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Der neue Volkswagen Touareg dürfte vor allem bei jenen Dienstwagen- Besitzern beliebt sein, deren Nachbarn besonders neugierig auf den fahrbaren Untersatz schielen und mitunter neidisch blicken. Denn der Laie muss schon genau hinsehen, um die dritte Generation des Geländegängers zu erkennen. Wer allerdings etwas Sinn für Ästhetik besitzt, identifiziert die junge Kreation aus Niedersachsen sofort. Schließlich besitzt der große Offroader mit dem leicht futuristischen Einschlag sozusagen die Extraportion Eleganz. Er kommt außerdem mit einer Grandezza daher, die sofort jegliche Angst vor den Abmessungen nimmt. Schließlich ist der Allradler kräftig gewachsen – misst jetzt satte fünf Meter in der Länge. Dass der Touareg – wie der Name schon sagt – nun mehr als Tourer auftreten soll, kann man an einigen Punkten ablesen. Verfügte der Vorgänger noch über eine Geländeübersetzung, kommt das neue Modell mit einem konventionellen, permanenten Allradantrieb nebst selbstsperrendem Mitteldiffernzial mit asymetrischer Momentverteilung aus. Hartgesottene Offroad-Kunden greifen ohnehin zu anderen Produkten.

Wer jetzt allerdings vermutet, der Touareg sei langweilig, sollte erst einmal einsteigen. Und das ist so ein bisschen Kulturschock; als fahre man aus der tiefsten Provinz in die City von Tokio: in eine schillernde Welt aus Licht. Hier hatten die Gestalter offenbar freien Lauf beim Spiel mit den LED-Elementen. Die auf Wunsch in stylischem Magenta erstrahlende Ambientebeleuchtung taucht die filigrane Architektur in einen modern-kühlen Schein. Wem es bei diesem Anblick fröstelt, darf gerne einen wärmeren Ton wählen. Ach ja, wählen. Das geht über die Touchscreen-Fläche. Und beim dritten Touareg ist so ziemlich alles Touchscreen, zumindest aber mal Screen. Vom Fahrerplatz bis zur Mittelkonsole ist Bildschirm – von links beginnend erst etwas schmaler als in der Mitte (aber immer noch breit genug) gibt es Platz für Darstellungen aller Art. Schön sind die virtuellen Analogskalen für Drehzahl und Tempo, um einen Hauch klassischen Automobilbau zu erzeugen. Dann wird das Anzeigefeld in Richtung Beifahrer nach unten fülliger ausgebuchtet, um die Straßenkarte oder wahlweise auch andere Dinge wie Bordcomputer-Daten oder Fahrzeugeinstellungen im XXL-Format anzeigen zu können.

Dennoch bleibt der große Niedersachse bei allen Lichtfinessen und Infotainmentrüstzeug ein bodenständiges Fahrzeug mit klarer Struktur und intuitiver Bedienung. Und eines mit Platz in Hülle und Fülle – kein Wunder bei fast drei Metern Radstand. Dass selbst großgewachsene Personen nicht mit Beinen und Kopf anecken, muss kaum ausgeführt werden. Aber der Sitzkomfort darf erwähnt werden – insbesondere, wenn der Interessent die Sessel maximal ausstaffiert. Nicht, dass die Basis-Stühle unbequem oder langstreckenuntauglich wären, aber mit Klimatisierung und Massageprogrammen kommt noch mehr Freude auf bei weiten Reisen. Kostenpunkt: übersichtliche 1.058 Euro netto. Und die geschmeidige Rindshaut fühlt sich nicht nur gut an, sondern passt auch in das noble, übrigens piekfein verarbeitete Interieur. Beim Testwagen wählten die Verantwortlichen edle Klavierlack-Dekors – die allerdings Pflege bedürfen.

Ab hinters Lenkrad. Die Vorfreude ist natürlich groß, da man weiß, welche Maschine unter der Haube steckt. Es ist natürlich der sechszylindrige Diesel- Konzernmotor mit drei Litern Hubraum und richtig Zugvermögen. Zur Zeit ist man auf 286 PS abonniert – ein guter Wert für den 2,1-Tonner. Und die Zahl „600“ sollte man sich merken – exakt so viel Drehmoment in Newtonmetern stemmt der Selbstzünder und verleiht dem Gesamtkonzept damit Souveränität. Auch wenn die Zugkraftspitze erst ab 2.250 Umdrehungen anliegt, sorgt sie in der Praxis doch für Leichtigkeit. Man muss nicht viel Gas geben, um zu spüren, wie kraftvoll sich der Allradler den Fahrwiderständen entgegensetzt, wie leicht er noch im großen Gang Steigungen hinaufgaloppiert. Und wer das Fahrpedal am Bodenblech hält, erlebt den Touareg ordentlich sprinten. Nach 6,1 Sekunden zeigt das Tachonadel gewordene Licht einhundert km/h. Auch die Topspeed ist mit 235 km/h nicht von schlechten Eltern und hat was Sportwagenmäßiges. Wer die aufpreispflichtige Allradlenkung wählt, darf auch Ausflüge in kurvige Gefilde genießen.

Dabei will der Touareg in erster Linie komfortabel und praktisch sein. Um diese Eigenschaft noch zu verstärken, existieren sanft abgestimmte Luftbälge (1.638 Euro netto), auf denen der 4x4 wie auf Samtpfoten durch die Gegend marschiert. Von wegen, es gibt heute keine kommod ausgerichteten Fahrzeuge mehr. In Anbetracht dieser Dämpfungskompetenz können selbst die optional montierten 21-Zöller nicht mehr viel Schindluder treiben mit ihrer ungefederten Masse. Apropos Masse: Dank 3,5 Tonnen Anhängelast bleibt der Touareg ein perfektes Nutztier, und das Kofferraumvolumen beträgt satte 1.800 Liter bei umgeklappter Rückbank. Wobei man immer wieder daran erinnert wird, wie gut es der menschlichen Fracht in diesem Auto geht. So ist der Touareg leise wie eine Luxuslimousine, was nicht zuletzt an der hervorragenden Dämmung liegt. Vom Triebwerk gelangt nur wenig in den Innenraum, und auch die Windgeräusche fallen lediglich moderat aus sogar bei hohen Geschwindigkeiten.

Dass der Hightech-Geländewagen kein Sonderangebot darstellt, überrascht nicht. Mindestens 50.987 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer wandern über die Händlertheke. Mit Bluetooth-Freisprechanlage, LED-Scheinwerfern, Spurhalteassistent, Tempomat sowie Verkehrszeichen-Erkennung rollt der Fünfmeter-Liner nicht eben mager vom Band. Doch die Individualisierungsmöglichkeiten sind endlos – in allen Bereichen kann man den Luxus-Volkswagen weiter aufrüsten. Infotainment- Fans werden auf das netto 1.092 Euro teure Head-up-Display bestehen, während Langstreckenfahrer keinesfalls auf das netto 1.932 Euro teure Assistentenpaket verzichten wollen dürften. Es enthält neben einem aktiven Tempomat erweitere Funktionen im Bereich der autonomen Notbremsung. Interessant auch die neuerdings lieferbaren LED-Matrixscheinwerfer mit volladaptiver Regelung (1.571 Euro netto) sowie die netto 1.529 Euro teure Nachtsichtunterstützung. Laufen – schlecht erkennbare – Menschen und Tiere am nächtlichen Straßenrand herum, wird davon ein Wärmebild erstellt und eingeblendet.