise) um Einweg-Plastikprodukte. Wie schön die Szene aus dem Film „Die Reifeprüfung“ von 1967 mit Dustin Hoffmann, wo jemand ihm für die Zukunft rät: „Nur ein Wort: Plastik!“. Und davon haben wir heute nicht nur genug, sondern viel zu viel mit beliebig langer Lebensdauer. Wann ist aber Ende mit der Plastik-Inneneinrichtung von Fahrzeugen? Da gibt es genug, nicht direkt Einweg, aber so ähnlich. Wird 2019 also das Jahr der Schadstoffe und des Abfalls?

Eigentlich sollte man die Schadstoffthematik in Bezug auf Fahrverbote für 2019 (und noch weit darüber hinaus) als randständig betrachten. Fahrverbote haben wir doch heute schon zur Genüge. Sanierungsmaßnahmen allerorten, Brückensperrungen sowie Fahrbahnerneuerungen und -erweiterungen lassen einen geregelten flüssigen Verkehr doch gar nicht mehr zu. Verschwörungstheoretisch könnte man zu dem Schluss kommen, dass Baustellen einfach besser zu verkaufen sind als Fahrverbote, nur das Ergebnis ist deutlich „durchschlagender“ …

Ein Schelm, der so was denkt, aber Denken bleibt sowieso wahrscheinlich den Schelmen vorbehalten. Denn wer vermutet eigentlich hinter den meisten Baumaßnahmen eine „höhere Intelligenz“? Fehlende Fachkräfte, sowohl auf der planerischen als auf der ausführenden Seite, nicht einzuhaltende Zeitschienen, unrealistische Finanzierungsplanungen und am Ende, vielleicht das Wichtigste, fehlende Koordination von Maßnahmen untereinander. Kein Ende dieses Dilemmas in Sicht, BER und Stuttgart 21 sind eigentlich überall, man muss nur genau genug hinschauen!

Flüchten wir uns also lieber in vage technische Zukunftsvisionen. Das magische Wort „Digitalisierung“ hat mittlerweile alle unsere Lebensbereiche erfasst und bedeutet wie das unsägliche Wort „Nachhaltigkeit“ eigentlich nichts mehr. Dazu kommt natürlich noch die „Künstliche Intelligenz“ (KI), die alles im Griff hat und steuert. Große Wissenschaftler wie der 2018 verstorbene Astrophysiker Stephen Hawking oder der Tesla-Chef Elon Musk haben ausdrücklich davor gewarnt. Am Ende werden wir von den selbst geschaffenen Wesen und Algorithmen beherrscht. Da kann man sich viel ausmalen.

Fehlt nur noch die Vermutung, dass der Mensch vielleicht schon jetzt von künstlicher Intelligenz beherrscht wird. Daran kommen dann aber doch häufig Zweifel. Davon sollten wir uns aber nicht abschrecken lassen und mit echter Intelligenz einfach: Auto-mobil voll durch die Wand im Jahr 2019!

 

AUTOR

PROFESSOR DR. MICHAEL SCHRECKENBERG, geboren 1956 in Düsseldorf, studierte Theoretische Physik an der Universität zu Köln, an der er 1985 in Statistischer Physik promovierte. 1994 wechselte er zur Universität Duisburg-Essen, wo er 1997 die erste deutsche Professur für Physik von Transport und Verkehr erhielt. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er an der Modellierung, Simulation und Optimierung von Transportsystemen in großen Netzwerken, besonders im Straßenverkehr, und dem Einfluss von menschlichem Verhalten darauf.

Seine aktuellen Aktivitäten umfassen Onlineverkehrsprognosen für das Autobahnnetzwerk von Nordrhein- Westfalen, die Reaktion von Autofahrern auf Verkehrsinformationen und die Analyse von Menschenmengen bei Evakuierungen.

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