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Mit einem satten Plus von 69,1 Prozent verzeichneten die Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb bei den Pkw-Neuzulassungen laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) das größte Wachstum im ersten Halbjahr 2018. Zwar sind es noch immer „nur“ 17.234 Elektrofahrzeuge, sprich umgerechnet ein Anteil von 0,9 Prozent an den Gesamtneuzulassungen in Deutschland, aber eine Tendenz ist zu erkennen. Felix Kuhnert, Global Automotive Leader der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft PwC, erläuterte hierzu: „Zuwachsraten von über 50 Prozent sind in der Automobilindustrie äußerst selten. (...) Dieser Entwicklung sollten Automobilhersteller und ihre Vertriebsorganisationen zunehmend Aufmerksamkeit schenken. Der Markt scheint jetzt reif zu sein für die Einführung von Premium-Elektrofahrzeugen deutscher Hersteller.“ Auch gehen die Automotive-Experten von PwC Autofacts davon aus, dass die E-Autos tendenziell eher im Bereich der Kleinwagen und in der Mittelklasse an Bedeutung gewinnen werden, wo größere Volumen abgesetzt werden – wie bereits heute schon am Renault ZOE, der Nummer eins bei Elektrofahrzeugen in Deutschland, und dem weltweit erfolgreichsten Elektroauto Nissan Leaf zu erkennen ist. Im Premium-Bereich seien hingegen besonders die Plug-in-Hybride gefragt: Porsche gab zuletzt an, dass der Anteil der Plug-in-Variante des Panameras rund 70 Prozent der Verkäufe dieses Modells ausmache. Auch Mercedes-Benz verzeichnet bei dieser Technik einen Anteil von 50 Prozent bei der S-Klasse.

Analog einem weltweiten Trend verschiebt sich auch das Interesse innerhalb des Segments der elektrifizierten Fahrzeuge: Mit 60.904 Neuzulassungen im Berichtszeitraum Januar bis Juni 2018 verzeichneten die Hybridtechnologien ein deutliches Wachstum von 62,3 Prozent. Von den Hybridmodellen verfügten 16.683 über die Plug-in-Hybrid- Technologie. Der relativ große Anteil der steckerlosen Systeme ist laut Christoph Stürmer, Global Lead Analyst von PwC Autofacts, auch auf die Dieseldiskussion und das fehlende Angebot an Plug-in-Hybriden in kleineren Segmenten zurückzuführen: „Dort, wo kein Plug-in-Hybrid angeboten wird, greifen Kunden, die sich über die Diesel-Diskussion erschrocken haben, zu einem Benziner mit konventioneller ‚plugless‘ Hybrid-Technologie. (...) Ein wesentlicher Grund ist, dass dieser im Stadtgebiet sehr günstig zu fahren ist.“ Bei geringem Wirtschaftswachstum und niedrigen Benzinpreisen bereiten hingegen konventionelle Hybride wegen ihrer Ähnlichkeit zu „normalen“ Verbrennern eher Probleme, resümiert man bei den Automotive-Experten von PwC mit Blick auf den US-amerikanischen Markt. Dort haben sich Plug-in-Hybride und reine Elektrofahrzeuge wegen ihrer komplett anderen Nutzungseigenschaften inzwischen einen eigenständigen Markt geschaffen. Insgesamt sehen die PwC-Experten den Markt für E-Autos wie auch für Plug-in-Hybride langfristig auf Wachstumskurs. Um die positive Entwicklung weiter voranzutreiben, müsse nicht nur mehr für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden. „Es sind auch Fabrik-Investitionen in erheblicher Größenordnung nötig“, sagt Felix Kuhnert. Dass dies bereits bei den Automobil- und Batteriezellenherstellern angekommen ist, zeigen neben dem Engagement des weltgrößten Batterieherstellers Contemporary Amperex Technology (CATL) in Deutschland (Thüringen) und Südeuropa auch die Ausweitung des globalen Batterie-Produktionsverbundes von Mercedes-Benz Cars auf den Standort Sindelfingen und der Ausbau der Batterieproduktion in Untertürkheim. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung unserer Elektrooffensive und bauen unseren globalen Batterie-Produktionsverbund konsequent aus. Mit der Batterieproduktion in Sindelfingen und Untertürkheim bringen wir Hightech-Technologien in unsere Werke. In unserem Netzwerk sind wir sowohl für eine flexible und effiziente Fertigung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sowie Elektrofahrzeugen bestens aufgestellt“, sagt Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain.

Um langfristig ein Wachstum zu generieren, ist auch ein entsprechendes Portfolio an Elektromodellen vonnöten. Was sich vielleicht nach einem Kinderspiel anhört, ist bei Weitem kein leichtes Unterfangen, wenn man dabei auch die Vorteile eines Elektroantriebs ausspielen möchte: In der Vergangenheit wurden oftmals die Batterieeinheiten und der elektrische Antrieb auf einer Plattform für konventionell angetriebene Modelle platziert, was dazu führte, dass das Platzangebot für Passagiere eingeschränkt werden musste oder die Nutzungsmöglichkeiten im Bereich Beladung weit hinter den Benzin- und Dieselvarianten lagen. Eine eigene Plattform, wie sie beispielsweise im neuen Jaguar I-PACE zu finden ist, bietet hingegen bei ähnlichen äußeren Abmessungen wie denen eines XE die Innenraumgröße eines XF. Grundlage dafür schaffen neben dem drei Meter langen Radstand vor allem auch die kurzen Überhänge vorn und hinten. Daraus ergibt sich dann für die Passagiere mehr Platz im Innenraum und auch ein großzügiger Kofferraum wird geboten, der mit 656 beziehungsweise 1.453 Litern bei umgeklappter Rückbank aufwartet.

Für den Fuhrparkleiter haben beim Thema Elektromobilität natürlich auch die Kosten eine hohe Relevanz: In der Vergangenheit waren die Anschaffungskosten maßgeblich auch von der Akkugröße abhängig. Wie bereits beschrieben, reduzieren sich die Kosten für Batterien seit ein paar Jahren aufgrund der steigenden Batterieproduktion. Das heißt beispielsweise, dass man in der Vergangenheit für das Tesla Model S mit einem 85-kWh-Akku über 75.000 Euro anvisieren musste. Gleichzeitig aber dann eine Reichweite von knapp 400 Kilometern geboten wurde. Der Opel Ampera-e, der durch die Übernahme der Rüsselsheimer durch den PSA-Konzern erst in diesem Jahr der großen Masse zugänglich wird, zeigte im Test der ADAC Motorwelt im Juni 2017 mit 342 Kilometern eine ähnlich hohe Reichweite, jedoch mit moderaten Anschaffungskosten von deutlich unter 40.000 Euro. Auch der Nissan Leaf kommt nach Unternehmensangaben mit einer Reichweite von bis zu 415 Kilometer (gemäß städtischem WLTP-Zyklus) daher; der Einstiegspreis inklusive Batteriepreis beträgt rund 26.850 Euro netto. Nicht ganz unpassend kommt auch die Halbierung der Besteuerung der privaten Nutzung von Elektrofahrzeugen als Dienstwagen, welche Anfang August von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde. Durch die Gesetzesänderung, die für Batterieelektro-, Plug-in-Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge gilt, welche vom 1. Januar 2019 bis einschließlich 31. Dezember 2021 als Dienstwagen angeschafft oder geleast werden, soll den Zulassungszahlen einen weiteren Schub bescheren.

Zu den Neuerscheinungen dieses Jahres zählen auch die Sondermodelle von smart namens nightsky, die laut Daimler auch den Beginn der  EQ-Ära unterstreichen sollen. Prägnantes Merkmal der auf dem Genfer Automobilsalon 2018 vorgestellten Fahrzeuge sind Akzentteile im typischen Blau der Technologie- und Produktmarke EQ. Wichtig zu wissen ist, dass smart in den USA, Kanada und Norwegen seit 2017 ausschließlich elektrisch unterwegs ist, ab 2020 wird es auch in Deutschland und Westeuropa smarts nur mit batterieelektrischem Antrieb geben. Ungefähr zur gleichen Zeit ist auch ein Facelift der Modelle wahrscheinlich. Mit dem ersten rein elektrischen Škoda, dem E-Citigo, steht 2020 auch gleich ein direkter Konkurrent in den Startlöchern. Die Tschechen nutzen dabei die Technik des nächsten VW up! und gehen davon aus, dass bis zum Marktstart die Preise für die Akkus deutlich sinken. Das erste eigenständige Elektromodell von Škoda wird auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) von Volkswagen aufbauen und wahrscheinlich im SUV-Format erscheinen. Es wurden noch keine Angaben zum Erscheinungsdatum gemacht, jedoch wollen die Tschechen bis 2025 insgesamt 25 Modelle mit Elektromotor anbieten, sechs davon rein elektrisch.

Ende 2018 beginnt auch bei Audi eine neue Zeitrechnung: Grund dafür ist auch hier ein rein elektrisch angetriebenes Serienfahrzeug. Nachdem die Ingolstädter mit dem A3 Sportback e-tron und dem Q7 e-tron quattro die Vorzüge eines Elektroantriebs kombiniert mit den Stärken eines TFSIoder TDI-Verbrennungsmotors zeigten, feierte das rein elektrisch angetriebene Oberklasse-SUV namens e-tron Mitte September seine Premiere. Zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 360 PS und einem Drehmoment von 561 Newtonmetern sollen den Ingolstädter in unter sechs Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Die Reichweite gibt Audi mit mehr als 400 Kilometer nach WLTP-Zyklus an. Bis zu 30 Prozent soll Rekuperation zur Reichweite beitragen, dafür kann der Fahrer den Grad der Schubrekuperation über Lenkradwippen in drei Stufen wählen. Erst wenn die g-Kräfte bei der Verzögerung 0,3 g übersteigen, kommen die Radbremsen ins Spiel. Je nach Fahrsituation soll das elektrohydraulisch integrierte Bremsregelsystem entscheiden, ob per E-Maschine, Radbremse oder einer Mischung aus beiden rekuperiert wird.

Schon heute gibt es nahezu für jede Zielgruppe das entsprechende Elektrofahrzeug – sei es als kleiner Stadtflitzer in Form des smart EQ fortwo oder des e.GO Life, welcher mit gleich drei unterschiedlichen Leistungsstufen und dementsprechend Batteriekapazitäten daherkommt, als kompakte Allrounder wie die Erfolgsmodelle Nissan Leaf und Renault ZOE oder eben als Langstreckenfahrzeuge, womit sich rein elektrisch über 400 Kilometer bewältigen lassen. Doch ab dem Winter wird es noch bunter: So stehen neben dem Audi e-tron und dem Škoda E-Citigo auch weitere Elektromodelle aus dem Volkswagen Konzern in den Startlöchern. Porsche möchte 2019 den ersten rein elektrischen Zuffenhausener auf die Straße bringen, womit eine Reichweite von 500 Kilometern erzielt werden soll. Volkswagen Pkw startet seine Elektrooffensive 2020 mit dem I.D., der das erste Mitglied einer ganzen Elektromodellreihe wird und zugleich auch der Namensgeber dieser. Auf eine Markteinführung im Jahr 2020 wird auch beim ersten von Ford als reines Elektroauto konzipierten Fahrzeug spekuliert. Dabei könnte es sich nach Experten um ein C-Segment-SUV mit sehr sportlichen Proportionen handeln – lange Haube, kurzes Heck, knappe Überhänge. Der unter dem Kürzel CX430 entwickelte, etwa 4,50 Meter lange Stromer soll eine Reichweite von mehr als 400 Kilometer schaffen und allen Gerüchten nach „Mach 1“ heißen. Im gleichen Segment wird sich auch die rein elektrische Variante des neuen Volvo V40 unter dem Dach der Marke Polestar wiederfinden. Das Modell namens Polestar 2 soll hier mit seinen rund 400 PS und der Reichweite von 560 Kilometern auch gegen das Model 3 von Tesla antreten, welches voraussichtlich 2019 nach Europa gelangt. Die Produktion des skandinavischen Elektrosportlers soll im Jahr 2019 kurz nach dem Hybridmodell Polestar 1 beginnen. Wer also bisher vergeblich auf ein rein elektrisches Fahrzeug seiner angestammten Marke gewartet hat, könnte in den kommenden Monaten endlich auf seine Kosten kommen. Auch wir sind gespannt auf die voll alltagstauglichen Modelle und werden das eine oder andere Fahrzeug genau unter die Lupe nehmen.